• India 1986


    1986 fuhr ich mit meinem Studienfreund nach Indien, um einerseits 6 Wochen an einam Krankenhaus in Kerala zu hospitieren,

    andererseits nachher per Rundreise das Land zu erkundigen. Über die Erlebnisse werde ich hier berichten können.

    Kommentare mag ich gerne und werde gerne darauf eingehen.


    Ankunftsort war Bombay,

    wo wir Malabar Hill, Chowpatty Bch. und das Gateway of India bestaunen.




    Ich werde versuchen, mehr oder weniger täglich hier einzustellen,

    dann auch mehr an Text zu schreiben und bunte Bilder zu zeigen, die natürlich als Diapositive digitalisiert wurden.


    Gruß


    indiavision

  • ... Etwa 03.30 Uhr Ortszeit (+4 h) landen wir erst im zweiten Anflug in Bombay, weil die Maschine bei starken Turbulenzen noch einmal durchstarten muss.

    Bei der Gepäckaufnahme der erste Schreck: Der Rucksack meines Studienkollegen ist nicht da, fliegt weiter nach Dhaka, Bangladesh.

    06.30 mit einem Bus Richtung Bombay Hospital, wo wir Melani, Nichte unserer Kontaktperson aus Kerala (einem kath. Prriester, der vorher in D. als Gastpriester tätig war), treffen. Sie ist in Begleitung von Solaman und Shati, die uns zum YWCA bringen, wo wir uns völlig übermüdet erst mal ausruhen können.

    Abends machen sie mit uns einen Ausflug in die „Hängenden Gärten" vom Malabar Hill in Bombay sowie zum Marine Drive am Chowpatty Beach. Dort sind viele Menschen unterwegs und flanieren, auch viele Bettler und Gaukler, wie Schlangenbeschwörer. Die Bettler bedrängen uns (sogar im Taxi), was wir natürlich nicht kennen und als ersten Kulturschock hinnehmen. Fremdartig sind auch Pockennarbige und Leprakranke, die sich mit fehlenden Extremitäten auf selbstgebauten „Skateboards" (den Begriff gab es damals noch nicht) durch die Straßen schieben.



  • Ich weiß nicht mehr in Einzelheiten, wie sich die lange Zugfahrt abgespielt hat. Es ging über Bombay (Mumbai) in Maharashtra über die Bundesstaaten Goa und Karnataka in 38 Std. und rund 1400 km nach Kerala.




    Abends werden die Sitzlehnen hochgeklappt, so dass man darauf liegen und schlafen kann. Aus Angst vor Schmutz und Erkrankungen legen wir uns auf Zeitungspapier. Es ist Vor-Monsun, heiß im Waggon, schwül, Fans verteilen die stickige Luft gleichmäßig.





    Die Züge fahren langsam, so dass man in den Bahnhöfen immer mal wieder aussteigen kann. Sobald der Zug wieder losfährt, steigt man wieder in einem beliebigen Waggon zu und geht dann zurück an seinen Platz. Bettler, Versehrte, aber auch viele fliegende Händler steigen zu und am nächsten Halt fahren sie zurück. Sie wollen alles mögliche verkaufen: Nahrungsmittel, Getränke (Chai), aber auch Skurriles wie ausgestopfte Tiere (Kobras) oder lebende Tiere, z.B. indische Mungos.



    Draußen warten die Affen darauf, etwas aus den Abteils zu stibitzen, was ihnen anfangs auch gelingt, denn damit rechnen wir natürlich nicht.





    Die Mitreisenden im Zug sind alle sehr an uns interessiert und wohlgesonnen. Dadurch ergeben sich freundliche Gespräche und Kontakte.




    Irgendwann kommen wir zu früher Morgenstunde in Alwaye in KERALA an und steigen im Dunkel auf den leeren Bahnsteig aus.

    Father E. wartet draußen (ohne Fahrkarte darf man den Bahnsteig nicht betreten) und fährt uns ins St. Joseph`s Pontifical Seminar für Theologie und Philosophie. Dort erhalten wir 2 Zimmer und frühstücken.


    Unglaublich heute, dass das alles so funktioniert hat: Nur Briefkontakt und verlässliche Verabredungen. Handy, Computer, Internet gab es alles noch nicht.

  • Ich freue mich total über deine Bilder!


    Mein Gott, 1986 wurde ich 18. Meine Sorgen waren das Abi und ob ich wohl nach der Fahrprüfung Mutters Auto bekomme.


