Marokko's Süden - eine kleine Rundreise

  • Hallo Zusammen!

    Knapp drei Wochen sind wir jetzt wieder hier und zurück von unserer kleinen Marokko-Rundreise.

    Ende Oktober ging es für insgesamt zwei Wochen nach Marokko. Konkret ging es mit dem Flieger nach Agadir und von da aus mit dem Mietwagen weiter, bevor wir schlußendlich noch 4 Tage in Taghazout am Meer verbrachten.

    Nachdem wir 2019 bereits das erste Mal in Marokko waren und dort zuerst in einer kleinen Gruppe Nordafrikas höchsten Berg, den Djebel Toubkal, bestiegen haben, verbrachten wir abschließend noch 4 Tage in Marrakesch.
    Als es dann an die Reiseplanung für dieses Jahr ging und feststand, dass der große Urlaub ein Bulli-Urlaub werden würde, fiel die Wahl der jährlichen Flugreise auf Marokko. Mein Mann, der vermutlich alle Youtube-Videos über Offroad-Motorrad-Abenteuer in der Wüste gesehen hatte, musste unbedingt mal eine (mehr oder minder) echte Wüste sehen und selbstverständlich darf bei uns auch das Meer nicht fehlen.
    Nachdem wir einen Flug nach Agadir ergattert hatten, machte ich mich an die Feinplanung.
    Hier nun also der Bericht unser 10-tägigen Rundreise.

    Vorweg: ich versuche dran zu bleiben, kann aber nicht versprechen, dass ich den Bericht innerhalb kürzester Zeit zusammen bekomme. Ihr werdet also häppchenweise mitreisen müssen/ dürfen - wenn Ihr denn wollt.

    Freitags, am 26. Oktober ging es ab Weeze mit Ryan Air Richtung Agadir. Wir waren schon lange nicht mehr ab Weeze geflogen und die Fahrt durchs Ruhrgebiet zog sich dann, dank Freitags-Stau und generell großer Verkehrsdichte, dann doch mehr, als gedacht. Alles andere klappte aber wunderbar und problemlos, zumal Weeze ja auch ein sehr kleiner und überschaubarer Flughafen ist. Der Nachteil des Fluges: es ging erst um 20:20 Uhr los, dementsprechend landeten wir auch erst um 23:20 Uhr in Agadir. Aber dank der vorher direkt in der ersten Reihe gebuchten Plätze, waren wir die ersten, die den Flieger verlassen konnten, die ersten, die durch die Einreise kamen und somit auch die Ersten, auf die sich die freundlichen Damen der Mobilfunk-Anbieter stürzen konnten. Die standen nämlich direkt am Gepäckband. Was natürlich sehr klug ist, denn da hat man ja eh meist Zeit. Wir hatten im Vorfeld über eine E-Sim nachgedacht, zumal wir nicht wussten, ob so spät am Flughafen noch an Sim-Karten zu kommen ist, aber die Sorge war definitiv unbegründet.
    Für insgesamt 30,- Euro erhielten wir jeder eine Sim-Karte mit unbegrenztem Datenvolumen für die bevorstehenden zwei Wochen. Und natürlich wurde direkt alles eingesetzt und nutzbar gemacht.
    Auch unser Gepäck kam mit als Erstes, so dass wir schneller als erwartet raus kamen.
    Im Flughafen haben wir dann noch mit der Kreditkarte Geld gezogen, und um etwas Kleingeld zu haben, auch direkt eine Wasserflasche erstanden.
    Toll, alles lief nach Plan!

    Das vorab gebuchte Hotel Villa du Souss hatte uns auf Anfrage einen Taxifahrer organisiert, der uns für 15,- Euro Nachttarif die etwa 10-minütige Fahrt zum Riad brachte.

    Dort wurden wir freundliche, trotz der späten Stunde, empfangen und fanden uns direkt im Innenhof eines klassischen Riads wieder.

    Das Zimmer war tiptop sauber (wie alle weiteren Unterkünfte auch), es stand netterweise Wasser bereit, wir machten uns aber einfach nur noch schnell bettfertig und legten uns schlafen. Die Matratze war knallehart, das Kopfkissen ein Backstein. Wie sich heraus stellte, war das (leider) die Regel in Marokko. Wir hatten selten weiche Matratzen und Kopfkissen.

    Am nächsten Morgen ging um 8 Uhr der Wecker. Da wir um 11 Uhr wieder am Flughafen sein wollten/mussten, um den Mietwagen zu übernehmen.

    Aber zuerst machten wir Bekanntschaft mit dem marokkanischen Frühstück. In einem großen Raum mit umlaufenden Sitzgelegenheiten war für uns in einer Ecke ein runder Tisch aufgedeckt. Es gab Rührei, Msemen (eine Art marokkanisches Brot/ Pfannkuchen in reichlich Fett gebacken), weißes Brot, Öl, abgepackter Käse, Marmelade und Amlou, die "Berber-Marmelade", die sich im Grunde als eine Art Mandelmus herausstellte: Argannüsse gemahlen, Honig und Öl. Dazu Kaffee oder Tee auf Wunsch. Wir verputzten alles und stärkten uns für den ersten Tag in Marokko.

    Für eine Nacht in Flughafennähe war die Villa du Souss auf jeden Fall eine gute Wahl. Allerdings liegt die Villa in wenig einladender Gegend und bietet sich vermutlich weniger für einen längeren Aufenthalt an, obwohl das Riad an sich wirklich schön und die Angestellten sehr freundlich waren.

    Der Mietwagenverleiher befand sich, der Taxifahrer kannte sich ein Glück aus, in Flughafennähe in einer Wohngegegend. Unser Auto wurde gerade noch gewaschen. In der Zeit erledigten wir die Formalitäten (wobei die vorher extra beschafften Internationalen Führerscheine von keinerlei Interesse waren). Vielleicht zwanzig Minuten später saßen wir in unserem Dacia Sandero und navigierten uns um Agadir herum Richtung Essaouira. Gute 3,5 Stunden sollte die Fahrt dauern. Und sobald wir Agadir hinter uns gelassen hatten, wurde es ganz entspannt.

    Gewarnt vor vielen Polizeikontrollen und Geschwindigkeitsmessungen war klar, dass penibel vorschriftsgemäß gefahren wird. Und wir hatten ja eh Urlaub und waren nicht auf der Flucht. Und tatsächlich habe ich noch in keinem Land so viel Polizei, vor allem an Orts-Ein bzw. Ausfahrten gesehen. Meist wurden hier jedoch nur Einheimische angehalten und Touristen durchgewunken. Trotzdem war man irgendwie jedes Mal angespannt, wenn es wieder auf eine (schon von Weitem angekündigte) Polizeikontrolle zuging.

    Der erste Teil des Weges nach Essaouira führte uns am Meer entlang. Rechterhand karge Landschaft, linkerhand der raue, wunderschöne Atlantik.

    Später führte die Straße dann durch kleine Dörfer, weiterhin karge Landschaft, die jedoch immer häufiger durch Arganbäume und zahlreiche Verkaufsstände von Arganöl aufgelockert wurde.

