Abenteuer Äthiopien pur

  • Bei meinem letzten Besuch in Äthiopien bin ich ja de facto in Mullers Familie aufgenommen und mit der Hoffnung verabschiedet worden, ich möge zum Meskelfest 2020, besser gesagt 2013 nach dem julianischen Kalender wieder bei ihnen sein. So hatte ich mich eigentlich auch innerlich schon darauf eingestellt, im September meine Gastfamilie wieder zu besuchen. Und dann kam Polly. Ach nee, sorry. Dann kam Corona.


    So dauerte es im Frühjahr 2020 dann auch nicht lange, bis umfangreiche Reisebeschränkungen rund um den Erdball in Kraft traten, Grenzen dichtgemacht, Flugverbindungen gekappt, Shutdowns und Lockdowns in den verschiedensten Ländern verhängt worden. Rien ne va plus. Weltweit. Gestrandete Urlauber mussten von ihren Heimatländern eingesammelt und heimgeholt werden. Der Tourismus kam überall zu erliegen. Auch in Äthiopien machte die Branche einen Sofortstopp von normal auf null. Drei Monate Lockdown im Land und eine 14 tägige Quarantäne für Einreisende machen Reisen nicht wirklich sexy. Dann wäre ja auch noch die Quarantäne nach Rückkehr aus einem Risikogebiet nach Deutschland. Das waren im Sommer auch 14 Tage. Und Risikogebiet war nahezu der ganze Planet.


    Also nichts mit einem dritten Afrikatrip. Kann ich mir abschminken. Kontakt mit Muller hatte ich die gesamte Zeit über. So erfuhr ich auch von den Problemen derer, die in der Tourismusbranche ihre Brötchen verdienen. Praktisch haben all jene seit März kein Einkommen mehr. Zero. Und soziale Rettungsschirme wie bei uns kennt man dort nicht.


    Einige Zeit später, erste Hoffnungsschimmer. Der Lockdown in ET wurde aufgehoben, die Einreisequarantäne verkürzt. Dem Tourismus dort half das allerdings herzlich wenig. Den meisten Menschen war reisen in Coronazeiten gründlich versalzen worden. Wenn überhaupt, dann nur in die jeweils klassischen Urlaubsgebiete, so es denn die Coronalage da zuließ. Heißt für D bspw. Malle, Kanaren, Türkei, Italien, Österreich oder Urlaub in Deutschland halt.


    Obwohl die Infektionszahlen in Äthiopien nie wirklich die dramatischen Zahlen manch anderer Länder erreichten, blieb das Land beharrlich Risikogebiet aus deutscher Sicht. Da konnte ich so oft in die Liste schauen wie ich wollte. Selbst im Herbst als hier die zweite Welle tsunamimäßig über uns hereinbrach, hatte ET entspannte Neuinfektionszahlen von täglich 300 bis 500 Fällen. Keine Ahnung wie die das machen. Weniger testen vielleicht. Weniger suchen heißt weniger finden.


    Der September war inzwischen vorbei. Ich überlegte hin und her und haderte mit mir selbst. Urlaub haste ja genug. Die beiden Quarantänezeiten kann ich mit einplanen. Andererseits ist es total unvernünftig, in der schlimmsten Pandemie seit der spanischen Grippe in ein offizielles Risikogebiet zu fahren. Noch dazu in ein Land mit schwacher Infrastruktur. Im Frühjahr lästerte ich noch über risikofreudige Reisende ab, die ob der Rückholaktionen von 10.000den, raus aus Deutschland wollten, ohne zu wissen ob sie wieder nach Hause kommen so ohne Odyssee. Und jetzt will ich selber so einer werden?


    Möchte ich eigentlich nicht. ABER. Wenn ich nicht bald reise, wird es nie mehr. Meine Gesundheit lässt zu wünschen übrig. Und besser wird es nicht mehr. Also jetzt noch einmal eine weite Reise wagen oder ich sehe Afrika nicht wieder.


    Dann bekam ich die Info, die Einreisequarantäne sei in ET auf 7 Tage verkürzt worden und könne auch in privater Häuslichkeit verbracht werden. Einen vorzulegenden PCR-Negativtest bei Einreise vorausgesetzt. Herrje auch das noch. Ich kam mir vor wie Adam unterm Apfelbaum. Schließlich wurde ich weich und pflückte die ersten Äpfel, biss aber noch nicht hinein. Erst mal einlagern und weiter abwarten. Bei Muller fragte ich vorsichtig an, wie er es denn sähe, wenn ich zum Jahresende oder im Jan. 21 mal vorbeikäme. Die orthodoxe Weihnacht und das Timkatfest stehen an. Auch bei meiner KV fragte ich vorsichtig an, wie es denn mit der Risikodeckung bei Reisewarnungen aussieht, wenn man dennoch hinfährt. Sowohl Muller als auch die KV signalisierten grünes Licht. Hmmm, ich bekam gerade zwei Äpfel aus dem Korb in die Hände gedrückt mit der Verlockung: Nun beiß schon zu.


