Japan 2025, die alte Liebe rostet...

  • Ich überquere die große Gojo und reihe mich aber nicht in den steten Touristenstrom ein, der sich in der schmalen Gojo-Dori bündelt, um zum Kiyomizudera zu gelangen. Ich biege schräg links weg in eine kleine Straße, in das nördliche "Hinterland" der Gojo in Higashiyama. Früher hieß das Gebiet Rokuhara, was (möglicherweise) sechs Felder heißt. Das Gebiet östlich des Kamo boomte als Siedlungsgebiet, denn im sanft zu den Hügeln ansteigendem Gelände war man vor den Überschwemmungen des unberechenbaren Kamo sicher. In der Kamakura-Periode war hier eine von zwei militärischen Statthaltungen der Hojo angesiedelt, um die Kaiser zu kontrollieren. Entsprechend waren hier auch die Anwesen der Hojo-Vasallen zu finden. Bis in das 16. Jahrhundert waren hier Samurai aber auch Handwerker, besonders Schmiede und Keramiker angesiedelt. Von hier an bis etwa zur Shijo war das Zentrum der sogenannten Kyo- und Kiyomizu-Ware. Es gibt noch einige günstige Keramikgeschäfte an der Gojo, hoch Richtung Kiyomizudera im "Teeschalen-Weg" (Chawanzaka), kann es dann richtig teuer werden. Zwei, Dreitausend Euro für ein Stück Tee-Keramik sind hier kein Problem.

    Doch richtige Werkstätten sind auch hier am historischen Standort selten geworden. Das ansteigende Gelände eignete sich hervorragend für den Bau der traditionellen Hangöfen (Anagama). Hierbei werden mehrere Kammern hintereinander, miteinander verbunden in einen Hang gebaut. Solche Öfen aus mehreren Brennkammern konnten bis 30 Meter lang werden. Oft waren es "Gemeinschaftsöfen", denn Töpfer arbeiten häufig in Kooperativen, denn kein einzelner Handwerker konnte den hohen Aufwand und die hohen Bewirtschaftungskosten selbst tragen. Allein die Brenndauer der großen Anagama konnte 4 bis 6 Wochen dauern.

    Der kleine Anagama der Familie Ogawa ist einer der wenigen, die heute hier noch stehen. Allerdings wurde dieser Ofen erst um 1870 gebaut und der jetzige Meister ist die 6. Generation.

    ich folge den leeren schmalen Straßen. Auch das ist hier möglich. Nur "ein paar" Meter weiter östliche verlaufen die Touristenströme. Mit etwas trauriger Stimmung genieße die Seitenstraßen und verabschiede mich innerlich von der edlen, alten "Dame" Kyoto.

    Ich schnappe mir meinen Rucksack. Ich kämpfe mich durch die vollen Bürgersteige zur Kawaramachi-Station, und fahre das erste mal schwarz! Ich nehme frecher Weise einen "reserved Car" Train, den diese Verbindung hatte mir Google mit dem wenigsten Umsteigen zum KIX Airport angepriesen. Konsequenzen gab es keine, die zwei Stunden Fahrt mit 4mal umsteigen ziehen sich, und von Osaka bekomme ich durch die Fenster kaum was mit.

    Angekommen wird`s noch mal richtig voll. Aber ich muss ja nicht zum Gate, sondern biege zum Flughafenhotel ab. Dort checke ich ein, "schmeiße" den Rucksack ab, switche noch mal ins Terminal rüber, um zu checken wo ich morgen früh hin muss, und um die Fressmeile unsicher zu machen.


    Fazit Kyoto:

    Ich liebe diese Stadt, und ich hasse sie. Für jeden echten Japan-Fan ist sie das Maß der Dinge. Diese Stadt repräsentiert Japan wie keine andere. Und fast jeder, der Japan besucht, hat Kyoto unweigerlich auf seiner Liste. Das ist halt so, und das merkt man definitiv. Das Ganze nimmt teilweise auch humoristische Züge an. Denn ich bewundere die Kunstfertigkeit der Kimono-Verleiher. Wie die es schaffen wirklich jede Körperstatur, Größe und Form in ein traditionelles Outfit zu verpacken - Respekt! Kimono und Hijab? Kein Problem! Das Epizentrum um die Yasaka-Pagode ist die größte Fotoleinwand der Welt. Hier wird posiert und performt was das Zeug hält. Hier durchzukommen, ohne auf hunderten Fotos oder Videos als unfreiwilliger "Komparse" zu landen ist nicht möglich.

