Sind Reisen in Coronazeiten moralisch vertretbar?

  • Sorry, ich kann mir das jetzt nicht mehr verkneifen und man kann mich auch gerne aus dem Forum löschen. Ja, es ist ein Reise Forum und ja ich bin und ich würde auch sehr gerne reisen. Aber unter diesen Umständen mit aller Gewalt? Ich habe 4 Enkelkinder die nicht zur Schule können, die Eltern sehen sich grossen Belastungen ausgeliefert mit Beruf und Unterricht zu Hause. Alles steht doch derzeit Kopf. Aber einige sehen nur ihren eigenen Vorteil und reisen in der Welt umher. Was für eine Moral? Wer sagt denn, dass so ein Test vor der Reise ausreichend ist? Heute getestet kann morgen schon Schnee von gestern sein. Ich denke solange einige weiter machen was sie möchten muss der Rest sich wegsperren. Das macht mich traurig und wütend.

    Ich entschuldige mich dennoch für die ehrlichen Worte!!!!

    LG Olive

  • Danke Olive,

    es passt schon, was du schreibst.

    Wenn das deine Meinung ist, dann ist das in Ordnung.

    Blos weil jemand das anders sieht, wird er hier nicht gelöscht!


    :thumbup:

  • Claudi , als ich das geschrieben hatte, waren mir die neuesten Regelungen bezüglich Reisen noch nicht bekannt, daher die Frage :-)


    Ja, Olive27 , die Frage haben wir uns auch ständig vor der Abreise gestellt, sollen wir reisen oder nicht.


    Viele Grüße
    Petra

  • Auch wenn die Meinungen dieser Reise sehr geteilt sind, ich bin nun mal hier auf Madeira und schreibe weiter,


    Ich gehe auch nicht mit der Meinung konform, dass alle Reisenden eine Gefahr für andere sind. Es gibt genügend Möglichkeiten, sich so zu verhalten, dass man a) keine anderen ansteckt und b) Kontakte so gut wie es geht vermeidet, um nicht selber angesteckt zu werden. Hier wird Maske getragen, das ist eine Selbstverständlichkeit. Sobald wir aus dem Auto aussteigen, ziehen wir die Maske an. Nur auf den Wanderungen machen wir das nicht. Gestern haben wir genau 2 Wanderer in der Ferne gesehen, mehr nicht.

  • Ich gehe auch nicht mit der Meinung konform, dass alle Reisenden eine Gefahr für andere sind. Es gibt genügend Möglichkeiten, sich so zu verhalten, dass man a) keine anderen ansteckt und b) Kontakte so gut wie es geht vermeidet, um nicht selber angesteckt zu werden.

    Auch das ist wieder der falsche Denkansatz: Es geht nicht um die Infektionsgefahr, die von individuellen Reisenden auf andere individuelle Reisende ausgeht, egal wie regelkonform die sich benehmen. Es geht um die Statistik großer Zahlen! Je mehr Leute umherreisen, desto höher ist die Gefahr, dass darunter Leute sind, die eben nicht die Regeln einhalten und/oder trotzdem Infektionen von A nach B tragen, und das kann die Nachverfolgung unnötig kompliziert machen. Vielleicht ist das kein großer Infektionsweg, aber es ist immerhin einer, der vermeidbar und nicht "systemrelevant" ist.



    Gruß, Matthias

  • Olive, natürlich kannst du deine Meinung sagen.

    Mach doch einfach einen eigenen Thread auf: Sind Reisen in Coronazeiten moralisch vertretbar?

    Da kannst du dann sehr gerne als "Moralapostel" zu einer Diskussion anregen.
    Hier ist das Ganze etwas off-topic.


    Margarete, habt ihr schon was von TUI gehört?

  • Claudi, ich wusste, warum ich bisher nicht Deinen Reisebericht angesehen habe - wunderschöne Bilder und man bekommt echt Sehnsucht.

    Und trotzdem teile ich die Meinung von Olive - ich finde es auch nicht richtig jetzt zu reisen, auch wenn es mir wahnsinnig schwer fällt. Und ich finde es nicht gut, ihren Kommentar hier so niederzumachen.


