Namaste aus Chennai, Südindien by horas

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    • Wir haben den Empfang gestern Abend auch gut überstanden. Es ist mir sogar gelungen, in meinem super Anzug wieder fleckenlos ins Hotel zurück zu kommen, obwohl das Abendessen wieder mal auf Bananenblättern serviert mit der rechten Hand eingenommen werden musste.

      Aber gekonnt ist halt gekonnt.





      Für den modebewussten Leser: mein Anzug ist ungefähr so wie der, den der 6. oder 8. Mann von links trägt (ich habe leider kein Selfie gemacht).
      Viele Grüße
      horas
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      Der heutige Tag ist Wahltag in Tamil Nadu; fast alle Geschäfte waren und sind noch geschlossen; so nutzten wir die freie Zeit, indisch Essen zu gehen (es ist wirklich jedes Mal ein herausragendes Erlebnis), ...



      am Strand entlang und durch die (Alt-)Stadt zu fahren, ...



      in einem alten Club aus dem 19ten Jahrhundert einen Milchtee zu schlürfen, an dessen Geschmack man sich zuerst gewöhnen muss und mit Indern zu plauschen.



      Es ist für mich ein Eintauchen in das nicht-touristische Indien, was auch seinen Charm hat und was mich besonders reizt.

      Die Menschen hier leben nicht vom Tourismus, das merkt man an ihrem Verhalten uns gegenüber. Unser Freund SK klärt uns auf: Gute Arbeiter kommen hier fast alle aus dem Nordosten Indiens. Man kann sie an den mehr asiatischen Gesichtszügen erkennen. Die Tamilen frönen zu sehr dem Alkohol und sind Müßiggänger. Tatsächlich haben wir die vergangenen Abende Schnapsausgabe bzw. Schnapsverkauf an kleinen Geschäften beobachten können. Männer stehen Schlange und reichen ihre Gefäße und Plastikflaschen zum Auffüllen. Ich kenne das aus Guinea, wo in den nichtislamisierten Gegenden am frühen Nachmittag keiner mehr nüchtern ist. Es scheint hier ähnlich zu sein.

      Morgen wollen wir einen Ausflug nach Mamallapuram machen, nach der Besichtigung einer Fabrik :thumbsup:
      Viele Grüße
      horas
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      Irene wrote:

      meinlebeninindiendotblog.wordp…2019/04/18/indien-waehlt/

      Ja, Alkohol ist bei vielen Männern ein Problem, aber so krass, wie du es beschreibst, ist es bei weitem nicht. Auf dem Bau und in der Gastronomie hat es tatsächlich viele aus dem Nordosten. Dort ist die Armut extremer, es gibt kaum Jobs und die Arbeitskräfte sind billig.
      Dann bin ich etwas erleichtert und dir dankbar, dass du das relativiert hast! Die Analyse stammt natürlich nicht von mir (ich bin zum 1. Mal in Indien), sondern von einem Tamilen-Unternehmer, der mir von seinen Erfahrungen erzählt hat.

      Ich habe kurz in deinem Indien-Blog gestöbert. Ich finde das Klasse, wie du alles zu Papier bringst und mit wunderschönen Fotos verdeutlichst.

      A propos Menstruationsproblematik zum Leidwesen der Frauen in Indien habe ich kürzlich den Film "Pad man" gesehen. Den fand ich äußerst beeindruckend. Hast du ihn auch gesehen und was hälst du davon?
      LG
      horas
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      Gestriges Mittagessen: unglaublich gute tradtionelle Veggikost aus Südindien:



      Gestern Nachmittag waren wir im Arul Migu KARPAGAMBAL KAPALEESWARAR Tempel. Es war wirklich der richtige Zeitpunkt und der richtige Ort, (Kar)Freitag, zwischen 17 und 18 Uhr, Sonnenuntergang, angenehme Temperatur, eine nur langsam weiterkriechende Menschenschlange von mehreren 100m Länge, die zum heiligen Ort gelangen wollte, einen Ort, den wir Andersgläubige von Innen nicht betreten dürfen. Aber das Event war schon beeindruckend.













      Und der Abend wurde mit einem kulinarischen "special" abgeschlossen (ich habe gesündigt):

      leckeres spicy Hirn (hat mich an meine Kindheit erinnert, wo meine Mutter Hirn mit Ei und Zwiebeln oft auftischte), Tofugericht aus dem Norden, Shrimps aus dem Süden, Fischfinger, verschiedene Soßen und Brot-Omlette-Varianten. Dazu gab es gezapftes Bier und indischen würzigen Whisky (eher ein Brandy) aber perfekt zum Essen.



      das Essen war leider schneller weg, als ich fotografieren konnte.

      bis später
      horas
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      Hirn kenne ich auch noch aus Kindheitstagen, hier in Niedersachsen ist/war die Brägenwurst (Brägen oder Bregen = Hirn) sehr beliebt und es hat lange gedauert, ehe ich wusste, woraus die Wurst besteht. Heute darf Hirn allerdings nicht mehr verarbeitet werden.