    Ich habe selber nichts in Punkto Touristenablehnung oder -Feindlichkeit gespürt. Auch nicht im überrannten Nara, obwohl ich diesen Ausflug als den Tiefpunkt meiner Japanreise bezeichnen würde. Hier hatte ich die größten Berührungen mit unangenehmen Touri-Verhalten gehabt. In Kyoto habe ich dagegen nur sehr wenige Hot Spots gestreift. Mein Besuch war einfach zu kurz, um mehr sagen zu können.

    Das Hotel Alza in der Nähe der Sanjo-Brücke auf der Higashiyama Seite ist schon cool. Es entspricht der Optik der typischen Stadtvillen der Gegend. Die Zimmer sind riesengroß und luxuriös. Das Frühstück war mit Abstand das Beste aller Hotels, und es wird auf den Zimmern serviert, denn es gibt keinen Essensraum. Das Hotel ist allerdings auch recht teuer. Als mein Bekannter abgesagt hatte, und ich umbuchen musste, war dieses Hotel gerade mit Sonderkonditionen.

    Sayonara Kyoto!

  • Abspann:

    "Herr ...., haben sie gewählt?" Verdutzt schaue ich die Flugbegleiterin an. Woher kennt die mich bitte? "Ich nehme die Entenbrust, als Hauptspeise die Roulade."

    Mit der Entenbrust kommt die nächste schwierige Frage. "Welchen Wein darf ich ihnen servieren?" Ach verdammt... "Ginge auch einfach nur ein Bier?"

    Das mit dem Business-Fliegen muss ich noch üben. Als völliger Rookie hatte ich mein (etwas besseren) Kopfhörer mit in die Kabine genommen und überlege nun, wo in aller Welt kann ich den jetzt einstecken? Herrjeh! Verstohlen muss ich von den wissenden Nachbarn lernen.

    Der Tag ging schon gut los: der Flug geht jetzt um 10:00, anstatt um 9:00 sagt die Mail von Lufthansa. Ufff! Das wird knapp! 2,5 Stunden Aufenthalt hatte der ursprüngliche Flug. Später wurde der Flug München Berlin durch einen anderen ersetzt, sodass die Umsteige-Zeit dann 2 Stunden waren. Na gut, einfach mal schauen...

    Nach knapp 14 Tagen sehe ich auch Tochter und Freund wieder. Die überreichen mir erstmal alle Geschenke ihrer Gasteltern an mich, so dass sich mein Kabinengepäck verdreifacht.

    Du musst noch Dein Gepäckbändsel ausdrucken. Meint Tochter mit Blick auf die Uhr. "Pffffff...!" mache ich geringschätzig, und schreite zum Business Schalter.

    Auf die Lounge verzichte ich, es gibt einfach zu viel über die vergangenen 14 Tage zu quatschen.

    Und ja, der Business-Flug hat mich versaut. Ist einfach eine andere Liga. Wenn ich so richtig fies gewesen wäre, wäre auch der Anschluss in München für mich kein Problem gewesen. Ratz fatz war sich aus dem Flieger, und wäre damit auch zügig durch die Sicherheitskontrolle zum Gate gekommen.

    Aber so wartete ich fast 16 Minuten (!) bis Tochter und Freund endlich aus dem Flieger kamen. Inzwischen war der Raum vor der Sicherheitskontrolle voll, eine riesen Schlange, nichts ging vorwärts. Das sah überhaupt nicht gut aus!

    Ich fragte einen Mitarbeiter der für Ordnung im Ankommen-Chaos sorgte, welche Chancen wir hätten, weil unser Boarding in 20 Minuten beginnt. Der meinte leise zu mir: " zu den Anschlussflügen müssen sie da durch. Sie könnten aber auch hier linker Hand durch die elektronische Einreise, dann folgen Sie den Schildern zu den Gepäckbändern, von da aus kommen sie auch zu einer Sicherheitskontrolle. Aber ich kann für nichts garantieren!"

