Eat your Kimchi! Zwei Wochen Korea im Herbst 2018

  • 02.11. Seoul


    Der letzte ganze Tag in Seoul ist angebrochen. Ich möchte noch einiges sehen von der Stadt.


    Als erstes steht der Jongmyo-Schrein auf dem Programm, den man nur zu bestimmten Zeiten mit Führung besichtigen kann. Ich weiß nicht mehr, ob ich zuvor die Zeiten hierfür recherchiert habe oder ob ich auf gut Glück aus dem Bus hüpfe und eingelassen werde. Meine Bilder weisen einen Aufenthalt etwa von 09.45 Uhr bis fast 11 Uhr vormittags aus. Der in einer Parkanlage liegende konfuzianische Schrein gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und enthält National Treasures von Korea.






    Mein nächstes Ziel ist der Gilsangsa, ein Tempel, der zwar geografisch noch mitten in Seoul liegt, letztlich aber doch schon ziemlich abseits in einem gepflegten Wohngebiet. Google Maps weist mir einen Bus, mit dem ich so ziemlich in die Nähe des Tempels komme. Den Rest der Strecke gehe ich zu Fuß, leider größtenteils stark bergauf.


    Den Tempel kann ich sicherlich als “Hidden Gem” bezeichnen. Während ich mich in dem offensichtlich gut situierten Wohngebiet noch frage, ob ich überhaupt richtig bin, stehe ich bald schon auf dem Grundstück mit den vielen Bäumen. Ich laufe ein wenig herum, sitze in der Buddha-Halle, beobachte einfach. Mitten in der Millionenstadt kehrt Ruhe ein. Ich bin Gast bei Zeremonien und nutze den öffentlichen Meditationsraum für eine halbe Stunde Zen-Meditation.








  • Als ich den Tempel verlasse, habe ich Glück. Direkt vor dem Tempel fährt eine Art Minibus. Es ist schon früher Nachmittag und ich habe Hunger. Also ist es Zeit, ein letztes Mal einen der vielen Märkte aufzusuchen. Dieses Mal ist es der Jongno-Markt. Ich lasse mich durch die endlosen Gänge mit den Essenständen treiben. Überall kann man auf einer Bank am Tresen Platz nehmen und sich durchsnacken.



    Nebenbei: Der aufmerksame Leser gewinnt sicherlich den Eindruck, als hätte ich nur auf Märkten und an Straßenständen gegessen und mich nur von Kimbap, Bibimbap, Mandu und irgendwelchen Spießchen ernährt. In gewisser Weise stimmt das. Ich mag das koreanische Essen und die Markthallenatmosphäre. Und wenn man da so 3 Kleinigkeiten verschlungen hat, ersetzt das eine Mahlzeit und lässt gar nicht mehr die Lust aufkommen auf ein ausführliches Essengehen.


    Ohnehin halte ich es auf Reisen immer so, dass ich entweder ein Frühstück mitgebucht habe und dann mit einem Snack zwischendurch bis abends auskomme. Oder aber es gibt zum Frühstück irgendwo einen Kaffee und einen Muffin und dann ein etwas ausführlicheres Mittagessen. Und wer könnte schon dieser gefüllten und überbackenen Muschel widerstehen, wenn sie einem genau dann über den Weg läuft, wenn sich ein noch so kleines Hüngerchen meldet?



    Ich habe auch meistens einmal am Tag in einem “richtigen” Lokal gegessen, aber habe an viele Tage keine bleibende Erinnerung mehr und mache auch nicht von jedem Essen ein Bild, das meiner Erinnerung auf die Sprünge helfen könnte. Einmal war ich in einem japanischen Lokal Ramen essen. Auch an ein Steak und an Pizza erinnere ich mich und an mexikanische Tacos und Cocktails in Busan, an mehrere Cafés und Bistros mit Gerichten, die es überall geben könnte und an mehrere koreanische Lokale. Also seid unbesorgt: In Korea verhungert man ganz sicher nicht!


    Der Markt ist nicht so weit entfernt vom Hotel. Gut gesättigt gehe ich entlang des Kanals zurück ins Hotel und packe meine Sachen. Schließlich muss ich morgen schon früh zum Airport.


    Einen Programmpunkt habe ich noch vor der Abreise. Pünktlich breche ich auf, um schon gegen 18 Uhr anzustehen um eine der 500 Eintrittskarten für den Besuch des beleuchteten Palastes zu ergattern.


    In der U-Bahn-Station stelle ich fest, dass es hier eine Ausstellung gibt im Übergang zum Ausgang am Palast.



