Winterwonderland Sapporo - Februar 2017

  • Weil es gerade so schön zur Jahreszeit passt: Hat jemand Lust auf einen kleinen Reisebericht aus Sapporo?


    Ich war dort im Februar 2017 für ein paar Tage zum Snowfestival. Was für den Reisebericht zu meiner 2019er-Japanreise galt, gilt hier leider umso mehr: An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich werde versuchen, mich an den Bildern entlang zu hangeln.


    Wer mitreist, sollte die dicke Jacken, Handschuhe, Skiunterwäsche und vielleicht ein Thermopad für die Schuhe in den Koffer packen!

  • 5. Februar 2017


    Ich war schon seit ein paar Tagen im Land und hatte Tokio und Umgebung unsicher gemacht. In Tokio war ich teilweise bei frühlingshaften Temperaturen herumspaziert, jetzt stand mir aber der Flug auf die Nordinsel Hokkaido und damit in die Kälte bevor. Vom Frühling in die Kälte gings in nicht einmal eineinhalb Stunden. Den Flug verbrachte ich in einem leichten Dämmerzustand, denn bei meinem Besuch bei den Schneeaffen ein paar Tage zuvor hatte ich mir anscheinend eine Erkältung eingefangen. Zum Glück war der Tag nicht lang. Am frühen Nachmittag stand ich schon am Flughafen Chitose, und von hier aus ging es per Zug in etwa einer halben Stunde ins Stadtzentrum von Sapporo und mit der U-Bahn zum Hotel.






    Auf einem Erkundungsgang in einen nahegelegenen Laden habe ich dieses, damals noch sehr exotisch wirkende Foto gemacht:




    Mehr Eindrücke von diesem ersten Sapporo-Tag habe ich leider nicht zu bieten, denn den Rest des Tages verbrachte ich mit meiner Erkältung im kuscheligen Hotelbett.


  • Ach - ich HASSE Winter, Kälte, Schnee & Eis, trübe dunkle Tage und glatte Straßen... wenn ich arbeiten muss, täglich schippen & kratzen und es ist

    dunkel, wenn ich das Haus verlasse und wieder nach Hause komme....


    ABER - auf Deine Eindrücke aus dem winterlichen Japan freue ich mich!!!! :thumbsup:

    Schön, daß Du nochmal eine ganz andere Seite des Landes zeigen möchtest, und Sapporo ist ja sehr berühmt für die Eisskulpturen.

    Da bin ich gespannt.


    VG

    Gusti

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    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
    Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.

  • Gibt's in Japan auch Glühwein? Oder Punsch?

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  • Dann sind wir ja alle gut ausgestattet (jedenfalls besser als der französische Botschafter) und können los. Ich teile den Tag in zwei Berichte.



    6. Februar 2017 (Teil 1)


    Heute morgen fühlte ich mich zum Glück besser und fuhr eine Station mit der U-Bahn zum Odori-Park, wo heute morgen das Snowfestival eröffnet werden sollte.


    Das Snowfestival, das Yuki Matsuri, fand dieses Jahr zum 68. Mal statt. Seine Ursprünge hat es im Jahr 1949, als die ersten Schneeskulpturen von Schülern und Studenten gebaut wurden. Daraus wurde in den folgenden Jahren ein Wettbewerb, und heute ist das Festival international bekannt und gilt als eines der beliebtesten Winterfeste in Japan. Das Festival hat drei Standorte: Tsu Dome, wo eher die „Mitmach“-Ziele angesiedelt sind, Susukino, das Ausgehviertel Sapporos, in dem auch mein Hotel lag und wo die Eisskulpuren gezeigt werden, und schließlich den Odori-Park, einen 1,5 km langen Bereich in der Stadt, wo die riesigen und die kleineren Schneeskulpturen gebaut werden.


    Im Odori-Park sollte das Festival eröffnet werden. Ich dachte, ich müsste dazu an den Nachbau des Tempels von Nara, aber die ersten Festivitäten fanden am Arc de Triomphe statt. Dort wurde aber anscheinend nicht das Fest, sondern die Skulptur eröffnet, unter Beteiligung des französischen Botschafters. Die Skultpur war aber auch wirklich gelungen.










    Die richtige Eröffnung fand dann doch am Nara-Tempel statt, und ich kann mich heute noch daran erinnern, dass sie sich unglaublich in die Länge zog. Ich hatte immerhin gefütterte Schuhe an. Der französische Botschafter fror aber ganz offensichtlich und wippte ständig mit den Füßen. Der 2021-Bernie-Sanders-Grumpy-Chic war für ihn heute morgen bei der Auswahl seiner Kleidung offenbar keine Option gewesen.





  • Nachdem die Eröffnung geschafft war, holte ich mir erst mal einen Spieß mit Krabbenfleisch.




    Danach trat auf der Bühne vor dem Schnee-Nara-Tempel noch der Abt des echten Nara-Tempels auf und durfte ohne Mantel an einer Zeremonie teilnehmen. Er wirkte unglaublich begeistert.





    Mir war auch kalt, und die Erkältung steckte mir in den Knochen, Ich sondierte noch das Essensangebot für den nächsten Besuch beim Festival, schaffte mich dann aber wieder Richtung Hotel.






