Kenia - Welche Parks?

  • Hallo zusammen,


    ich glaube, hier im Forum waren schon einige in Kenia.

    Bisher waren wir mehrere Male immer als Selbstfahrer im südlichen Afrika (Namibia, Südafrika, Botswana und kurz Zimbabwe) unterwegs. Darüber hinaus habe ich eine organisierte Safari in Tansania gemacht.


    Jetzt überlegen wir, ob wir nicht übernächstes Jahr (ich weiß, es ist noch lange hin, aber ich plane immer seeehr frühzeitig, außerdem brauche ich das in den Corona-Zeiten) nach Kenia reisen sollten. Noch befinde ich mich im Anfangsstadium der Planungen und weiß vieles noch nicht.

    Würden wir das machen, würden wir eine private Tour mit eigenem Fahrer und mit einem für uns passenden Fahrzeug (äußerst wichtig aus gesundheitlichen Gründen) machen wollen.


    Unabhängig davon, ob dann bestimmte Parks für uns realisierbar sind, meine Frage an Euch, welche Parks bzw. auch private Reservate etc. würdet Ihr empfehlen?

    Auf meiner Wunschliste steht (natürlich) die Masai Mara (allerdings nicht zur Migration, das hatte ich in Tansania und war geschockt) und der Samburu, ggf. auch der Aberdare. Auch fände ich private Konzessiongebiete wie Lewa, Ol Pejeta interessant.


    Beim Amboseli bin ich mir nicht sicher. Was würde für ihn sprechen, was andere Parks nicht haben? Wenn es nur der Blick auf den Kili ist, wäre das für mich nicht ausschlaggebend, da ich im Shumata Camp in Tansania war.


    Wir mögen schöne, kleinere Camps, vorzugsweise in den Parks und nicht außerhalb, mit der Chance auf tolle Tiersichtungen.


    Habt Ihr auch noch Tipps, gerne auch von nicht so bekannten Parks, Reserves etc.


    Was jemand, wie es "Flamingo-technisch" am Lake Bogoria aussieht? Am Lake Nakuru scheint es ja nicht mehr so viele aufgrund des arg gestiegenen Wasserstandes zu geben.


    Freue mich auf Euren Input.


    Viele Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine,


    wir waren mit einem sehr kundigen Guide in einem bequemen Jeep unterwegs:


    Ol Pejeta

    am Wasserloch konnten wir schon vom Zelt aus unglaublich viele Tiere sehen:

    Elefanten, Löwen, Giraffen und Spitzmaulnashörner waren immer da, auf den Pirschfahrten ebenso + Büffelherden, Hyänen, Schakale, Servals und Breitmaulnashörner. Dazu fantastische Sonnenuntergänge.


    Laikipia

    keine Flamingos, dafür jede Menge anderer Großvögel und viele Hippos


    Lewa

    fanden wir landschaftlich am reizvollsten: Zu den bereits genannten Tieren kamen Geparden, Giraffenantilopen, Pavianhorden und hunderte von Elefanten beim Baden + Schlammspritzen


    Mehrfach habe ich Afrika bei einem kleinen Unternehmen in Südafrika gebucht, eine der Mitarbeiterinnen lebt inzwischen in Deutschland. Falls Du Interesse hast, kann ich Dir gerne die Adresse geben.

  • Hallo Sabine, ich musste erstmal googlen was "die migration" ist. Darf ich fragen was dich daran schockiert hat?

    Hallo RL2018,


    in dieser Zeit sammeln sich riesige Gnuherden (und auch Zebraherden). Hunderttausende von Tieren ziehen von der Serengeti in die Mara und dann wieder zurück. Ein einzigartiges Schauspiel auf unserem Planeten. Dabei müssen die Herden auch immer wieder Flüsse überqueren, was mit großen Gefahren verbunden ist (Krokodile, Abgetrieben werden, Ertrinken etc.) So sind die Tiere auch sehr zögerlich, bevor sie das Crossing wagen. Gnus sind zudem nicht gerade mit großer Intelligenz gesegnet.


    Dieses Schauspiel zieht natürlich auch von Jahr zu Jahr mehr Touristen an. Ich kannte diese Migration nur aus Dokumentationen und schon seit Jahren wollte ich mir das gerne anschauen. Die Reise, die ich dann wählte, war hauptsächlich danach ausgesucht. So standen wir dann inmitten von Tausenden von Gnus (unbeschreiblich), die sich zum Fluss bewegten, sich dann aber nicht trauten und wieder zurückkamen … ein unglaubliches Getöse und wahnsinnig beeindruckend, wie sich die Herden in Gang setzten und wieder zurück. So ging das Ganze eine ganze Weile und wir warteten mehrere Stunden, was absolut nicht ungewöhnlich, sondern eher Standard ist. Man kann auch Pech haben und die Tiere machen gar kein Crossing.