    So schrieb ich Muller und bat um eine Reiseplanung und schaute, was sonst noch so in Coronazeiten an to do‘s dazukommt. Nun ja, einfacher ist es nicht geworden. Anspruchsvoller im Hinblick auf die Vorplanungen schon. Ein Coronatest, der bei Einreise nach ET nicht älter als 5 Tage sein darf und natürlich negativ sein muss bspw. Den ich aber bei meinem Dr. nicht bekomme in Zeiten, in denen die Laborkapazitäten schon für „medizinisch notwendige“ Tests nicht reichen. Wird also etwas hektisch diesmal. So wie Muller seine Planungen ausarbeitete, so plante ich auf meiner Seite in gewohnter Weise, nur mit wesentlich mehr Druck zeitlich und organisatorisch gesehen. Immer auch mit dem letzten Rettungsanker als Gedanke, die Äpfel in meinen Händen können inzwischen faulig werden. Den Gefallen taten sie mir allerdings nicht.


    Ob ich die Reise antrete oder nicht, blieb so gesehen bis zum letzten Moment offen. Der Möglichkeiten, die letzten Endes doch alles noch zunichtemachen konnten, gab es gar zu vieler in diesen unsteten Zeiten. So kommunizierte ich es auch Muller. Er könne erst mit mir rechnen, wenn ich es letztendlich durch die äthiopische Einreisekontrolle geschafft habe. Da er ja die Vororganisation ohne Vorauszahlungen macht, entsteht dahingehend zumindest kein finanzieller Verlust bei ihm. Denn Bezahlung wie immer in bar vor Ort. Nur sein zeitlicher Aufwand wäre umsonst gewesen. So hatte ich mir auch bis zur Abreise vorgenommen, bei Eintreffen einer der vielen möglichen Hinderungsgründe, dies als Zeichen zu verstehen, ein Wagnis doch nicht anzutreten. Bleibt ein solches Zeichen aus, dann ziehe ich es allerdings durch und werde die Reise auch genießen.


    Neujahr – 1. Januar 2021 – Mein Coronatestergebnis ist rechtzeitig da. Wie erhofft und gewünscht. Gestern war ich am Pleiten- und Pannenfluchhafen BER im dortigen Testcenter. Das erste Mal seit Eröffnung. Schlussendlich doch schön geworden, muss ich schon sagen. Die Nussbaumoptik macht was her. Somit ist das größte noch vorhandene Hindernis für die Reise aus dem Weg geräumt und ich kann den Rest organisieren. Sonst war ich immer schon lange vorher mit der Planung fertig und musste mich nur noch um das Packen kümmern. Nicht so in Coronazeiten. Den Rückflug hatte ich u.a. wohlweislich noch offengelassen. Jetzt kann ich auch den buchen.


    Kurz vor Termin erfahre ich noch, dass bei Einreise innerhalb von 72 Stunden nach Testung die Quarantäne sogar ganz entfällt. Kommt mir gelegen und zeitlich hin. Bei planmäßiger Ankunft hätte ich noch eine Stunde, bis diese Zeit um ist.


    Ein Taxi für die Fahrt von der Wohnung zum BER habe ich mir auch bestellt. Wegen einiger Gastgeschenke und anderen Dingen, die ich noch mit runternehmen sollte, ist die große Tasche recht schwer geworden. Es war bei der letzten Reise aus motorischen Gründen schon recht schwierig für mich, mit den drei Gepäckstücken in Tram, Bahn und Bus in Richtung Flughafen unterwegs zu sein. Da ist ein Taxi eine wesentliche Erleichterung, auch wenn deutlich teurer.


    Wird auch Zeit, dass ich hier wegkomme. Draußen liegt Schnee am Neujahrstag. Gab es seit 2018 nicht mehr.

  • 2. / 3. Januar Abreise nach Afrika


    Das Taxi kommt just in time. Gepäck rein und los geht’s. Mein Flug geht 18.15 Uhr nach Frankfurt Main. Um halb drei bin ich schon am Airport. Viel ist dort nicht los. Schnell einchecken, damit ich das schwere Gepäck los bin. Dann kann ich mir in Ruhe den Flughafen anschauen. Die Aussichtsterrasse ist geschlossen. Im Fernbahnhof im Untergeschoss gähnende Leere. Geisterbahnhof. An vielen Stellen im Boden im oberen Terminalbereich sind in den Fliesen Münzen aus aller Welt eingearbeitet. Eine schöne Idee wie ich finde. Wir sich dafür interessiert, kann gern posten um was für Geldstücke es sich handelt.










    Dann kommt das Boarding und ich sitze im Flugzeug. Los geht es aber nicht pünktlich. Der Pilot gibt bekannt, dass das Flugzeug noch enteist werden müsse. Was aber nicht passiert. Irgendwann kommt doch ein Enteisungsfahrzeug und beginnt mit der Arbeit. Was dauert. Der Pilot gibt bekannt, dass sich der Start weiter verzögern wird, da zu wenige Enteisungsfahrzeuge zur Verfügung stehen. Üblicherweise sind zwei mit einem Flugzeug beschäftigt. Wir haben nur eines bekommen. Dit is Berlin, wa. Wer kann auch ahnen, dass im Januar plötzlich Winter ist und es kalt werden kann.


    Mit einer Stunde Verspätung starten wir nach Frankfurt Main. Macht nix, die Umsteigezeit ist ausreichend. Der zusammengestrichene Flugplan am Frankfurter Flughafen konzentriert den Flugbetrieb auf Terminal 1. Die langen Wege entfallen dieses Mal. Ankunfts- und Abfluggate liegen mal gerade 200 m Fußweg auseinander. Ich bin 15 Minuten vor Boarding dort.