    Unabhängig davon sind es sehr schöne Bilder von Euch. Und Ihr habt ja auch wirklich ein tolles Wetter gehabt. Bei uns, trotz März, war es ja sehr unterschiedlich und vielleicht müssen wir die Reise auch noch einmal wiederholen, wenn der ganze Coronamist vorbei ist.

  • Ich finde jetzt nicht, dass Claudi Olive "niedergemacht" hat. :-)


    Allerdings leben wir in einem Land, wo eben jeder seine Meinung frei sagen kann.


    Zu diesem Thema, Matthias hat ja auch etwas bei mir reingeschrieben, ich werde es auch hierherschieben.

    Ich sehe es anders, solange wie die U-Bahnen voll sind, ebenso die S-Bahnen, Schüler dicht an dicht in der Schule sind, Firmen Arbeitnehmer in Großraumbüros ohne Maske arbeiten lassen, Demos ohne Konzepte stattfinden, Großfamilien feiern und die Polizei machtlos zusieht (ist bei uns passiert und die Corona-Zahlen gingen in die Höhe), Krankenhauspersonal auch bei Infektion weiterarbeiten muss, ebenso die Situation in den Heimen,


    Reisen ist nicht verboten.


    Klar gibt es verschiedene Meinungen, das ist auch gut so.


    Es ist aber immer ärgerlich, wenn man einen Reisebericht schreibt und dann wird das Thema auf einmal ein ganz anderes. Um nichts anderes ging es da sicher auch Claudi. Man übernimmt nicht ein Thema.


    Ich fühle mich jetzt nicht angegriffen, wenn andere meinen, sie verstehen nicht, dass man reist. Jeder soll bei sich hinterfragen, inwieweit man sich mit verschiedenen Menschen trifft, hier und da auch im Geheimen auf kleine Tricks zurückgreift, um die Vorgaben der Kontaktanzahl zu hintergehen. Da könnte man auch jede Menge aufzählen.


    Und ja, man bekommt schon ein schlechtes Gewissen, wenn man ewig daran erinnert wird, ich sage aber jetzt auch nicht, was mich bei den anderen stört, von denen ich auch weiß, dass sie sich nicht an alles halten, noch nicht einmal an das, was zur Zeit nicht erlaubt ist.


    Tja, da hat man wirklich keine Lust mehr, was zu schreiben:!:


    Viele Grüße
    Petra

  • Matthias hat ja auch etwas bei mir reingeschrieben, ich werde es auch hierherschieben.

    Ja, hat er. Aber die Frage ist nicht, ob man Dinge tut, die gerade nicht opportun, aber nicht verboten sind. Oder ob man die dahinter stehenden Regeln in Frage stellt. Und darum ging es mir.


    Ich kann aktuell nicht in meine Lieblingsrestaurants und -kneipen gehen, obwohl ich mich sehr zurückhalten würde und die Restaurants sowieso keinen engen Kontakt mit anderen Gästen "provozieren" (oder wie soll ich das sagen?). Für mich ist das lästig und ärgerlich. Aber ist deshalb die Regel falsch, dass Kneipen/Bars/Restaurants geschlossen sind? Nein! Und zwar, weil es viel zu viele Gäste und Kneipen/Bars/Restaurants gibt, die die Regeln eben nicht einhalten würden. Es sagt ja niemand, dass jeder Gast in jeder Kneipe eine Gefahr darstellt. Nein, aber in der großen Zahl gibt es einfach viele zu viele "schwarze Schafe".


    Ebensowenig ist jeder Reisende an jedem Reiseziel eine Gefahr. Es ist aber eine Gefahr, jedem Reisenden jedes Reiseziel ohne Warnung und Beschränkung zu öffnen.



    Gruß, Matthias

  • Der Unterschied ist, die Restaurants sind per Lockdown geschlossen, Madeira ist kein Risikogebiet und nicht geschlossen, da werden Sachen verglichen, die nicht denselben Nenner haben. Jedes Reiseziel ist ja auch nicht geöffnet. Wenn ich in ein Gebiet reisen würde, welches Risikogebiet ist, dann könnte ich den Unmut verstehen, aber so?


    Viele Grüße
    Petra

  • Wenn ich in ein Gebiet reisen würde, welches Risikogebiet ist, dann könnte ich den Unmut verstehen, aber so?

