Wunderschöne Gegend, und tolle Bilder! Macht das Wetter eigentlich noch mit? Bei uns regnet es![]()
Auf schmalen Pfaden durch den Jurakalk - Eine Wanderung auf dem Altmühltalpanoramaweg
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Hallo Flicka,
da ist ja eine schöne Wanderung einer mir gänzlich unbekannten Gegend.
Viele Grüße
PetraIch habe ein paar Wochen vorher angefangen, nach möglichen Wanderziele zu schauen und war eigentlich schon halb entschieden, eine Wanderung auf dem Jurasteig zu planen. So richtig gepasst hat es da mit der Länge und der Etappenplanung aber noch nicht, Rein zufällig bin ich dann über den Passus gestolpert, dass die letzten ein oder zwei Etappen mit dem Altmühlpanoramaweg identisch sind, und dann hat sich irgendwie alles schnell zusammengefügt. Vorher hatte ich im Zusammenhang mit der Altmühl höchstens mal von Radtouren gehört.
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Wunderschöne Gegend, und tolle Bilder! Macht das Wetter eigentlich noch mit? Bei uns regnet es

Hm, falls du meinst, ich sei gerade dort unterwegs: Das ist kein Live-Reisebericht. Ich bin im Mai 2022 gewandert. Die Berichte zu den einzelnen Wandertagen habe ich auch oben immer mit dem jeweiligen Datum begonnen.

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Sonntag, 22.05.22
Heute sollen es nach der längeren Etappe gestern „nur“ 20 km bis nach Unteremmendorf sein. Ich breche trotzdem zeitig auf und stehe schon gegen neun Uhr leicht verschwitzt und schnaufend, aber beeindruckt von dem schönen Blick ins Tal über den Felsen, die ich gestern abend vom Fenster aus betrachtet habe. Auch andere Wanderer und sogar ein paar Mountainbiker haben sich heute morgen schon hier hinaufgearbeitet und genießen die Aussicht. Ich kann mich kaum sattsehen. Felsen, ein weites Tal, das ist Altmühlpanorama pur.
Dazu passt dieses nette Schild, an dem ich kurze Zeit später auf dem Weg zu dem kleinen Ort Böhming vorbeikomme.
In Böhming geht’s an netten Gärten vorbei und über die Altmühl.
Dann führt der Weg im Wald wieder bergan und bis hinauf zu einem rekonstruierten Wachtturm des ehemaligen Limes, der ehemaligen Außengrenze des römischen Reichs zwischen Rhein und Donau.
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Von hier aus führt der Weg schließlich aus dem Wald heraus und über wunderschöne Wiesen,bevor es dann – mal wieder – hinunter ins Tal geht, diesmal zu dem Ort Kinding.
Dort komme ich gegen viertel vor eins an, und weil es einer der wenigen größeren Orte auf dem gesamten Weg ist, den ich überhaupt tagsüber durchquere, und dann auch noch zur Essenszeit, kehre ich in einem netten Ausflugslokal ein.
Von hier aus ist es gar nicht mehr so weit nach Unteremmendorf, meinem heutigen Tagesziel. Ich überquere wieder die Altmühl und kann dabei ein paar Kanufahrer beobachten. Auf der Altmühl ist auch Kanuwandern möglich, und es gibt viele Möglichkeiten, anzulegen und die Umgebung zu erkunden.
Als der Weg wenig später in den Wald führt, merke ich, dass das Mittagessen doch keine gute Idee war. Der Weg bergauf ist anstrengend, die Gurte drücken in den Bauch, ich fühle mich plötzlich richtig schlapp und irgendwann habe ich Visionen davon, wie ich mich neben dem Weg in den Graben übergebe. War es das reichhaltige Essen? Das Begleitbier? Die Sonne? Alles zusammen? Ich würde im Moment jedenfalls lieber nicht wandern, sondern mich in einem kühlen Zimmer ausruhen. Aber als ich das Plateau erreiche und auf einem halbwegs ebenen Weg weiterwandern kann, geht es mir zum Glück wieder etwas besser. Ich kann sogar den tollen Ausblick hinunter ins Tal halbwegs genießen. Gleichzeitig wird mir Angst und Bange, als ich mein heutiges Ziel, Unteremmendorf, so tief unter mir liegen sehe. Da soll ich mit meinen wackligen Knien also wieder runter. Und dazu mahnt eine Inschrift zur Demut.