    Der A 350 ist nur zu gut einem Drittel gefüllt und startet pünktlich. Von den Drittel sind wiederum ein Drittel Weiße, wobei es sich allerdings bei vielen nicht um typische Touristen zu handeln scheint. Einige haben afrikanische Begleitung oder sehen nach beruflichem Anlass aus. Die Sitzreihe habe ich für mich allein. Schlafen klappt aber dennoch nicht. Pünktlich kommen wir auch an.


    Das Ankunftsprocedere dauert wieder ewig. Erste Schlange Sicherheitskontrolle, wie sonst nur beim Abflug. Schuhe aus, Gürtel raus, Taschen leer, alles aufs Band. Zweite Schlange Einreisekontrolle. Visa und Reisepass sind gefragt. Die 72 Stunden sind bereits um. Dritte Schlange, Covidkontrolle. Ich lege meinen Negativbescheid vor. Der wird registriert und mir quittiert. Mehr passiert nicht. Kein Hinweis auf Quarantäne. Keine Verhaltensregeln. Niemand fragt nach, wie und wo ich untergebracht bin. Es wurde zuvor auf einem Gang lediglich per automatischer Wärmebilderfassung im Vorbeigehen die Körpertemperatur überprüft. Wenn jemand vom Personal auf den Monitor schaute.


    Dann zum Gepäckband. Hmm, es gibt zwei. Leider kein Hinweis auf welchem der beiden welcher Flug raufgepackt wird. So suche ich mir eine günstige Stelle und behalte beide Bänder im Auge. Den Trekkingrucksack entdecke ich bald auf dem rechten Band. Die große Tasche allerdings kommt nicht. Meine Erfahrung des letzten Mals: Geduld, die wird kommen. Kam sie aber nicht. Irgendwann nach etwa 15 Min. kamen mir diverse Gepäckstücke bekannt vor. Die habe ich doch schon in der letzten Runde gesehen. Also schaue ich doch, was da so an Gepäck auf dem Boden so herumsteht. Und siehe da, diesmal steht das vermisste Gepäckstück in der Gegend rum. Jemand hat es vom Band genommen. Wie man es auch macht, man macht es eben verkehrt.


    Ich habe alles, was ich brauche, dann nichts wie los durch das Terminalgebäude zum Ausgang. Zum Parkplatz, zu Muller. Doch denkste. Es kommt noch eine vierte Kontrolle. Roter und grüner Kanal. Und an beiden werden ALLE Gepäckstücke geröntgt. Eine schöne Schlange am roten Kanal. Eine viermal so lange Schlange am grünen Kanal. Schieeet. Gut, pokern wir. Da ich keine zollpflichtigen Waren mitführe, aber mein Bargeldbestand über zusammen 3000 US$ liegt, habe ich im Flugzeug diesen Deklarationszettel wahrheitsgemäß ausgefüllt. Nehme ich doch die rote Schlange, die ist kürzer. Als ich dran bin und nachdem mein Gepäck durch den XRay ging, werde ich zur Seite herausgebeten. Ich versuche meinen Deklarationszettel los zu werden. Der Beamte will ihn aber nicht haben. Ich werde zum Bildschirm gebeten und soll sagen, was das da ist in meinem Rucksack. Diese Bildschirmansichten kenne ich. Sie machen schöne bunte Bilder vom Inhalt der Dinge, die man durchleuchtet. Und mein Rucksackinhalt macht ein schönes buntes Bild, mit schönen farbigen rundlichen Tupfern in etwa Faustgröße. Sehen aus wie….. also echt aber auch. Kein Wunder, das die wissen wollen, was DAS ist. Es sind zehn mechanische Handlampen mit Kurbel, die als Geschenke für die Gegenden ohne elektrischen Strom gedacht sind. Zwei Minuten kurbeln und die machen Licht bis zu 20 Minuten, so zumindest die Herstellerangaben. Ganz ohne Batterien nachkaufen zu müssen. LED-Technik machts möglich. Ich erkläre dem Beamten, was er da auf dem Bildschirm sieht. Ein anderer traut sich jetzt tief in den Trekkingrucksack zu greifen und zaubert eine Packung heraus. Nachdem er sich auch vom Inhalt in der Pappschachtel überzeugt hatte, mit Funktionskontrolle, durfte ich meinen Rucksack in Empfang nehmen. Nun erst interessierte man sich für den Deklarationszettel. Ich bekam eine Bescheinigung in Englisch/Amharisch über meine Zollerklärung und durfte losziehen mit meinem Gepäckwagen.


    Jetzt erst kam ich zum Parkplatz. Diesmal zu dem vom Terminal 2, welches bei meiner letzten Reise noch nicht fertig war. Hier ist der der Parkplatz wesentlich größer aber immer noch völlig überfüllt. Wie nun Muller finden in dem Gewühl. Er wird mit dem Fahrzeug kreisen müssen. Schierer Zufall, dass er gerade da langkommt, wo ich mit meinem Gepäckwagen rumkurve und Muller suche. Nee, so geht das nicht. Ich brauche einen Standort, wo ich bleibe und den ich beschreiben kann. Ich finde einen bei einer Bogenauffahrt aus Beton zum oberen Terminalbereich. Mit meinem Phone führe ich mein erstes Auslandsgespräch mit meiner deutschen SIM zum stolzen Preis von 99ct/Min. Es braucht einige Anläufe, bevor überhaupt ein Rufton zu hören ist und weitere, bis Muller auch mal rangeht. Möglichst knapp erst einmal eine kurze Begrüßung und dann meine Standortbeschreibung in mehreren Ausführungen, bis Muller weiß was ich da beschreibe und nun auch weiß, wo ich stehe.