  • Unsere Unterkunft in Essaouira, Dar Adul, lag mitten in der Medina. Gewählt hatten wir sie, weil sie natürlich zum Einen gute Bewertungen hatte, zum Anderen aber auch eine der wenigen Unterkünfte in Essaouira mit Meerblick waren. Zwar nicht vom Zimmer, aber von der Dachterrasse. Bevor wir aber zum Riad kamen, mussten wir erst mal das Auto parken. Direkt am Hafen, nahe das Place Moulay Hassan, lag der vom Riad empfohlene nächste Parkplatz. Der war an einem Samstag Nachmittag aber gut besucht, so dass wir gut 30 Minuten in der Schlange standen, um einen freien Platz zu ergattern. Die Zeit nutzten wir, um uns das Treiben um uns herum anzuschauen. Möwen, das Meer, marokkanische Familien beim Flanieren, Touristen, Handkarren für Gepäck und und und. Wir erhielten einen Zettel mit dem Datum des Tages, das beim Wegfahren zur Abrechnung dienen sollte.
    Kaum hatten wir den Wagen verlassen und unsere Taschen aus dem Kofferraum geholt, bot uns ein Mann mit seiner Handkarre den Gepäcktransport an. Wir schnallten uns allerdings unsere Taschen auf den Rücken und suchten uns unseren Weg durch die Gassen der Medina zum Riad. Letztlich vielleicht 7 Minuten, wenn man direkt gewusst hätte, wie man gehen muss, aber natürlich dauerte es beim ersten Mal viel länger. Schon jetzt gab es viel zu gucken, viele Menschen, viele Ecken um die man abbog. Aber irgendwann war das Dar Adul erreicht. Auch hier war der Empfang super herzlich. Wir bekamen Tee, um erst mal anzukommen (eine Sitte, die wir immer wieder erlebten und die tatsächlich erst mal entschleunigt), uns wurde das Zimmer und dann das ganze Haus gezeigt. Die Dachterrasse bot tatsächlich einen großartigen Blick auf das Meer und das Beste: hier wurde morgens auf Wunsch auch das Frühstück serviert.
    Bevor wir uns dann ins Gewühl der Medina stürzen wollten, machten wir es uns erst mal mit dem Meer im Blick gemütlich:

    Essaouiras Medina entpuppte sich dann tatsächlich als zauberhaft, ganz entspannt, ohne aufdringliche Händler und vielen Fotomotiven.
    Eine Mauer dient als Befestigung zum Meer und bot tolle Ausblicke:

    Und wir begegneten auch sehr schnell den wahren Herrscherinnen von Essaouira:

    Katzen, überall Katzen. Aber auch überall Futter und Wassertöpfe für die Katzen. Ich weiß, dass das Thema Straßenhunde- und Katzen in Marokko ein Schwieriges ist, wir haben aber tatsächlich immer nur erlebt, dass sich zumindest um Essen und Trinken für die Tiere gekümmert wurde. Tatsächlich waren sie aber überall, boten oft ein tolles Fotomotiv (ich bekam sehr schnell die Vorgabe, nicht mehr als 12 Katzenfotos am Tag machen zu dürfen) aber auch oft einen wichtigen Grund, den Blick nicht von der Straße zu nehmen, um keine der vielen Katzen zu treten.

    In der Medina fanden sich viele Läden, viele Restaurant, viele Menschen, aber auch immer wieder menschenleere Gassen und verwinkelte Ecken. Ganz anders als in Marrakesch war hier niemand aufdringlich. Man konnte einfach herum stomern und schauen, wo man so landete.

    Gegen Abend suchten wir uns ein Restaurant mit Blick Richtung Sonnenuntergang und ergatterten einen der letzten Plätze. Nach einer leckeren Vorspeise gab es dann die erste Tajine. Und ich weiß, dass Tajine in Marokko ja immer DAS Essen ist. Aber schon beim ersten Mal konnte uns die marokkanische Küche nicht überzeugen. Es mag daran liegen, dass wir Vegetarier sind und das in der Tajine geschmorte Gemüse einfach nicht so gut wird, wie Fleisch. Wir wissen es nicht. Und um das vorweg zu nehmen: auch dieses Mal gab es, bis auf weniges Ausnahmen, Essen, dass uns vom Hocker riss.

    Ein kleiner Verdauungsspaziergang führte noch von der Medina weg an der Promenade am Meer entlang. Hier war ordentlich was los. Familien schlenderten über die Promenade, kauften mal am Stand, wo es gedämpfte Kichererbsen gab, eine Tüte davon oder ließen sich an einem anderen Strand frische Orangen oder Granatäpfel pressen, man saß auf den zahlreichen Bänken unter Palmen und quatschte, Kinder liefen kreuz und quer. Die Touristen saßen dann eher an den wenigen Lokalen entlang der Promenade, wovon ein Lokal sogar Alkohol verkauften.

    Die vielen Eindrücke des ersten Tages forderten Tribut und das Bett rief.

  • Ein weiterer Tag in Essaouira "windy city" begann mit einem Kaffee auf der Dachterrasse zum Sonnenaufgang. Und ein Glück machte Essaouira die 2 Tage die wir da waren, seinem Namen keine Ehre. Es war sonnig, strahlendblauer Himmel und kein Wind weit und breit. Das ist aber wohl nicht unbedingt die Regel.

    Gegen halb neun wurde dann das Frühstück serviert:

    Heute mal zusätzlich mit Joghurt und Orangensaft.

    Gestärkt ging es dann durch die noch leeren Gassen Richtung Hafen. Hier herrschte schon reges Treiben. Die kleinen Fischerboote waren alle wieder im Hafen, Fische wurden geschuppt, zerteilt, ausgenommen, die Boote wieder hergerichtet. Möwen, die etwas vom Fisch ergattern wollten und viele Touris, die Fotos ergattern wollten. So natürlich auch wir. Allerdings muss ich sagen, der Geruch war alles andere als einladend, so dass sich die Verweildauer alleine schon von daher arg beschränkte.

    Viele Fischer bei der Arbeit:

    Zwischen Hafen und Place Moulay Hassan gab es abends für Fischliebhaber zahlreiche kleine Buden, die Fisch vom Grill verkauften. Hier war an beiden Abenden, die wir da waren, viel los. Falls also jemand Fischliebhaber ist, ist das vielleicht ein Tipp. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob der Fisch gut ist. Frisch sollte er wohl sein.

    Wir wollten dem Getreidemarkt einen Besuch abstatten, blieben aber schon vorher in den Gassen hängen. Hier war die Medina definitiv nicht nur ein Touristenort, sondern hier wurde eingekauft, gehandelt und gelebt.

    Und ist es überhaupt Urlaub, wenn es beim Metzger nicht so aussieht?

    Man kommt in die Medina durch mehrere Stadttore. Bisher hatten wir nur die südlichen Tore gesehen. Jetzt stromerten wir weiter Richtung Norden und verließen durch das Bab Doukkla die Medina. Ein kleiner Durchgang führte zum naturbelassenen Strand, der jedoch von niemandem, außer von Anglern, die mit abenteuerlichen Schwimmreifenvarianten auf die vorgelagerten Felsen trieben, und ein paar Spaziergängern genutzt wurde.

    Was soll man auch am Strand, wenn man nicht schwimmen darf. :D

    Und so verbrachten wir den Tag in Essaouira: schauten mal hier um die Ecke und da in den Hinterhof, kauften die ersten Souvenirs, ganz ohne Handeln, ganz ohne Drama. Genossen zwischendrin eine Pause mit einem Kaffee auf unserer Dachterrasse mit Meerblick, um dann wieder ins Gewimmel einzutauchen.
    Schlenderte dann noch am Boulevard am Meer entlang, wo am Ende der Bucht Dromedare zum Reiten angeboten werden, Pferde zum Reiten, Menschen schwimmen oder einfach auf dem mitgebrachten Stuhl am Meer sitzen.