    Wo ist der Unterscheid? "Risikogebiet" oder nicht ist eine willkürliche Festlegung. Du musst es für Dich selber entscheiden, ob Du reist oder nicht. Aber gegen die Maßgabe, möglichst nicht zu reisen, nicht mal in die nähere Umgebung, ist das kein Argument.



    Gruß, Matthias

  • Ich finde, das hast Du gut dargestellt, Matthias. Genau darum geht es. Ich finde es schwer sich an alles zu halten, ich bemühe mich. Selbst auf der Beerdigung eines Freundes habe ich die Ehefrau-Freundin nicht in den Arm genommen, obwohl das wirklich sehr schwer fiel. Zur Beerdigung mit Maske und Abstand sind wir aber gegangen. Und in mein Büro kommt keiner ohne Maske. Dennoch verstoße ich mit Sicherheit auch mal gegen die Vorgaben, vor allem jetzt, wo man nur noch eine Person treffen darf - und ich zwei erwachsene Kinder habe- Es ist eine schwierige Zeit. Ich glaube, das viele hin- und hergerissen sind zwischen "das muss jetzt sein" und "muss das jetzt auch noch sein"... und es geht nun schon über viele Monate so. Ich denke, es muss ok sein, dass man da auch mal, wie Olive es getan hat, seine Zweifel äußert. Und ich finde es auch schade, wenn das dann zur Folge hat, dass Du, Petra, dann nichts mehr schreibst. Ich weiß ja, dass Du die Reise in einer Zeit geplant hast, wo wir alle hoffte, dass das Schlimmste jetzt überstanden ist. Und ehrlich, ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht an Deiner stelle dann auch die Reise jetzt angetreten wäre unter den aktuellen Bedingungen, die auf Madeira herschen. Hingegen finde ich es nicht richtig jetzt eine Reise in dieser Zeit neu zu buchen.

  • Das Wort Moral will ich nicht verwenden, diesen Begriff legt jeder anders aus.


    Stattdessen frage ich mich, wem es schadet, wenn Claudi, Petra oder Margarethe, hier stellvertretend, absolut im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben nach Madeira fliegen.


    Ja, man soll nicht reisen...


    Die genannten Damen mit Partnern halten sich an alle Regeln, halten Hygienevorschriften penibel ein, meiden im Vorfeld der Reise Kontakte, gehen danach in Quarantäne, leben auf der Insel weitestgehend ohne Leuten nahe zu kommen und tragen dazu bei, dass dort wenigsten ein paar € ankommen.


    Sie schaden niemandem, im Gegenteil, sie helfen!

    Zudem kommt durch die Berichte hier ein bisschen Freude auf.


    Olive, ich bin gedanklich durchaus bei Dir, meine Tochter leidet auch darunter, dass die Kita geschlossen ist, dass kaum Besuche möglich sind.

    Aber unseren Angehörigen geht es nicht besser, wenn andere deswegen eine Reise nicht antreten!

    Ich selbst würde jetzt auch nicht verreisen wollen.


    Freunde von uns waren November/Dezember auf Mallorca, Ferienhaus, Mietauto, sind gewandert und haben selbst gekocht. Sie wollen im Februar wieder fort. Finde ich absolut in Ordnung.

  • Matthias, Dir stimme ich schon auch zu: Es ist ein vermeidbarer Infektionsweg.


    Doch so leicht nachvollziehbar wie dieser ist kaum ein anderer.

    Und das Risiko einer Ansteckung ist um ein Vielfaches geringer als in Deutschland beim Einkaufen.


    Quantitative Methoden sind als Basis generell gut geeignet, es gibt aber immer einen Interpretationsspielraum ;)

  • Hallo, liebe Reisende,

    habe gerade mal wieder hier rein geschaut und gesehen, dass ich eine rege Diskussion angeregt habe. Ich möchte niemandem sein ganz persönliches Leben vorenthalten und ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal in die Lage kommen würde andere Menschen für ihr Tun und Handeln zu bewerten. Doch.... Wir sind alle in einem totalen Ausnahmezustand und die meisten müssen schon seit Monaten extreme Einschränkungen hinnehmen. Am meisten fehlen mir die Kontakte mit meiner Familie hier in Deutschland und in Indonesien. Mein Wunsch ist schon, dass wir als Menschen jetzt mal zusammen halten damit wir diesen Mist irgendwann mal abhaken können. Ich bin kein "Moralapostel" aber wenn ich diese Ausreden höre warum es jetzt doch sein muss zu reisen. Na ja da komm ich doch ins grübeln.