    Dann spricht er mich an aus einem Fahrzeug heraus, das ich nicht kenne. Ein großer weißer Kleinbus Toyota Hiace. Ein 15-Sitzer oder so um den Dreh, da ich nicht weiß, ob einige kleine Sitze halb oder ganz zählen, wie ich später beim Nachzählen einmal eruierte.


    Erste herzliche Begrüßung, Gepäck rein, eingestiegen und ein erster freudiger Plausch beim Verlassen des Parkplatzes. Es ist Sonntag und die Stadt ist nicht verstopft. Wir sind schnell beim Haus von Mullers Schwester und Familie. Jetzt die eigentliche Begrüßung mit voller Herzlichkeit. Alle fallen mir um den Hals, besonders die Kinder. Jonathan kommt als erster angerannt. Das Hotel Eliana hat ausgedient. In Addis bin ich kein normaler Tourist mehr. Mein Gepäck wird mir nach oben getragen. Jonathan schnappt sich mein Handgepäck. Dann werde ich gefragt, ob ich essen möchte oder lieber erst schlafen. Schlafen!! Ich ziehe mich ins schon bekannte Zimmer zurück. Schnell duschen und ab ins Bett. Ersteres klappt nicht. Kein Wasser aus Wand. Also ungeduscht Zweiteres.


    Als ich wieder wach bin, immer noch kein Wasser aus Wand. Dafür steht ein Plastikeimer mit Wasser und Schöpfbecher im Bad. Zumindest Zähneputzen und Gesicht waschen sind möglich. Mich sommerfertig gemacht. Nun kann es nach unten gehen. Oder auch nicht. Ich bekomme die Tür nicht auf. Da kann ich so oft klinken, wie ich will. Also klopfen. Nix passiert. Erneut klopfen, keiner reagiert, obwohl ich sie unten reden höre. Lauter klopfen. Immer noch nix. Also die nächste Lautstärke versucht. Schritte auf der Treppe. Jonathan öffnet. Ich sage ihm, dass ich die Tür nicht aufbekommen habe, mache sie von außen zu und klinke von außen. Geht wieder nicht auf. Jonathan klinkt und auf ist sie. Häää? Bin ich zu blöde? Dann die Auflösung. Zweimal schnell hintereinander voll durchklinken. Nur so geht sie auf. Innen wie außen. Irgendwas mit dem Türschloss.


    Unten werde ich bereits mit der ersten Mahlzeit erwartet. Ich habe Hunger. Die weiteren Stunden verbringen wir gemütlich bei Speis und Trank und Neuigkeiten austauschen. Ich verteile einige Gastgeschenke. Eine Flasche Störtebeker Bernstein Weizen für Muller, Schokolade sowie ein Tiermemoryspiel für die Kinder (Gleiches hatte schon meine Jungs), Scharfes Gelb Eierlikör und Schokoladentrüffel aus der Chocolaterie für Tigist und Herrenschkolade für Asmerom. Alles hat die Reise unbeschadet überstanden, dank guter Verpackung. Dann wird das Memoryspiel noch ausprobiert. Ich erkläre den Kindern die Spielregeln. Ab da habe ich keine Chance mehr. Memory spielen mit Kindern. Da sehen die Alten alt aus. Egal ob in Europa oder Afrika. Schwupps ist er um der Tag. Schlafenszeit. Wasser aus Wand kommt immer noch nicht. Ganzkörperwaschgang fällt auch heute aus. Muss also die Katzenwäsche reichen.

  • Das war jetzt der erste ausführliche Bericht mit Bildern, den ich zum Thema "Fliegen in Corona-Zeiten" lese. Interessant!


    Und die Dusche aus dem Eimer mit Schöpfbecher liebe ich, mache ich in Indien supergern so. Ich mag es, wenn ein warmer Wasserschwall so sanft über den Körper fließt, lieber als das Prasseln der Dusche. Allerdings brauche ich schon immer 2 Eimer...


    Lieber Ingo, alleine wenn ich mir vorstelle, wie du dich gefühlt hast, als du angekommen bist. Du hast ganz sicher die richtige Entscheidung getroffen mit der Reise!

  • Vielen lieben Dank für den Start und die Bilder, für mich die ersten, vom BER.


    Sehr interessant jetzt solch einen Reisebericht zu lesen. Ich finde es toll und du hast bestimmt die richtige Entscheidung getroffen.


    Ja, mal kein Wasser oder plötzlich Stromausfall aber dennoch positive, nette Menschen, das sind meine Erinnerungen an Äthiopien.

  • Das war jetzt der erste ausführliche Bericht mit Bildern, den ich zum Thema "Fliegen in Corona-Zeiten" lese.

    Da es gerade um Corona und reisen geht hier auch die Theorie und Praxis bei der Einreise nach Deutschland.


    Seit Nov. 20 gibt es die digitale Einreiseanmeldung. Sie ERSETZT die bis dahin auszufüllende Aussteigekarte in Papierform und soll die Gesundheitsämter entlasten.