    Reisen bedeutete für mich, in diesem ersten Jahr nach dem Tod meines Vaters ganz vorsichtig mit Mutter und Bruder 3 Wochen an der Costa Brava zu verbringen und dort ein paar Nischen abseits der Tourimeilen zu finden.


    Indien war für mich ein Land. von dem ich so gar nichts wusste, also wirklich NICHTS, außer dass die Menschen dort arm sind und es überall dreckig ist.


    Niemals wäre ich nach Indien geflogen 1986. Ich wäre nicht einmal auf die Idee gekommen, dass man überhaupt nach Indien fliegen kann, einfach so als Tourist.


    Du warst damals sicher in deinem Bekanntenkreis der absolute Exot: Erstens nach Indien und zweitens auch noch auf eigene Faust!


    Unglaublich heute, dass das alles so funktioniert hat: Nur Briefkontakt und verlässliche Verabredungen. Handy, Computer, Internet gab es alles noch nicht.

    Ich glaube manchmal, dass Handy, Internet und Social Media die Welt eher unzuverlässiger machen: Verabredungen sind oft so unverbindlich. Ich habe den Eindruck, dass viele sich ihre Zu- oder Absage bis auf die letzte Minute aufsparen, das geht ja auch so einfach, gerade Unbekannten gegenüber: Kurze Whats App: Sorry, mir ist was dazwischengekommen. Und man ist das Date wieder los. Kurze Whats App: Hey, ich bin doch dabei und man hat gleich etwas vor.

  • Großes Dankeschön auch von mir!


    1986 hat mein babygerechter Horizont immerhin bis Bibione gereicht :)


    Meine damals beste Freundin ist nach dem Abi (ein paar Jahre früher als Birgit) für ein Jahr mit ihrem Rucksack auf dem Landweg nach Indien gereist. Niemand konnte das verstehen, vor allem nicht die Eltern, ich sollte es ihr ausreden.

    Danach hat sie in Berlin studiert und nach dem Abschluss Deutschland in Richtung Südamerika wieder verlassen, so ist der Kontakt leider abgebrochen.

    Dein Thread versetzt mich gerade zurück in diese Zeit und ich freue mich über Bericht + Bilder!

  • :D Siehst Du, und ich wollte damals mit 16 schon uuunbedingt nach Japan, obwohl das für mich als Ost-Kind 1986 noch absolut illusorisch war.


    Tja, und rückblickend rätsle ich tatsächlich auch, wie wir so unbekümmert ganz ohne Navi mit dem Motorrad zwischen Nordkap und Mittelmeer unterwegs waren. Das muss man sich mal vorstellen: wir haben Karten benutzt, wie ím finstersten Mittelalter .:S

    Ich glaube die liegen sogar irgendwo noch rum.

  • Tja, und rückblickend rätsle ich tatsächlich auch, wie wir so unbekümmert ganz ohne Navi mit dem Motorrad zwischen Nordkap und Mittelmeer unterwegs waren. Das muss man sich mal vorstellen: wir haben Karten benutzt, wie ím finstersten Mittelalter .

    Jaaaaa, genau!


    Ich war Mitte der 90er in Jordanien und Syrien. Es gab nur je einen englischsprachigen Reiseführer. Die meisten Schilder, Verkehrszeichen usw. waren nur in arabischer Schrift. Dennoch haben wir in Amman und Damaskus usw. mit dem Mietwagen und ohne Navi und sogar ohne Straßenkarte, nur mit einer Wegbeschreibung, die vorgebuchten Hotels gefunden.

  • Indien war für mich ein Land. von dem ich so gar nichts wusste, also wirklich NICHTS, außer dass die Menschen dort arm sind und es überall dreckig ist.


    Niemals wäre ich nach Indien geflogen 1986. Ich wäre nicht einmal auf die Idee gekommen, dass man überhaupt nach Indien fliegen kann, einfach so als

    Ich war fasziniert von Kiplings Dschungelbuch und was es sonst so gab. Vorbereitungen gingen über den Polyglott und Stadtbücherei.


    Wir flogen von Amsterdam mit BIMAN Bangladesh Airlines, war wohl das günstigste. Wir durften uns in der Kanzel mit dem Flugkapitän unterhalten und von dort fotografieren, war herzlich und easy.

  • 1986 hat mein babygerechter Horizont immerhin bis Bibione gereicht :)


    Meine damals beste Freundin ist nach dem Abi (ein paar Jahre früher als Birgit) für ein Jahr mit ihrem Rucksack auf dem Landweg nach Indien gereist

    Mit Baby ging ja auch nicht anders, aber das war ja auch schön !