    Auf dem Place Moulay Hassan kommen gefühlt alle zusammen: zwischen Meer, Cafe's, einem Stadttor, dem Hafen und den Fischbuden werden Luftballons an Kinder verkauft, eine mobile Disco animiert zum Mittanzen, abends spielen Bands für die marokkanischen Zuhörer auf, Zuckerwatte wird verkauft. Kurzum: hier ist immer was los.

    Gegen Abend gab es in einem nur von Kerzen beleuchteten Restaurant um die Ecke Abendessen und noch ein letzter Spaziergang durch die Medina.

    Essaouira - schön war es! Und zwei Nächte hier zu bleiben die richtige Entscheidung. Zum Einen, um überhaupt etwas von Essaouria bzw. der Medina zu sehen, zum Anderen um erst mal in Marokko anzukommen und nicht gleich weiterhetzen zu müssen.
    Jetzt lagen Tage vor uns, wo wir nie länger als eine Nacht verbrachten.

  • Heute heißt es: weiter geht's. Nach dem gelungenen Auftakt in Essaouira steht heute mehr oder minder nur ein Zwischen/Fahrtag an, da das nächste Ziel (der Tizi 'n Tichka Pass und Ait Ben Haddou) für eine Tagestour zu viel Fahrerei wären.

    Nach einem weiteren schönen Frühstück in herrlicher Sonne mit Blick aufs Meer und einem herzlichen Abschied verlassen wir das gastliche Dar Adul.

    Wir können das Riad nur empfehlen. Es liegt mittig (und trotzdem ruhig) in der Medina, die Besitzerin und die Angestellten waren super lieb und freundlich, der Blick aufs Meer ist grandios und alles blitzsauber. Einzige Nachteil, da waren wir aber selber Schuld, unser Zimmer hatte keine Fenster nach außen. Alle Fenster gingen nach innen in den Innenhof, der auch von anderen Hotelgästen genutzt werden konnte. Fenster offen lassen, wenn man drinnen war, ging also nicht. Es gibt aber weitere Zimmer (ich glaube Dar Adul hat insgesamt 5 Zimmer), bei denen das anders ist. Und auch unser Zimmer war für zwei Nächte für uns absolut o.k., da wir eh den ganzen Tag unterwegs waren.

    Beim Auslösen des Autos vom Parkplatz haben wir Glück. Wieso auch immer zahlen wir nur den Preis für einen Tag, statt für 2, also 4,50 Euro. Einen Teil des so gesparten Geldes, nämlich 3,- Euro, legen wir direkt in die vor Ort angebotene Handwäsche wieder an. Dank der vielen Möwen die in Hafennähe kreisen, sehen die Autos hier sehr schnell sehr vollgeka...t aus! Fünf Minuten später machen wir uns mit einem jetzt wieder passabel aussehenden Fahrzeug auf den Weg zur Zwischenübernachtung nahe der Agafay-Wüste.

    Zuerst gibt es noch einen Stop am Carrefour am Beginn der Schnellstraße auswärts von Essaouira. Wir versorgen uns mit reichlich Wasservorräten, Keksen, Obst und Chips. Wie sich heraus stellen sollte, war das eine sehr kluge Entscheidung.
    Kleiner Exkurs: in den großen Supermarktketten, wie eben dem Carrefour, gibt es eine gesonderte Abteilung für Alkohol. Der ist hier natürlich teurer als bei uns in Deutschland, aber lang nicht so teuer wie in Skandinavien. Wer sich also, da die meisten Hotels keinen Alkohol verkaufen, hier bevorraten möchte, hat die Gelegenheit.
    Wir wurden ab und an im Hotel auch darauf aufmerksam gemacht, dass sie zwar keinen Alkohol ausschenken würden, es aber kein Problem sei, selber mitgebrachten Alkohol zu konsumieren. Fühlt sich irgendwie komisch und falsch an, war aber ja ein wirklich freundliches Zugeständnis der muslimischen Gastgeber an ihre Nicht-muslimischen Gäste.

    Die Fahrt des heutigen Tages führt erst mal über eine Schnellstraße entlang karger Landschaft. Zuerst noch mit vielen Arganbäumen bestanden. Tatsächlich fahren wir auch an einer kleinen Ziegenherde vorbei, die sehr fotogen, in den Arganbäumen kletternd nach Essen sucht. Aber für ein Foto angehalten haben wir dann doch nicht.

    Danach wird der Blick aus dem Autofenster meist eher auf karges Land treffen:

    Nichts, woran das Auge sonderlich wohlwollend hängen bleibt. Wobei das natürlich Geschmackssache ist. Immer wieder kommen wir durch kleine Ortschaften in denen mal mehr mal weniger reges Treiben herrscht. Wenn man bedenkt, dass man hier durchaus mit 60 km/h durchrauschen dürfte, klingt das jedoch sehr gewagt, da jederzeit jemand einfach vom Straßenrand ausschert, Menschen die Straße kreuzen, Esels- bzw. Pferdekarren sich in Bewegung setzen.

    In einem etwas größeren Ort (dessen Namen ich vergessen habe) halten wir an, um den laut Reiseführer dienstags stattfindenden Markt aufzusuchen. Aber entweder waren wir (es war schon mittags) zu spät oder wir haben an der falschen Stelle gesucht: es war kein Markt zu finden. Dafür bewies der kleine Spaziergang durch den Ort ein weiteres Mal, dass die Aufdringlichkeit in Marrakesch den Menschen hier absolut fern lag. Unbehelligt konnten wir hier entlang schlendern.

    Bei Amizmiz tauchten dann die Ausläufer des Hohen Atlas auf, zusammen mit dem Grün der Bäume wurde die Landschaft hier wieder gefälliger als auf den ersten 2 Stunden der Fahrt.

    Je näher wir der Agafay Wüste und somit unserer Unterkunft kamen, desto häufiger wurde am Straßenrand das Buggy- oder Quadfahren angeboten. Alle Nase lang gab es die Möglichkeit spontan loszulegen. Uns zog aber eher unsere nächste Unterkunft an, die mit einem Pool lockte.
    Im Vorfeld hatte uns der Besitzer noch mal die GPSKoordinaten gegeben und erklärt, wie er zu finden sei. Und tatsächlich rumpelte man die letzten knapp 10 Minuten abseits der asphaltierten Straße durchs gefühlte Niergendwo.

    Ein einzelner verbeulter weißer Kleinwagen kam uns kurz vor den angegebenen Koordinaten entgegen. Vor einem Tor ohne Aufschrift hielten wir und wussten nicht so Recht weiter. Wir standen etwas ratlos davor und klopften irgendwann, was mit Rufen von der anderen Seite quittiert wurde. Bald darauf machte uns eine Dame auf, hieß uns auf französisch willkommen und bedeutete uns, herein zu fahren und zu parken. Das war es dann aber auch mit der gemeinsamen Konversation. Die Dame sprach nur einzelne Brocken französisch (wie ich auch), kein englisch und ich wiederum kein berberisch. Sie zeigte uns das schöne, stylische Zimmer und rief dann ihren Chef an, um ihn auf Lautsprecher zuzuschalten.

    Er hieß uns via Handy willkommen, erklärte, die Dame würde uns am Pool mit Tee empfangen und uns alles zeigen. Er sei noch unterwegs, käme dann aber gleich auch. So weit, so gut. Wir nutzten kurz die Gelegenheit nach der langen Fahrt unser Bad aufzusuchen und gingen dann zum Pool, der mitten in einem großen Grundstück mit vielen Obst-Bäumen lag. Eine französische Familie nutzte ihn schon fleißig.
    Von der Hausdame war nichts mehr zu sehen, irgendwann entdeckten wir ein Tablett mit Tee und nach einigem ratlosen rumschauen entschieden wir, dass das wohl unserer sein müsse. Und nachdem die Franzosen nicht protestierten, dass wir den ihren wegtranken, war das wohl auch richtig so.