Der Weg hinunter ins Tal ist dann tatsächlich ziemlich steil, und ich taste mich etwas zittrig und sehr vorsichtig den Pfad hinunter. Eigentlich sollte ich hier noch an einem Felsentor vorbeikommen, aber entweder bin ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um es überhaupt zu bemerken, oder ich hätte dorthin einen Umweg machen müssen. Als ich schließlich erleichtert das Tal erreiche, fühle ich mich jedenfalls nicht in der Verfassung, mich nochmal auf die Suche nach dem blöden Tor zu machen. Ich bin froh, als ich das Hotel erreiche und mich dort nach einer Dusche für eine Weile im Bett erholen kann. Zum Glück fühle ich mich nach einem kleinen Schläfchen wieder deutlich besser und bekomme sogar wieder Hunger. Also finde ich zur Essenszeit den Weg hinaus auf die Hotelterrasse und probiere vorsichtig das nächste Bier und ein thailändisches Curry. Ja, passt.
Gute Nacht!
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Thai-Curry in Unteremmendorf

Schön, dass es dir wieder gut ging!
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Ich war noch nie Fan von Höhenmetern, wenn es ums Laufen geht, und mir wäre wohl jeden Tag speiübel. Und dann noch mit Gepäck... Hattest du schon irgendwo geschrieben, wie viel du mit dir herumgetragen hast? Nach der Ankunft ne Runde Ausruhen im kühlen Zimmer benötige ich mittlerweile manchmal selbst dann, wenn ich nur mit ein paar Besichtigungsstopps von Ort zu Ort gefahren bin. Also Hut ab vor deiner Wanderung!
Die Ausblicke hingegen genieße ich gern mit dir auf deinen Bildern!
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Ich war noch nie Fan von Höhenmetern, wenn es ums Laufen geht, und mir wäre wohl jeden Tag speiübel. Und dann noch mit Gepäck... Hattest du schon irgendwo geschrieben, wie viel du mit dir herumgetragen hast?
Ca. 7,5 kg ohne Wasser, mit Wasser bis zu 10 kg. Und die wollen leider regelmäßig lieber im Tal bleiben als sich hochschleppen zu lassen.

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Montag, 23.05.22
Heute morgen fühle ich mich zum Glück fit. Keine Magenprobleme, kein Schwächegefühl, ich bin bereit, so früh wie möglich in den Tag zu starten. Später soll es anfangen zu regnen, also will ich mich um sieben zum Frühstück einfinden. Pech gehabt, es ist noch niemand zu sehen. Gestern hieß es „Frühstück gibt’s nach sieben“. Offenbar ist das nicht das gleiche wie „Frühstück gibt’s ab sieben.“
Um halb acht versuche ich nochmal mein Glück, und siehe da, gerade wird ein kleines Frühstücksbüffet aufgebaut. Gegen acht Uhr breche ich auf. Inklusive einem langen Zuweg am Ende der Etappe sind heute ca. 24,5 km bis nach Dietfurt an der Altmühl zu bewältigen.
Der Himmel verheißt wirklich nichts gutes, und der Regen lässt nicht lange auf sich warten. Den kleinen Ort Pfraundorf erreiche ich noch im Trocknen, doch am Waldrand beginnt der Regen. Vielleicht ist es ganz gut, dass der Weg ab hier auf einer längeren Strecke durch den Wald führt, denn dadurch wandere ich ein wenig regengeschützt. In Pfraundorf und dann im Wald komme ich ab und zu an geschnitzten Tierfiguren und Gesichtern vorbei. Schade, dass alles so nass ist, so krame ich mein Handy nur selten heraus.
