Zwangsrückführung per Flugzeug und andere Unannehmlichkeiten

  • In Anlehnung an den Blog „Rückerstattung Flugpreis im Zusammenhang mit Corona-Virus“ fiel mir meine Erfahrung mit einer Zwangsrückführung per Flugzeug und den möglichen Kosten und Unannehmlichkeiten, die einen erwarten, ein.


    Und zwar hatte ich in 2000 auf Bitte meiner Frau einen jungen Afrikaner aus einer wohlbetuchten Familie zu einem Besuch in Deutschland eingeladen und entsprechende Verpflichtungserklärung unterschrieben und der deutschen Vertretung in Guinea übergeben.


    Der Mann bekam ein Touristenvisum und reiste, so glaubte meine Frau, mit reichlich Bargeld nach Deutschland, um gebrauchte Autos zu kaufen.
    Ein paar Wochen nach seiner Abreise rief mich die Konsulin aus der dt. Botschaft an und bat mich dringend vorbeizukommen. Es gäbe ein Problem mit einer Person, die ich eingeladen hatte.


    So war dem auch. Der Kerl, den ich eingeladen hatte, wollte bei seiner Ankunft in Frankfurt politisches Asyl beantragen, was allerdings direkt abgelehnt wurde, da er ein Touristenvisum im Pass hatte. Die Polizei beförderte ihn somit wieder in die Maschine der Air Afrique (die es heute nicht mehr gibt), die von Frankfurt aus nach London weiter flog. In London versuchte er nochmals vergeblich das gleiche Spiel. Er wurde diesmal nach Frankfurt zurückgeschickt. Ich weiß allerdings nicht mehr, ob es mit der Air Afrique oder einer anderen Airline war. So kam er in Frankfurt zum 2. Mal an. Diesmal versuchte der Mann beim Verlassen des Flugzeugs einen Herzinfarkt vorzutäuschen und ließ sich die Treppe runterfallen. Er hatte ein paar äußerlich Verletzungen und kam zunächst in die Notversorgung und dann in die Aufnahmestelle für Flüchtling im Flughafen.


    Und dort war er noch, als ich bei Frau Konsulin in der deutschen Botschaft eintraf. Diese rekapitulierte den bisherigen Reiseverlauf des Asyl stellenden Afrikaners und, was in der Kostenaufstellung auch eine nicht unbedeutende Rolle spielte, die persönlichen Leistungen, die der junge Mann in Frankfurt bisher erhalten hatte: medizinische Versorgung und Betreuung, rechtlichen Beistand bei seinem Asylantrag, Verpflegung, Taschengeld, Telefonkosten. Alle Flüge, die der Halunke ab Frankfurt getätigt hatte, werden als one-way-Flüge in der Businessklasse in Rechnung gestellt. Was zu dem damaligen Zeitpunkt noch ausstand, war die abschließende Gerichtsverhandlung, bei der über den Antrag entschieden werden würde und die Kosten dieser Verhandlung, die ich übernehmen müsste, wenn ein ablehnendes Urteil gefällt wird.


    Die Kostenschätzung der Konsulin belief sich auf 40 bis 60 Tausend DM. „Wenn dem Antrag nicht stattgegeben wird, müssen Sie, lieber horas, die Kosten übernehmen“, meinte Frau Konsul.


    Glaubt es oder nicht, der Richter gab dem Asylgesuch statt, worüber ich ein paar Wochen später telefonisch durch die Botschaft informiert wurde. Schwein gehabt.
    Viele Grüße
    horas

  • @horas, ich denke, Du gehörst ganz sicher nicht zu denen, die derzeit vor Langeweile vergehen - aber Du solltest tatsächlich darüber nachdenken, mal ein Buch über Euren "Clan" und all die Kuriositäten ringsum zu schreiben :thumbsup:


    LG
    Gusti

    redfloyd.........................................................................................Gusti
    redfloyd.gifGusti.gif


    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
    Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.

  • Und wie viele Einladungen hast du seither ausgesprochen an Unbekannte?

    Viele Einladungen habe ich übernommen. Aber wer ist wirklich ein Unbekannter, oder wie gut muss man jemanden kennen, bis du wirklich weißt, was in seinem Kopf vorgeht?
    Meine Frau war wirklich überzeugt, dass der Junge nur geschäftsmäßig nach Deutschland fliegt, wie viele andere auch. So viel Geld, wie dessen Familie mit mehreren Geschäften auf Madina, einem der größten Märkte in Westafrika, verdient, kann er nie als ungelernter Flüchtling in Deutschland machen, meinte sie. Scheinbar gibt es aber andere Gründe, seine Heimat und Familie zu verlassen und sich auf ein ungewisses Abenteuer einzulassen.


    Eine eine Delegation der Familie kam übrigens zu uns nach Hause und überbrachte 7 Hühner, für die Unannehmlichkeiten, die ihr Sohn mir verursacht hatte.


    Viele Grüße
    horas

  • @horas, ich denke, Du gehörst ganz sicher nicht zu denen, die derzeit vor Langeweile vergehen - aber Du solltest tatsächlich darüber nachdenken, mal ein Buch über Euren "Clan" und all die Kuriositäten ringsum zu schreiben :thumbsup:


    LG
    Gusti

    Ja, in der Tat, ich denke manchmal darüber nach. Aber dann sage ich mir, warte mal, bis die Kinder mit der Schule fertig sind, dann hast du mehr Zeit und Ruhe. Auf der anderen Seite weiß ich, dass ich früh sterben werde. So steht es in meinen Händen geschrieben, hat mir 1979 eine chinesische Wahrsagerin in Singapur erzählt.
    Ich müsste eigentlich schon letztes Jahr gestorben sein, aber vielleicht hat der chinesische Übersetzer einen kleinen Interpretationsfehler begangen und ich habe noch eine Galgenfrist von 1, 2 Jahren ...
    LG
    horas

  • Wie gut, dass es noch solche Interpretationsfehler (o.ä.) gibt. Zumindest hast Du Galgenhumor ;-)


    7 Hühner ist schon ein besonderes Geschenk, ich brachte es nur auf ein Huhn als Dankesgabe, das dann vor meinen Augen geschlachtet wurde, habe aber auch nicht solche Umstände gehabt.