    So saßen wir da, tranken Tee und warteten auf die Dinge, die da noch kämen. Nur: sie kamen nicht. Personal war nicht mehr gesehen. Also bezogen wir dann in Ruhe unser Zimmer, sprangen in die Badesachen und gingen zurück zum Pool. Da lagen wir, lasen, genossen die Wärme und das Wasser. Und nachdem die französische Familie irgendwann nach und nach verschwunden war, hatten wir den Pool für uns.
    Ab und an sahen wir in der Ferne mal die Hausdame, das war es aber.
    Irgendwann fragten wir uns, wie es wohl so weiter geht. Wo man Essen bestellen könne (im Vorfeld hatte ich auf Anfrage die Menükarte des "Restaurants" des Hotels erhalten), ob wir vielleicht was zu trinken bekommen könnten, wann der Chef käme.
    Als gegen 18 Uhr noch immer weit und breit niemand zu sehen war, stromerten wir auf der Suche nach Personal und jemanden, den wir wegen des Abendessens ansprechen konnten, über das Gelände. Niemand da. Auch das einzig andere Zimmer, in dem die französische Familie schien verwaist zu sein, die Tür stand jedoch offen.
    Es wurde echt eigenartig und der Hunger, wir hatten nur Frühstück gehabt und ein Glück ein paar Kekse und das selber mitgebrachte Wasser, machte es nicht besser.


    Als gegen 19 Uhr zum Sonnenuntergang noch immer niemand da war, gingen wir vors Tor. Wir hatten überlegt, in den nächsten Ort zu fahren, aber da wir nicht wussten, wie wir das Tor schließen oder ggf. hinterher wieder öffnen konnten, verzichteten wir darauf.

    Kurz nach sieben kam dann just das verbeulte Auto, das uns nachmittags entgegen gekommen war, zurück zum Tor und heraus kam ein freundlicher Mann, der uns in gutem Englisch willkommen hieß. Leider aber nicht auf sonderlich gut gestimmte Gäste traf.
    Um es kurz zu machen: das Personal hatte um 18 Uhr Feierabend gemacht, da wir ja keine Wünsche hatten und Abendessen gäbe es nur, wenn man es vorher bestellt. Das war auch in allen anderen Hotels auf der Rundreise so üblich, nur dass das auch genau so vorher kommuniziert wurde und wir nicht Menüs eines Restaurants erhielten. Es gab einiges hin- und her, der Chef war bemüht, eine Lösung zu finden (ich hole Euch was, ich koche Euch was), aber um ehrlich zu sein: wir waren jetzt auch sauer und hatten da keine Lust mehr zu.
    Wir fragten nach der Uhrzeit für das Frühstück und verzogen uns dann wieder an den Pool. Hier hatten wir übrigens im Dunkeln gesessen, da auch keine Lichter angemacht wurden. Das holte der Chef nach und wart dann nicht mehr gesehen.

    Am nächsten Morgen kamen wir pünktlich zum Frühstück, aus der Ferne winkte der Chef, kam dann aber nur bei de französischen Familie zum Quatschen vorbei und ließ uns links liegen. Ohne ein Adieu verließen wir dann direkt nach dem Frühstück diesen Ort.

    Ich weiß, man hätte da anders mit umgehen können oder sollen, tatsächlich wäre aber auch viel des Ärgers vermeidbar gewesen, wenn alles vorher anders kommuniziert worden wäre oder uns überhaupt jemand vor Ort hätte sagen können, wie der Hase läuft. Eine Info auf dem Zimmer hätte ja schon genügt.
    So war der Eindruck des schönen Zimmers, des schönen Pools auf dem schön bewachsenen Grundstück irgendwo im Nirgendwo dann leider arg getrübt und das der einzige Wermutstropfen unserer Reise.

  • Bevor wir uns jedoch endgültig auf die Weiterreise machten, ging es erst noch auf die Suche nach einer Apotheke. Wobei auch dies im Normalfall kein großer Akt ist, da gefühlt in jedem Ort eine Apotheke zu finden ist.
    Das Kratzen im Hals am Tag der Abreise hatte sich mittlerweile zu Halsschmerzen und einem unangenehmen Husten bei mir gemausert, den ich mit Hustensaft und Halsschmerztabletten zu lindern suchte. Dank einem Misch aus französisch und englisch konnte mir die freundliche Apothekerin das Gewünschte mit auf den Weg gehen.
    Frauen erlebten wir im (touristischen) Alltag selten. Das Personal in den Unterkünften waren größtenteils Männer und auch in den Läden (große Supermärkten ausgenommen) hatte man fast ausschließlich mit Männern zu tun. Nur in Apotheken (und ich suchte noch 2 weitere im Laufe der Reise auf) fand man ausschließlich Frauen.

    Auf der Weiterfahrt vermieden wir den Großraum Marrakesch und fuhren auf mehr oder weniger abenteuerlichen Straßen drumherum.
    Die Landschaft veränderte sich je näher wir der N9 kamen. Es wurde gebirgiger aber auch grüner. Wieder ging die Fahrt durch viele kleinere und größere Orte und langsam aber sicher schraubte sich die gut ausgebaute Straße immer höher. Das Verkehrsaufkommen war beachtlich. LKW schlichen bergauf, Mietwagen und Einheimische, schlichen mal mehr, mal weniger hinterher. Aber je höher wir kamen, desto mehr lenkte die Weitsicht über zahlreiche sandfarbene Hügel und Berge davon ab!

    Auf 2260 m hat man die Passhöhe des Tizi 'n Tichka erreicht. Zahlreiche Souvenirbuden und Cafe's laden zum Verweilen ein. Uns zog es aber weiter, lockte doch das Ziel des Tages, der Ksar Ait Ben Haddou.
    Dennoch folgten wir dem Rat des Reiseführers und folgten nicht weiter der N9 sondern bogen kurz hinter der Passhöhe in ein Seitental ab. Und das stellte sich als goldrichtige Entscheidung heraus. Die Straße war nach wie vor asphaltiert und problemlos zu befahren. Jedoch ließen wir gefühlt alle LKW und andere Autofahrer hinter uns, um zwischen eindrucksvollen Bergen, oberhalb grüner Oasen durch kleine Dörfer zu fahren.

    Bei jedem Fotostop, und es gab einige, wurden wir freundlich begrüßt.

    Hier tickten die Uhren definitiv langsamer. Eselskarren, menschliche Lastenträgerinnen und Lehmhäuser ließen den Blick von rechts nach links schweifen. An einer erneuten Steigung ergab sich ein toller Blick ins Tal und, wie sehr oft in Marokko, sieht man, wie ein Fluss in das karge Land ein grünes Band schneidet.

    Einen ersten Eindruck der hier typischen Lehmbauweise, wie sie Ait Ben Haddou berühmt gemacht hat, fanden wir schon hier.

    Nach gut 3,5 Stunden erreichten wir den modernen Teil von Ait Ben Haddou. Entlang der Hauptstraße zahlreiche Hotels, Souvenirstände und Restaurants. Und jeder Parkplatz von Bussen und Mietwagen besetzt. Ganz schön was los hier.
    Aber das war auch der Grund, wieso wir hier übernachten wollten. Das bot die Chance, das alte Lehmdorf zu durchstreifen, ohne die alltäglich hier eintreffenden Tagesausflügler auf den Fersen zu haben.