Aber das Wetter bessert sich. Als ich Hirschberg erreiche, tröpfelt es nur noch,
und kurz vor Beilngries kann ich gegen viertel nach elf auf einer Bank an der Altmühl rasten. Aber Moment mal, das ist gar nicht die Altmühl. Ich bin hier am Main-Donau-Kanal angekommen. Bei Dietfurt, meinem heutigen Etappenziel, trennen bzw. vereinigen sich diese Wasserwege. Flussabwärts ist die Altmühl zum Kanal ausgebaut, aber flussaufwärts zweigt der Kanal von der Altmühl ab und führt Richtung Norden.
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Die folgende Wegetappe führt mich zunächst über einen schmalen steilen Pfad hinauf auf ein Hochplateau, den Arzberg, und dort über einen längeren Abschnitt mehr oder weniger geradeaus auf einem breiten Weg weiter meinem heutigen Ziel entgegen. Es ist zwar ganz schön, auf einem breiten, ebenen Weg mal ein wenig Strecke machen zu könne, eine solche Wanderautobahn wird aber auch schnell langweilig. So bin ich ganz froh, als ich schließlich kurz vor zwei wieder einen kleinen Ort erreiche, nämlich Töging.
Hier biege ich vom Wanderweg ab, denn der lässt Dietfurt, meinen heutigen Übernachtungsort, im wahrsten Sinne des Wortes links liegen, und suche mir auf den nächsten zwei Kilometern meinen eigenen Weg in den Ort. Zuerst noch ein Stück an der Altmühl entlang bis zur Abzweigung vom Main-Donau-Kanal.
Dann über eine Brücke über den Kanal und an der Straße entlang nach Dietfurt hinein.
Dort angekommen herrscht plötzlich schönstes Sommerwetter, und ich besuche vor dem Einchecken noch den Chinesenbrunnen in der Nähe.
Beim Abendessen tröpfelt es wieder, aber man kann überdacht hinterm Hotel auf einer Terrasse sitzen. Dort unterhalte ich mich nett mit zwei anderen Wanderern, die ich in den letzten Tagen schon mehrmals getroffen habe. Überlaufen ist der Weg wirklich nicht, man trifft nur ab und zu auf anderer Wanderer. Deutlich mehr Leute scheinen hier mit dem Fahrrad entlang der Altmühl unterwegs zu sein, und so sitzt heute eine große Radfahrergruppe am Nebentisch und plant etwas skeptisch ihre Optionen für morgen, denn da soll es wieder zeitweise regnen. Na ja, mal schauen, wie es wird. Nach dem vielen Sonnenschein in den ersten Tagen darf ich mich über ein bisschen Regen jedenfalls nicht beklagen.
Gute Nacht!
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Dienstag, 24.05.22
Der Wetterbericht hat sich über Nacht deutlich verschlechtert. Jetzt soll es nicht mehr nur zeitweise regnen, sondern mit einer 90prozentigen Wahrscheinlichkeit mehr oder weniger den ganzen Tag, und das in ergiebigen Mengen. Immerhin bietet der Weg heute die Möglichkeit, kurz vorm Etappenziel in Riedenburg abzukürzen und eine Flussschleife auszulassen. Damit lassen sich über fünf Kilometer einsparen. Ohne Abkürzung sind heute inklusive einem längeren Zuweg von Dietfurt bis zum Wanderweg ca. 25,5 km zu erwandern.
Ich beschließe, spontan zu entscheiden, ob ich die längere oder die kürzere Variante wähle, kaufe mir in einer Bäckerei in der Nähe noch ordentlich Proviant und mache mich nach dem Frühstück auf den Weg. Es tröpfelt. Der Rucksack trägt also schon die Regenhülle, ich die Regenjacke, und so schauen wir beide, was kommt.
Erst mal kommt eine Umleitung, dazu eine Wegführung über glitschiges Laub und durch nasses Gras. Ich kann schon fast fühlen, wie meine Füße nass werden. Nach einem Abschnitt über Feldwege geht’s dann hinein in die Wald. Und der Regen wird beständig stärker.
