Reiseplanung Februar (Achtung Neujahr!!)

  • Die unter euch, die jetzt wohl in den Reisevorbereitungen stecken um im Februar nach Vietnam zu reisen sollten das Tet Fest (Vietnamesische Neujahr) beachten.

    Nach meinen Informationen ist es im Jahr 2008 am 07.Februar. Sollte dies nicht stimmen dann korrigiert mich bitte.


    In anderen Jahren kam dieses Thema in anderen Foren meist unmittelbar vor dem Tet Fest und es war dann für die Leser zu spät noch etwas zu verschieben.


    Mir ist bewusst dass Vietnamesen meinen Hinweis anders deuten als ich es tue. Sie erleben mit vietnamesischen Freunden und Familie das Fest ja auch ganz anders als es Touristen erleben.

    Letztes oder Vorletztes Jahr kam zum Beispiel folgender Satz eines Vietnamesischen Forum-Users:
    „Hast du überhaupt das Tet fest schon mal in VN erlebt ??
    wenn nicht, dann musst du unbedingt dieses Jahr tun...“


    Aus der Sicht der Vietnamesen gibt es wohl kaum etwas schöneres als Tet zusammen mit der Familie und den Freunden zu feiern. Auch der Tag an dem alle ihre früheren Lehrer besuchen gefällt beispielsweise meiner Frau sehr gut. Auch die Familie meiner Frau ist eine Woche vor dem Tet-Fest fleißig am vorkochen und einlegen da es ja an Tet für fast eine Woche so gut wie keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt. Auch die Restaurants haben dann zu da sie auch Tet feiern. Und dann der leckere Neujahrs(reis)kuchen den meine Familie macht.


    Nun kommen wir aber zu den Touristen die keinen Familienanschluß oder Freunde hier haben. Ist es für die wirklich so toll wie der Forum-User oben andeutet??? Was bedeutet denn für die Touristen das Tet fest?
    -Ausgebuchte Flüge, Busse, Züge.
    -Teuerere Preise für Hotel (unter Umständen).
    -Nur Notbesetzung in Hotels
    -Notbesetzung in Restaurants und bei Touranbietern.
    -Einige Touren fallen in dieser Zeit ganz weg.
    -Geschlossene Märkte, Restaurants und Läden.
    -Kaum Mietmopeds (Brauchen die Besitzer selbst).
    -sehr gefährliche Verhältnisse auf den Straßen. Die Busse fahren ohne Unterbrechung und noch schneller als sonnst um vielleicht noch eine zusätzliche Tour fahren zu können.
    - Auch ich biete in dieser Zeit keine Touren an, da auch wir am Feiern sind.


    Meine Eltern waren Mitte Januar bis Mitte April für 3 Monate zu besuch bei uns. Da haben sie Hautnah alles um das Tetfest bei uns mitbekommen. Ich fragte sie neulich wie es denn mit einem weiteren Besuch im nächsten Jahr aussieht. Ganz spontan bekam ich folgendes zu hören: „Möglich, aber auf keinen Fall dann wenn das Neujahrsfest ist. Diesen Affenzirkus machen wir nicht noch mal mit“. Ich erzählte dies meiner Vietnamesichen Frau und sie meinte: „dieses Jahr war doch ein sehr schönes Neujahrsfest“. Ihr seht damit also das die Meinungen da sehr auseinander gehen können.


    Ich bin mir aber nicht so ganz sicher das man Touristen diesen Termin zum Tetfest unbedingt empfehlen muß. Kann sein das andere anders darüber denken aber was bekommen denn Außenstehende Touristen ohne Familienanschluss schon mit vom Tetfest?

    Aber keine Panik wenn ihr schon gebucht habt. Ihr kommt schon weiter aber eben vielleicht nicht an euerem Wunschtag und auch nicht mit dem gewünschten Verkehrsmittel. Ihr werdet auch nicht verhungern ;) Es ist dann eben nur eine viel kleinere Auswahl an Restaurants vorhanden. Kleider schneidern in Hoi An ist auch möglich aber die wenigen die arbeiten, lassen es sich teuer bezahlen. Tet ist kein Grund um eine bereits gebuchte Reise abzusagen. Man muß eben nur wissen, dass das Reisen schwieriger wird. Also nicht planen, einen Tag vor dem Rückflug nach D erst in Saigon oder Hanoi anzukommen. Dies könnte in die Hosen gehen!