    Besser als das hier. Für folgen der Beschreibung und haben wahnsinniges Glück. Die Sicherheitskontrolle war hier so gut wie leer. Es wurde zwar noch mal spannend, denn alle meine Taschen wurden nachkontrolliert, aber die Beamten waren echt freundlich. Am Gate schaffe ich es noch meiner Frau am Telefon zu sagen, dass alles okay geht, damit sie uns abholen kann. Dann begann schon das Boarding. Ich bin ziemlich sicher, dass wir ohne den Tip und eine Portion Glück den Anschluss nicht bekommen hätten.

    So, das wars! Danke für die Geduld und sorry für die langen Texte.

  • Fazit Insgesamt:

    Es ist schon eine merkwürdige Erfahrung, 14 Tage ohne Frau in den Urlaub zu fahren. Wobei insbesondere 2025 eher ein "Schwerpunkt-Urlaub" für mich war. Mit meiner Frau wäre diese Fahrt mit Sicherheit trotz meiner "Termine" anders verlaufen. Mehr Zielen bezüglich Natur, Land und Leuten, weniger Stadt und meinem Kram.

    Und ja, sie hat mir auch gefehlt, weil ich doch eher jemand bin, der lieber "zusammen erleben" möchte.

    Ich habe tatsächlich nach einer Woche Tokyo fast ein Tokyo Koller bekommen. Es gibt sicher viel zu sehen und zu entdecken, auch für Jemand, der schon öfters dort war. Aber was mich diesmal (erstaunlich weise) genervt hat, war die ewige Fahrerei mit den Öffis. Die Spots, die man im Hinterkopf hatte, waren oft mehr fahren als sehen. Einiges, was ich hier nicht erwähnt habe, erwies sich eher als Enttäuschung, auch was mein Hobby betrifft. Man schaut dann auf die Uhr und denkt, okay, das "andere" schaffe ich jetzt nicht mehr, eine Alternative würde 70 Minuten fahren bedeuten, och nöööh, mmmh, was könnte ich jetzt noch in Angriff nehmen?

    Ein Bekannter hier in Berlin hat es geschafft, mit einer Arbeit im Bereich traditioneller Handwerkkunst einen Preis zu erringen. Ich versprach ihn die Sonder-Ausstellung der Preisträger im Meiji Park zu besuchen und Bilder zu machen. Hier gibt es zwei Museen, das Meiji Schrein Museum (in denen auch Schätze des Schreins ausgestellt werden) und das Schatz Museum (des Meiji Schreins :D), beide natürlich am gegenüberliegenden Ende des riesigen Parks. Ich gehe am richtigen Ende des Parks entsprechen der Ausschilderung rein, Google meint aber ich müsse einmal quer durch. Der Park voller Leute. Am falschen Schatz-Museum kein Hinweis zur Ausstellung. Die Dame an der Kasse musste schon mehrere solcher Fehlläufer wie mich gehabt haben. Nee ich muss wieder komplett zurück. Trotz Eilmarsch komme ich nicht mehr rein. 3 Minuten zu spät. Bürgersteighochklapp-Alarm um 16:30! Das frustet in Japan.

    Aber ich kann mich nicht beschweren. Ich habe wunderbare Sachen gesehen und in den Händen gehabt, um sie direkt studieren zu können. Stücke, die man selbst kaum in Museen sieht. Dahingehend war meine Reise ein voller Erfolg. Auch auf der Messe konnte ich einige alte Bekannte treffen, die ich viele Jahre nicht mehr persönlich gesehen habe, da sie z.B. mittlerweile in den USA leben.

    Ich hatte ein erstaunlich offenes Gespräch mit einem jungen Mitarbeiter eines Händlers, bei dem ich einen Termin im Vorfeld der Veranstaltung hatte. Er fragte, ob ich auch auf die Messe am Wochenende gehe. Ich bejahte, denn das war ja eines meiner größeren Ziele. Er sagte, sie seien nicht auf der Messe vertreten, da man da kaum etwas verkauft. Alle wichtigen Geschäfte laufen im Umfeld der Messe ab, bei Terminen wie bei mir. Er bedankte sich auch noch mal, dass ich einen Termin gemacht hatte. Auf meinen Einwand, dass ein Besuch hier ohne Termin gar nicht möglich wäre, schüttelte er den Kopf. Es kommen ständig vor allem Ausländer rein. Es sind solche Gäste, die nie was kaufen. Aber wir sind kein Museum. Es kommt oft zu unschönen Reaktionen, wenn wir sie bitten müssen zu gehen, wenn sie keinen Termin haben. Das ist immer sehr bedauerlich.