An den nächsten Wegabschnitt habe ich nur noch verschwommene Erinnerungen. Es regnet kräftig, und irgendwann klebt mir die Wanderhose nass an den Beinen. Die dünne Regenhose liegt zu Hause, die hätte ich heute brauchen können. Nach und nach sickert der Regen von der nassen Hose in die Socken und in die Schuhe. Und perlt schließlich auch nicht mehr über der Regenjacke ab, sondern schiebt sich um die Ärmelöffnungen herum ins Jackeninnere. Dazu ist es kalt, und weil alles triefend nass ist, kann ich auch nirgends für eine Rast anhalten. Heute vormittag mache ich nur ein einziges Foto von einem sehr verregneten Altmühlpanorama.
Zwischendurch komme ich durch einen winzigen Ort, Altmühlmünster, durch den ein kleiner Bach gluckert. Bei Sonne bestimmt sehr idyllisch, aber Wasser habe ich heute schon genug von oben. Wie gerne würde ich mich jetzt in ein warmes Café flüchten, aber hier gibt’s nichts dergleichen. Und auch in Obereggersberg, dem nächsten Ort, sieht es ähnlich mau aus.
Von hier aus sind es aber nur noch ein paar hundert Meter bis zur Abkürzungsmöglichkeit nach Riedenburg. Ich bin unschlüssig. Wenn ich abkürze, bin ich wohl schon gegen 13 Uhr in Riedenburg. Das wäre zwar schön, aber ich habe vorher nicht geschaut, womit ich mir dort die Zeit vertreiben kann, falls ich noch nicht einchecken kann. Andererseits kündigt die Wetterapp an, dass der Regen bald enden soll. Also beschließe ich, weiterzuwandern. Auch wenn mir im Kopf ständig eine Szene aus Forrest Gump im Kopf herumgeht, in der Lieutenant Dan Forrest und Bubba ermahnt, auf trockene Socken zu achten und hinzufügt: „Der Mekong frisst dem Soldaten den Fuß direkt vom Bein“.
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Meine Füße faulen bestimmt auch schon vor sich hin, aber immerhin lässt der Regen wirklich nach und ab und zu kommt die Sonne raus. Ich überquere mal wieder die Altmühl, hier ja identisch mit dem Main-Donau-Kanal, und sehe vor mir über den bewaldeten Hängen unter den Sonnenstrahlen schon Dampfwolken aufsteigen.
Ein paar Kilometer vor Riedenburg leitet mich der Weg mal wieder steil am Hang entlang nach oben. Es ist jetzt schon nach 13 Uhr, ich bin seit über vier Stunden unterwegs, und meine Pausen haben bisher darin bestanden, im Stehen ein paar Schluck Wasser zu trinken und mir Schokoriegel in den Mund zu schieben. Auf dem rutschigen verwurzelten Pfad komme ich ein paar mal ins Stolpern und beschließe: Jetzt ist höchste Zeit für eine Rast, sonst werde ich noch so fahrig, dass ich stürze. Immerhin hat der Regen aufgehört. Ich lege eine große Plastiktüte auf eine Bank, so dass ich halbwegs trocken sitze und esse mit Blick ins Unterholz meinen Proviant. Danach geht es mir wieder besser, und ich arbeite mich weiter den Pfad hinauf. Natürlich werde ich an der Stelle, die am verwurzeltesten und rutschigsten – und somit fotowürdig – ist, von zwei anderen Wanderer überholt, die hier regelrecht hinaufsprinten.
Riedenburg erreiche ich gegen drei Uhr. Der kleine Ort liegt am anderen Ufer der Altmühl und empfängt mich mit bunten Häusern und einem netten Ortszentrum.
Dank Funktionstextilien sind meine Klamotten größtenteils wieder trocken, nur die Füße stecken noch in den feuchten Socken. Ich kann einchecken und später beim Abendessen sogar wieder draußen sitzen. Nach einem abschließenden Spaziergang durch den Ort schlafe ich bald ein. Die morgige Etappe wird leider schon die letzte sein, aber sie hat einige Highlights zu bieten.
Gute Nacht!
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Oh, knapp 7,5 kg hatte ich auch jetzt auf Kreta mit. Dazu statt 2 kg Wasser noch 2 kg Handtasche mit allem, was nicht im Köfferchen sein durfte, hätte man mich doch gezwungen, das Köfferchen aufzugeben. Ich muss sagen, dass ich teilweise nicht böse über die Rollen war. Und auch wenn das Tragen auf dem Rücken sicher nochmal etwas anderes ist, sind auch 25,5 km etwas anderes als im Zweifel 2,55 km von der Wohnung zum Bahnhof (die ich mich sogar habe fahren lassen). Also: Hut ab!