    Unser Hotel war schnell gefunden. Auch hier wieder ein super netter Empfang. Unser Zimmer wurde uns gezeigt, erklärt, was, wo, wie zu finden sei. Auf der Terrasse unseres Hotels tranken wir ein Hawaii (die hiesige Tropic Fanta Variante) und hatten einen Traumblick auf das alte Dorf gegenüber.

    Noch war es zu früh, das Dorf selber zu erkunden. Noch sah man durch das trockene Flussbett viele, viele Menschen rüber gehen. Also machten wir es uns erst mal am Pool gemütlich und ließen es uns im Schatten gut gehen.

    Auf Nachfrage organisierte uns die Rezeption dann für 2 Stunden später einen Guide, der uns für 25,- Euro das Dorf zeigen sollte. Ob das günstig oder teuer war...keine Ahnung. Auf jeden Fall war es uns das wert.

  • Mit gut 20 Minuten Verspätung taucht unser Guide (dessen Namen ich peinlicherweise nicht mehr weiß) auf. Da prallen wohl die deutsche und die marokkanische Zeit aufeinander.
    Aber schnell ist das Eis gebrochen. Wir schlendern vom Hotel durch das trockene Flussbett rüber zum alten Lehmdorf. Das Dorf war schon Kulisse für viele Filme. Für mich natürlich das Highlight, dass es auch für Game of Thrones Szenen genutzt wurde. Unser Guide erzählt im Laufe der nächsten Stunden von mehreren Filmproduktionen, für die das Dorf für Besucher komplett abgeriegelt wird. Das ist zwar erst mal schlecht für den Tourismus, bringt aber Jobs für die Dorfbewohner und im Nachgang natürlich Publicity. Und so hat er viele Geschichten und Anekdoten zu berichten, wie oppulent so Filmsets organisiert sind. Die Schauspieler wurden dann teilweise zu Szenen aus dem etwa 20 Autominuten entfernten Ouarzazate mit dem Hubschrauber eingeflogen. Verrückt!


    Aber darüber hinaus handelt es sich hier um den Wohnort der Sippe Ben Haddou, die hier über viele hunderte Jahre gelebt haben.
    Und das kann man sich tatsächlich wunderbar vorstellen:

    Allerdings ist die Lehmbauweise zwar schlicht und genial, aber eben auch sehr aufwendig, da Regen und Witterung alle Jahre die Erneuerung der Lehmschicht erfordern.
    Durch den Bau einer Brücke zum anderen Ufer erfolgte dann in der Neuzeit der Wegzug vieler Bewohner auf die modernere, neue Seite, wo es eine Kanalisation, Strom und andere Annehmlichkeiten gab.

    Unser Guide, mit seinen 43 Jahren noch nicht wirklich alt, ist noch im alten Ksar groß geworden, aber mit Bau der Brücke dann auch auf die andere Seite gezogen. Heute leben nur noch wenige Menschen im Ksar.
    Dafür sind natürlich viele Gassen und Hauseingänge von Souvenirhändlern, Restaurants und auch zwei Hotels genutzt. Für uns ist direkt klar: hier müssen wir morgen noch mal hin, bevor die ganzen Läden öffnen.

    Durch die Gassen gehen wir weiter hoch und landen auf einem Hügel, an dessen Fuß Ait Ben Haddou im Grunde thront. Der Wind, der uns in Essaouira erspart blieb, pfiff uns hier um die Ohren.
    Aber er konnte uns die tolle Lichtstimmung und die Aussicht nicht verleiden.

    Was für eine Weite! Was für ein Licht!

    In Nähe des Ksar befinden sich auch zwei alte Friedhöfe. Neben einem Mausoleum der muslimische und in nächster Nähe ein jüdischer Friedhof. Über Jahrhunderte lebten Gläubige beider Religionen friedlich bei- und miteinander.

    Beim Abstieg durchs Dorf bietet sich das nächste Fotomotiv:

    Die Häuser sind mit schmuckvollen Ornamenten versehen.

    Auch vom gegenüberliegenden Hügel gibt es viel zu staunen. Und mit vielen Geschichten über das Leben im Ksar und in der Umgebung vergeht die Führung im Nullkommanichts.

    Wieder zurück im nahen Hotel genießen wir noch ein 3-Gänge-Menü auf der Terrasse. Im Dunkeln jedoch ohne den berühmten Ausblick.
    Zwar gibt es hier in Ait Ben Haddou auch Auswahl an Restaurants, wir nutzen jedoch das Angebot des Hotels und essen dort. Wobei, wie auch in den anderen Riads der Reise üblich, man nicht wählen kann, sondern es gibt halt ein Menü und fertig. Bzw. für uns als Vegetarier gibt es auch immer eine vegetarische Variante. Eine Graupensuppe, eine Gemüse-Tajin und ein Orangenkuchen machen uns nach einem erlebnisreichen Tag dann endgültig bettschwer.

  • Weiter! Bitte! Das ist ja wirklich unglaublich schön!

  • Was kümmert mich mein Geschwätz von vorhin....weiter geht's :thumbsup:

    Der Wecker geht früh, aber das macht uns ja nichts aus, wenn man was Schönes erleben darf. Noch ist es dunkel. Wir machen uns also in aller Ruhe fertig, um dann vor Sonnenaufgang erneut den Weg rüber ins alte Dorf anzutreten.
    Leider zeigt sich schon, dass die Wettervorhersage, die einen Wettereinbruch für heute vorhersagte, nicht gelogen hat. Es ist zwar trocken, aber bewölkt.
    So früh am Morgen, ohne Souvenirhändler und mit wenigen weiteren Menschen, kann man sich noch viel mehr in alte Zeiten zurück versetzen und sich vorstellen, wie man hier im windgeschützten Ksar zwischen den Mauern gelebt hat.

    Bauarbeiten zwischen den alten Häusern zeugen davon, dass man nicht nur die Bausubstanz erhalten will, sondern auch verfallene Gebäude mit neuem Leben erfüllen will. Ait Ben Haddou ist DER Besuchermagnet weit und breit. Wie so oft, wenn etwas angesagt ist, sogar leider so sehr, dass es wohl auch wieder viele negative Auswirkungen hat. Mit unserer Besuchszeit am späten Nachmittag bzw. frühen Morgen, bleiben wir aber von den Massen verschont.

    Wir stromern also noch etwas die Treppen rauf und runter, biegen um Ecken ab, um uns vor Toren , Tunneln oder den nächsten Treppen zu sehen.

    Wir beobachten eine lustige Szene. Eine alte Dame mit Gras in einer Kiepe auf dem Rücken begegnet und und strahlt uns mit einem Salam freundlich an. Wir grüßen zurück und ziehen weiter. Hinter uns passiert das Selbe mit einer Gruppe Osteuropäerinnen, die sofort das Fotomotiv, das die alte Dame abgibt, erkennen. Sie bitten uns, Fotos mit Ihnen zu machen. Die alte Dame legt sich ins Zeug, lacht, klatscht und singt und animiert die Damen um sie rum, es ihr gleich zutun. Kaum sind die Fotos geschossen, wird ein Obulus erwartet, der durchaus kritisch beäugt und nachgefordert wird. Die Dame hat da mit Sicherheit ein lukratives Geschäftsfeld für sich entdeckt. Dass sie nicht wirklich mit ihrer Rückenlast irgendwohin gehen will, lässt sich leicht daran erkennen, dass sie zwar etwas auf dem Rücken trägt, aber nicht annähernd so viel, wie wir vorher auf den Straßen beobachten konnten. Aber gut, die Touristinnen hatten ihren Spaß und Fotos, die Dame ein paar Dirham. Klingt nach Win-Win und wir konnten eine lustige Begebenheit beobachten.