    Aber zurück zu Japan selbst. Auf dieser Reise habe ich Japan noch nie so voll erlebt. Selbst das Rekord-Jahr 2019 (vor Covid) hatte ich nicht so unangenehm in Erinnerung. Gusti hat schon recht, wer so Japan das erste mal erlebt, wird daran nichts ungewöhnliches finden. Was ist an Tokyo diesbezüglich anders als New York, Rom oder London? Wem würde es also wundern, dass man in Shibuya kaum treten kann.

    Und Kyoto steht ja neben Osaka gleich an nächster Stelle in der Hitliste. Nur das Kyoto z.B. deutlich kleiner ist, die Touri-Massen sich hier noch mehr komprimieren.

    Ja, Japan hat mittlerweile ein Massentourismus-Problem. Im Bereich der goldenen Route unterscheidet es sich nicht mehr mit anderen internationalen Zielen. Japan ist nicht mehr das "exotische Ziel Ost-Asiens". Und auch wenn man in Japan versucht, den Tourismus von der goldenen Route in andere Regionen zu ziehen, der normale Tourist will Tokyo-Osaka-Kyoto-Hiroshima. Das verkörpert für ihn Japan. Er will die Spots sehen, die er aus Film und Fernsehen, Plakaten und Prospekten kennt: den Fuji, die Shibuya-Crossing, den Inari-Taisha, etc...Man will im Kimono an der Yasaka Pagode stehen, man will das coole Video in Gion haben.

    Das kann ich sogar völlig verstehen. Es ist beeindruckend! Und selbst ich würde gerne noch mal die Aussicht vom Kiyomizudera bei Sonnenuntergang genießen. Eben weil es so besonders ist.

    Entweder man hat irgendwie Glück, zufällig zur richtigen Zeit da zu sein, oder aber man muss akzeptieren, solche Spots nie wieder so zu erleben, wie es in der Vergangenheit war.

    Ich hatte zweimal mit Studenten (Japanistik, Kunstgeschichte) gesprochen, einmal vor Japan, einmal in Tokyo, die Fremdenführer für deutsche Reisegruppen eines bestimmten Anbieters gemacht haben. Beide haben den enorm dichtgepackten Reiseplan kritisiert. Die Reisenden haben sich mehr in Reisebussen aufgehalten, als was von Land und Leuten zu sehen. Morgens am Inari-Taisha in Kyoto, Mittags am Todaiji in Nara (1 Stunde Zeit!) abends im Dunkeln sind sie dann in Hakone angekommen. Früh ging es weiter nach Tokyo. Die haben nichts weiter als das Hotel in Hakone gesehen.

    Tja, und die Situation wird nicht besser werden, solange der Boom anhält, und der Yen günstig ist. Die Prognosen gehen weiter nach oben.

    Japan-Fans werden sicherlich ihre Routen abseits der Epizentren finden. Aber hilft das "aus dem Weg gehen", wenn sich das Land durch den Massentourismus längerfristig verändern wird? Vor allem wie verändern wird. 2019 konnte ich noch freundlich mit dem jap. Zöllner plaudern. 2025 lustloses Massenabfertigen. Schnell, schnell, schnell, der Nächste, der Nächste. Willkommen in Japan!

    Nach der Japanreise ist vor der Japanreise. Wirkliche Ambitionen für die nächste Reise fehlen mir momentan...

  • Auch wenn Dein Fazit doch einen eher durchwachsenen Eindruck macht, war es lehrreich und interessant, häufig auch zum schmunzeln, wenn auch Du selber in der Situation es wahrscheinlich nicht witzig gefunden hast.

    Ich bin Dir und Deinen Gedanken jedenfalls gerne gefolgt. Vielen Dank, dass Du Dir dafür so ausführlich Zeit genommen hast.

    Viele Grüße

    Gusti

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    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
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  • Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht mit seinen vielen Hintergrundinformationen!