Und du bist ja inzwischen wirklich zum Wanderprofi geworden, wenn selbst eine solche Tagesetappe im Regen dich so gelassen bleiben lässt. Für mich wäre an der Stelle der Trip beendet gewesen und ich hätte mich erst ins nächste Wellnessbad und dann ins Hotel fahren lassen.
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Eine Freundin, der ich per WhatsApp von meinem Wandertag berichtet habe, hat mir geantwortet, das mache doch alles keinen Spaß.
Und das komische ist: Auf gewisse Art hat es doch Spaß gemacht. Vielleicht nicht in dem Moment, in dem das Wasser in die Ärmel kroch. Aber in gewisser Weise gehört es halt dazu, auch bei schlechtem Wetter unterwegs zu sein. Die Erfahrung, den ganzen Tag draußen zu verbringen, egal ob Sonne oder Regen, erdet einfach. Wenn es regnet, ist es halt einfach so. Aber so gelassen wie es anscheinend rüberkam, war ich trotzdem nicht. Da muss ich noch üben.

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Mittwoch, 25.05.22
Heute morgen regnet es leider wieder, aber das Wetter soll sich schon am Vormittag bessern. Ca. 18 km will ich heute wandern, bis zum Kloster Weltenburg, dem letzten Ziel meiner Wanderung. Schön und gleichzeitig schade, dass ich mein Ziel so bald erreiche.
Heute vormittag wartet aber erst mal eine der schönsten Passagen des gesamten Weges, nämlich die sogenannte „Klamm“ kurz hinter Riedenburg. Ich hatte mich vorher ein wenig über die Klamm schlau gemacht, denn sie erfordert laut offizieller Beschreibung „Trittsicherheit“. Heute ist der Boden durchweicht, und nasses Laub liegt überall, da ist also besondere Vorsicht geboten. Aber die Wege durch die Klamm sollen laut Internetrecherchen gesichert und die Warnungen etwas übertrieben sein. Gut dass ich das weiß, da erschrecke ich auch nicht, als kurz vor der Klamm das erste Schild erscheint.
Falls ein Wanderer dieses Schild übersehen hat, kommt er noch an mindestens zwei Wiederholungsschildern vorbei. Es kann sich also tatsächlich keiner darüber beschweren, er wäre nicht gewarnt worden.
Die Klamm ist ein Pfad durch eine Felsenlandschaft. Tatsächlich muss man aufpassen, denn nicht alle Treppen und Stufen sind mit Geländern und Seilen gesichert, und es ist heute tatsächlich extrem rutschig. An der ersten Treppe, die hinunter in die Klamm führt, bin ich mir unschlüssig, was ich machen soll, denn an der letzten Stufe gehts deutlich tiefer runter, man kann sich nirgends festhalten und unten findet man wegen der Wurzeln und Steine keinen sicheren Stand. Aber unter Zuhilfenahmen des Hosenbodens klappts dann doch.
Die nächsten Passagen hinauf und hinunter sind dank Geländern und Seilen leichter zu bewältigen und machen sogar mit Wanderrucksack Spaß. Sehr lange ist die Passage nicht. Vom ersten Warnschild bis zum Ende der Klamm bin ich trotz vorsichtigem Tasten und Knipsen keine Dreiviertelstunde unterwegs. Aber diese Passage hat sich wirklich gelohnt und ich bin froh, dass ich nicht auf die Umgehungsroute ausgewichen bin.
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Erst mal geht’s jetzt aber ziemlich steil hinunter zur Altmühl. Gegenüber am Hang wartet aber schon ein weiteres Highlight, nämlich die Burg Prunn.
Zu der hinauf führt – natürlich – ein ziemlich steiler Pfad. Oben angekommen reiße ich mir erst mal die Regenjacke vom Körper. Inzwischen haben sich die Wolken aufgelockert und es wird wieder warm. Die Burg könnte man auch mit einer Führung besichtigen, aber ich müsste über eine halbe Stunde bis zum nächsten Termin warten. Es ist inzwischen fast halb zwölf, und ich beschließe, lieber weiterzuwandern.
