Städtereise Manchester

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    • Städtereise Manchester

      Manchester ist für einen Städtetrip ein eher ungewöhnliches Ziel. Die Gegend hat ja den Ruf, ein abgehalftertest Industrie- und Bergbaugebiet zu sein. Man denkt an Fabriksruinen, heruntergekommene Wohnviertel und Arbeitslosigkeit. Aber so wie das Ruhrgebiet hat sich auch der Ballungsraum Manchester regeneriert. Heutzutage zeigt sich die Region in einem spannenden Mix aus Altem und Neuem, man findet kulturelle Highlights und viel Grün, und auch die Bedeutung des Fußballsports erinnert ans Ruhrgebiet.


      1. Tag

      Wir kommen um 11 Uhr vormittags in Manchester an und folgen den Schildern "Metrolink". Wir kaufen um 6.20 £ eine "One Day Family Travelcard". Damit können wir gemeinsam einen ganzen Tag lang das Netz nutzen. Der Metrolink ist eine Straßenbahn, die Fahrt bis zum St. Peter's Square auf der Rückseite des Rathauses dauert ca. eine Dreiviertelstunde. Dort angekommen tun wir es den Einheimischen gleich: Wir setzen uns in die Sonne und essen ein Sandwich. Es ist angenehm warm.





      Danach gehen wir zu unserem Hotel, das nur fünf Minuten entfernt liegt. Das Roomzzz Manchester ist ein Aparthotel. In unserem Apartment finden wir ein (für englische Verhältnisse) großes Doppelbett, eine voll ausgestattete Küchenzeile mit Spülmaschine, eine Ledercouch, einen Schreibtisch mit zwei Stühlen und ein großes, modernes Badezimmer mit zwei Waschbecken und zwei (!) Regenwaldduschen.



      Unser erster Spaziergang führt uns durch Chinatown und zum Piccadilly Gardens, einem Platz, mit dessen Ausgestaltung die Mancunians sehr unzufrieden sind. Es gibt dort u.a. einen Pavillion eines japanischen Architekten, der die uncharmante Bezeichnung "Berlin Wall" erhalten hat. Ich habe ihn nicht fotografiert. Außerdem findet man dort einen großen begehbaren Springbrunnen und ein Denkmal einer sehr fetten Queen Victoria.



      Den zweiten Spaziergang wollen wir entlang des Rochdale Canals unternehmen. Unser Einstiegspunkt dazu ist das Gay Village, ein Vergnügungsviertel mit Bars und Clubs. Von dort folgen wir dem Canal in Richtung Westen. Einen Zwischenstopp legen wir in der Atlas Bar ein, die sich auf Gin spezialisiert hat. Auch dort sitzen wir in der Sonne. Endpunkt der kleinen Wanderung ist Castlefield. Auch rund um das dortige Hafenbecken gibt es Lokale, vor denen viele Mancunians die Sonne genießen. Mit der Straßenbahn fahren wir retour in die Stadt und beschließen den Abend im Hard Rock Café.









      2019/08 Ulm - 2019/12 Nürnberg - 2020/02 Isaan/Angkor/Bangkok
      reiseweg.at - flickr.com/photos/nodurians/sets/

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    • 2. Tag

      Da wir eine schöne Gartenanlage besichtigen wollen, machen wir heute einen Ausflug. Wir fahren nach Tatton Park, einem Herrenhaus mit großer Park- und Gartenanlage, das zwischen Manchester und Chester liegt. Dazu gehen wir vom Hotel etwa 10 Minuten zum Bahnhof Piccadilly und nehmen den Zug in Richtung Chester. Anfangs sind wir fast alleine im Zug, bei jeder Station steigen jedoch gut gekleidete Menschen ein. Damen mit Hut, Herren im Anzug. In Chester findet ein berühmtes Pferderennen statt. Nach etwa 40 Minuten durch eine schöne, ländliche Gegend verlassen wir in Knutsford den Zug. Ein Taxi bringt uns nach Tatton Park.

      Das Herrenhaus lassen wir unbesucht, im wunderschönen, vielfältigen Garten verbringen wir aber gut drei Stunden. Derzeitiges Highlight sind die Rhododendren. Die früheren Sorten befinden sich in voller Blüte. Aber auch der Japanische Garten, das Heckenlabyrinth, der Wintergarten u.v.m. sind prächtig.