    Wir hatten auch nur jeder 1 Rucksack mit, und der von meinem Begleiter kam nicht in Bombay an, sondern flog nach Dhaka weiter, so dass wir zunächst mal nur aus einem lebten, bis er nach-geshoppt hatte.



    Das muss man sich mal vorstellen: wir haben Karten benutzt, wie ím finstersten Mittelalter . :S

    Ich glaube die liegen sogar irgendwo noch rum.

    Ja, NAVI konnte man nicht mal dran GLAUBEN und sich vorstellen, Karten aus dem Polyglott.


    Ich glaube manchmal, dass Handy, Internet und Social Media die Welt eher unzuverlässiger machen: Verabredungen sind oft so unverbindlich.

    Stimmt. Wir waren damals gutgläubig und es hat geklappt. Wir empfanden die Menschen dort sowieso als sehr zuverlässig.

  • Erste Bilder aus Kerala





    Priesterseminar


    Wir überreichen Vater E. eine mechanische Schreibmaschine aus Dtschl., die er sich als Geschenk gewünscht hat.




    Anschließend fahren wir zum „Shopping" wegen des vermissten Rucksacks, damit mein Studienfreund sich einige Kleidungsstücke kaufen

    kann. Wir besuchen die „Backwaters" und „Bolghatty Island", die St. Francis Church (erste europ.Kirche in Indien) sowie die St. Mary`s Basilika in Cochin.





    Straßenszene Cochin



    Am nächsten Tag bringt uns Vater E. zu seinen Eltern und zeigt uns deren Anwesen, bevor wir zum Krankenhaus weiterfahren.




    Frische Kokusnuss für uns aus der Baumkrone.

  • Ich war ein paar Jahre älter und im Studium, somit war das Reisebudget knapp.

    Um 1990 herum, dann im Studium, flog eine Freundin nach Bali. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, was und wo das wohl war. Heute ist Bali eine Art Standardziel für alle möglichen Leute...


    Indien hingegen wird von den meisten immer noch als sehr exotisch empfunden...

    Ich war fasziniert von Kiplings Dschungelbuch und was es sonst so gab. Vorbereitungen gingen über den Polyglott und Stadtbücherei.

    Ach, sieh an, es gab also schon einen Polyglott?



    Zu deinen Bildern: Es sieht vieles so geordnet aus. Ich weiß nicht, ob die Kuh auf der Straße mir 1986 exotisch vorgekommen wäre, also so auf dem Bild. Aber ordentliche Büros und Palmen hätte ich wohl nicht unbedingt mit Indien in Verbindung gebracht...

  • Zu deinen Bildern: Es sieht vieles so geordnet aus. Ich weiß nicht, ob die Kuh auf der Straße mir 1986 exotisch vorgekommen wäre, also so auf dem Bild. Aber ordentliche Büros und Palmen hätte ich wohl nicht unbedingt mit Indien in Verbindung gebracht...

    Ja, das stimmt wohl. Kerala war /ist ? gegenüber den anderen Bundesstaaten relativ geordnet. Armut und Betteltum kam relativ wenig vor, zumindest damals.

  • Heute folgen einige Bilder ohne große Kommentierung aus der Klinik.






    Etwa die Hälfte der Kinder hat infektiöse Darmerkrankungen (Enteritiden, Typhus etc.), außerdem zahlreiche Tbc- und unklare Fiebererkrankungen. Auch ... Otitiden, Atemwegsinf., Abszesse und recht häufig rheumat. Fieber. Es gibt sehr viele Babies, die oft mit Untergewicht, Fieber usw. aufgenommen werden müssen. Außerdem machen wir Routineunters. (Schädelinnen-druckkontr., Fontanelle, Reflexprüfungen, Auskultationen) und Schutzimpfungen.



    Man beachte die Extension und das Hochstellen des Bettes, einfach aber funktionell.




    Bedingt duch den Monsun kommt es häufig zu längeren Stromausfällen. Vermutlich kippen Strommasten in den feuchten Wiesen um. Im Op geht man routiniert damit um, indem mit Taschenlampenlicht weiter gearbeitet wird. Der OP-Tisch ist rein mechanisch und die Beatmung wird dann auch manuell weiter geführt. Das Patientenmonitoring geschieht klinisch. Manchmal gibt es den ganzen Tag über quasi keinen Strom. Ärzte und Schwestern sind bestens ausgebildet und haben ein hohes Qualifikationsniveau !



    Die Kinder freuen sich. wann immer sie uns sehen.




    Stes erhalten wir leckeres und hygienisch einwandfreies Essen.