  • Cool, ein neuer Bericht!=)


    Am besten fetzt der Fleischmensch am Grillstand! Da wäre ich sofort Kunde geworden. Das Bild offenbart auch wieder, dass ich mit Katagana-Umschreibungen auf Kriegsfuß stehe. Wenn da nicht Brasil in Romanji stehen würde, könnte ich mit "Burazuru" nichts anfangen.

    Süß ist auch das Jizo-Bild, bei dem sich die beiden Kinder "aus dem Schnee hochflüchten".

  • Du schaust dir meine Bilder genauer an als ich! :thumbsup:


    Aber stimmt: Da gibts ein paar Katakana unter Brasil. Leider habe ich mir selber nur die Hiragana beigebracht. Die konnte ich sogar richtig gut. Die Betonung liegt auf "konnte".


    Die lautlichen Verrenkungen, die entstehen, wenn Japaner versuchen, ein Wort mit vielen Konsonanten ins Japanische zu übertragen, verwirren mich aber auch regelmäßig. ^^

  • 6. Februar 2017 (Teil 2)


    Nachmittags war es draußen natürlich immer noch kalt, und ich war immer noch ein bisschen matt von der Erkältung, aber das schöne an Sapporo ist, dass man hier herumlaufen kann, ohne sich der Kälte auszusetzen: Man wechselt einfach ins Untergeschoss. Die unterirdischen Einkaufspassagen rund um die zentralen U-Bahnhöfe sind so ausgedehnt, dass man teilweise durch unterirdische Einkaufsstraßen von einer Station zur nächsten laufen kann.


    Bei meiner ersten Japan-Reise 2014 hatte ich mir kaum die Zeit genommen, einfach mal herumzuflanieren. Jetzt schaute ich mich in aller Ruhe um, was Geschäfte, Drogerien und die großen Kaufhäuser zu bieten hatten. Ich stellte fest, dass es sogar Masken mit verschiedenen Düften gab. Die legte ich mir spontan für mich und als Reisemitbringsel zu (Drei Jahre später fand ich die Masken tatsächlich noch in einer Schublade. Die erste Maske, die ich im Frühjahr 2020 trug, war deshalb eine mit Grapefruit-Duft).



    Mitten in der Einkaufsstraße gab es auch eine Wellensittich-Voliere. Die wirkten erstaunlicherweise ganz fröhlich.



    Ein Stück weiter gab es Kimonos, ganz nach Wunsch dezent oder in wunderbar leuchtenden Blumenarrangemants.





    Und kaum ein Laden mit Andenken und Krimskrams, der keine Glückskatzen im Angebot hatte.



    Zurück an der Oberfläche bog ich spontan in ein mehrstöckiges Gebäude ein und fand mich in einem Spieleparadies wieder. Über zwei Etagen gab es hier Geräte, bei denen man Spielzeuge mit Greifarmen aus ihrem Glaskasten befreien kann, in der Etage darüber waren Videospielgeräte aufgebaut. Die obere Etage war für Karaoke-Kabinen reserviert. Weil niemand sich bemüßigt fühlte mich zu stoppen, schaute ich in einige der unbesetzten Kabinen hinein. Die waren von Pastelltönen bis beige-braun gediegen in ganz unterschiedliche Stilen eingerichtet. Anscheinend trifft man sich hier auch gerne, ohne zu singen, denn Privatsphäre gibt es in den kleinen Wohnungen meist wenig, so dass die Karaoke-Kabinen auch genutzt werden, um einfach miteinander abzuhängen (oder evtl. auch anderes).




  • Abends mache ich mich wieder auf den Weg zum Odori-Park. Ich wollte erst mal zur Ski-Schanze. Dort zeigten eine Stunde lang mehrere Snow-Boarder ihre Sprünge.





    Am Taiwanesischen Guesthouse, einer Skulptur aus Eis, war auch einiges los. Auf der Bühne sang und tanzte eine Mädchentruppe, das Publikum ging begeistert mit. Ich habe keine Ahnung, ob sie "berühmt" waren, die Darbietungen wirkten jedenfalls ziemlich professionell, und der Andrang war groß.






  • Danach gings weiter, vorbei an kleinen und großen Schneeskulpturen und Essensständen.







    Ein Stück weiter wurde gebaut: Hier entstanden gerade die Skulpturen, die am diesjährigen Wettbewerb um die schönste Schneeskulptur teilnahmen mit Teams aus mehreren Ländern.



    Ich war schon wieder länger herumspaziert, als ich eigentlich wollte, holte mir nur noch etwas zu essen und freute mich dann durchgefroren wie ich war auf das warme Hotelbett.

  • Oh, ich fand schon in den letzten Wochen die vielen Schneemänner kunstvoll, die in den Social Media gezeigt wurden. Diese Figuren toppen natürlich alles!


    Bei den vielen Preisschildern auf den heutigen Fotos habe ich mich wieder mal bemüht, einen Währungsrechner zu fragen. OK, so einen Snack für knapp 4 Euro finde ich nachvollziehbar. Aber die Kimonos? Was bedeutet "9.9" wohl? 9900 Yen? Aber 78 Euro ist dann doch ein bisschen wenig für das ganze Outfit, denke ich. Oder gilt das wohl nur für den Obi?