      Zurück in Manchester besuchen wir die Arts Gallery. Neben alten niederländischen und englischen Meistern gibt es dort derzeit ein besonderes Gustostückchen, nämlich eine fotografische Sonderausstellung mit dem vielversprechenden Titel "Strange and Familiar: Britain as Revealed by International Photographers". Es geht also darum, wie Fotografen aus aller Welt (u.a. Bruce Gilden, Bruce Davidson, Evelyn Hofer und Henri Cartier Bresson) die Briten sahen und fotografierten. Und wer sollte so eine Ausstellung kuratieren, wenn nicht Martin Parr (der übrigens in den 1970ern in Manchester Fotografie studierte)

      Manchester Art Gallery mit Ausstellungsplakat:



      Bruce Gilden (brachial und geschmacklos wie man ihn kennt)
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    • 3. Tag

      Heute regnet es und das macht gar nichts. Denn wir haben einige Museen und Indoor-Aktivitäten geplant. Wir beginnen mit einem herzhaften Frühstück in Brown's Brasserie and Bar. In den Räumlichkeiten befand sich früher mal eine Bank. Stuck, Marmor und Holzvertäfelungen sind geblieben. In der Mitte befindet sich eine lange Bar. In Manchester gibt es viele Lokalitäten dieser Art, selbst Restaurantketten wie Slug & Lettuce oder Pizza Express findet man in solch edlem Ambiente.



      Danach besuchen wir die John Ryland's Library, eine Universitätssbibliothek, die in viktorianischer Gotik erbaut ist. Das Gebäude erinnert stark an eine Kirche. Die Sammlung auch. Sie umfasst unter anderem das früheste Fragment des Johannes-Evangeliums und eine originale Gutenberg-Bibel, die jedoch nicht ausgestellt ist.

      Der Lesesaal der Bibliothek und eine Statue von John Ryland


      Weiter geht es zum People's History Museum, das der Geschichte der Arbeiterbewegung gewidmet ist. Die Industrielle Revolution und ihre Folgen, Marxismus, die Entstehung der Gewerkschaften, Frauenrechte, u.v.m. Ein Themenkomplex, der zu Manchester als Wirtschaftsstandort natürlich sehr gut passt. Das gilt auch für das Museum of Science and Industry, wo man u.a. eine komplett funktionsfähige Fabrik zur Baumwollverarbeitung besichtigen oder einer Vorführung von Dampfmaschinen beiwohnen kann. Auch den Flugsimulator besteigen wir, wo ich zu Carinas "großer Freude" einen Looping und mehrere Schrauben fliege. :P

      Enthusiastische Erklärung der Dampfmaschinen


      Trotzdem stellt sich ein kleiner Zwischendurchhunger ein und weil mittlerweile wieder die Sonne scheint, gehen wir vom Museum die paar Schritte zum Castlefield Streetfood Festival. Bei Craftbeer, Pulled Pork und Livemusik kommen wir wieder zu Kräften und fahren zur Harbour City an den Salford Quays. Die dortige Outlet-Mall schließt jedoch schon um 17 Uhr und sonst gibt's nicht viel zu sehen. Die Gegend wurde in den letzten Jahren komplett neu bebaut, u.a. befindet sich dort die MediaCityUK mit BBC und ITV. Am Abend fahren wir dann noch mit dem Bus zur Curry Mile, einer Ansammlung von indischen, pakistanischen, türkischen, persischen, ... Lokalen, die bis frühmorgens geöffnet haben. Wir essen afghanisch.





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    • 4. Tag

      Unseren letzten vollen Tag beginnen wir mit einer Stadiontour in Old Trafford. Das Stadion befindet sich westlich des Zentrums. Wir nehmen die Straßenbahn und fahren bis Trafford Bar. Von dort ist es ein ca. 15-minütiger Spaziergang durch eine Gegend, in der Autobahnschleifen und ein Gewerbepark die bestimmenden Highlights sind. Das Museum ist sehr interessant, also zumindest für Fußballfans. Man sieht nicht nur die beeindruckende Trophäensammlung und wird an legendäre Momente erinnert (ich sag nur Ole Gunnar Solskjær's spätes Tor gegen die Bayern im Champions League Finale) sondern kann u.a. verfolgen, wie sich die Ausrüstung über die Jahrzehnte verändert hat. Auch weniger schönen Momenten, wie dem tragischen Absturz der "Busby Babes" 1958 über München wird Tribut gezollt.






      Danach fahren wir in die Innenstadt zurück, wo wir im Grand Pacific für den Afternoon Tea reserviert haben. Das Grand Pacific ist auch eines dieser tollen Lokale. Es war früher einmal ein Herrenclub. Jetzt inszeniert man sich im Stil eines kolonialen Clubs. Man könnte sich auch im Raffles in Singapur wähnen.

