Marokko ist eine Reise wert - ein Bericht unserer Rundreise

  • Für längere Zeit habe ich das Forum nur als Leserin genutzt, obwohl wir diverse Reisen unternommen haben.
    Aktuell sind wir in Marokko unterwegs, hierüber ist wenig Information im Forum zu finden, mit meinen Eindrücken will ich das aktualisieren.
    Nachdem ich seit über einem Jahr im Vorruhestand bin, haben wir unbegrenzt Zeit zum Reisen, und seitdem stehen auch Ziele auf dem Plan , die bei 6 Wochen Urlaub ehrlicherweise im Jahr nicht in Frage gekommen wären, so wie jetzt Marokko. Befürchtungen und Vorurteile gab es natürlich auch, doch die Vorfreude auf ein neues Reiseland hat überwogen.
    Es sollte eine individuelle Rundreise durch mehrere Städte sein, den Flug haben wir als Gabelflug bis Fes, zurück ab Agadir gebucht, die Übernachtungen bei Booking.com, eine bei AIRBNB. Bei den Unterkünften haben wir Wert auf landestypische kleine Hotels (Bezeichnung Dar oder Riad) gelegt mit wenigen Zimmern.
    Aktuell sind wir in nach Fes und Chefchaouen in Rabat, das Resumé ist bis jetzt komplett positiv.
    In Fes haben wir im Dar Dalila übernachtet, der französische Besitzer sprach perfekt deutsch. (Ansonsten kommt man mit englisch gut durch, wenngleich französische Sprachkenntnisse hilfreich wären).Die Unterkunft ist liebevoll und detailreich orientalisch eingerichtet, ein Traum. In der Altstadt war man nach kurzem Fußweg, da die Gassen und Gässchen so schmal sind, ist der Bereich komplett autofrei. Alles wird zu Fuß transportiert, einige schwere Lasten mit Esel. Verirren gehört dazu, mit Maps.me haben wir immer wieder zurückgefunden. Die Menschen sind sehr freundlich, klar, die Händler sind geschäftstüchtig aber nicht so aufdringlich wie erwartet bzw. befürchtet. Schlepper gibt es zwar und „freundliche Guides“, aber die haben wir ignoriert. Natürlich haben wir die Gerbereien besichtigt, hier wird ein Trinkgeld erwartet, doch ohne Führung hätten wir den Weg durch die Treppen zu den Aussichtsterrassen nicht gefunden.
    Von Fes aus ging es per Bus in die „blaue Stadt“ Chefchaouen, vieles erinnert hier an die Häuser von Santorin. Nach 2 Nächten weiter per Bus nach Rabat, hier sind wir im Moment.
    Die Stadt Rabat ist sehr angenehm, die Taxifahrer schalten unaufgefordert den meter an, die Händler in den Souks sprechen einen nicht mal an. Soviel zu meinen Vorurteilen...
    Morgen geht es mit dem Zug weiter nach Marrakesch, ich hoffe, die positiven Eindrücke halten an.
    Bilder will ich versuchen in den nächsten Tagen einzustellen.

  • Sehr schön!
    Tatsächlich mal ein - zumindest in diesem Forum - etwas exotisches Ziel.
    Die Bilder sind reizvoll und machen neugierig auf das Land, von dem Ihr ja bislang so positive Eindrücke schildert.
    Schön zu erfahren, dass eine individuelle Reise nach Marokko weder ein NoGo noch voller aufdringlicher Händler ist, was man ja (zugegebenermaßen ich auch) so als Vorurteil pflegt.


    Meine bisher einzige Erfahrung diesbezüglich in der Touristenhochburg Agadir war leider so, auch auf einem Ausflug nach Marrakesch gab es durchaus mal "böse Blicke". Doch trotzdem blieb diese Stadt mit ihrem archaischen Flair mir immer in wunderbarer Erinnerung (ist nun auch schon 16 Jahre her, seither wird sich manches verändert haben).


    Freu mich auf mehr :thumbup:


    LG
    Gusti

    redfloyd.........................................................................................Gusti
    redfloyd.gifGusti.gif


    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
    Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.

