Kabinendruck / Atemprobleme

  • Beim Flug von Istanbul nach Bangkok konnte ich keine Minute schlafen, da ich, sobald ich es versuchte, sofort mit Kurzatmigkeit wieder wach war. Auch Carina hatte damit Probleme. Ich geh mal davon aus, dass das am Kabinendruck lag, der ja im Flieger nicht mit dem Druck im Flachland vergleichbar ist, sondern mit einer Seehöhe von 1.800 bis 2.500 Metern. Am Rückflug konnten sowohl Carina als auch ich bestens schlafen. In beiden Fällen war der Flieger ein Airbus A330.


    Die Fragen:


    Hat von euch auch jemand diese Probleme?
    Tut ihr was dagegen?
    Wie kann der Kabinendruck bei zwei Flügen mit der selben Flugzeugtype so unterschiedlich sein?
    Wer legt den Kabinendruck fest und aufgrund welcher Kriterien?

  • Moin!


    Der Kabinendruck wird automatisch in Abhängigkeit von der Flughöhe geregelt. Die Piloten können zwar im Prinzip eingreifen, tun es aber meines Wissens praktisch nie, und wenn dann auch nur um einige wenige hPa. Der Luftdruck dürfte bei beiden Flügen ziemlich gleich gewesen sein.


    Eine andere Sache ist der Sauerstoffgehalt bzw. die Zufuhr an Frischluft. Auch die wird automatisch geregelt, in Abhängigkeit von der Passagierzahl. Die A330 hat da aber noch eine sehr rudimentäre Steuerung, nur "MIN", "MAX" und "AUTO" oder so. A380 und A350 machen das stufenlos. Schließlich spielen dann auch noch Kabinentemperatur (die wird von der Kabinencrew eingestellt) und Luftfeuchtigkeit eine Rolle, die kann aber nicht kontrolliert werden und ist sowieso absurd gering, 10% rH ist schon fast das Maximum im Reiseflug.



    Gruß, Matthias

  • Vielleicht ist es auch der Sauerstoffgehalt, der mir recht oft auf Flügen Probleme macht. Ich bin weder Physiker noch Pulmologe. Lungenvolumen und -funktion sowie Sauerstoffsättigung sind bei mir übrigens ok.


    Dasselbe Phänomen hatte ich auch bei einem Aufenthalt im Norden Yunnans auf ca. 3.500 Metern Seehöhe. Tagsüber hatte ich kein Problem, nachts schreckte ich jedoch immer aus dem Halbschlaf auf mit extremer Kurzatmigkeit. Die ersten Atemzüge waren dann ungefähr so, als hätte ich versucht, möglichst lange die Luft anzuhalten. Ich hab mich dann im Hotelzimmer auf einen Sessel gesetzt und auf Schlaf verzichtet.

  • Hallo ND,
    ich habe diese Probleme nicht, wenn ich fliege. Ab und zu mal mit den Ohren, wenn wir zu schnell steigen oder absinken.


    In der Regel ist der Sauerstoffgehalt im Flugzeug immer gleichbleibend, also wie auch am Boden, aber durch den veränderten Kabinendruck nimmt man nicht mehr so viel Sauerstoff auf, was die meisten Passagiere so wegstecken, manche aber nicht. Es können auch noch andere Faktoren hinzukommen wie Stress, Flugangst, zu viel Alkohol, viel zu wenig Flüssigkeit, zu wenig Bewegung -> alles jetzt allgemein nicht auf euch bezogen.;-)


    Auf einem meiner Flüge ist vor unserer Reihe ein noch junger Mann einfach umgekippt und in Ohnmacht gefallen wie sich später herausstellte aus ähnlichen Gründen.


    Hast Du das man ärztlich abklären lassen, denn Du hattest ja auch in China die Probleme? Vielleicht war es aber auch, dass der Druck in der Kabine auf dem Hinflug so war, dass Du das nicht gut vertragen hast, aber der Druck insgesamt noch im Bereich lag, der zu verantworten war.