    Wir warteten also und mit uns an dieser Stelle Dutzende von Fahrzeugen, auf der anderen Flussseite in Kenia ebenfalls noch einmal so viel. Man muss einige hundert Meter Abstand zum Fluss halten und darf dann erst losfahren, wenn ein Teil der Gnuherde bereits im Fluss ist, damit sie nicht wieder umdrehen. Was (die vielen weiteren Fahrzeuge) ich jetzt noch nicht mal ganz so schlimm gefunden hätte, ich war ja auch ein Teil dessen. Aber es gab immer wieder Fahrzeuge, die sich nicht an die Spielregeln gehalten haben und den Gnus ihren Weg abschnitten und/oder zum Fluss fuhren. Dann standen neben uns zwei Fahrzeuge, die Touris saßen oben auf dem Dach (ist verboten), grölten lautstark und machten Party. Furchtbar, ich frage mich, was deren Motivation war, auf Safari zu gehen, Respekt vor der Natur wohl eher nicht.


    Als es dann endlich soweit war und ein kleines Crossing los ging und die Ranger das Okay gaben, zum Fluss zu fahren, setzte ein in meinen Augen völlig wahnsinniges und sehr gefährliches Rennen um die besten Plätze am Flussufer ein. Es ging querfeldein, überall (Erdferkel-)Löcher, es wundert mich noch heute, dass es zu keinem Unfall kam. Gleichzeitig musste die Gnuherde teilweise wieder abdrehen, weil sie nicht mehr durchkamen.


    Hätte ich vorher gewusst, dass es so extrem ist, wäre ich nicht dorthin gefahren und hätte mich zum Wohle der Natur mit Dokumentationen im TV zufrieden gegeben.


    Hoffe, das erklärt Dir, dass ich schockiert war und immer noch bin.


    Viele Grüße

    Sabine

  • Hoffe, das erklärt Dir, dass ich schockiert war und immer noch bin.

    Danke ja. Ich hätte nicht gedacht das sowas zelebriert wird dort. Aber deine Schilderung erinnert mich an Tauchboote die morgens loshetzen... Massen an "einsamen" Stränden.... Etc. Etc.


    Wir machen halten uns aus sowas (möglichst) raus. Wir waren nie in Afrika möchten das aber gerne machen irgendwann. Dann weiß ich zumindest was wir auslassen. Danke!


    Nachdem ich gelesen habe das du schockiert bist und gegoogelt habe was die migration ist dachte ich du warst vom "natürlichen" leid der tiere so schockiert.

  • Nachdem ich gelesen habe das du schockiert bist und gegoogelt habe was die migration ist dachte ich du warst vom "natürlichen" leid der tiere so schockiert.


    Hallo,


    ich leide dann schon in gewissem Maße mit. Wir haben auch ein Gnu gesehen, was sich am Ufer in eine sehr matschige Stelle begeben hat und dann von zwei Krokodilen mehrfach gebissen wurde. Nach einer langen Zeit hat es sich aber tatsächlich (ich hatte nicht mehr daran geglaubt) freigeschaufelt und hat den Fluß schwimmend überquert. Man konnte jedoch sehr große Wunden sehen. Ich denke, das Gnu wird nicht lange überlebt haben.


    Wenn man auf Safari geht, sollte man aber immer mit solchen Situationen rechnen.


    Dass ich schockiert war, lag nicht am Verhalten der Tiere ...


    Viele Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine!

    Ich fahre schon lange immer wieder mal nach Kenia. In den letzten Jahren beschränken wir uns aber immer auf Tsavo Ost und West und Amboseli. Einfach weil es von der Küste her relativ leicht erreichbar ist, man mit dem Jeep durchs Land fahren kann und weil uns diese Parks am besten gefallen, und man die Pisten nicht verlässt und eben nicht quer feldein fährt (wie z. b. in der Mara).

    Wir buchen immer bei kleinen Reiseveranstaltern, stellen uns die Reise inkl. Camps selbst zusammen und fahren auch nur privat, wir als Ehepaar mit Fahrer.


    Am liebsten ist mir Tsavo, weil er so groß ist. Amboseli würde ich davon abhängig machen wie lange ihr auf Safari gehen möchtet.