  • Rabat
    Von Chefchaouen aus ging es per Bus nach Rabat. Dort haben wir im Riad Meftaha übernachtet, wieder ein Haus in traditioneller Bauweise, die Zimmer haben kein Tageslicht sondern öffnen sich zum Innenhof. Das Zimmer war teilweise gekachelt, die moderne Dusche der Hit, Massagedüsen von allen Seiten. Obwohl das Riad nur wenige Zimmer (6 Zimmer?) hat, wurde das Frühstück im Innenhof als Büfett aufgebaut, am Abreisetag für uns sogar 30 Minuten früher. Kaffe, frischer Orangensaft, Kuchen, Fladenbrot, Obst, Datteln und andere getrocknete Früchte, frische Pfannkuchen, diverse Marmeladen und Honig. Die Lage war ideal, zu Fuß machten wir uns kurz nach Ankunft auf zur Kasbah des Oudayas, eine imposante Festunganlage mit gutem Ausblick über das Meer. Danach durch die Souks zum Hasan Turm, beide Sehenswürdigkeiten kosteten keinen Eintritt. Von da aus per Taxi zu einem vorher ausgesuchten Restaurant in der Nähe unseres Riads, doch der Fahrer kurvte immer wieder die gleichen Straßen ab, und fand das Lokal nicht. Schließlich stiegen wir, als maps.me mir zeigte, das wir in der Nähe sein müßten aus, und stellten fest, das es mitten in den engen Gassen der Souks war, nur zu Fuß zu erreichen.
    Am nächsten Tag hatten wir ein lässiges Programm „alte Steine und Störche“, die Nekropole von Chellah. Ein imposantes Tor, römische Ausgrabungen, ein schöner Garten und auf den Türmen riesige Storchennester. Eine sehr schöne und ruhige Atmosphäre. Am späten Nachmittag eine Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn, es gibt zwei Linien, die Fahrt kostet 60 Cent, danach bummeln durch die geschäftigen Souks, man bleibt jedoch total unbehelligt.
    Am darauffolgenden Abreisetag die erste Aufregung für unsere „Reisegruppe“. Per Zug soll Tür es nach Marrakesch gehen, die Tickets haben wir ein paar Tage zuvor gekauft. Am Bahnhof bekamen wir die Auskunft, daß der Zug nicht fährt. Warum ? Keine Aussage, aus dem Internet haben wir später erfahren, daß auf der Strecke ein Zug entgleist ist. „No Problem“ meinte die junge Dame am Schalter, was ich natürlich nicht so empfand. Sie zahlte uns das Geld aus, war ansonsten wenig hilfreich. Zum Glück konnte ich freies wlan bekommen und fand heraus, daß ein CTM Bus 90 Minuten später nach Marrakesch fährt. Zwar braucht der länger für die Strecke, doch das war die beste Möglichkeit, also raus aus dem Bahnhof und ein Taxi zum Busbahnhof. Zum Glück hab’s noch freie Plätze.

    Die Nekropole von Chellah
    Bild links oben: die höchsten Palmen sind immer die Funktürme :)



    Ich bin mir nicht sicher, ob ich das mit den Fotos einfügen richtig hinbekomme....


  • Marrakesch
    Abends sind wir in Marrakesch angekommen, haben uns Glück auf den Weg durch die Souks in Richtung des Platzes Djemaa el-Fna gemacht.
    Der Weg dorthin und der Platz: eine orientalische Reizüberflutung !
    Im Gegensatz zu den zuvor besuchten Souks in Fes und Rabat rasen hier Mopeds durch die schmalen Gassen, Fahrräder, Eselskarren, tun tuk mit Lasten auf dem Anhänger, irre. Manchmal kann man sich nur retten, indem man zur Seite hüpft und an die Hauswand drückt. Wenn ich die Souks hier vergleichen will, dann ist es ein Gemisch aus Istanbul, Indien und dazu die Mopeds von Vietnam. Oder zusammengefasst: Marrakesch
    Dabei ist das Angebot gemischt, die unvermeidlichen Souvenirs, kleine Tante Emma Läden, die von unten bis oben vollgestopft sind, Frisöre, Schneider, Bäcker, Obstverkäufer, kleine Restaurants und leider viele Bettler.
    Der Platz Djemaa el-Fna ebenfalls der Waaaahnsinn, habe ich mir nicht so riesig vorgestellt. Ich war zu überfordert, um Fotos zu machen (bei Personen geht das sowieso zumeist nur gegen Bezahlung oder heimlich, beides mag ich nicht besonders)
    Essensstände, Stände mit Obst die frische Säfte auspressen, Musikgruppen, Trommler, Gaukler, Schlangenbeschwörer, Horden von verhüllten Frauen die Henna Tatoos machen wollen, Souvenirhändler. Musik überall.
    Wir waren erschlagen. Auf dem Rückweg haben wir uns ein ruhiges Restaurant ausgesucht.
    Für 4 Nächte sind wir hier, übernachten wieder in einem Riad. Eine schmale Sackgasse, am Ende eine unscheinbare Tür ohne Schild, nach dem Eintritt waren wir glücklich. Das Zimmer ist komfortabel, zum Teil mit Antiquitäten ausgestattet, wie das ganze Riad. Diesmal gibt es sogar einen kleinen Pool im Innenhof, gebadet habe ich nicht, nur die Füße eingetaucht. Und wieder eine wunderbare Dachterrasse, mit Korbmöbel zum liegen und sitzen, angeordnet rund um das Lichtdach für den Innenhof. Da kann man gut einen Nachmittag verbummeln