    Sie muss von allen VOR der Einreise durchgeführt werden, die aus einem Risikogebiet nach D einreisen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass diese Registrierungsmöglichkeit erst 4 Tage vor dem mutmaßlichen Einreisedatum freigeschaltet wird. Ich wollte mich am 8. Feb. digital für den 12. Feb anmelden, aber der 12. Feb. war grau unterlegt und nicht wählbar. Ab 9. Feb. ging es dann. Beim Ausfüllen der Datenfelder wird u.a. auch gefragt, ob man einen aktuellen Coronatest im Ausland gemacht hat oder ungetestet einreist. Reist man ungetestet ein, ist festgelegt, dass man sich unmittelbar nach der Einreise testen lassen muss. Wobei unter „unmittelbar nach Einreise“ hier exakt bedeutet, bis zu 48h nach der Einreise.


    Trotzdem wurden in der Ethiopian Airlines Maschine kurz vor der Landung in FFM die Aussteigekarten verteilt, die jeder auszufüllen hatte. Ich nahm meine Zettel, faltete ihn zusammen, steckte ihn ins Fach im Vordersitz und ging erst einmal auf Bordtoilette. Als ich zu meinem Platz zurückkam, lag da ein neuer Zettel. Man hat ihn da wohl hingelegt, weil die erste Aussteigekarte nicht mehr zu sehen war.


    Ich las mir das Papier durch. Es enthielt dieselben Fragen und Datenfelder, wie in der digitalen Einreiseanmeldung. Nur das zusätzlich noch nach aktuellen Krankheitssymptomen gefragt wurde. Macht auch Sinn, da die Karte ja BEI der Einreise ausgefüllt wird.


    Weil ich schon digital angemeldet war, füllte ich nur die Basisfelder und die Zusatzangabe nach Symptomen aus und schrieb oben die ID der Digitalanmeldung drauf. Aufenthaltstorte während der Quarantäne gab ich keine an. Den zweiten Zettel ließ ich unausgefüllt liegen.


    Beim Aussteigen aus der Maschine wurden die Aussteigekarten vom Kabinenpersonal eingesammelt. Im Hintergrund hörte ich noch von irgendwoher was von Kopie.


    Bei der Passkontrolle wollte der Bundespolizist meine Aussteigekarte haben. Da ich keine mehr hatte, zeigte ich ihm die Bestätigung der Digitalanmeldung auf dem Phone, was ihm mit dem Kommentar „so geht’s auch“ völlig reichte. Er fragte noch, ob ich getestet einreise, was ich verneinte. Daraufhin wies er mich auf die Verpflichtung zur Testung innerhalb der nächsten 48h hin. Fertig.


    Nach der Einreise muss man für 10 Tage in Quarantäne, darf aber noch nach Hause fahren, auch wie ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wo soll man sonst auch hin? Frühestens 5 Tage nach Einreise kann man sich mit einem zweiten Test aus der Quarantäne freitesten lassen. Zwei-Test-Strategie, gültig seit 11. Jan. Hinweis: Beide Tests sind selbst zu bezahlen. Was ich auch ok und logisch finde.


    Heute Vormittag war ich bei meinem Hausarzt testen. Alles gut. Ein Schnelltest reicht, das Testergebnis bekam ich gleich in die Hand gedrückt. Da ich ja einen Test behördlich vorgeschrieben machen musste, war das ein medizinisch notwendiger Test und somit beim Hausarzt möglich. Wer einen nicht medizinisch notwendigen Test benötigt, wie etwa bei meiner Abreise, der kann auch von der Praxis abgewiesen werden und muss sich eine private Alternative suchen, wie diese Airporttestcenter, wo ich war.


    Trotzdem drängen sich mir Fragen auf.


    1. Warum muss man noch Aussteigekarten ausfüllen, wenn doch die Digitalanmeldung diese ERSETZT?

    2. Warum teilt man wenn schon, nicht gleich zwei Zettel aus, wenn man zwei abgeben soll?

    3. Wie soll ich eine 48h-Frist einhalten, wenn ich am Freitag einreise, wo die Praxen um 12.00 Uhr schließen?


    So also der derzeitige Stand.

  • Wir sind am 16..1. mit Lufthansa von Madeira zurückgeflogen, zu dem Zeitpunkt auch mittlerweile ein Risikogebiet. Auch wir mussten uns vorher online registrieren. Beim Check-in wurde die Registrierung überprüft und dann bekamen wir die Boardkarte. Im Flugzeug mussten wir nichts ausfüllen und auch bei Ankunft wurde nichts überprüft. Man kam ja ohne Registrierung nicht an Board und Grenzkontrollen gibt es in der EU bis auf Ausnahmen nicht.


    Lag es daran, dass vor Abflug nicht kontrolliert wurde? So erging es uns bei dem Hinflug. Wir hatten uns digital angemeldet und mussten auch noch eine weitere Anmeldung an Board ausfüllen etc. Die 48-Stunden-Frist hat uns auch zu schaffen gemacht. Allerdings gibt es bei uns in der Gegend, Möglichkeiten zum Testen auch am Wochenende. Dafür muss man halt ein paar km fahren.


    Ich schreibe später noch über die Procedur, die wir mitgemacht haben. Hätten wir vorher gewusst, dass Madeira zum Risikogebiet erklärt wird, wären wir nicht geflogen.