      Du hattes in Deinem Eingangspost geschrieben, dass die Veggie-Variante beim Essen (FLUG) nicht mehr vorrätig war. Warum hast Du nicht reserviert? Das kostet nichts und so ist (wem auch immer) das Essen sicher.

      Es freut mich aber sehr, dass Dir das Essen (auch das vegetarische) gut schmeckt. :)

      Viele Grüße
      Petra
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      Mikado wrote:

      ...Du hattes in Deinem Eingangspost geschrieben, dass die Veggie-Variante beim Essen (FLUG) nicht mehr vorrätig war. Warum hast Du nicht reserviert? Das kostet nichts und so ist (wem auch immer) das Essen sicher.

      Es freut mich aber sehr, dass Dir das Essen (auch das vegetarische) gut schmeckt. :)
      Ich dachte nicht, dass die Auswahl an Gerichten so beschrenkt ist und dass es 2 Mal auf dem Flug Hähnchen mit Reis gibt. Das war eine neue Erfahrung.

      Das Veggie-Essen wie auch das Nicht-Veggie-Essen sind einfach großartig. Ich freue mich morgens schon auf das Frühstück. Auch im sog. Früchte-Kompot wird das eingelegte Obst noch verfeinert: Im Ananaskompot findet man geröstet Kaffeebohnen, im Pfirsischkompot gibt es kleine Nelken, der Guavenkompot ist mit Kardamonkernen parfümiert. Es gibt so viele aromatische Überraschungen bei allem was aufgetischt wird. Ich mag das total.

      Meine Frau hingegen kann die Aromen nicht mehr ertragen. Sie freut sich schon auf die Maggi geschwängerten Schweinebauchgriller in Begleitung eines banalen Kopfsalats mit Essig, Salz, Zwiebeln und Öl in Deutschland.
      VG
      horas
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      Gestern haben wir uns zunächst eine Chemiefabrik zwischen Chennai und Mamallapuram angeschaut. Als Europäer glaubt man ein Fusion von traditionellem und modernem Indien in einem nur halb erschlossenem Areal in der trostlos wirkenden Pampa westlich der Küste vorzufinden.



      Nach dem Mittagessen (Fischcurry und gegrillten Fisch mit Beilagen) und 3 großen Kingsfisher Bieren, die wir im schönen Radisson Blu Resort Temple Bay von Mamallapuram zu uns genommen haben, ...



      und bei schönstem Sonnenschein und heißen Außentemperaturen begeben wir uns in die 800 Jahre alten in kompakten rosa Granit gemeißelten Tempelanlagen. Der Alkoholo in unseren Adern ist schnell verpufft, das kräftige Essen verleiht uns Energie, die Sonne zu ertragen und das Weltkulturerbe zu erwandern.





      Die verschiedenen Tempelanlagen sind sehenswert, aber auch sehr touristisch. Für Ausländer kostet ein Eintrittsticket knapp 10$. In den Anlagen gibt es leider keine Erläuterungen zu den Bauwerken, denn diese muß man sich entweder in Form eines Führers oder als Broschüre kaufen. Nun bin ich in der hinduistisch-buddhistischen Vergangenheit Indiens nicht wirklich bewandert, habe auch gar keine Zeit mich da einzulesen und beschränke mich auf das Fotografieren der "5 Rathas" (eine von mehreren Anlagen). Ihr wisst ja, wo man im Internet weitergehende Infos zu den behauenen Steinen bekommt!

      16 Uhr, ist ja nicht der richtige Zeitpunkt zum Gießen, aber was solls


      und diesen Kerl kennt ihr auch: Hanoman, der Affenkönig und Führer der Affenarmee


      Viele Grüße
      horas
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      Habe noch eine Frage zu der Hochzeit.
      Kannten oder sahen sich Braut und Brätigam schon vor der Hochzeit, oder sahen sie sich da das erste mal?

      PS: Und heute um 01:50 Uhr geht es nach FRA?
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      Erhard wrote:

      Habe noch eine Frage zu der Hochzeit.
      Kannten oder sahen sich Braut und Brätigam schon vor der Hochzeit, oder sahen sie sich da das erste mal?

      PS: Und heute um 01:50 Uhr geht es nach FRA?
      Ja, sie kannten sich, haben sich aber erst nach dem Auswahlverfahren der Braut durch die Eltern des Bräutigams kennengelernt. Ein spannendes Thema. Dazu werde ich später noch was schreiben. Irene kennt die Brautauswahlprozedur wahrscheinlich auch und noch besser als ich. Ich kenne das Verfahren auch aus Indonesien, wo ich bei den Batak in Sumatra Ende der 70ern das alles vertraulich, fast hautnah erfahren habe.
      Es beginnt meistens traurig und endet meist glücklich.

      Danke für den reminder, um 1:50 ist Abflug.
      Frohe Ostern aus Chennai und Gottlob nicht aus Colombo :/
      horas
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      Eine angenehme Rückreise und mit Sri Lanka ist ja schrecklich. Manchmal hat man Glück und ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort, andere nicht.