    Ein letzter Blick aufs Dorf, bevor wir zurück zum Hotel zum Frühstück auf der Terrasse gingen.

    Unser Hotel Dar Mouna hat uns gut gefallen. Die Bewertungen im Vorfeld waren nicht ausschließlich hochlobend, aber wir fühlten uns wohl. Die Lage ist die Beste, die man sich vorstellen kann: gegenüber des Dorfes, so dass man von der Terrasse oder, je nach Zimmer auch aus dem eigenen Fenster, den Ksar gegenüber sehen kann. Das Personal war durchweg freundlich, es gibt einen Pool, Parkplätze und sogar ein Frühstücksbüffet. Das Essen war o.k. Unser Zimmer war ein typisches Lehmhaus-Zimmer, aufgrund der dicken Mauern und kleineren Fenster etwas dunkle aber super sauber.
    Ein paar Tage später übernachteten wir in einem ganz, ganz tollen Hotel, das nur 10 Autominuten entfernt liegt. Aber letztlich war es gut, direkt im Ort zu sein und die Möglichkeit zu haben, spontan rüber zu gehen.

    Nach dem Frühstück machen wir uns auf den nicht allzu langen Weg Richtung Dades Tal. Der Plan war, gegen Mittag dort zu sein, um noch eine kleine Wanderung zu machen.

    Zuerst fahren wir jedoch durch Ouarzazarte, Marokkos Hollywood. Zahlreiche Filme wurden hier in den Studios und in der Umgebung gedreht. Sogar ein Film-Museum in dem man durch einige Kulissen schlendern kann, gibt. Die Bewertungen davon sind jedoch nicht ganz so überzeugend. Und da es jetzt eh nicht unbedingt auf unserer To-Do-Liste stand, lassen wir es links liegen.
    Kurz vor Ouarzazarte springen wir noch in den Carrefour und füllen unsere Vorräte auf.

    Kurz vorm Ortsausgang ist es dann soweit...auch wir werden von der Polizei angehalten. Dazu muss man sagen, dass die Kreisverkehrgestaltung hier schon speziell ist. Man hat nicht unbedingt Vorfahrt, ist man einmal im Kreisverkehr. Und so mussten wir an einem Stopschild an der Einfahrt stoppen und direkt vor der nächsten Zufahrt in den Kreisverkehr wieder. Mein Mann achtet nur auf den einfließenden Verkehr, ich sage noch "Du hast ein Stopschild überfahren", da kommt schon die Kelle.
    Die Polizei hat es sich in einem Café am Ausgang des Kreisverkehres Richtung Schnellstraße gemütlich gemacht und zieht einen Touri nach dem Nächsten raus. Alle übersehen das 2. Stopschild.
    Der Polizist ist freundlich, spricht sogar englisch und was soll man leugnen, wenn man es doch getan hat. 10 Minuten später, um eine Erfahrung reicher und 40 Euro ärmer fahren wir weiter. Einerseits war es offensichtlich, dass man sich dort positioniert hatte, weil in diese Stop-Schild-Falle alle tappen. Wir waren aber einfach froh, dass es wegen etwas passierte, was wir getan hatten, man sich nicht abgezogen fühlte und somit auch kein blödes Gefühl aufkam. Sogar eine DIN-A-4 große Bestätigung des Vorfalls samt Quittung gab es (auf Wunsch meines Mannes, der nun mal kein arabisch lesen kann, aber unterschreiben sollte, noch um den Tatbestand auf englisch ergänzt).

    Groß ärgern galt nicht, in Deutschland wäre das wesentlich teurer geworden.

    Was uns viel mehr ärgerte, war das:

    Regen! Ernsthaft Marokko?
    Die weitere Fahrt verlief ereignislos, bei Regen und grau und grau kann einen ja auch oft die Landschaft nicht begeistern. Zumal wir uns fragten, was wir nur am Ziel machen, wenn es regnet.

    Die Fahrt ins Dadestal ist wunderschön. Anfangs noch relativ breit, führt die Straße vorbei an kleinen Dörfern, unzähligen Palmen und beeindruckenden Felsformationen. Je weiter und höher wir kommen, desto enger wird das Tal (ohne zu einer wirklichen Schlucht zu werden) und desto kühler wird es.
    Bei 14 Grad und leichtem Nieselregen steigen wir dann schlussendlich bei der nächsten Unterkunft aus. Hier im Tal gibt es unzählige Übernachtungsmöglichkeiten von sehr günstig bis zu wirklich sehr teuer. Wir haben uns für das Riad Gabsi aufgrund der guten Bewertungen entschieden. Kaum angekommen, kommt man uns schon entgegen und führt uns durch das ein wenig verwinkelt und verwirrend gebaute Haus auf eine überdachte Terrasse am Pool. Wie freundlich wir begrüßt werden. Sogleich gibt es Tee und Gebäck, das W-Lan-Passwort, die Frage ob wir etwas zu trinken benötigen und der Hinweis, dass wir jederzeit Kaffee, Tee oder Wasser haben könnten.
    Unser Zimmer ist groß und absolut sauber, eigentlich sogar sehr schön eingerichtet, hätte man nicht noch eine eher abgewohnte Ledercouch mit hinein gestellt.

    Wir richten uns ein und überlegen uns dann Plan B. Also sitzen wir kurz darauf wieder im Auto und fahren ein paar Kilometer weiter zum engsten Stück des Tales, wo sich in zahlreichen Serpentinen die Straße über einige Höhenmeter nach oben schlängelt.

    Oben, mit Aussicht auf das Tal unter uns, trinken wir einen Kaffee und beschließen dann, wieder ein Stück zurück zu fahren, um uns die berühmte Felsformation der Affenfinger anzuschauen. Der große Parkplatz hier ist verwaist. Kein Wunder bei der Kälte und dem leichten Regen. Wir schauen uns ein wenig um, entscheiden aber, dass ohne eine Regenjacke (und die hängt zu Hause im Schrank) selbst eine kleine Wanderung sehr unangenehm werden würde.
    Also legen wir auf unserem Zimmer eine kleine Pause ein, lesen, schlafen etwas, bis wir draußen hören, wie vor unserer Tür der Nasse Boden geflitscht wird und wir messerscharf folgern, dass man das ja nur macht, wenn es nicht mehr regnet.

  • Das ist unser Startschuss. Klamotten angezogen, leider mal die warmen, und dann raus vor die Tür. Direkt fragt uns einer der zahlreichen Angestellten, ob wir Tee haben wollen. Nein, danke, aber wir wollen ein wenig wandern/ spazieren. Und schwups bekommen wir einen Tipp, wie wir durch zwei Dörfer zu den Affenfingern laufen können. Für eine große Runde ist es jetzt eh zu spät, aber so haben wir wenigstens einen Plan. Prima.

    Wir gehen auf die andere Flussseite vorbei an ersten Häusern. Noch ist weit und breit niemand zu sehen. Aber je mehr es aufklart, trauen sich auch wieder Menschen auf die Straße. Hier auf der anderen Flussseite findet sich nicht ein asphaltiertes Stück Weg. Dafür Felder, Lehmhäuser, etwas modernere Häuser und auch Ruinen. Alles in der Kulisse der Oase und der umliegenden Gesteinsformationen.