    Viele Grüße
    Petra

  • 4. und 5. Jan. – Addis Abeba


    Die ersten beiden Tage gehören der Hauptstadt. Auf dem Programm stehen der neue Entoto-Park auf dem gleichnamigen Berg, ein Erholungs- und Freizeitpark für die Hauptstädter unter den schattigen Eukalyptusblättern der Bäume gelegen, sowie dem ebenfalls neuen Unity-Park beim 40 ha umfassenden Gelände des großen Nationalpalastes, der ab 1887 unter König Menelik II entstand. Beide Parks entstanden auf Initiative des Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. Eines der wenigen Dinge, die Abiy Ahmed in seiner bisherigen Amtszeit vorzuweisen hätte, wie ich von Muller vernahm.


    Die beiden Tage verlaufen ruhig. Aufstehen, Frühstücken, die Kinder in die Schule verabschieden. Weil am 4. morgens immer noch kein fließendes Wasser vorhanden ist, spreche ich das Thema an. Ein ständiges Problem in der schnell wachsenden Hauptstadt. Das Leitungsnetz kommt einfach nicht mit. Oftmals reicht der Wasserdruck nur für das Erdgeschoss. Manchmal gibt es überhaupt kein Wasser. Deshalb werden Vorräte in alle Arten von Behältern angelegt. Als Hotelgast in den guten Hotels der Hauptstadt bekommt man dies üblicherweise nicht mit.


    Frühstück ala Tigist


    Das Haus von Tigist und Asmerom liegt südlich des Flughafens Bole. Dieser Stadtteil wird auch Bulbula genannt. Kein sehr hübscher Stadtteil. Viel grau, viel Beton, wenig grün, viele Baustellen, auch viele Aufgegebene, weil den Bauherren das Geld ausgegangen ist. Rasant werden die freien Bereiche zugebaut. Addis Abeba, die schönste Blume biste nicht.



    Aussicht vom Balkon




    Ich würde mich ja gerne mal waschen. Als Kind machte ich das noch mit einem Waschlappen und Seife am Waschbecken. Dusche hatten wir damals keine und Badetag war immer Freitag. Da wurde der Badeofen mit Kohle beheizt. Wasser wenn auch kalt und Waschbecken sind da. Ein Waschlappen wäre nicht schlecht. Muller ist nicht da, also muss ich es bei Tigist versuchen. Was Waschlappen auf Englisch oder Amharisch heißt, weiß nicht einmal mein Wörterbuch. Die Wörter waschen und Handschuh auf Amharisch aber kenne ich und kann auch einen Satz daraus bilden. Und bekomme doch tatsächlich zwei Waschhandschuhe mit Fingern. Ich wusste gar nicht, dass es das auch mit Fingern gibt. Problem gelöst. Abends dann am 5. gibt es in meinem Bad doch tatsächlich Wasser aus Wand. Nur das jetzt der Strom weg ist und ich deshalb kalt duschen muss. Aber immerhin.


    Am späten Vormittag geht es jeweils los. Mittag esse ich mit Muller dann in der Stadt. Ich brauche als erstes Bargeld vom Automaten, eine lokale SIM mit Datenvolumen für die vor Ort Kommunikation sowie Internet und eine Armbanduhr. Bei meiner war wenige Tage zuvor die Batterie leer. Wegen Lockdown waren weder eine neue Batterie noch eine ganze Uhr in D zu bekommen. Ich bin noch aus der Generation Armbanduhrträger. Ohne fehlt mir irgendetwas. Auch die „und anderen Dingen, die ich noch mit runternehmen sollte“ werde ich los. Ich übergebe sie in Addis einem Verwandten einer Bekannten von meinem Freund Mehrtab, die noch in FFO wohnt. Hilfe über drei oder mehr Ecken. So macht man das in Afrika.


    Abends nach der Rückkehr spiele ich mit Redit und Jonathan Memory und finde natürlich die wenigsten Paare. Auch Schiffe versenken mit Kästchenpapier und Stift versuche ich Jonathan beizubringen. Allerdings versteht er nicht, wann er wo auf welchem Feld die x und die Punkte machen muss und so gerät das Spiel völlig durcheinander. Es folgt ein gemeinsames familiäres Abendessen und Schwatz mit Tagesauswertung. Es wird gelacht und erzählt. Familienleben, wie es anders in D auch nicht ist und ich mittendrin.


    Der Entoto-Park bietet neben Erholung und Ruhe auf guten Wegen in der Natur und Gastronomie, Ruheoasen sowie Übernachtungen auch einige Aktivitäten an. Der Entoto-Wald ist die grüne Lunge der Stadt. Wir sind an einem Wochentag da und es ist wenig Publikumsverkehr. Am Wochenende kann es richtig voll werden, erzählt mir Muller. Der Park wird sehr gut angenommen. Es gibt einen Aussichtspunkt mit Lokal, einen Hochseilgarten, Bogen- sowie Paintballschießen, eine Seilabfahrt über eine Schlucht. Es können Fahrräder ausgeliehen werden. Für die Kinder Kettcar fahren und weitere Spielmöglichkeiten und es gibt einen Reitplatz mit Pferden. Auf letzterem zeigt mir Muller seine Reitkünste. Er kann Galopp. Ich lasse das reiten lieber, bei meinem angeschlagenen Gleichgewichtssinn. Auch beim Paintballschießen probiert er sich. Mit mäßigem Erfolg. Dafür mache ich das Bogenschießen. Auch mit mäßigem Erfolg. Die Pfeile sind zu kurz. Man kann überhaupt nicht durchziehen. Außerdem fehlen an den Pfeilen hinten oft einige Federn oder die Spitzen sehen aus wie ein Reisigbesen. Ich kann eigentlich gut mit dem Bogen umgehen, aber hier habe ich Mühe, die 5m Scheibe zu treffen. Die Bögen machen was sie sollen. Nur die Pfeile machen Bögen. Im Flug. Mir hat der Park jedenfalls gefallen.