    Viele Grüße aus Hoi An (stark bewölkt, 10.45 Uhr bei 27 Grad)
    Thomas & Kim Yen

    http://www.8ung.at/thomas_vn/

    Ps. Vom 01. bis 15. Februar biete ich keine Touren an. Besucher sind in dieser Zeit lediglich auf einen „Neujahrs-Tee“ und ein Schwätzchen eingeladen ;)

  • Ich stelle euch noch einen Bericht über meine Erlebnisse während Neujahr in einem früheren Jahr hier hinein.

    Der „Ausnahmezustand“ (ausgebuchte Transportmittel) beginnt übrigens schon eine gute Woche vor Tet, eine Woche während Tet und noch eine Woche danach.


    Das Vietnamesisches Neujahr,
    hat bei uns in der Nacht vom 31.01. auf den 01.02 begonnen.

    Tagsüber hatten wir noch die letzten Vorbereitungen wie z.b. Haus putzen und mit Blumen schmücken. Berge von Huhn, Schwein und Fisch kochen und einen Teil in Essig, einen anderen Teil in Fischsoße einlegen. Die letzten Tage wurde schon ständig auf Vorrat gekocht und geputzt.

    In der Nacht des 31.01 waren auf den Straßen in Hoian besonders viele Vietnamesen unterwegs. Man ist einfach nur kreuz und quer durch das Städtchen geschlendert und hat gehofft das man von vielen Freunden in der neuen Kleidung gesehen wird. Um Mitternacht wurde von der Regierung ein schönes und extrem lang andauerndes Feuerwerk gezündet. Für Privatpersonen sei es verboten Feuerwerkskörper zu zünden. Ob dies nur für Hoian zutrifft weiß ich nicht. Meine Frau hat mich schon einige Tage vor dem neuen Jahr darauf hingewiesen auf was es so ankommt. Es ist zum Beispiel sehr wichtig wer im neuen Jahr als erster das Haus betritt. Ist es ein armer oder kranker Mann, so wäre dies ein schlechtes Zeichen für das neue Jahr. Als wir nach Mitternacht zum Haus zurück kamen, ging es darum wer als erster im neuen Jahr das Haus betritt. Wir hatten ein vierjähriges Kind dabei und uns entschlossen dieses Kind als erstes ins Haus zu lassen. Alle Taschen des Kindes wurden nun mit Geld gefüllt. Dies soll Symbolisieren das im neuen Jahr viel Geld in das Haus hinein getragen wird. Ich wurde auch darauf hingewiesen die ersten Tage im neuen Jahr nur zu lächeln und allen „Chuc Mung Nam Moi“ (gutes neues Jahr) zuzurufen. Würde ich in den ersten Tagen verärgert oder Traurig sein, so würde dies das gesamte Jahr andauern.

    1. Neujahrstag: Es wurden sämtliche Geschwister meiner Frau besucht. Bei allen wurde Kekse, Bonbons, getrocknete Melonenkerne und Tee gereicht. Abends fährt man mit den Mopeds die total verstopften Straßen ab und trifft dabei viele Bekannte.

    2. Neujahrstag: Es wurden die Geschwister besucht die man am ersten Tag nicht angetroffen hat. Geschwister machten Gegenbesuche. Mit den Eltern zusammen wurde ein Tempel aufgesucht und betend wurden Räucherstäbchen in die verschiedensten Altare gesteckt. Abends wieder Mopedstau in den Gassen von Hoi An um sehen und gesehen zu werden.

    3. Neujahrstag: Wir waren bei Freunden zum essen eingeladen und haben danach viele Freunde besucht und auch selbst Besuch erhalten. Abends wieder Mopedtour.