    Jeder, dem wir begegnen grüßt nett und wir saugen einfach das besser werdende Wetter, die Lichtstimmung und die Landschaft ein.

    Unterhalb der Affenpfoten angekommen, hat das aufklarende Wetter immer mehr Touristen angelockt. Der Parkplatz ist nun nicht mehr ganz so leer und einige Marokkaner bieten ihre Dienste als Wanderführer an.

    Da aber klar ist, dass für eine ausgiebige Wanderung aufgrund der späten Stunde keine Zeit mehr ist, treten wir einfach mit kleinen Abwandlungen den Rückweg an.

    Auf dem Rückweg ist im Dorf nun wesentlich mehr los. Kinder spielen in den Straßen, Frauen bieten uns freundlich Nüsse um Verkauf an (und ich schlage zu und zahle einen viel zu hohen Touristenpreis - egal).

    Wir können uns gar nicht satt sehen. Die Steine und das Licht...wunderschön!

    Und wenn ich mir dieses Bild so ansehe, fällt mir ein in Marokko präsentes Thema ein: Müll. Wie in jedem Land, das nicht überall über ein Müllabfuhr-Programm verfügt, liegen immer wieder Dosen, Beutel und anderer Unrat herum. Am nächsten Tag sehen wir zwar, dass entlang der asphaltieren Hauptstraße Müllbeutel zur Abholung bereit stehen, aber hier im Dorf, weit ab von der Straße muss der Müll halt erst gesammelt und dann im Beutel vermutlich zur Straße getragen werden....
    Marokko hat aber seit einigen Jahren Plastikbeutel verboten. Und so bekommt man tatsächlich immer nur dünne Beutel aus einer Art Stoff oder vermutlich Papier. Aber auch die fliegen halt erst mal rum und verrotten nicht sofort.
    Manchmal wundert man sich, wieso man die eigene Umgebung so verschandelt und zumüllt. Aber das ist natürlich auch leicht gesagt, wenn man in einem Land groß geworden ist, wo es eine funktionierende Müllabfuhr gibt, egal wie klein das Dorf ist, und man von klein auf entsprechend erzogen und dazu angehalten wurde. Wie immer versuchen wir den Müll weitestgehend auszublenden. Ärgern nützt nichts und ändern können wir es auch nicht.

    Es wird langsam dunkel, als wir gegen viertel vor sieben wieder zurück am Hotel sind. Noch knapp eine Stunde bis zum Abendessen. Hier im Riad Gabsi ist das Essen vielgelobt, es soll mehrere Gänge haben und vorzüglich sein. Vegetarisches Essen? Gar kein Problem. Natürlich nicht. In diesem Haus ist gefühlt nichts ein Problem.

    Beim Abendessen zeigt sich erst, wie voll und gefühlt ausgebucht das Riad ist. Alle Tische sind eingedeckt, der Raum schön warm beheizt (tatsächlich ist es heute ziemlich kalt) . Kaum sitzen wir, bekommen wir eine Flasche Wasser gebracht. Und dann kommt ein fulminantes 7-Gänge-Menü. Von Mini-Pizzen über Blumenkohlsuppe bis zu gefüllter Paprika und alles gekrönt von einem Stück Kuchen. Alles ohne viel Warterei mit einem Lächeln serviert. Das war mal ein Fest und wirklich lecker. Glücklich über den doch noch schön gewordenen Tag rollen wir aufs Zimmer.

  • Nach dem Aufstehen direkt der Blick aus dem Fenster und hurra, die Sonne lässt sich wieder blicken.
    Wir duschen, packen alles wieder zusammen und gehen dann hoch zum Frühstück. Ein Glück haben wir uns noch warm angezogen, denn das Frühstück für uns Frühaufsteher wird auf der Terrasse am Pool mit Blick auf die Affenfinger serviert.

    Nach dem fulminanten Abendessen wird auch beim Frühstück groß aufgefahren und neben Tee, Kaffee und Orangensaft Berberrührei, Brot, Msmen, Obst, Joghurt und und und aufgetischt. Die Fahrt wird lang, also verputzen wir wieder alles bis auf den letzten Krümel. (Bitte sagt mir, dass nicht nur wir so verfressen sind...)

    Bevor wir uns auf die über 4-stündige Fahrt Richtung Wüste machen, wollen wir noch zahlen. Wir hatten gar nicht gefragt, was das Abendessen überhaupt kostet. Als der gut gelaunte und sogar deutsch (und englisch und französisch...) sprechende Chef 20,- Euro für 2 7-gängige Abendessen samt 2 Literflaschen Wasser berechnen will, gucken wir ihn mit großen Augen an. Unfassbarer Preis für ein so tolles Essen. Wir bedanken uns tausend Mal und lassen natürlich ein großzügiges Trinkgeld da.
    Riad Gabsi kann ich, wie Ihr schon raus gehört habt, nur Wärmstens empfehlen. Tolle Lage nahe an den Affenpfoten und den Serpentinen des Dades-Tals, super freundliche Mitarbeiter, tolles Essen und das alles für 54,- Euro im Doppelzimmer mit Frühstück. Alles top sauber.
    Klar, jeder hat einen anderen Geschmack, aber wir waren froh, dass unsere Wahl auf das Riad Gabis gefallen ist.

    Auf dem Rückweg raus aus dem Tag können wir dann noch mal alles bei schönstem Sonnenschein und blauem Himmel bewundern. Sieht das nicht toll aus?

    Die Weiterfahrt hält für mich noch eine große Freude bereit. Was im Tal als Regen runter kam, kam in den höheren Bergen als Schnee liegen. Und so konnten wir, den Atlas hinter uns lassend, diesen Anblick bestaunen:

    Die karge Landschaft, eine endlose Straße und die beschneiten Berge. Ist das nicht toll? Mein Mann muss jedenfalls rechts ran fahren, weil ich mich so freue und den Anblick tot fotografieren muss.

    Auf der Weiterfahrt machen wir den Versuch noch einen alten Ksar, Geheimtipp des Reiseführers, zu besichtigen. Wir scheitern aber leider an den Zugangsmöglichkeiten.
    Auch die Todra-Schlucht liegt auf dem Weg. Bei der Planung hatte ich hin- und her überlegt, in welche Schlucht wir wollen, hatte mich dann aber aufgrund der Wandermöglichkeiten für die Dades-Schlucht entschieden (die ich nur empfehlen kann). Und irgendwie, auch wenn die Todra-Schlucht ja ein Must-See ist, können wir uns für den Umweg nicht erwärmen. Hohe enge Schluchten sind für meinen Mann so gar nichts und irgendwie zieht uns die Wüste einfach magisch an. Dazu muss ich sagen, dass wir noch nie richtige Wüste gesehen haben. Gut, wie ich mittlerweile weiß, ist Wüste nicht zwangsläufig nur Sand, sondern eben auch Geröll und Stein, aber uns schwebte natürlich eine Sandwüste vor. Da war keine Zeit für Schluchten entlang des Weges.

    Zur Einstimmung und für das richtige Feeling tauchten dann ab und an auch Dromedare entlang der Straße auf. Fast so gut, wie die Giraffen, die aus dem Nichts kamen in Tansania....