    Erst ab 5 Nächten würde ich von der Küste bis Amboseli fahren. Und wichtig finde ich länger an einem Ort zu bleiben, dann kommt man auch den großen Touristenansammlungen aus, denn die können die Parks meist nur am Nachmittag befahren, weil sie den Vormittag meist für die Weiterreise in den nächsten Park brauchen. Also schon ab zwei Nächten pro Camp lohnt sich das, wir sind oft stundenlang allein unterwegs gewesen (zuletzt im Februar 2020) :-/ - die Sehnsucht ist schon wieder groß. Die Straßen sind schlecht in Kenia, also lieber nicht zu viel Programm reinpacken, lieber länger an einem Platz bleiben.


    Für mich das schönste, urige Camp, aber doch mit allem was man braucht ist das Sentrim im Tsavo Ost - klein und mitten im Busch. Dort lohnen sich zwei Nächte auf jeden Fall, wenn man einen Tag mit Lunchpaket einplant auch drei Nächte, weil man dann im größeren Radius raus fahren kann.

    Eine private Lodge (eher Hotelcharakter, aber nicht schlecht) noch vor der Einfahrt zum Tsavo Ost ist Ngutuni. Es gibt dort direkt vor der Terrasse ein Wasserloch, da kommen die Elefanten ganz nahe.


    Im Tsavo West finde ich die Kilaguni Lodge immer noch besonders schön, und luxeriös. Sie ist die älteste Lodge, aber sehr gut. Abends sitzt man mit Blick aufs Wasserloch und trinkt noch was auf der Terrasse - wenn ich dran denke bekomm ich Gänsehaut, hab so schöne Erinnerungen daran. Auch hier lohnen mind. zwei Nächte. Wenns ein Luxuscamp sein soll dann wäre da das Severin Camp, liegt auch mitten im Busch. Nachts grasen die Nilpferde um die Zelte. Und wenn doch eher urig, aber mit allem was man braucht - dann die Ngulia Bandas (traumhafte Aussicht)- Im Tsavo West finde ich die Entscheidung welche Unterkunft besonders schwer. :)

    Privates Camp von der Küste bevor man nach Tsavo West kommt wäre die Lions Bluff Lodge mit herrlichem Ausblick. Hat mir auch sehr gefallen.


    In Tsavo haben wir schon alles gesehen, Löwen, Leoparden, Gepard, Wildhunde, Elanantilopen, Streifenkudus, viele Elfanten, Giraffen, viele Antilopen, Nilpferde u.v.m. Aber in Tsavo können sich die Tiere auch besser verstecken, ist nicht so einfach wie in der Mara alles zu finden. Aber dafür sind da weniger Camps, weniger Touristen (meist am Vormittag) und viel mehr Platz, ich find das ist Natur pur.


    Wenn ich das erste Mal nach Kenia fahren würde, würde ich den Amboseli einbauen. Er ist ganz anders als die Tsavos oder die Mara. Dort sind die großen Elefantenherden, und viele Gnus und Zebras, auch Löwen u.v.m. Es ist natürlich auch der Blick auf den Kili, der den Park so besonders macht. Aber auch die weite Ebene und diese typischen Akazien. Es gibt im Park schöne Lodges wie z. B. die Serena - ist die gleiche Kette wie die Kilaguni, sehr luxeriös, tolles Essen, super Ambiente. Es gibt auch ein Sentrimcamp, aber das ist außerhalb des Parks. Aber das tut eigentlich nichts zur Sache, die Tiere sind auch außerhalb.


    Wenn ich empfehlen sollte wie lange wohin - dann würde ich als Badehotel das Pindewood am Galubeach nehmen, ein paar Tage zum ankommen und an Land und Hitze zu gewöhnen. Dann losfahren, nach Tsavo Ost - mind. 2 Nächte Sentrim Camp (ev. vorher eine in der Ngutuni Lodge). Dann weiter nach Amboseli - mind. 2 Nächte in der Serena Lodge und auf dem Rückweg in den Tsavo West - auch zwei Nächte Kilaguni Lodge und dann ev. noch eine Nacht in den Ngulia Bandas oder in der Lions Bluff. Und am Ende noch an die Küste um das alles zu verarbeiten, noch ein paar Affen und Vögel vom Hotelbalkon aus zu sehen.

    Ich hab hier schon mal einen Reisebericht reingestellt und schon viel über Kenia gequatscht. =) Ich liebe dieses Land, weil es Afrka pur ist.


    LG Quaxi

  • Hallo Quaxi,


    vielen lieben Dank für Deine ausführlichen Informationen.


    Ich war ja bereits in Tansania und Ostafrika ist wirklich noch einmal ganz anders als das südliche Afrika. Wenn Kenia in Frage käme, dann erst übernächstes Jahr. Auf alle Fälle werde ich mich dann noch einmal intensiver damit auseinander setzen, wobei ich mittlerweile schon zwei Favoriten habe, die ich gerne sehen würde.


    Viele Grüße

    Sabine