Kurz vor dem nächten größeren Ort, Essing, kann man zuerst von oben einen Blick in den dortigen Blautopf, eine Quelle, werfen, und überquert dann die Altmühl auf der schön gestalteten Holzbrücke „Tatzelwurm“. Mittlerweile ist wieder bestes Wanderwetter.
Im Altmühltal wandere ich von hier aus noch etwa vier bis fünf Kilometer, und in dieser Zeit scheint der Verkehrslärm der nahen Landstraße immer lauter zu werden.
So bin ich froh, als der Weg schließlich einige Kilometer vor Kelheim nach rechts abbiegt, weg vom Altmühltal und hinauf auf den Hirschberg, der das Altmühl- und das Donautal trennt. Ich richte mich gerade darauf ein, die wenigen Kilometer bis zur Donau dem gut ausgebauten Waldweg zu folgen, auf dem ich gerade wandere, als der Weg wieder einen Haken schlägt und mich einen kurzen Anstieg hinauf leitet.
Just an dieser Stelle überholt mich eine forsch voranschreitende Wanderin – okay, so forsch schreitet sie vielleicht gar nicht voran, aber ich bin hier im langsamen Bergauf-Modus. Oben angekommen führt der Weg etwas erhöht wie auf einem kleinen Damm durch den Wald. Es dauert eine Weile bis mir klar wird: Ich wandere gerade auf dem ehemaligen Keltenwall. Das ist ja auch cool. Der Wall zieht sich hier mehr oder weniger von der Altmühl bis zur Donau.
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Ich steige aber etwa einen halben Kilometer vor dem Erreichen der Donau aus dem Wall und dem Altmühlpanoramaweg aus und nehme einen Waldweg zu einer kleinen Straße, die hier durch den Wald bis hinunter ans Donauufer führt. Ich will heute am Kloster Weltenburg die Donau mit dem Boot überqueren. Der Wanderweg führt aber weiter am diesseitigen Donauufer oben an den Felsen vorbei und ich bin mir nicht sicher, ob kurz vor der Donau noch ein Abstieg hinunter ans Ufer möglich ist.
Die letzten Minuten meiner Wanderung trotte ich also auf der Straße bergab, auf der aber kein Auto unterwegs ist. Meine Wanderung werde ich am Kloster Weltenburg abschließen, dort übernachten und morgen die letzten Kilometer bis nach Kelheim mit dem Schiff zurücklegen, durch den sogenannten Donaudurchbruch. Eigentlich hatte ich mir bei der Planung der Wanderung vorgestellt, wie ich den Hang hinunterwandere, das Kloster direkt am Donauufer ständig vor Augen, wie es größer und größer wird, ich voller Vorfreude darauf zuwandere und schließlich ganz ergriffen mein Ziel erreiche. Stattdessen ist außer Wald nicht viel zu sehen. Erst als ich schließlich am Ufer ankomme, erhebt es sich gegenüber hinter einem breiten Kiesstrand. Und hier ist keine Zeit für ein andächtiges Innehalten. Erstens fährt gleich das nächste Boot ab, und ich fange an, nach meinem Geld zu kramen. Und zweitens treffe ich hier etwa zeitgleich mit der Wanderin ein, die mich vorhin überholt hat. Die pampt mich dann sofort an. Ich hätte ja wohl abgekürzt!
Du liebe Güte, ich habe einen anderen Weg genommen, und wenn sie das unter Abkürzung verbucht, dann soll es halt so sein, warum betrifft es sie, was ich mache? Ich kann da echt nur den Kopf schütteln.
Aber egal, Wandern macht friedlich, mich jedenfalls. Vom Boot aus schaffe ich immerhin noch einen Schnappschuss vom Kloster und vom anderen Ufer aus wird dann noch das Boot aufs Handy gebannt.
