Boa Vista: 'No stress' im Paradies.

  • Hat sich leider überschnitten, den "Samstag" und den Rückblick hatte ich noch nicht gelesen, sonst hätte ich mir meine Antwort sparen können.


    Mein Familienurlaub 2023 ist gesetzt, aber wenn der nicht klappen sollte, fliege ich alleine hierher.


    Danke für den lebendigen, spannenden und informativen Bericht!

  • Sicherheitsgefühl:


    Ich kann mich auf Reisen immer gut auf meine Intuition verlassen und habe immer Respekt, aber keine Angst. Auf Boa Vista gibt es - zumindest in Sal Rei und auf Ausflügen - nichts, was in irgendeiner Weise bedrohlich oder auch nur ansatzweise suspekt wirkt. Auch am späteren Abend sind Kinder und auch eher leicht bekleidete Frauen in Sal Rei allein unterwegs - ein gutes Zeichen für Sicherheit.

    Ich bin keinerlei Scams oder Belästigungen begegnet. Dass man mal gefragt wird, ob man nicht in den Shop gucken will, ist ja normal, die Jungs wollen ja schließlich auch von etwas leben. Ein einziges Mal wurde ich angebettelt. Bei einer Woche in Berlin oder Frankfurt am Main passiert das öfter.


    Hygiene und Gesundheit


    Leitungswasser zu trinken, ist tabu. Eis im Getränk ist OK, da es nicht aus Leitungswasser hergestellt wird. Salat und das Essen haben mir in keiner Weise geschadet, allerdings habe ich einen Menschen getroffen, der erzählte, nach dem Essen von Meeresfrüchten stark geplagt gewesen zu sein, die Kühlkette wird vielleicht nicht immer zuverlässig eingehalten?

    Mit der Sonne muss man in diesen Breitengraden aufpassen.

    Gefährliche Tiere wie Schlangen oder Skorpione gibt es nicht, weiterhin eine nur höchst geringe Malariagefahr in den Monaten, in denen es regnet (in unserem Spätsommer). Habe sehr wenige Mückenstiche mitbekommen, da das Gitter vor dem Fenster leider in einer Nacht weggekippt ist. Ansonsten durfte ich einige (3) Kakerlaken im Todeskampf beobachten, das entsprechende Spray gibt es im Supermarkt.

    Notwendige Medikamente sollte man mitbringen und nicht ernsthaft krank werden, da das Krankenhaus der Insel nur rudimentär ausgestattet ist.


    Geld


    Es gibt in Sal Rei einige Banken mit ATM. Aber Euro werden gerne genommen.

    Oft gibt man Euro oder Escudos und bekommt eine Mischung aus Euro und Escudos als Wechselgeld. Zahlt man in Euro, wird 1:100 umgerechnet. Man zahlt demnach beispielsweise 10 Euro für ein Essen für 1000 Escudos, das korrekt umgerechnet nur 9 Euro kostet.

    Wenn der ATM keine Escudos ausspuckt, denkt daran, als Sprache Portugiesisch einzustellen, dann klappt es plötzlich. Kartenzahlung ist sehr oft möglich und funktioniert auch.


    Vertrauen:


    Die Insel ist klein, man geht ohnehin nicht verloren. Jeder, der hier im Tourismus arbeitet, ist auf seinen guten Ruf angewiesen, vor allem das Internet verbreitet schnell und vergisst nie. Es geht so vieles unkompliziert und unbürokratisch und auf Vertrauensbasis. Ausflüge werden per Whats App vereinbart und erst gezahlt am Ende des Tages. Meine Wohnung beispielsweise habe ich erst einen Tag nach meinem Einzug per Paypal gezahlt.

    Allen dreien, mit denen ich sozusagen "geschäftlich" zu tun hatte, also Birte in Bezug auf die Wohnung, Anita und Emanuel von Rotcha Tours und Kai von Cabokai vertraue ich und halte sie mitsamt aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu 100% für zuverlässig.

  • Herumkommen:


    Mit einem Mietwagen wäre ich hier nicht weit gekommen. In jedem Fall hätte ich bei Fahrten zum Wrack und auf die Dünen, zu den Salinen und zu einsamen Stränden Blut und Wasser geschwitzt, erst bei der Anfahrt, dann beim Zurücklegen des Restweges zu Fuß, der mit einem PKW nicht machbar und in vielen Fällen dennoch immer noch beachtlich weit gewesen wäre.

