Ballermann-Pilger auf dem Jakobsweg

  • Bin da nie gewandert, mich überrascht diese Entwicklung allerdings nicht wirklich.

    Vielleicht sollte man einfach das Wort "pilgern" aus dem Zusammenhang mit dem Jakobsweg streichen.

    Keiner aus dem heutigen Wandervolk wird diesen Weg gehen, weil er etwas mit "Buße" oder "Gelübde" im Hinterkopf hat.

    Es ist für mich eine durchkommerzialisierte Wanderautobahn, die nichts mehr mit dem eigentlichen Ursprung zu tun hat.

  • Ich werde - wenn nichts dazwischen kommt - im Januar und Februar auf dem Jakobsweg wandern und Ende Februar in Santiago ankommen. Zu dieser Jahreszeit rechne ich eigentlich nicht mit derartigen Exzessen, bin aber doch gespannt, wie voll es auf den letzten 100 km bis Santiago werden wird. Bei der Hotelsuche merkt man jedenfalls einen deutlichen Unterschied zwischen den Etappen vor Sarria und ab Sarria, also dem Ort, der traditioneller Startpunkt derjenigen ist, die nur die erforderlichen letzten 100 km laufen, um die Compostela zu bekommen. Ab dort finden sich jedenfalls bei booking.com in den größeren Etappenorten jeweils Dutzende von geöffneten Unterkünften, wo man vorher vielleicht zwei oder drei oder halt auch mal gar keine finden konnte.


    Aber ich habe den EIndruck, dass derartige Artikel wieder der oben verlinkte schon seit Jahren regelmäßig erscheinen, von den letzten beiden Jahren mal abgesehen. Jedenfalls bin ich beim Stöbern im Internet schon mehrfach über sowas gestolpert.

  • Dreimal bin ich bislang auf den Jakobswegen gepilgert. Dass es wie auf dem Ballerman zugeht, das habe ich bisher noch nicht erlebt. Sicher ist es in Santiago de Compostela voller, das ist ja auch kein Wunder, denn hier enden 6 verschiedene Jakobswege:
    Camino Portugues, Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Frances, Camino Finesterre und der Camino Primitivo.


    Ein Grund für die Menge in diesem Jahr mag sicher auch sein, dass 2 Jahre das Pilgern (oder auch Wandern auf dem Jakobsweg) wegen Corona kaum möglich war. Das ist auch ein Grund, weshalt ich in diesem Jahr nicht gepilgert bin und das auf 2023 verschoben habe.


    Ein weiterer Grund ist, dass das Heilige Jahr (Heiliges Compostelanisches Jahr) bis zum 31.12.2022 verlängert wurde. Ungefähr alle X- Jahre gibt es ein Heiliges Jahr in Santiago de Compostela, nämlich immer dann, wenn der Namenstag (25. Juli) des Heiligen Jakobus auf einem Sonntag fällt. Pilger können in diesem Heiligen Jahr einen Ablass von Sünden bekommen, wenn sie in Santiago ankommen etc. Daher ist klar, dass sich in diesem Jahr besonders viele Pilger auf den Weg gemacht haben.


    Hape Kerkeling hat in Deutschland sicher den Jakobsweg durch sein Buch 2006 populär gemacht, aber über 40% der Pilger stammten z. B. 2018 aus Spanien.
    Mal ein paar Zahlen:

    1999 war ein Heiliges Jahr, da gab es einen sprunghaften Anstieg auf ~154.000 Fußpilger, 2000 waren es dann nur noch ~55.000, 2004 war wieder ein Heiliges Jahr und es gab ~179.000 Fußpilger wobei 2007 ein Jahr nach Erscheinen des Buches von Kerkeling waren es nur noch ~114.000, im Heiligen Jahr 2010 gab es ~272.00 und im Jahr drauf wieder "nur" ~179.000
    Die Zahlen habe ich von der Seite: jakobsweg-lebensweg.de/pilgerstatistik/statistik-2021/


    Ich habe gehört, es wird im Moment darüber nachgedacht, dass man die erforderlichen 100 km für eine Compostela auf 300 oder 350 km erhöht, dann wird es für die Wandertouristen vermutlich uninteressant werden ausgerechnet in Santiago ankommen zu müssen.


    Es gibt noch Pilger, die aus religiösen Gründen diesen Weg gehen, egal ob jung oder alt. Es gibt aber einfach kein falsch oder richtig. Wer den Jakobsweg gehen will, der soll ihn meiner Meinung nach gehen dürfen egal aus welchen Gründen. Ich habe übrigens auch Gründe, weshalb ich auf diesen Wegen pilger. ;)


    Viele Grüße
    Petra

  • Wir waren Anfang August 2015 in Santiago de Compostela. Es war ein Tagesausflug von Vigo aus, wo wir unser Hotel hatten.


    Es war schon krass, die Schlange vor dem Eingang zur Kirche. Wir haben uns da natürlich nicht angestellt. Da wollten wir den Pilgern doch lieber den Vortritt lassen. Bis weit hinten in die Seitenstraße hinein, war die Schlange.


  • Heuer Mitte März um die Mittagszeit sah es so aus. Vor der Kathedrale waren vor allem einheimische Schulkassen.

