Uralte Reiseberichte ja / nein - eure Meinung

  • Eine Grundsatzfrage aus gegebenem Anlass:

    Sollen Reiseberichte, die auf Erfahrungen basieren, die bereits 10 Jahre zurückliegen, tatsächlich noch eingestellt werden? Klar, die "Wüste verändert sich nicht" allzu sehr, aber dennoch ...


    Schöne Fotos sind das eine, dafür gibt es ja die Galerie, aber uralte Reiseberichte zu lesen ist für mich in etwa so interessant, wie die Zeitung von vor 10 Jahren.


    Wie seht ihr das?

    Sonnige Grüße von der Insel!


    We travel not to escape life, but for life not to escape us.


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    Travel safely!

  • Es spricht nichts dagegen, wenn jemand einen älteren Beitrag ins Forum reinstellt, solange die Bilder in guter Qualität sind.

    Wenn man noch das Jahr der Reise angibt, dann passt es.


    :thumbsup:

  • Ich möchte auch gerne meine Meinung dazu schreiben, da ich komplett anderer Meinung bin als DokBua. Zum einen arbeite ich gerade selbst viele Reisen auf, zum anderen lese ich selbst auch immer wieder - oft sehr gerne - in alten Berichten. Nicht alles ändert sich, Sandkörner in der Wüste sind noch da, Lagunen im Altiplano usw., auf der anderen Seite finde ich es aber auch zumeist ganz interessant, zu sehen, wenn sich - und dann was - sich geändert hat; möglicherweise auch, wie schön es vielleicht irgendwo einmal war, bevor bestimmte Gegenden zu In****-Hotspots wurden. Ich finde es sogar besonders interessant, Berichte zu lesen, wo nicht bei jedem zweiten Bild das Essen fotografiert wird.


    Trotzdem kann ich mir auch in „alten“ Berichten Input holen, sei es, dass ich neugierig werde auf Ziele, mit denen ich mich noch nicht intensiv auseinander gesetzt habe und dies nun in der Folge aufgrund eines Berichtes tue, um dann festzustellen, das würde ich auch gerne sehen oder im Gegenteil, da muss ich definitiv nicht hin … oder auch einfach, um in eigenen Erinnerungen zu schwelgen.


    Die Reisen, die ich gemacht habe, sind tief in meinen Erinnerungen verwurzelt, ob es nun tolle Reisen waren oder - auch sehr vereinzelt - etwas weniger tolle. Es ist für mich kein Konsum, wie Fast-Fashion, ich mache eine Reise, hake sie aber nicht ab und mache dann die nächste. Warum sollte man auch seine „alten“ Erinnerungen nicht teilen? Wen es nicht interessiert, muss es ja nicht lesen und anschauen.


    In einem Forum wurde z. B. ein Bericht - mit sicherlich nicht qualitativ guten Fotos, ganz klar, aber eigentlich stellt sich mir die Frage, wonach bewertet man qualitativ gute Fotos? - über eine Iranreise aus den 70iger Jahren gepostet. Fand ich hochinteressant! Ganz im Gegenteil, ich bin der Meinung, so etwas bereichert ein Forum; meiner Meinung wesentlich mehr, als wenn ich lese, was es heute zum Frühstück, heute zum Mittagessen und dann zum Abendessen gab. Aber selbst wenn ich solche Berichte mit „Menükarte“ lese, na und, da scroll ich dann drüber und lese dort weiter, wo es mich wieder interessiert.


    … und nun eigentlich der für mich allerwichtigste Punkt: Da es hier um Reiseberichte geht, empfände ich es als eine Art Zensur, wenn es heißt, das Thema, dieser Reisebericht darf eingestellt werden, weil er nicht älter das XX Monate ist.


    Ich finde es übrigens auch interessant, einmal in einer alten Zeitung zu lesen.


  • Reiseberichte kann man aus sehr unterschiedlichen Gründen lesen bzw. schreiben. Wenn man sie nicht für eine aktuelle Planung nutzen kann, dann liest man sie einfach nicht.

    Aber ein gut geschriebener Reisebericht ist doch ansonsten vieles: Unterhaltung für einen Abend, Appetitholen für eine eigene Planung, Schwelgen in eigenen Erinnerungen usw.

  • Ich finde auch ältere Reiseberichte interessant, da sie ja dennoch Lust auf ein neues Land machen und für ein Land inspirieren können.

    Wenn es vorab klar ist, dass der Reisebericht schon etwas zurückliegt, weiss man ja, dass man bei Reiseinteresse selbst nochmal recherchieren muss.

    Für mich müssen die Fotos dann auch nicht in Top-Qualität sein, man kann sich ja dann schon meistens ein Bild von dem Gezeigten machen und wie gesagt sich weiter informieren. Ungefragte Kritik an Bildern habe ich hier auch schon in einem Reisebericht erfahren müssen - pffff..., ich denk mir was dazu und habe sie im Folgenden ignoriert .