    Es gibt auch immer wieder Fälle in der Luftfahrt, wo es aus technischen Gründen zu einem Abfall des Luftdruckes kommt.


    Viele Grüße
    Petra

  • Das was dich auf 3500m gequält hat, nennt man Schlafapnoe und ist bei Höhenkrankheit oft eine Nebenwirkung.
    Das ist einfach nur dem geringeren Luftdruck geschuldet und normalisiert sich nach spätestens 3 Tagen Aufenthalt in der Höhe.


    Ob man das so einfach auf das Flugzeug übertragen kann, bezweifle ich allerdings.
    Da muß es eine andere Ursache geben.

  • Interessant ist ja, dass Carina dieselbe Wahrnehmung hatte. Und am Rückflug war auf der ersten Strecke (BKK - IST im A330) alles gut, auf der zweiten Strecke hatten wir beide wieder dieses Gefühl, zu wenig Sauerstoff abzukriegen.



    Hast Du das man ärztlich abklären lassen, denn Du hattest ja auch in China die Probleme?

    Ich war nach dem Erlebnis in Yunnan beim Lungenfacharzt. Lungenfunktion und Sauerstoffaufnahme ist bei mir sehr gut. In einem Schlaflabor war ich auch schon mal. Ich hab - zumindest im Flachland - keine Schlafapnoe.


    Wenn ich in Yunnan Schlafapnoe hatte, dann als einziges Symptom einer Höhenkrankheit. Ich hatte keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit und normalen Puls.



    Ob man das so einfach auf das Flugzeug übertragen kann, bezweifle ich allerdings.

    Zumindest ist der Luftdruck im Flieger mit dem in einer gewissen Höhenlage - meist um die 2.500 Meter - vergleichbar. Und in einem Dreamliner, wo der Kabinendruck einer Seehöhe von 1.800 Metern entspricht, hatte ich das Problem noch nie.

  • In der Regel ist der Sauerstoffgehalt im Flugzeug immer gleichbleibend, also wie auch am Boden....

    Nee, da muss ich mal widersprechen. In allen heutigen Flugzeugen (das letzte, wo es zumindest bei Airbus anders war, war die ursprüngliche A300B1/B2/B4, aber schon nicht mehr A300-600 und A310) wird etwa die Hälfte der Kabinenluft "rezirkuliert", also aus der Kabine angesaugt, gefiltert und wieder eingeblasen. Die enthält ein bisschen weniger O2, denn die Passagiere haben schon von ihr geatmet. Nur die andere Hälfte ist Frischluft ("bleed air", hinter dem Kompressor aus dem Triebwerk entnommen). Und das Mischungsverhältnis aus Frisch- und Recirc-Luft kann auch noch eingestellt werden. In der A330 ist das, wie gesagt, ziemlich rudimentär. Die Klimapacks (die die Frischluft aufbereiten) können auf "HI", "LO" und "Norm" gestellt werden und man kann sie sogar ausstellen. Manchmal wird tatsächlich eins abgeschaltet oder fällt im Flug aus. Dadurch ändert sich tatsächlich der O2-Gehalt, bleibt aber im gesundheitsunschädlichen Bereich. Ebenso kann einer der zwei Recirc-Fans ("Rezirkulationsgebläse") ausgeschaltet werden oder ausfallen. All das wäre "am Boden" (im Sinne von Flugzeug voller Passagiere, Türen zu, Recirc-Fans an, Packs an, aus Triebwerk oder APU versorgt) im Prinzip auch so, aber es ist eben nicht so wie "draußen an der frischen Luft".


    Es gibt übrigens seit Jahren Untersuchungen, warum Menschen auf Flügen ohnmächtig werden. Geklärt ist das bis heute nicht, aber es gibt eigentümliche Ergebnisse: In einem neuen Flugzeugtyp passiert das bei einer Fluggesellschaft etwas häufiger, bei allen anderen mit dem exakt selben Flugzeugtyp aber absolut nie. Ich werde aber nicht mehr Einzelheiten verraten.