    Ich stehe in der Warteschlange ziemlich weit vorne. es füllt sich schnell. In der Palastanlage verteilen sich die Besucher gut. Es hat fast schon etwas Mystisches. Die Gebäude spiegeln sich im Wasser und heben sich gut ausgeleuchtet vom Nachthimmel ab.









  • Für mich überraschend gibt es noch eine Aufführung mit Musik und Tanz. Auch das finde ich spannend. Nur wird es im Verlaufe der Zeit ziemlich kalt, wenn man nur ruhig auf seinem Stuhl sitzt, sodass ich nach relativ kurzer Zeit vorzeitig gehe.






    Den Rückweg trete ich zu Fuß an. Zufrieden bummele durch die wieder nett mit Licht überall in Szene gesetzte Stadt, esse noch etwas und gebe in den teilweise noch lange geöffneten Läden meine letzten Won aus. Es ist voll, denn es ist Freitag, und viele Koreaner sind nach der anstrengenden Woche auf dem Weg in Lokale und Clubs zum Entspannen und Feiern in einer Stadt, die niemals schläft.






  • 03.11. Seoul - Erfurt


    Der Abflug soll um 11 Uhr sein. Also möchte ich mich gegen 7 Uhr auf den Weg machen zum Airport.


    Über den heutigen Tag gibt es nicht viel zu sagen.


    Im Gegensatz zu den Menschen im Abflugbereich, die etwa 10 qm brauchen, um ihr “Handgepäck” nochmals zu stapeln, zu sortieren und in große Tüten zu verpacken, habe ich weniger Krimskrams als vielmehr Erinnerungen im Gepäck. Vor meinem inneren Auge flirren bunte Blätter, das Blau-Grau der breiten Straßen mit den vielen Autos und den Bürotürmen im Hintergrund, Buddhafiguren und Gewimmel auf Märkten vorbei. Der Geruch des koreanischen Essens scheint noch in meiner Nase zu hängen, in meinem Kopf höre ich immer wieder das “Annyeonghaseyo” (hallo), das einem entgegenschallt, wenn man ein Geschäft betritt.


    An den Rückweg nach Hause erinnere ich mich gar nicht mehr so genau, also muss es wohl OK gewesen sein.


    An alle lieben Dank für Mitlesen, für eure “Likes” und Rückfragen. Für mich war der Reisebericht so etwas wie eine Reise im Kopf und ich freue mich schon auf die Zeit, wenn halbwegs unbesorgtes Reisen in der Realität wieder möglich ist!





  • Vielen lieben Dank fürs Mitnehmen! Die Bilder und Beschreibungen in deinem Seoul-Reisebericht haben mir schon Appetit darauf gemacht, das Land zu besuchen, und nach diesem Reisebericht ist Südkorea nun auf die Liste der Länder gerückt, die ich gerne in den nächsten Jahren besuchen würde.


    Drücken wir uns alle die Daumen, dass solche Reisen bald wieder gut machbar sind!

  • Hallo,

    Dein Nickname ist sehr passend, dein Schreibstil und die schönen Fotos machen das Lesen des Berichts sehr spannend und unterhaltsam. Auch deine kleine ex-Kurse in bestimmte Themen sind sehr interessant.

    Habe ich wirklich gerne gelesen und es hat mir noch mehr Lust auf einen Besuch nach Korea gemacht.


    Was ich aber nicht soviel gesehen habe, aber vermutlich liegt es dann deinen Vorlieben, aber ich habe nicht viel über Ausflüge in der Natur gesehen. Du erwähntest, die Koreaner gehen gerne wandern, gibt es viele Naturparks und Wanderwege?


    Danke

  • Oh danke, das freut mich! Das ist wirklich ein sehr schönes Kompliment für meinen Reisebericht!


    Hmmm, ich hätte jetzt gedacht, dass ich viel in der Natur war, weil ja auch viele der Tempel recht einsam liegen und da man außerhalb von Seoul und vielleicht Busan eigentlich überall sehr ländlich unterwegs ist, sodass ich bei Tempelbesuchen oftmals stundenlang draußen Ausblicke genossen habe und auch jeden Tag echt viele Kilometer auf Schusters Rappen zurückgelegt habe.


    Aber du hast Recht, abgesehen von den manchmal auch tatsächlich verhältnismäßig weiten Wegen vom Parkplatz zu Tempeln, auf den manchmal weitläufigen Tempelarealen und den Wegen in den eher beschaulichen Städten oder in den Dörfern, war ich nicht ausdrücklich wandern.