    Bleibt bitte alle gesund das ist das wichtigste.

    LG Olivera

  • Doch so leicht nachvollziehbar wie dieser ist kaum ein anderer.

    Und das Risiko einer Ansteckung ist um ein Vielfaches geringer als in Deutschland beim Einkaufen.

    Es geht nicht um Leute, die nur im Flieger Kontakt zu Fremden haben (der wäre dann wirklich leicht nachzuvollziehen) und dann nur noch wandern gehen und in ihrer Unterkunft sitzen. Für die und von denen ist die Infektionsgefahr tatsächlich klein. Aber so reisen nun mal nicht alle, es gibt eben auch das andere Extrem wie Ballermann, Ischgl, jetzt kürzlich im Harz oder Sauerland.


    Wegen solcher Leute wird das Reisen eingeschränkt, nicht wegen der Wanderer. Und diese Leute kommen eben nicht aus der näheren Umgebung, sondern aus ganz Europa und tragen ggf. das Virus sonstwohin nach Hause. Die haben alle, wenn überhaupt, verschiedene Corona-Apps, die nicht kommunizieren. Und mögliche Kontakte müssten europaweit gesucht werden. Viel Spaß!


    Ich habe gestern ein Interview gelesen, kann es aber gerade nicht wiederfinden, wo es um die Begründung und die Auswirkungen der akruellen Radiusbeschränkungen (15km) geht. Der interviewte Wissenschaftler hätte sich 5km gewünscht. Das war nachvollziehbar, ich kann es aber nicht wiedergeben. Ich muss mal suchen.



    Gruß, Matthias

  • Es ist aber immer ärgerlich, wenn man einen Reisebericht schreibt und dann wird das Thema auf einmal ein ganz anderes. Um nichts anderes ging es da sicher auch Claudi. Man übernimmt nicht ein Thema.

    Wenn Du in ein Thema, in dem es laut Titel um Bilder gehen soll, eine (kontroverse) Meinung reinschreibst, die in einem Reisebericht auch nichts verloren hat, dann musst Du damit leben, dass diese Meinung an genau der Stelle dann auch kommentiert wird. Mit "Thema übernehmen" hat das nichts zu tun. Oder ist eine themenfremde Meinungsäußerung auch ein Missbrauch?

    Tja, da hat man wirklich keine Lust mehr, was zu schreiben :!:

    Also mir zumindest ging es überhaupt nicht um die Reise selber. Bei uns steht etwas ähnliches im Februar an, und wir würden eigentlich auch hinreisen, weil auch wir uns mit Kontakten sehr zurückhalten. Aber leider liegt mein Schwiegervater seit Monaten im Krankenhaus und wir trauen uns deshalb nicht weg. Und zum Glück kann ich wohl den Flug kostenlos stornieren, denn da wurde schon ein Flug erheblich verschoben, und das kann ich auch nachträglich ablehnen und das Geld zurückfordern.


    Edit: Schon passiert. 45 Minuten Warteschleife bei Condor in der Hotline, jetzt kommt das Geld zurück.


    Nein, mir ging es um die Meinungsäußerung:


    Ich gehe auch nicht mit der Meinung konform, dass alle Reisenden eine Gefahr für andere sind. Es gibt genügend Möglichkeiten, sich so zu verhalten, dass man a) keine anderen ansteckt und b) Kontakte so gut wie es geht vermeidet, um nicht selber angesteckt zu werden.

    Es sagt doch niemand, dass "alle" Reisenden ein Gefahr darstellen. Aber es gibt nun mal unter allen Reisenden eine Minderheit, die es eben doch ist. Und es ist nun leider nicht möglich, nur für die das Reisen einzuschränken. Wie sollte man das definieren und juristisch wasserdicht abgrenzen? Es bleibt leider nichts anderes, als das Reisen für alle einzuschränken, obwohl nur eine Minderheit das Problem darstellt.



    Gruß, Matthias