    Gruß, Matthias

  • Ja, das stimmt, das habe ich übersehen, denn prinzipiell verändert sich der Sauerstoffgehalt draußen von rund 21% ja nicht bis zu einer gewissen Höhe, die so bei 15 km liegt.


    Allerdings in Innenräumen schon, das kennt man ja von Großraumbüros. Wenn dann noch schlechte Filter hinzukommen oder diese nicht oft genug ausgetauscht werden, dann ist das schon eine große Belastung.


    ist es nicht auch so, dass Viren nicht rausgefiltert werden können, weil sie zu klein sind?


    Viele Grüße
    Petra

  • Es scheinen ja einige recht empfindlich auf den geringeren Luftdruck im Flugzeug zu reagieren.
    Ich kenne das zum Glück nicht.
    Wenn man der Sache nun unbedingt auf den Grund gehen möchte, kann man ja beim nächsten Flug einen Pulsoxymeter mitnehmen. Dann sollte sich das eigentlich klären.

  • Na, das scheint ja schon etwas älter zu sein, so wie er sich dem Rauchen im Flugzeug widmet. Ein paar Sachen hat er auch nicht ganz verstanden (rezirkulierte Luft wird z.B. nicht in die Packs zurückgeführt, sondern in die Mischkammer). Und richtig süß ist seine Erklärung des Zusammenhangs zwischen Luftgeschwindigkeit in der Kabine und Akustik. Aber das führt zu weit. Immerhin klärt er aber die Frage der Übertragung von Krankheitserregern durch die Klimaanlage.



    Gruß, Matthias

  • Das weiß ich nicht, aber ich glaube es sind einfach nur Staubfilter. Sind denn aber Viren in der Luft ganz allein unterwegs? Oder hängen die in/an Flüssigkeitströpfchen?


    Gruß, Matthias

    Sie hängen sich z. B. in der Luft an Aerosolen wie auch Pollen,Bakterien etc. Feuchtigkeit dockt bei hoher Luiftfeuchtigkeit dann auch an diese Teilchen an und es werden Tröpfchen gebildet, die sind dann sicher aber größer.


    Es gibt ja je nach Typ verschiedene Möglichkeiten der Infektion. Wie weit man mit der Erkundung des Corona-Virus gekommen ist, das weiß ich nicht. Ich glaube, man erzählt auch nicht alles.


    Viele Grüße
    Petra

  • Im Flieger ist die Luft ja eher sehr trocken, trotz aller Ausdünstungen der Mitreisenden. Also eher keine Tröpcheninfektion über die Luftzirkulation.
    Erster Risikopunkt sind natürlich die unmittelbaren Sitznachbarn. Alles wo viel begrabbelt wird ebenfalls. Sei es die Getränke-und Snackbar wo man sich selbst bedienen darf und natürlich die sanitären Anlagen.
    Man sollte sich darüber aber nicht allzusehr den Kopf zerbrechen. Dann dürfte man hierzulande auch nicht in die Öffis steigen, Kneipen, Supermärkte.... alles tabu! ;)


    Aber hier geht es ja eigentlich um Atemnot bei geringerem Luftdruck. Da kann auch etwas Medizin helfen, wenn es einen zu sehr quält. Das Zeug ist eigentlich eher für seine Nebenwirkung bekannt, kann aber durch Weitstellung der Lungengefäße und dadurch bessere Sauerstoffaufnahme bei Atemnot auch Abhilfe schaffen. Bei Bergsteigern ist es ebenfalls beliebt.

  • Nun gut, Aerosole sind mehr als nur Tröpfchen, aber so hatte ich das auch gemeint. Die Viren fliegen nicht allein durch die Luft, deshalb ist es dann auch gar nicht so entscheidend, dass die Filter so etwas kleines wie ein Virus ohne "Anhängsel" nicht ausfiltern können. Aber für die akute Atemnot, die wohl einige im Flugzeug überfällt, sind sie sowieso nicht verantwortlich.



    Gruß, Matthias