Und dann bin ich endlich da. Wie es sich für mich gehört, steuere ich nach Durchschreiten des Tors zum Innenhof zielstrebig einen der Tische im Biergarten an und bestelle bei einem gut aufgelegten Kellner Weißwürste und natürlich Bier. Das heutige Wanderabschlussbier ist sozusagen das letzte Wanderabschlussbier, und in die Freude, angekommen zu sein, mischt sich auch bald eine gewisse Wehmut.
Ich belohne – und tröste – mich noch mit einem großen Stück Torte und checke dann erst mal ein. Das Zimmer ist klein, aber mit eigenem Badezimmer ausgestattet. Und aus dem Fenster schaue ich hinunter in den Biergarten, in dem ich eben noch gegessen habe.
Später esse ich noch in einem Nebengebäude zu Abend – ich hatte vorab Halbpension gebucht – und spaziere noch ein wenig durch die Klosteranlage und ans Donauufer. Die Felsen am Donaudurchbruch leuchten in der goldenen Abendsonne. Wenn man hier so steht und hinüber schaut, meint man gar nicht, dass man mitten in Europa steht. Ich finde, man könnte hier auch gut einen Indiana-Jones-Film drehen.
Ziemlich müde kehre ich schließlich ins Zimmer zurück und schlafe bald ein. Morgen gehts aufs Schiff!
Gute Nacht!
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Dein Bergauf-Modus und die Bereitschaft, lieber auf dem Hinterteil herunterzurutschen als hinzufallen, gefällt mir sehr

Deine Bilder von der Klamm haben mich stark an Teneriffa Anfang des Jahres erinnert, da sind wir teils im strömenden Regen, dazu meist in den Wolken einen ähnlichen Weg gegangen/gerutscht und haben mehrere Stunden keine anderen Personen getroffen, Netz gab es auch nicht.
Im Nachhinein war es großartiges Erlebnis

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und in die Freude, angekommen zu sein, mischt sich auch bald eine gewisse Wehmut.
Das berichten interessanterweise viele Langzeitwanderer. Ich nehme an, das Gefühl konntest du mit deinem Bier wunschgemäß verstärken oder verschwinden lassen, was auch immer dir angenehmer war?
... Und ich musste echt grinsen bei deiner Erwartung von Ergriffenheit. Dass diese verdammte Erfgriffenheit auch so sehr einen eigenen Kopf hat und einfach dir ne lange Nase dreht, wenn du sie gerne hättest!
Es war schön, dich ohne Anstrengung begleiten zu dürfen, aber natürlich bleibe ich auch noch für die Rückreise an deiner Seite, sofern du deine virtuelle Reisegruppe nicht im Kloster zurücklassen willst!
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Das berichten interessanterweise viele Langzeitwanderer. Ich nehme an, das Gefühl konntest du mit deinem Bier wunschgemäß verstärken oder verschwinden lassen, was auch immer dir angenehmer war?
Und mit Torte!

Von einem ausgeprägten Widerwillen, das Ziel zu erreichen, habe ich auch schon gelesen, vor allem bei Wanderern, die auf den langen amerikanischen Fernwanderwegen unterwegs sind. Da wird wohl die letzten Tage teilweise ein bisschen rumgetrödelt, um nicht so schnell anzukommen.
Bei mir hat schon deutlich die Freude überwogen, und natürlich auch ein gewisser Stolz, die Wanderung geschafft zu haben. 10 Etappen plus Ruhetag zählen aber wohl auch noch nicht unter Langzeitwandern.
... Und ich musste echt grinsen bei deiner Erwartung von Ergriffenheit. Dass diese verdammte Erfgriffenheit auch so sehr einen eigenen Kopf hat und einfach dir ne lange Nase dreht, wenn du sie gerne hättest!
Ich musste auch über mich selbst lachen. Da fielen Wunsch und Wirklichkeit schon sehr deutlich auseinander. Erhabene Momente kann man halt nicht planen, das müsste ich eigentlich wissen.
Es war schön, dich ohne Anstrengung begleiten zu dürfen, aber natürlich bleibe ich auch noch für die Rückreise an deiner Seite, sofern du deine virtuelle Reisegruppe nicht im Kloster zurücklassen willst!
Wir reisen tatsächlich noch ein bisschen weiter. Schließlich habe ich euch eine Schiffahrt versprochen!
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