  • aber uralte Reiseberichte zu lesen ist für mich in etwa so interessant, wie die Zeitung von vor 10 Jahren.

    … nämlich sehr!

    gerade in Zeiten des Klimawandels.


    Nimm die Arktis, nimm die Gletscher in Österreich, nimm den Wasserstand des Neusiedlersees, nimm Inseln in der Südsee, nimm was auch immer ….


    Ebenso sinnlos wäre es heute aktuelle Reisebericht einzustellen, weil die schon morgen nicht mehr aktuell sein werden …


    LG

  • Aber Reiseberichte sind doch (zwar auch, aber) nicht nur Infoquelle für die eigene zukünftige Reiseplanung.


    Bei einem Reisebericht begleitet man den oder die Betreffenden auf seine Reise, kann mitfühlen, sich in die Situation reinfinden.


    Ein guter Reisebericht liest sich doch, als ob man einen Roman liest. OK, da wir alle Laien sind, trifft das natürlich nicht immer zu, aber das wird ja im allgemeinen wett gemacht dadurch, dass man entweder den Verfasser kennt und mag oder aber an dem konkreten Land Interesse hat.


    Reiseberichte müssen insofern ja nicht zwingend "helfen", sie können ja auch einfach Spaß machen.


    Ich persönlich würde wahnsinnig gerne Reiseberichte lesen, die sich auf die Zeit vor dem Internet beziehen, denn da hätte ich mich bestimmte Reisen individuell und ohne vorherige Organisation vermutlich niemals getraut.


    Sollte also jemand vor 2000 schon einen Reisebericht geschrieben haben, ich bin die erste, die begeistert auf jeden einzelnen Beitrag wartet!

  • Reiseberichte müssen insofern ja nicht zwingend "helfen", sie können ja auch einfach Spaß machen.

    Seh ich auch so. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein gut geschriebener Reisebericht behält auch nach 10 oder 50 Jahren eine gewisse Relevanz, eine Aufzählung von Preisen, Fahrplänen, Restaurants und Quartieren ist nach ein paar Jahren irrelevant. Der Autor muss schon fähig sein, einerseits ein Land zu beschreiben, andererseits auch seine persönlichen Eindrücke und Gedanken zu reflektieren und festzuhalten und den Leser dazu anregen, es ihm gleich zu tun. Da ist man allerdings bei Tiziano Terzani, Roger Willemsen, Andreas Altmann oder Helge Timmerberg eher auf der sicheren Seite als bei Laien. Kluge Gedanken lese ich im Zweifelsfall lieber von Menschen, deren Klugheit bereits zweifelsfrei feststeht. ^^

  • Seh ich auch so. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein gut geschriebener Reisebericht behält auch nach 10 oder 50 Jahren eine gewisse Relevanz, eine Aufzählung von Preisen, Fahrplänen, Restaurants und Quartieren ist nach ein paar Jahren irrelevant. Der Autor muss schon fähig sein, einerseits ein Land zu beschreiben, andererseits auch seine persönlichen Eindrücke und Gedanken zu reflektieren und festzuhalten und den Leser dazu anregen, es ihm gleich zu tun. Da ist man allerdings bei Tiziano Terzani, Roger Willemsen, Andreas Altmann oder Helge Timmerberg eher auf der sicheren Seite als bei Laien. Kluge Gedanken lese ich im Zweifelsfall lieber von Menschen, deren Klugheit bereits zweifelsfrei feststeht. ^^

    Dem stimme ich voll zu.

    Ich hab jetzt z.B. Reiseberichte einer verstorbenen Bekannten aus den 1959/60er Jahren gelesen. West- und Südeuropa und Deutschland.

    Fand ich auch aus heutiger Sicht sehr interessant.

  • Um den Titel des Threads aufzugreifen: "Uralte" Reiseberichte fände ich durchaus interessant. Das wären dann ja auch Zeitreiseberichte. ;)


    Ansonsten kommts halt darauf an. Ein unterhaltsamer Bericht macht mir auch nach 10 Jahren noch Spaß. Wenn ich mit dem Autor mitfiebern, -lachen und -leiden kann, so dass ich mich auf die Reise mitgenommen fühle, dann darf die Reise auch gerne längere Zeit zurückliegen. Vorausgesetzt dass ich gerade Zeit und Lust habe, mich mitnehmen zu lassen.


    Aber hier gehts ja nicht um eine Interessensabfrage, sondern darum, ob es eine zeitliche Beschränkung für Berichte geben sollte. Dafür sehe ich eigentlich keinen Grund. Hilfreich wäre es vielleicht, wenn das Reisejahr im Titel des Threads genannt würde. Dann könnte man den Reisebericht schon aufgrund des Titels besser zeitlich einordnen, ohne sich einlesen zu müssen. Das wäre auch für aktuelle Berichte sinnvoll, die ja irgendwann nicht mehr aktuell sind.