    Mit den Touren mit Fahrer war ich zufrieden, obwohl ich sicherlich individuelle Touren bevorzugt hätte, da ich diese dann ganz auf meine Bedürfnisse hätte zuschneiden können.

    Man kann auch breitreifige Scooter oder Quads buchen, habe ich aber nicht getan und kann daher nicht viel dazu sagen. Taxis stehen an den großen Hotelanlagen und am Flughafen für den Weg in die Stadt und sind auch in Sal Rei problemlos an jeder Ecke zu haben.


    Hotelanlage vs. Apartment


    Eine Frage des Reisestils. Ich würde immer wieder die individuelle Reise bevorzugen und die Möglichkeit, mit ein paar Schritten und ohne Taxi unter Leute zu kommen, die hier leben.

    Man bekommt einfach mehr mit und unterstützt nebenbei nicht die ohnehin schon große TUI, die sich der günstigen Arbeitskräfte vor Ort zu stolzen Preisen für den Gast bedient, sondern die kleinen Unternehmen vor Ort damit.

    Ohne AI-Bändchen am Handgelenk gehört man sehr schnell dazu, wird erkannt und respektiert.

    Aber auch alle Gäste aus den AI-Resorts, die ich auf den Touren kennengelernt habe, waren mit ihren Hotels zufrieden und haben die Möglichkeit genutzt, die Insel kennenzulernen.


    Essen, Trinken


    Zahlreiche Expats haben Restaurants oder Bars eröffnet, in denen man gut essen, trinken und feiern kann.

    Die Stimmung ist meistens supernett, die Qualität des Essens meistens gut, wenn auch auf Dauer etwas einseitig. Neben viel italienischer Küche gibt es fangfrischen Fisch, vor allem Thunfisch in allen Variationen und auch Fleisch und Meeresfrüchte.

    Unbedingt das sahnige Cookie-Eis probieren!

    Das Essen kostet oft ähnlich viel wie bei uns, man kann aber auch für 10 Euro ein leckeres Abendessen inklusive Getränk haben. Betrinken kann man sich günstig mit Bier, Wein, Cocktails und dem einheimischen Schnaps (Grogue) und den dickflüssigen meistens sahnigen Likören verschiedener Geschmacksrichtungen (Ponche).


    Chinesen führen Shops und Supermärkte. Wenn man nur mit einem Gasherd umgehen kann, hat man alle Möglichkeit der Welt, sich selbst zu bekochen. Die Preise im Supermarkt sind allerdings mindestens so hoch wie in Deutschland.

  • Mein Familienurlaub 2023 ist gesetzt, aber wenn der nicht klappen sollte, fliege ich alleine hierher.

    Mach das! Super Ziel für einen Tapetenwechsel mit Wohlfühlfaktor. Und die entsprechenden Links zu lieben Menschen hast du ja nun. Und auch den Birte-Kontakt gebe ich gerne weiter, will allerdings nicht unbedingt eine private Telefonnummer hier ins Forum schreiben.

  • Ein toller Bericht und ich sehe, es hat sich einiges geändert. Wir waren nicht auf Boa Vista, sondern auf 3 anderen Inseln, das war aber schon vor 26 Jahren. Schön, dass man jetzt ähnliches Essen wie bei uns bekommt, Das war damals nicht der Fall. Und ich habe gesehen, die Sitze der Aluguer sind jetzt gepolstert, wir hatten gar keine und saßen auf der Ladefläche, ging aber auch. Die Scooter mit den breiten Reifen hättest Du ruhig probieren sollen, ein klasse Fahrspaß!


    Danke für den schönen Bericht. Wir hatten auch schon mal darüber nachgedacht, noch einmal auf die Kapverden zu fliegen, es hört sich verführisch an.


    Viele Grüße
    Petra

  • Die Scooter mit den breiten Reifen hättest Du ruhig probieren sollen, ein klasse Fahrspaß!

    Hatte ich fest vor, aber die Zeit reichte dann leider nicht. Na ja, nächstes Mal - no stress!

    Danke, ich melde mich im November 2022 bei Dir, Gasherd können wir.

    Mach das gerne. Ich freue mich immer, wenn ich etwas zurückgeben kann - dir für die inspirierenden Hinweise zu anderen Afrika-Erfahrungen und den Insulanern gönne ich liebe Gäste :thumbsup:

  • Danke schön. Es freut mich, dass es euch gefallen hat.