      Ja, schreib mal wir das jetzt abläuft, ich kenne das Verfahren ja nur von vor 25 Jahren und das hat mich damals ganz schön staunen lassen und ich konnte es nicht begreifen, wie unser so westlich angehauchter indischer Freund auf diese Methode zurückgegriffen hat.

      VIele Grüße
      Petra
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      Auch heutzutage werden die meisten Ehen in Indien arrangiert. D.h. jedoch nicht, dass das zukünftige Paar sich vor der Hochzeit nicht kennenlernt. Wenn beide Parteien sich einig und beide Heiratswilligen mit der Hochzeit einverstanden sind, dann dürfen sie sich natürlich sehen und treffen. Das Ganze braucht auch Zeit. Da wird zuerst die Verlobung und dann die Hochzeit geplant. Genügend Zeit, dass sich die beiden Familien und das Paar sich kennenlernen können. Eine Garantie zu einer glücklichen Ehe gibt es auch hier nicht. Im Normalfall sind Eltern und nahen Verwandten bemüht eine möglichst gute Wahl zu treffen.

      Bei Interesse könnt ihr gerne hier reinlesen:
      meinlebeninindiendotblog.wordp…20/arrangiert-in-die-ehe/
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      Danke irene, für deine beiden interessanten Berichte in deinem Blog.
      Man kann nur hoffen, dass sich der Männerüberschuss in eine andere Richtung bewegt.
      Aber das geht sicher nicht von heute auf morgen.

      :thumbup:
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      Unser Freund SK hat mir zu dem Heiratsprozess noch folgendes erklärt:

      die jungen Leute haben noch keine ausreichende Lebenserfahrung. Der bedeutende Schritt in die Heirat und Gründung einer Familie muss somit von den erfahrenen Eltern vorbereitet werden. Die Planung einer Hochzeit wird in einem speziellen, dafür vorgesehenen Haus ausgeschrieben bzw. kundgetan. Auf der Ausschreibung erscheint das Profil der Familie des jungen Manns und das gewünschte Profil der zukünftigen Frau und deren Familie.

      Die Angebote (ist vielleicht etwas krass gesagt), bzw. die Antworten werden von der ausschreibenden Familie analysiert, die Familie, die das beste Angebot eingereicht hat wird kontaktiert und getroffen. In unserem Fall hat der Junge dann auch die Gelegenheit bekommen, seine Zukünftige und ihre Familie kennenzulernen und der Heirat mit ihr zuzustimmen.

      Soweit hat alles geklappt; ich glaube, die beiden passen zusammen. Was ist nicht wirklich nachvollziehen kann ist die Tatsache, dass die junge Frau, die eine Karriere bei einer Bank angefangen hat, ab der Heirat ihr Karriere beenden muss (Bedingung ihres Schwiegervaters) und sie diese Bedingung akzeptiert hat. Was für eine Verschwendung von Kapazitäten, wenn diese Bedingung allgemein üblich ist (Irene, was sagst du dazu?).

      Das Paar wird uns demnächst auf ihrer Hochzeitsreise im himmlischen Saarland besuchen, und ich werde indisch kochen oder etwas ähnliches, habe mir dafür 2 Kochbücher in Chennai gekauft.
      Jetzt steigen wir gleich in den Flieger nach FRA ein. Für ein paar Euro gab es ein Upgrading in die Businessklasse :thumbsup: . Mal schauen, was da auf den Tisch kommt: <X oder =) .
      Viele Grüße
      horas
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      Das ist in der städtischen Mittel- und Oberschicht eher selten und wird von den meisten Frauen nicht akzeptiert. Viele Frauen sind in Indien berufstätig und oft schauen die Schwiegereltern zu den Kindern. Auch werden die Kleinen schon sehr früh (ab 2,3 Jahren)in Play- und Preschools geschickt. Heutzutage stellen oft die jungen Frauen Bedingungen. Mitgift wird eigentlich immer bezahlt. Das geht bis zu mehreren Jahresgehältern. Die Brautseite richtet die ganze Hochzeit aus. Dazu kommt dann Goldschmuck, oft auch eine Immobilie oder ein Auto. Bei der Geburt eines Mädchens beginnt das Sparen und man plant jährlich etwas Goldschmuck zu kaufen. Meine Nichte hat sich im College in einen jungen Mann verliebt und wollte eigentlich diesen heiraten. Das Problem war, dass er Moslem war.Der Widerstand der gesamten Familie war immens und mein Schwager hat sogar mit Selbstmord gedroht. Schließlich hat sie dann in eine arrangierte Ehe mit einem Mann aus der gleichen Kaste eingewilligt. Viele Familien stellen sich gegen Liebesheirat und oft müssen die Paare mit ihren Familien brechen. Doch ohne Rückhalt der Familie ist es in Indien sehr schwer. Die Frauen haben zwar Mitspracherecht und können Kandidaten auch abweisen, aber je mehr Zeit vergeht, desto höher wird der Druck.