    Stilisierte Figur - Frau mit Holzbündel







  • 5. Jan. – Addis Abeba, Unity-Park


    Der Unity-Park mitten in der Stadt und ist in sechs Themenbereiche unterteilt. Einem zoologischen Teil mit afrikanischen Tieren, die in Äthiopien vorkommen, dem grünen botanischen Bereich, der Black Lions Cave, einer Löwenart mit schwarzer Mähne beim Männchen, die in den Bale-Bergen und am Didessa-River im Westen Äthiopiens noch leben, den Pavillons der Regionen, in denen jeweils die Natur, Kultur und Geschichte der einzelnen Bundesregionen vorgestellt werden. Einen Bereich gibt es für die Kulturpflanzen, die der Ernährung und der Medizin dienen und einen weiteren mit den historischen Gebäuden des Grand Palace – auch als Menelik Palace bekannt – in denen sich noch einzelne Ausstellungen befinden.


    Fazit: Der Unity-Park ist eine der gepflegtesten Anlagen, die ich bisher in Äthiopien gesehen habe, mit einer Einlasskontrolle, die an den Securitycheck beim Flughafen erinnert, in der man sich locker mehrere Stunden aufhalten kann. Sehenswert.







    Throne House


    Banquet Hall


    Pavillon der Afar-Region


    Thron Saal


  • Das ist schön, Entoto mit mehr Zeit zu erleben. Ich hatte das ja nur am ersten Tag nach der Nacht im Flugzeug und ohne Frühstück, während Muller wahnsinnig Stress hatte, ich könne mich beschweren, dass ich nicht genügend zu sehen bekomme.


    Hast du mit den Kindern eigentlich Amharisch oder Englisch gesprochen?

  • Der erste Bilder gefallen mir schon sehr und lassen mich gerne mitreißen.👍

    Schön finde ich wie du in der Familie aufgenommen würdest und schon fast dazu gehörst, so habe ich den Eindruck. Und es ist bestimmt spannend mit den Kids zu spielen, vor allem Schiffe versenken. 😊

  • Hast du mit den Kindern eigentlich Amharisch oder Englisch gesprochen?

    Beides, je nachdem wie ich es schneller ausdrücken konnte. Manchmal habe ich sogar mitten im Satz gewechselt. Es gibt Wörter, wo ich die englische Vokabel nicht kenne, aber die amharische weiß. Und umgekehrt.


    Angelika Hat er. Aber gaaanz anders, als ihr euch das jetzt vorstellt. =)

  • 6. / 7. Jan. - ገና die orthodoxe Weihnacht


    የገና በአል yegena beal steht an. Das muss vorbereitet werden. Wir müssen einkaufen. Zuerst in die Innenstadt, wo ich mir Bargeld besorge. Muller hat was mit der Autoversicherung für den nur geliehenen Kleinbus zu klären. Ich schaue mich in der Zwischenzeit nach einer Armbanduhr um, finde aber nichts Günstiges. Es soll eine ganz einfache Digitaluhr nur für diesen Urlaub sein, die ich hinterher wegwerfen oder verschenken kann. Da ich in der Mall keine Uhr finde, nutze ich stattdessen die Zeit und statte einem Friseursalon einen Besuch ab. Frisch frisiert kehre ich auf dem Parkplatz zurück, wo Muller mich schon vermisst. Deshalb klingelte bereits mein Phone. Die lokale SIM ist drin, Muller hatte noch eine rumliegen. Zwar ohne Datenvolumen, aber für Telefongespräche reichts. Surfen erledige ich über Mullers Phone via Hotspot, den er mir immer aktiviert, wenn ich ihn brauche. So geht’s auch.


    Wir kehren zum Haus von Tigist und Asmerom zurück, essen Missa, um danach zusammen mit Asmerom zu einem Viehmarkt am Rande der Stadt zu fahren. Es soll morgen Ziege geben. Wir fahren los und es dauert eine Weile, bis wir auf dem Viehmarkt ankommen. Obwohl wir die letzten km auf einer Straße fahren, die mir unbekannt vorkommt, bin ich der Meinung es ist derselbe Markt, auf dem wir im Sep. 19 bereits eine Ziege erwarben. Ich frage danach und man gibt mir Recht. Teile der Umgebung habe ich wiedererkannt. Ansonsten hat sich durch eine neue Straße, auf der wir ankamen, der Markt etwas verlagert.






    Muller und Asmerom gehen von Händler zu Händler suchen und feilschen ewig. Manche Händler werden öfters aufgesucht und das Handeln geht von vorn los. Das perfekte Exemplar zum besten Preis wird gesucht. Nach fast einer Stunde haben wir sie dann. Unser Kauf wird uns verschnürt in den Gepäckbereich des Toyotas gelegt und wir können zurückfahren. Die Ziege wird auf dem Hof angebunden und mit Wasser versorgt. Es ist heiß draußen. Jonathan und Redit besorgen etwas Grünzeug für die Zicke, die auch futtert, was man ihr vor die Nase hält.