    Ja, im Monat März ist natürlich noch nicht so viel los. Da hast Du ja tolles Wetter erwischt mit blauen Himmel. Ich zeige mal weitere Fotos vom August 2015 aus Santiago de Compostela. Leider war es ein bewölkter Tag.


    Morgens, noch vor 10 Uhr strömten schon viele Pilger in die Stadt.




    Nun Fotos vom Hauptplatz vor der Kathedrale. Ein Turm war leider eingerüstet. Obwohl dort viele Pilger und Ausflügler waren, erlebten wir eine tolle Stimmung dort.






    Nun die Erschöpften






    Es gibt ja mehrere Plätze um die Kathedrale herum. Da war weniger los.




    Es lohnt auf jeden Fall, sich mal Santiago de Compostela anzuschauen. :)

  • Ich denke, dass es kein Zufall ist, dass sich viele Menschen entschließen zumindest einen Teil dieses Weges zu gehen.

    Bei uns in Österreich gibt es ja auch entsprechende "Anschlussmöglichkeiten" unter dem Motto "Immer der Muschel nach...".

    Distanz wahlweise zwischen knapp über 50 bis zu knapp unter 500 km.


    Wandern insgesamt gewinnt in Zeiten wie diesen (Krisen, Inflation, Sinnsuche) eine neue, zusätzliche Bedeutung.


    Und das hat alles in der Regel nichts mit "Ballermann" ähnlichen Zuständen zu tun. Und die Ausnahmen werden sogar dort eingeschränkt, wo er eigentlich "zu Hause" ist.


    Liebe Grüße

  • Da habe ich auch noch 2 Bilder, einmal vom Mai 2009 und das zweite Bild habe ich im Juni 2016 gemacht, Solche Menschenmassen wie im August gab es ein Jahr später nicht. Wobei man bedenken soll, der August ist die absolute Hochsaison, da ist ja nicht nur ganz Spanien auf Reisen, fast überall sind auch Schulferien.


    Viele Grüße
    Petra




  • Ja,mit 17-55 auf APSC kann man nicht viel bei solchen Gebäuden machen, wenn der Platz fehlt. ^^ Damals war ich noch mit der Canon EOS 350 D unterwegs und ich bin nicht gepilgert, sondern wir sind den Weg mit unseren Motorrädern abgefahren. Da wir unterwegs immer mal mit Pilgerns ins Gespräch kamen, kam ich auch auf den Geschmack. 2009 hat es in Galicien fast nur geregnet und wir sind schnell weiter in den Süden gefahren. 2016 hatten wir das schönste Wetter. Ich bin nun gespannt wie es 2023 sein wird.


    Viele Grüße
    Petra

  • Ach ja die Kathedrale, eine Herausforderung beim Fotografieren

    Ja, das stimmt. Ich nehme fast nur noch das Format 16:9, da wir meistens eine Show mit bewegten Bildern und Musikuntermalung) anschließend für den Fernseher kreieren (füllt das ganze Fernsehbild aus). Hochkannt macht sich gar nicht gut, denn da stören die dicken schwarzen Balken links und rechts. Inzwischen fotografiere ich nur noch mit meinem Samsung-Handy. Für Zoom-Aufnahmen benutze ich dann meine kleine, leichte Canon-Ixos oder Nikon-Coolpix).


    Hier mein Übersichtsfoto von der eingerüsteten Kathedrale.



    Leider fehlt der blaue Himmel. Aber es war trocken und die Temperaturen angenehm im Monat August 2015. Das war bislang wettermäßig der schlechteste Tag von unseren Aufenthalten in Galicien (August 2015 und 2021).


    Ich wünsche Dir Wetterglück Mikado.

  • Vielen Dank für Eure Eindrücke.

    Ich bin leider noch nicht auf dem Camino gepilgert. Eine Freundin von mir ist ihn vor 15 Jahren gegangen und war damals schon über die Zustände in SdC entsetzt. Sie ist von dort weiter zum Meer gelaufen. Das war für sie die allerschönste Etappe. So ganz ohne Rummel.

  • Eine Freundin von mir ist ihn vor 15 Jahren gegangen und war damals schon über die Zustände in SdC entsetzt. Sie ist von dort weiter zum Meer gelaufen. Das war für sie die allerschönste Etappe. So ganz ohne Rummel.

    Etwas ähnliches habe ich schon mehrfach gelesen.


    Lustigerweise hat man seitens der Kathedrale von Santiago de Compostela zu einer solchen Fortsetzung der Wanderung eine nicht sehr positive Grundeinstellung. Auf einem Online-Informationsblatt auf deutsch heißt es:


    AM ZIEL ANZUKOMMEN wird für die einen der glückliche Moment sein, neu zu beginnen und aus dem zu leben, was sie auf dem Camino gelernt haben. Dagegen wird es für andere nur eine drastische Unterbrechung gewesen sein, eine erfreuliche Erfahrung vielleicht, die aber nicht ausreicht, Klarheit in ihr Leben zu bringen oder es gar zu verändern. Deshalb weigern sie sich zurückzukehren und wenden sich zum Meer bis dorthin, wo es nicht mehr weiter geht. Es sind Nostalgiker der Pilgerschaft, die keine Lehren aus dem Camino gezogen haben

    http://catedraldesantiago.es/wp-content/uploads/2017/08/Meta_Camino_aleman.pdf