    4. Neujahrstag: Wir haben Freunde zum essen eingeladen. Wir bekamen noch weiteren Besuch und haben auch wieder Freunde besucht. Abends wieder Mopedtour.

    5. Neujahrstag: Wie an den anderen Tagen. Ab heute ist Kindergarten und Schule wieder geöffnet.

    Momentan ist der 6 Neujahrstag und ich beobachte das langsam wieder der Normalzustand zurückkehrt. Es haben mittlerweile schon wieder einige Geschäfte geöffnet. Die Märkte sind allerdings immer noch zu. Die letzten 6 Tage wurde nicht mehr gekocht oder eingekauft. Es wurde immer nur aus dem Vorrat der vor dem neuen Jahr angelegt wurde aufgewärmt. Wenn ich sehe was davon noch da ist dann wird es knapp werden wenn das Neujahrsfest tatsächlich 10 Tage gefeiert wird.

    „Neujahrskuchen“
    2 Tage vor Neujahr wurde ein (ich sage mal Neujahrskuchen) gekocht. Klebereis (nep), green peas (dau xanh) und Pfefferkörner wurden auf ein Bananenblatt gegeben und darin eingewickelt. Es mußte so dicht verpackt werden das es über mehrere Stunden im Wasser kochen werden kann, ohne das Wasser hinein kommt. Mein Wecker ging Morgens um 2.00 Uhr in der früh runter. Jetzt wurde ein kräftiges Feuer im Freien gemacht und ein etwa 50 Liter Topf darauf gestellt. Dieser Topf wurde mit frischem Wasser aus dem Fluß halb aufgefüllt. Wasser aus der Haus-Pumpe würde nicht gehen hat mir meine Frau erklärt. Von 2.00 Uhr früh bis 10.00 Uhr Morgens haben die Päckchen dann vor sich hin gekocht. Um 10.00 Uhr wurden sie dann herausgenommen und in kaltem Wasser abgeschreckt. Das Wasser im großen Topf wurde geleert und durch frisches Wasser aus dem Fluß ausgetauscht. Von 10.00 Uhr hat man es dann bis Abends um 19.00 Uhr weiter gekocht. Nach insgesamt 17 Stunden auf einem kräftigen Holzfeuer konnten die „Neujahrskuchen“ dann entnommen werden. Während dieser Zeit mußte man ständig Holz nachlegen und verbrauchte dazu 2 kleinere Bäumchen.

    Geschenke
    Vor dem neuen Jahr haben wir beim Geldwechseln immer darauf geachtet das wir ganz neue 500, 1000 und 2000 Dong Geldscheine bekommen haben. An die jüngeren Geschwister meiner Frau und allen Kindern ihrer Geschwister haben wir Geldgeschenke gegeben. Die neuen Geldscheine wurden dafür in einen speziellen roten Neujahrsumschlag mit Chinesischen Schriftzeichen gesteckt und übergeben. Auch wenn Besuch zu uns kam oder wir jemand besucht haben, mußte man immer einige dieser gefüllten Geldumschläge bei sich haben um den Kindern zu übergeben. Zusätzlich zu Geldgeschenken ist es üblich ein Kleidungsstück oder Schuhe zu schenken.

    Spezielle Geschäftstätigkeit
    Im Nachbarhaus wurde kurzerhand eine Spielhölle eingerichtet. Die letzten 6 Nachmittage gegen 16.00 Uhr bis etwa 22.00 Uhr beobachte ich wie unser Nachbar mit vielen (etwa 15) Kindern aus der Nachbarschaft Black Jack (17 und 4) spielt. Ist für mich ein eigenartiger Anblick. Am Boden auf Schilfmatten im Kreis sitzen etwa 15 Kinder im alter von 8-14 Jahren zusammen mit dem etwa 45 Jährigen Nachbar der ihnen das Geld das sie zum neuen Jahr geschenkt bekommen haben abnimmt.

    Dies waren einige meine Erlebnisse und Eindrücke vom vietnamesischen Neuen Jahr.

    Gruß Thomas und Kim Yen aus Hoian, Vietnam
    http://www.8ung.at/thomas_vn/