    Man kann dort im übrigen noch viel mehr machen:


    Es gibt Touren zu der kleinen vorgelagerten Insel. Man kann Segeltouren buchen, man kann auf Fischfang gehen und sich den frisch gefangenen Fisch gleich grillen lassen. Es gibt Partys in den Beachclubs. Man kann alle möglichen Arten von Wassersport machen. Es gibt auch einige Wanderungen, die man machen kann.


    Im März beginnt die Saison für Whalewatching und im Sommer kann man Turtles sehen, entweder bei der Eiablage oder dann später, wenn die Kleinen schlüpfen.

  • Jaaaaa, "no stress" ist das Motto der Kapverden.

    Berichte über die Kapverden lese ich auch immer sehr gerne und ja auf den Inseln gibt es tatsächlich noch "no stress".

    Schön hier einen aktuellen Bericht zu lesen und Bilder zu sehen!


    Wir waren zwar nicht auf Boa Vista, aber dafür auf Sal, Santiago und vor allem auf Fogo und am Fogo.

    Und davon gibt es meinen einzigen Reisebericht auf meiner Reiseseite, die ich während des ersten Lockdowns begonnen hatte.

    Die Kapverden sind auf alle Fälle eine Reise wert und manche Regionen haben sich (noch) deren Ursprünglichkeit bewahrt.

  • Man wird auch ohne Mietwagen zurecht kommen, oder was meinst du?

    Auch auf der Insel SAL benötigt man kein Mietauto. Hier kann man für eine Inseltour einige Stunden ein Taxi mit Pauschalpreis mieten und individuell unterwegs sein. Letztendlich reicht dort auch ein Fahrrad.


    Auf Fogo gibt es keine Mietautos und auch hier kann man Taxis zu einem Pauschalpreis mieten.

    Am besten ein Taxi vom Hotel/Pension reservieren lassen, denn die organisieren zuverlässige Fahrer.

    Und damit kann man eine Tagestour auf der Ringstraße machen oder man lässt sich rauf zur Caldera fahren um dort am Fogo zu wandern.

    Oder man wandert von der Caldera runter nach Mosteiros und lässt sich dort wieder abholen.

    Dort gibt es auch einen schönen tropischen Wald und herrliche Strände.

    Also unsere Ausflüge haben perfekt funktioniert und der Taxifahrer sprach sogar englisch. Auf den Kap Verden spricht man ansonsten portugiesisch, aber man kann sich auch englisch verständigen.

    Dort wandern viele Menschen vorübergehend in die USA aus um Geld zu verdienen und kommen dann zurück um beispielsweise ein Taxi zu kaufen. Man kann auf Fogo aber auch mit einem Colectivo fahren. Ist noch billiger und spannend. Man braucht nur viel Zeit, denn die fahren nicht nach Fahrplan sondern nach Bedarf.


    Auf der Hauptinsel Santiago macht es aber Sinn ein Mietauto zu nehmen. Gibt einige Vermieter, die am Airport Büros haben.

    Allerdings klappt das mit der Reservierung nicht immer. Man sollte frühzeitig reservieren, denn die Autos sind knapp.

    Das gilt übrigens auch für Flüge von Insel zu Insel. Oftmals nur 2 mal wöchentlich und nur mit einer ATR.

    Meine Empfehlung: Beides über eine lokale Reiseagentur buchen, denn die reservieren frühzeitig Kontingente.

    So konnten wir bei der Airline keine Flüge buchen, aber über eine Agentur war es kein Problem.

    Die Straßen waren ganz brauchbar und es gab auch Tankstellen, wobei die Insel so klein ist, dass man mit einer Tankfüllung auskommt.

    Öffentliche Busse gibt es auch in Santiago nicht, aber auch hier kann man Taxi pauschal buchen oder mit Colectivos unterwegs sein.

    Man kann beispielsweise ab Tarrafal ein Taxi buchen und damit zum Pass hochfahren. Von dort eine herrliche Wanderungen zur Küste machen und sich an einem bestimmten Ort wieder abholen lassen.

    Freunde haben das 2018 gemacht und es klappte perfekt!



    Einige Infos und Bilder zu unserer Mietwagenrundfahrt auf Santiago ab Tag 9.