    Finde ich gut, dass Du das machst! Und manchmal geht es eben daneben, aber dann doch meist gut aus.


    Viele Grüße
    Petra

  • Eine eine Delegation der Familie kam übrigens zu uns nach Hause und überbrachte 7 Hühner, für die Unannehmlichkeiten, die ihr Sohn mir verursacht hatte.

    :D


    Konntet ihr die Hühner einer Verwendung zuführen.


    Ich kann mich noch gut an die alljährliche Kleintierausstellung im Dorf erinnern. Mit Tombola und Losen. Die Züchter stellten ihre Tauben, Kaninchen und Hühner aus und verkauften auch. Damals als meine beiden Jungs noch klein waren, kam man ja an so einer Kiste mit den Losen nicht ungeschoren vorbei.


    Es passierte etwas völlig Ungewohntes. Der Ältere (der Kleine war für Lose noch zu jung) gewann einen Preis. Eine Taube. Lebend, im Karton. Was macht man mit einer einzelnen Taube? Wir haben sie dann zurückgegeben.


    Im nächsten Jahr wieder Kleintierausstellung mit Tombola. Mama, Papa, Lose. Und was passierte? Ein Los war ein Gewinn. Ein Huhn. Lebend, im Karton. Das nahmen wir dieses Mal mit nach Hause. Der Karton wurde im Keller geparkt und oben beratschlagt, was nun mit dem Huhn passieren sollte. Unsere Jungs wollten natürlich, dass dem Huhn nichts passiert. Die Frau wollte es nicht schlachten. Also den Akt als solchen selbst tun.


    Das Huhn am nächsten Tag wieder zurückgeben? Nööö, diesmal nicht. So ging es abends, die Kinder schon im Bett, mit Karton und Beil vors Haus. Zwei Stunden später war der Hühnertopf fertig. Die Kinder wollten ihn nicht kosten.

  • Hühner werden immer nur lebend gekauft, aus gutem Grund.

    Jetzt bin ich aber echt neugierig! Warte gespannt auf die Fortsetzung ... :)

    Sonnige Grüße von der Insel


    We travel not to escape life, but for life not to escape us.


    Besucht meinen Blog Dokbua travels ... oder schaut bei Instagram vorbei


    Travel safely! Aber im Moment: Bleibt zu Hause und bleibt gesund!

  • Jetzt bin ich aber echt neugierig! Warte gespannt auf die Fortsetzung ... :)

    Na gut, dann erzähle ich es noch (vielleicht könnte die Geschichte auch in den Blog über die "Corona-freie Zone, Geschichten zum Entspannen" geschoben werden):


    Also ich war damals noch ein „greenhorn“, nicht nur was die Qualität von Nahrungsmittel, Essgewohnheiten bzw. Esskultur, Kochen betraf. Es war 1986, ich wohnte in Paoua, Zentralafrikanische Republik und hatte einen alten weißhaarigen Koch, Paul hieß er. Eines Morgens kam eine Bororo-Frau (Nomadenstamm aus der Sahelzone) vorbei. In der Hand hatte sie ein Huhn, auf dem Kopf eine Kalebasse mit Buttermilch.

    Das war sie, die Fulbe-Frau, die mir das tote Huhn verkauft hatte.


    Ich kaufte sowohl das Huhn, als auch etwas Buttermilch, legte beides in die Küche und freute mich schon auf das Abendessen, der mein guter Paul mir sicherlich vorbereiten würde.
    Als ich von der Arbeit zurück kam, gab es leider nur ein vegetarisches Gericht mit einer Flasche Gala-Bier aus dem Tschad. Ich war sehr enttäuscht, da ich mich auf ein schön gegrilltes Hühnchen gefreut hatte.


    Paul rechtfertigte die Menüänderung mit der schlechten Qualität des Huhns. „Du darfst nie ein totes Huhn kaufen“ sagte er mir. Ich wollte natürlich wissen, was an dem Huhn schlecht war. Paul ging kurz raus und kam mit dem gerupften Huhn zurück. Es hatte tatsächlich einen leichten Grünschimmer und roch seltsam. Zudem zeigte er mir kleine Fadenwürmer, die aus der Haut krochen. Ich war dann doch froh, dass er mir das Huhn nicht serviert hatte.
    Nachdem er die Küche sauber gemacht hatte, verabschiedete er sich.


    Ich sah ihn dann mit einer gefüllten Plastiktüte wegschlurfen. Ich hatte einen Verdacht und rief ihn zurück. Was er in der Tasche habe, wollte ich wissen. Er zeigte mir das tote Huhn. Ich fragte ihn, warum er es nicht verbrannt oder vergraben habe. Er antwortete mir etwas verlegen, dass er es gerne mit nach Hause nehmen wollte. Wieso denn das, das Tier ist doch verdorben, erwiderte ich. Er meinte, es sei noch gut genug für seine 6 Kinder. Er würde es in viel Öl goldgelb braten, und dann könnten es seine Kinder essen, ein Festmahl für die Kleinen.


    So hatte ich wieder etwas gelernt und euch gebe ich jetzt den Rat: kauft nie ein totes Huhn in Afrika, wenn ihr es selbst essen wollt!


    Viele Grüße
    horas