      Das ist der Tray mit den herzhaften Köstlichkeiten, danach kam noch einer mit Süßem:




      Danach flanieren wir noch ein wenig durch das Northern Quarter, wo sich die Kreativszene angesiedelt hat:






      Abends teilen wir uns dann nur noch eine Portion Fish & Chips, mehr geht nicht rein. Afternoon Tea macht eben satt.

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    • 5. Tag

      Wir genießen ein letztes Mal das tolle Wetter und spazieren durch die Innenstadt. Dann beginnt es zu regnen und wir weichen in die Arndale Shopping Mall aus. Auf dem Rückweg zum Hotel erwerben wir in einem katalonischen Feinkostladen eine Flasche "Manchester Raspberry Gin". Es hätte auch eine schöne Auswahl an spanischen Gins gegeben. Die Spanier sind ja extrem verrückt nach Gin. Aber es sollte ein lokales Produkt sein, und da zu dem Laden eine gut sortierte Bar gehört, weiß ich, dass das ein sehr wohlschmeckendes Reisesouvenir ist.

      Um 13 Uhr setzen wir uns dann in den Bus, der direkt am Hotel abfährt. In einer Stunde Fahrzeit bringt er uns zum Flughafen.

      Manchester Arndale




      Eine Einkaufsgallerie in der Innenstadt




      Fazit: Manchester ist absolut eine Reise wert. Die Einwohner sind freundlich, die Stadt ist vielfältig, kontrastreich und leicht zu bereisen. Außerdem ist Manchester um einiges preiswerter als London. Wir haben so manches, was wir uns vorgenommen haben, nicht geschafft. Zum Beispiel gibt es noch zwei sehenswerte Büchereien, das Museum of Manchester und die Möglichkeit, mit einem Boot von Manchester nach Liverpool zu fahren.

      Alles, was ich hier beschrieben habe, mit Ausnahme von Tatton Park, Curry Mile und Old Trafford, liegt im Stadtzentrum und war von unserem Hotel in maximal 15 Minuten Gehzeit erreichbar. Die Straßenbahn bringt einen überall zuverlässig und äußerst preiswert hin.

      Mehr Fotos findet ihr wie immer auf flickr: flickr.com/photos/nodurians/albums/72157680521654454
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    • Sehr interessant und aufschußreich!
      Ich find's gut, wenn auch mal Plätze vorgestellt werden, die nicht so im typischen Reisefokus stehen.
      Die Street-Art Bilder mag ich besonders gerne. Das Bild mit dem Kind und der Kalashnikov erinnert mich sehr an Bansky.
      Konntest Du in Erfahrung bringen, ob er sich dort auch verewigt hat?
    • Also direkt auf meine "must-see"-Liste würde ich Manchester jetzt erstmal nicht setzen - aber es ist zumindest interessant. Und Städtereisen etwas abseits der großen Bestseller sind ja doch langsam ein Thema.

      Danke für Deine Eindrücke,
      LG
      Gusti

      redfloyd............................................. Gusti

      Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
      Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.
    • So hätte ich mir Manchester nicht vorgestellt. Bei Manchester dachte ich an alles Grau, Schmutz, hohe Schornsteine und pöbelnde Fußballfans.
      Aber wie ich auf deinen Bildern sah, lag ich da daneben.
      Es ist gut, ab und zu über seinen Tellerrand hinaus zu blicken.
      Danke für Deinen kurzweiligen Bericht und und die klasse Bilder.

      :thumbup:
    • Annette wrote:

      Das Foto mit der "Riesenfrau"
      ... ist dabei nur ein Handyfoto. In Shoppingmalls laufe ich ja nicht mit gezücktem Fotoapparat rum. Gerade in GB mögen das die Securities nicht so gerne.

      @oristano: Von Glascow hab ich auch immer nur schlechtes gehört. Vielleicht ein Grund, dort hin zu fahren! :thumbsup: Ich glaube, eine der nächsten Städtetouren könnte uns nach Liverpool führen. Dort hat sich auch einiges getan und auch im Umland von Liverpool gibt es einiges zu sehen.
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    • Vielleicht kann man auch gleich die betroffenen Wortmeldungen aus einem der vergangenen Anschläge (Paris?) reinkopieren. Ist eh immer das selbe. Je suis Manchester.

      Ich wohne in einer Hauptstadt eines EU-Landes. Das hat für mich den Vorteil, dass mein Risiko sich durch's Reisen nicht erhöht.
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