    Wir brechen erneut auf. Es ist schon später Nachmittag und wir brauchen noch Gemüse. Nicht nur für den Feiertag morgen, sondern auch für unsere Fahrt ins Land. Zusammen mit Tigist geht es mit dem Kleinbus zu einem Gemüsemarkt. In Addis Abeba herrscht Maskenpflicht, die weitestgehend eingehalten wird, jedenfalls von den Kraftfahrern und Fahrzeuginsassen. Unter den Fußgängern sieht man es lockerer. Da sind viele „nackt“ unterwegs.


    Auffallend sind die häufigen Polizeikontrollen. Darüber war ich bereits im Vorfeld informiert, da ich seit geraumer Zeit die Nachrichten über und aus Äthiopien verfolge. Sowohl die Trafficpolizei, die Amharapolice und die Federalpolice halten Autos an und kontrollieren Insassen sowie Ladung. Man ist ob der volatilen Sicherheitslage im Land etwas nervös offenbar. Auch unser Bus wird häufig gestoppt. Da hat man besser die Maske auf. Meistens werden wir aber gleich ohne weitere Maßnahmen weitergeschickt. Ein Ferenji an Bord, uninteressant. Lediglich einmal muss ich in der Hauptstadt meinen Pass vorzeigen. Und auch nur zeigen, reingeschaut hat er nicht. Wahrscheinlich nur eine Alibimaßname, weil es bereits dunkel war und er den Ferenji erst spät erkannt hat. Ansonsten beschränkten sich die Kontrollen meist auf Handschuhfach und Schiebetür auf und kurzer Blick rein.


    Beim Gemüsemarkt übernimmt Tigist die Initiative. Sie sucht aus und verhandelt. Tütenweise werden Grünzeug und auch Früchte gekauft. Ich überlege, wie wir das alles zu dritt bis zum Parkplatz bekommen werden. Doch auch dafür gibt es hier eine Lösung. Meist jugendliche Träger, sogar Kinder, die alles in einen großen Sack packen, den Schultern und damit für kleines Geld zum geparkten Wagen laufen. Ja in Ländern, wo Arbeitskraft billig zu haben ist, gibt es alle möglichen Arten von Service.








    Auf dem Rückweg ein weiterer Einkaufsstopp. Eine ሐብሐብ habhab (Wassermelone) wird gekauft. In einem der Nachbargeschäfte bekomme ich für 80 Birr (zwei Euro) eine einfache Digitaluhr.


    Zu Hause zurück, wird Abendessen gemacht. Die Kinder dürfen länger aufbleiben. Morgen ist Weihnachten. Für mich schon wieder. Wir müssen morgen dagegen zeitig raus. Um 0.00 Uhr Lokalzeit (wer weiß es noch, wie das mit der Zeit dort funktioniert?) ist aufstehen angesagt. Die Ziege wartet und ich darf wieder mitmachen.


    Wir brauchen zwei Stunden, bis die Frauen in der Küche übernehmen. Dann Frühstück mit Kurt. Besser gesagt Qurth (ቁርጥ). Rohe Fleischwürfel aus den Filetteilen mit megascharfer Berberesoße. Auch ich lange zu, bin mit der Soße aber sehr zurückhaltend. Später gibt es Tibs mit Indjera. Überhaupt wird am Weihnachtsfeiertag den ganzen Tag gegessen, getrunken und gequatscht. Es wird Thela serviert, dass hier übliche lokale Bier aus den verschiedensten Getreidesorten vergoren. Die Nachbarsfamilie aus der Einliegerwohnung feiert mit. Der Fernseher läuft den ganzen Tag über nebenbei. Es werden die Weihnachtsmesse und die weiteren Feierlichkeiten aus Lalibela übertragen. Auffallend, es trägt dort niemand Maske. Später läuft einheimische Musik und es wird getanzt.





    Hier kommt Kurt (oben auf dem Teller)



    Links der Magen, auch der wird kleingeschnitten mit Indjera verspeist.



    Die Familie aus der Einliegerwohnung mit Napi, dem Jüngsten und der großen schüchternen Tochter.



    v.l.n.r. der größere Sohn der Gäste, Jonathan, Asmerom und Muller


    Normalerweise gehen die orthodoxen Christen am Weihnachtstag in die Kirche zur Ganna-Messe, die sehr zeitig um 22.00 Lokalzeit beginnt. Meist festlich gekleidet mit der Shamma, einem großen weißen Tuch. Das Weihnachtsfest beendet auch eine Fastenzeit. Hier geht niemand zur Messe. Ob mit Rücksicht auf mich, habe ich nicht nachgefragt. Sie wissen ja, dass ich nicht glaube. Ich hätte aber der Messe beigewohnt. Schließlich bin Ich hier der GAST und habe die nationalen Gepflogenheiten zu akzeptieren.


    Seltsamerweise fahren wir abends noch einmal in die Stadt. Muller will noch Besorgungen machen. Ja, hier haben Geschäfte auch am Feiertag geöffnet. Er kauft Dinge, die für die kommenden Campingtage gedacht sind und offenbar noch fehlen, u.a. Plastikhocker.

  • Schön, der ausführliche Bericht, nachdem ich zuvor nur das Foto mit der Ziege hatte.


    Bei jedem Wort, das du schreibst und bei jedem Bild sehe ich, wie sehr du eingetaucht bist. Ich bin ja nach wie überzeugtdass du irgendwann einen Container Zeug nach Äthiopien schickst und dort zumindest zum Überwintern hinziehen wirst.