    Bei mir läuft eine Japan-Reise eher so, dass ich aus den verschiedenen Bereichen, die das Reiseland zu bieten hat, etwas mitzunehmen versuche. Da bleibt man oft eher an der Oberfläche. Ich habe das Beispiel vielleicht schon einmal gebracht, aber ich erinnere mich öfter daran, dass ich mal mit einer Freundin wandern war, und ich dachte beim Anblieb eines Baums etwas neandertalermäßiges wie "Baum", während sie mir nicht nur erklärt hat, welche Apfelbaumsorte es ist, sondern dass der Baum ungepflegt ist, was man an xyz erkennt. So ähnlich geht es mir manchmal, wenn ich deine Japan-Berichte lese. :D Da denke ich mir schlicht "Tempel" und kriege dann erklärt, dass dort die Schere des Friseurs der Cousine des Schwippschwagers von Tohudingsda immer in der achten Vollmondnacht eines Schaltjahrs in einer leider sehr schlecht ausgeleuchteten Vitrine zu sehen ist, aber nur, falls man es schafft, genau 100 Tage im Voraus auf einer geheimen Webseite ein Ticket zu kaufen und an ca. 1.000 Japanern vorbei Einlass ins Gebäude zu finden. :P

    Nein, Spaß beiseite, vielen Dank für deine Erklärungen und deine Eindrücke von der Reise. Ich fühle mich damit ganz gut gewappnet, um im MÄrz und April nächsten Jahres hoffentlich meinen Weg an den größten Besucherströmen vorbei zu finden und mich für den Fall, dass mir das nicht gelingt, vorab schon mal in Gelassenheit zu üben.

    Und das historisch erste Forentreffen in Tokyo kann euch niemand mehr nehmen!

  • Ich habe das Beispiel vielleicht schon einmal gebracht, aber ich erinnere mich öfter daran, dass ich mal mit einer Freundin wandern war, und ich dachte beim Anblieb eines Baums etwas neandertalermäßiges wie "Baum", während sie mir nicht nur erklärt hat, welche Apfelbaumsorte es ist, sondern dass der Baum ungepflegt ist, was man an xyz erkennt. So ähnlich geht es mir manchmal, wenn ich deine Japan-Berichte lese. :D Da denke ich mir schlicht "Tempel" und kriege dann erklärt, dass dort die Schere des Friseurs der Cousine des Schwippschwagers von Tohudingsda immer in der achten Vollmondnacht eines Schaltjahrs in einer leider sehr schlecht ausgeleuchteten Vitrine zu sehen ist, aber nur, falls man es schafft, genau 100 Tage im Voraus auf einer geheimen Webseite ein Ticket zu kaufen und an ca. 1.000 Japanern vorbei Einlass ins Gebäude zu finden. :P

    Genau! Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, gehöre ich zu den auf dieser Welt wandelnden glücklichen Wenigen, welche bei dieser konspirativen Ausstellung das berühmteste und älteste Stück knorrigen Holzes Japans mit eigenen Augen sehen konnten. Unglücklicherweise handelt es sich nicht Apfel- sondern Adlerholz. Und weil die Japaner schon immer unheimlich penibel waren, ist an der Klamotte exakt vermerkt, an welcher Stelle sich schon vor hunderten von Jahren ein paar Großkopferte (auch der olle Nobunaga, der Kulturbanause) einfach ein Stückchen abgeschnibbelt und gemopst haben. Doch konnte ich das nicht genau erkennen, denn Punkt 1: die katastrophale Ausleuchtung (!), und Punkt 2: da standen noch tausende Japaner vor mir vor der Vitrine, und Punkt 3: meine Augen waren tränennass vor Ergriffenheit und Demut. Aus diesem Grund habe ich nur verschwommene Erinnerungen an den Klotz.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Ranjatai

    Ja, sorry, Flicka , da bin ich wohl so ein bisschen die jap. Ausführung Deiner Kumpeline. Da ich aber noch nicht eine japanische Apfelsorte kenne, muss ich dieses Manko schleunigst beheben und mich in die Materie reinknien.

    Ich hoffe, dass nun jeder absolut nachvollziehen kann, warum meine Frau händeringend NICHT mit nach Japan wollte.

    Aber was soll ich tun? Ich meine es doch nur gut...stellt Euch doch vor...da bekommt man von Tochter ein Bild zugesendet: "kiek ma, een Foto von uns bei nen Ausflug middn paaa Mönsche!"

    Da bekomme ich körperliche Schmerzen! Also hube ich an, ihr eine entsprechende Erläuterung angedeihen zu lassen: "middn paaa Mönsche?Das sind nicht irgendwelche Mönsche! Es handelt sich hierbei genaugenommen um...ach, lassen wir das!


    In diesem Sinne...Mataneeee!