  • Um dem Trubel von Marrakesch zu entfliehen, stand ein Ausflug in den von André Heller gestalteten Garten Anima auf dem Programm, ein „magisches Gartenerlebnis“, es gibt einen kostenlosen Shuttle Bus dorthin, immerhin 40 Minuten Fahrt.
    Ein wunderschöner Garten, wirklich ein Erlebnis, mit Kakteen, tropischen Pflanzen, duftenden Gewürzpflanzen, vielen witzigen Details, hinter jeder Ecke ein Kunstwerk und immer Bänke zum verweilen. Es waren auch nur wenige Besucher dort, der Besuch hat sich gelohnt. Angeblich soll es der schönste Garten der Welt sein (zumindest wird das im Prospekt so geschrieben)





  • Vielen Dank, es freut mich, das mein Bericht gelesen wird.
    So geht es mir auch oft, ich lese etwas und denke „das hatte ich bisher noch gar nicht in Erwägung gezogen“, und das ist dann oftmals der erste Schritt in eine neue Reiseplanung.


    Bahia Palast in Marrakesch
    Gleich nach dem Frühstück sind wir zum Bahia Palast aufgebrochen. Es waren noch nicht viele Besucher und vor allem kaum Gruppen unterwegs, während wir uns beim hinausgehen den Weg erkämpfen mussten. Da sieht man mal wieder, was eine Stunde früher ausmacht.
    Das Foto ist im gleichen Innenhof aufgenommen worden, kurz nach Einlass und eine Stunde später.

    Der Bahia ist ein riesige Palast mit Mosaiken, Innenhöfe mit Springbrunnen und unzähligen Räumen. Die Räume sind alle ohne Einrichtung, in ein paar Räumen sind Bilder ausgestellt. In Berichten habe ich gelesen, es sei nur sinnvoll, den Palast mit einem Guide zu besuchen, der Erklärungen zur Architektur und der Geschichte des Palastes gibt. Aber, ich gebe es zu, da sind wir Kunstbanausen, lieber schlendern wir alleine durch und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Führungen langweiligen mich schnell und geschichtliche Details kann ich nachlesen, wenn es mich interessiert.
    Besonders gut gefallen haben uns die Lichtreflektionen von den bunten Fenster auf den
    Mosaiksteinen.

  • Oversouked
    In Myanmar waren wir nach 4 Tagen von den Tempeln in Bagan overtempled, mochten zuletzt keinen Tempel mehr ansehen.
    Nach 4 Städten in Marokko sind wir jetzt oversouked und haben genug von dem geschäftigen Treiben in der Medina.


    Ride to Agadir


    Bei bestimmten Worten hat man sofort eine Assoziation, bei Agadir ist diese bei mir „ride to Agadir“ ein Lied von Mike Batt, kennt Ihr das ?
    Wollte eigentlich einen link mit dem Lied hier einfügen, weiß aber nicht, ob das zulässig ist und es funktioniert (ich habe ja schon mit den Fotos so meine Problemchen)
    Vielleicht ist deshalb Agadir zwangsläufig ein Ort unserer Reise ?
    Die Busfahrt von Marrakesch nach Agadir dauerte 3 Stunden und war bisher die landschaftlich schönste Fahrt.

    Die letzten 4 Tage unserer Reise verbringen wir in einem kleinen Apartment etwas außerhalb in Strandnähe, und nachdem uns die marokkanische Küche nicht begeistert, machen wir Selbstversorger.

  • Vielen Dank fürs Mitnehmen!
    Wir waren vor 2 Wochen auch für 1,5 Wochen in Marokko. Allerdings die erste Woche zum Wandern im Hohen Atlas und die letzten 4 Tage in Marrakesch.
    Wir waren vorher, zugegebenermaßen, recht skeptisch. Unterm Strich war es eine tolle Reise und Marrakesch nur halb so schlimm (im Sinne von aufdringlichen Leuten), wie vorher von allen behauptet wurde. Uns hat es gut gefallen, zumal es dort viele tolle Cafes und Restaurants gibt. Man merkt, dass Marrakesch gerade hip ist.