    Aber man kann durchaus wandern gehen. Außerhalb der Ballungsräume hast du zwar insbesondere an den Küsten immer wieder Industrie und Hafenanlagen usw., aber im Landesinneren fährst du manchmal sehr lange mit Aussicht auf dichten Wald.


    Ich habe nun nicht ausdrücklich darauf geachtet, aber hier habe ich tatsächlich zufällig auch mal eine Ausschilderung von Wanderwegen fotografiert. In Bezug auf Wanderführer, Websites, Apps, die dir das Wandern erleichtern können, muss ich allerdings passen.



    EDIT: Die Exkurse habe ich geschrieben, nachdem ich mir über diese Themen Gedanken gemacht habe und im Netz nicht allzu viel dazu gefunden habe. Da sollen meine Berichte (sofern man sie denn findet) auch anderen helfen.

  • Achso, mit war gar nicht klar gewesen, das die Tempeln so abgeschieden waren, vielleicht soll ich aufmerksamer lesen :ops:


    Letztendlich sind wir auch nicht so die großen Wanderer, aber wir sind gerne in der Natur, so als Kontrastprogramm zu den City Tours.


    Aber das ist Off-Topic, so eine Reise wie du es gemacht hast, würde uns wahrscheinlich auch gefallen, wobei wir normalerweise eher auf Ferienwohnungen oder -häuser lieber bleiben, und dafür etwas länger in einer Region.


    Schöne Grüße

  • Ein sehr schöner Reisebericht und macht richtig Lust auf Korea. :love: Im Siloam war ich auch. Übrigens, das Essen schmeckt dort auch gut. Und in Haeinsa werde ich - falls es klappt mit der Reise - auch einen Temple Stay machen. Wollte eigentlich zu Beopjusa, aber das liegt eher ungünstig. Ach, hoffentlich klappt's! :thumbsup:

  • Ein sehr schöner Reisebericht und macht richtig Lust auf Korea. :love: Im Siloam war ich auch. Übrigens, das Essen schmeckt dort auch gut. Und in Haeinsa werde ich - falls es klappt mit der Reise - auch einen Temple Stay machen. Wollte eigentlich zu Beopjusa, aber das liegt eher ungünstig. Ach, hoffentlich klappt's! :thumbsup:

    Ich wünsche dir sehr, dass es klappt! Ich finde das Land absolut toll! Ich hoffe, dass es spätestens 2023 etwas wird, am liebsten schon 2022, und wenn es nur eine Woche wäre...


    Beopjusa steht auch auf meiner Liste, aber der liegt leider ziemlich abseits, das war auch meine Überlegung. Aber ganz sicher findet sich eine Menge Schönes auf dem Weg, wenn man ein bisschen recherchiert.

  • Ich lach mich schepp. Sogar im selben Hotel in Busan, wo Du warst, werden wir sein. :D

    Wieviel hat eigentlich das Mietauto gekostet? Von Busan bis Haeinsa ist schon bisschen umständlicher mit Bus. Und mit dem großen C müssen wir ja auch aufpassen. Aber eigentlich wäre mir lieber ohne Auto. Bus und Bahn find ich sehr bequem in Korea.

  • Oh, lustig. Das Hotel war OK und zentral übrigens...


    Du hast Glück, dass ich etwas faul oder auch zu nostalgisch zum Löschen von Mails bin.


    Das Auto habe ich über "Billiger Mietwagen" gefunden und über "Argus Car Hire" gebucht. Der konkrete Vermieter war Lotte Cars (Kooperation mit Hertz). Habe das Auto im Stadtbüro abgeholt, das ist nur ein paar Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt und auch vom Hotel aus gut erreichbar.


    Gekostet hat es für 7 Tage mit umfangreichem Versicherungspaket, allen Kilometern frei und Navi 463,40 Euro.


    Solltest du herausfinden, wie man das mit den Mautstellen löst, ohne permanent die Mitarbeiter in den Wahnsinn zu treiben und Stau zu verursachen, lass es mich gerne wissen, damit ich es nächstes Mal besser machen kann... :D

  • Vielen Dank für deine Antwort. Eigentlich brauchen wir das Auto nur um von Busan zu Haeinsa zu fahren und zurück müssten wir direkt danach nach Seoul. Ob sich das mit dem Mietwagen lohnt für 2 Tage? Wahrscheinlich kostet es jetzt mehr. Wir schauen mal, ob es preislich noch ok ist. Eigentlich war der Plan mit Bus hin und zurück mit KTX von Daegu nach Seoul. Eine Direktverbindung von Haeinsa gibt es ja leider nicht.