    Von daher freute es mich, auch andere Städte in Marokko zu sehen. Ein Land, das sicher noch einen weiteren Besuch wert ist.

  • Die Busfahrt von Marrakesch nach Agadir dauerte nur 3 Stunden und war bisher die landschaftlich schönste Fahrt.
    Da wir hier Selbstversorger sind, sind wir gleich nach Ankunft mit dem Bus nach Agadir zurück gefahren, um bei Carrefour einzukaufen, da gibt es alles, Lebensmittel und Wein.Der Strand ist in der Nähe, für Surfer ist er mit den hohen Wellen ideal, uns hat einmal mit den Füßen ins kalte Wasser gereicht. Wir verbringen die Zeit lieber auf der Terrasse mit Blick aufs Meer, können dort auch den Sonnenuntergang genießen.


  • Fazit
    In den 2 Wochen Marokko konnten wir alles gemütlich ansehen, was uns interessierte. Die Wüste haben wir ausgelassen, zum einen haben wir letztes Jahr 2 Nächte in Jordanien im Zelt in der Wüste verbracht (manche schöne Erlebnisse sollte man nicht wiederholen) zum anderen war es uns zu abgelegen, da wir ohne Mietauto unterwegs waren.
    Bei der Planung der Reise habe ich darauf geachtet, daß die Wege von Ort zu Ort kurz und per öffentliche Verkehrsmittel gut machbar sind, hierbei war mir die App „Rome2Rio“ eine Hilfe.


    Übernachtungen habe ich langfristig ausgewählt und gebucht dabei auf kleine, landestypische Riads geachtet. Die Riads waren immer sehr komfortabel, beinahe luxuriös ausgestattet (bis auf die in Chefchaouen, da war das Zimmer sehr klein und auch einfach) eine Übernachtung kostete im Durchschnitt 50 Euro, für 2 Personen, inklusive immer sehr gutem Frühstück.


    Bustickets kosteten ca. 10 - 15 Euro, wir sind mit CTM Bussen gefahren, Abfahrt/Ankunft von einem speziellen Busbahnhof. Das Gepäck gibt man gegen Quittung auf, bis zur Abfahrt wartet man in einer Halle mit Sitzplätzen Der Fahrplan wurde pünktlich eingehalten.
    Taxi war günstig und oft per Taxameter, bis auf Marrakesch, da waren die Transfers überteuert.


    Essen: na ja, deswegen würde ich jetzt nicht nach Marokko gehen, aber wir sind halt der asiatischen, speziell der thailändischen Küche verfallen. Zudem sind wir etwas „gschleckig“, mögen keine Innereien, kein Hammel oder Taube, Rindfleisch ist oft zäh, also kommt beim Fleisch nur Hähnchen in Frage. Auf der Speisekarte gibt es wenig Abwechslung, meist Tajine (marokkanischer Römertopf) in allen Variationen. Wir empfanden es als eintönig. Ein Essen in einem einfachen Restaurant gab es ab 3 Euro, marokkanischen Salat als Beilage(kleingeschnittene Tomaten, Zwiebel, Gurken, Petersilie) 0,50 - 1 Euro. Wein (sehr guter marokkanischer Wein) oder Bier gibt es nur in teuren französischen Restaurants (waren wir nicht) oder in Supermärkten außerhalb der Altstadt, z.B. bei Carrefour zu kaufen.
    Mir ist das Essen und trinken immer gut bekommen, meinem Mann ist es mehrer Tage nicht so gut gegangen. Das lag vermutlich an einem Fruchtsaft. Während wir sonst immer zusehen konnten, wie Orangen und Granatäpfel frisch ausgepresst wurden, war ein Saft mal verdächtig schnell fertig = vorbereitet oder gar gestreckt. Kann passieren...


    Wir sind gut mit englisch durchgekommen , französische Sprachkenntnisse sind sicher hilfreich. Manchmal wird unerwartet sogar deutsch gesprochen.


    Die Menschen waren allesamt freundlich „wellcome in Maroc“ ein oft gehörter Gruß. Sicher sind die Händler in den Souks geschäftstüchtig und auch mancher Taxifahrer hatte Dollarzeichen in den Augen.
    Doch der wahre Orient ist zurückhaltend und freundlich.


    Für uns gilt: nach der Reise ist vor der Reise, in 3 Wochen geht der Flug nach Tokio .


    Viele liebe Grüße an alle, die meinen Bericht mitgelesen haben.