    Die Wahl des Wüstencamps war entsprechend, der Wüstenaufenthalt sollte ja das Highlight der Reise werden, ein längerer Prozess, sollte es doch das perfekte sein. Also habe ich Camp nach Camp angeschaut, Bewertungen, die Lage (nicht zu nah an Merzouga selber), alles sollte so optimal wie möglich sein. Und im Vorfeld ließ sich alles gut an. Salah, der das von uns gebuchte Camp betrieb, gab uns den Treffpunkt in Merzouga an, an dem wir dann das Auto stehen lassen könnten. Von da aus sollte es mit dem Jeep zum Camp gehen. Dass wir nicht Dromedar-Reiten würden, war uns von vornherein klar, Salah hatte aber auch direkt davon abgeraten. Der Weg sei zu weit und zu stressig.
    Er fragte auch im Vorfeld, was wir denn machen wollen würden. Wir waren etwsa verdattert. Ähm, nichts....in der Wüste sein... Tja, ganz so kam es dann doch nicht. Begehrlichkeiten wollen halt auch mal geweckt werden.

    Je näher wir Merzouga kamen, desto mehr türmten sich Sandberge am Horizont auf.

    Mein Mann, der seit einigen Jahren das Offroad-Motorradfahren für sich entdeckt hat, sah sich in Gedanken schon mit dem Motorrad hier herum fahren. Einstweilen musste er aber noch mit dem Dacia vorlieb nehmen. Versuche am Tag davor eine Moped-Tour zu buchen waren leider alle, im Wahrsten Sinne des Wortes, im Sande verlaufen. Alles war schon ausgebucht. Da er sich im Vorfeld aber nicht festlegen wollte, und nicht wollte, dass sich die Reise nur darum drehte, hatten wir es halt spontan versucht. Er trug es aber mit Fassung.

    Die Fahrt ins Camp war schon ein großes Staunen, auch wenn man ehrlich sein muss und sagen, dass die Erg Chebbi bei Merzouga mit 5x 22 km jetzt auch nicht so endlos ist, wie sie zu sein scheint. Camps werden wie Sand am Meer angeboten, teils liegen sie eins neben dem Anderen. Und auch wenn ich versucht hatte, eines zu finden, das relativ weg von allen anderen ist, war es letztlich nicht wirklich so.

    Das Camp, das wir nach etwa 10-15 Minuten Fahrt, erreichten, sah wirklich toll aus. Auch das Zimmer war groß, stylisch und wie immer top sauber. Inklusive Dusche (wenn man die in der Wüste braucht), Toilette und Waschbecken. Aber natürlich hielt uns nichts im Zimmer und schon kurz drauf saßen wir bei dem üblichen Tee, Gebäck und Nüssen vor dem Essenszelt und kamen erst mal an. Wir waren die ersten Gäste (es war halb vier nachmittags) und Salahs Bruder, der im Camp alles betreute, erzählte uns vom Camp, von seiner Familie und wie heiß die Wüste sein kann.

    Das wollten wir nun aber alles selber erleben. Die Schuhe blieben vorm Zelt und ab ging es Richtung Sand.
    Wer von Euch schon öfter in der Wüste war, lächelt vermutlich jetzt müde, aber ich bitte unsere Erstlings-Euphorie zu berücksichtigen.

  • Wie unfassbar fein der Sand war. Wie ich von meinem Mann lernte, ist der Wüstensand so fein, dass er für Beton nicht genutzt werden kann und deshalb die Emirate ihren Sand nicht mal eben aus der Wüste zum Bauen verwenden können. Reisen bildet.

    Auch ganz spannend, wie auf einmal, gefühlt aus dem Nichts, immer wieder kleine schwarze Skarabäen auf einen zukommen. Und bis heute weiß ich nicht, ob sie der Schatten des Körpers lockt oder mögliche Flüssigkeit....

    Im Vorfeld hatte ich von vielen Buggys und Quads gelesen, die durch die Wüste lärmen und die Szenerie und Ruhe ruinieren. Vielleicht hatten wir mit der Tageszeit Glück oder mit der Jahreszeit, wobei der November durchaus hier nicht als Nebensaison gilt. Egal, wir fanden es super.

    Wüste wohin man schaut (ja ja, nur 5x22 km, reichte aber fürs Erste...).

    Kurz gingen wir noch mal zum Camp, da wir weder gefragt hatten, wann es überhaupt Abendessen gibt und außerdem das herum stehende Snowboard doch mal antesten wollten.

    Was für Wellen und Muster der Wind in den Sand zaubert....wie scharf die Kanten der Sandberge aussehen...

    Sandboarden war übrigens dann eher eine lahme Angelegenheit. Auch wenn ich natürlich total professionell dabei aussehe.

    Und natürlich lassen wir uns auch den Sonnenuntergang nicht entgehen.

    Das Abendessen das uns, und die etwa 10 anderen Camp-Gäste erwartete, war dann das Gegenteil des Abendessens im Riad Gabsi: mit 40,- Euro richtig teuer und eine totale Enttäuschung.
    Und natürlich mussten wir nach dem Essen, in der Dunkelheit noch mal raus. Das Licht Merzougas erhellte die höchste Sanddüne von hinten und auch der Mond sorgte dafür, dass das erhoffte Wüste-Sternen-Bild leider nichts wurde (obwohl wir in der Nacht jeweils um Mitternacht, 2 und 4 Uhr weitere Versuche starteten.

    Der Anblick des illuminierten Camps hatte schon was:

    Was nicht so wirklich was für uns war, und was wir aufgrund unseres Ausfluges in die Wüste nach dem Abendessen eh halb verpasst hatten, war das abendliche Musik machen am Lagerfeuer. Das ist egal in welcher Konstellation nicht meins. Und so war ich nicht böse darum, dass sich die Runde gerade auflöste, als wir kamen.

    Glücklich und voller neuer Eindrücke muckelten wir uns in die (sogar halbwegs) bequemen Betten. Wäre mein mittlerweile echt heftiger Reizhusten, der mich halb im Sitzen schlafen ließ, nicht gewesen, wäre alles perfekt gewesen.

  • Natürlich geht auch heute der Wecker (zum letzten Mal in dieser Nacht) vor Sonnenaufgang. Die Wüste will bis aufs Letzte ausgekostet werden.
    Ab ins Bad, schnell angezogen und raus geht es wieder.

    Alles ist friedlich, auf der einen oder anderen Düne im Umkreis warten auch andere Menschen auf den Sonnenaufgang:

    Und wie sich raus stellt, sind Licht und Farben morgens noch besser als abends.

    Und dank anderer Urlauber, die das Ganze lieber auf Dromedaren reitend erleben, ergeben sich noch einige wunderbare Rüstenromantik-Bilder.

    Schnell klettert die Sonne höher und die schönste Lichtstimmung ist vorbei. Die richtige Zeit für das Frühstück, das es in Form eines kleinen Büffets gibt.

    So ein Wüstencamp ist durchgetaktet. Die meisten Leute bleiben, wie wir, nur für eine Nacht. Das heißt, nach dem Frühstück geht es auch schon wieder zurück nach Merzouga.
    Wir hatten mit dem guten Geist des Camps, Salah, allerdings dann doch noch das Folge-Programm organisiert. Von wegen: nur Wüste reicht uns ;)

    Buggy fahren stand auf dem Programm. Da ich wenig Wert darauf lege, Buggy oder Quad selber zu fahren, wurde es dann eben der Buggy. Zuerst ging es zurück in die "Stadt" zu einem Buggy-Verleih. Wir bekamen einen Fullface-Helm, Kolja wurde kurz instruiert und schon ging es weiter. Unser Guide auf dem Quad vorneweg, wir hinterher. Erst noch herantastend, dann immer höher, schneller weiter. Und ich gebe zu: das machte schon Spaß. Noch mehr Spaß machte es meinem Fahrer, der im Kreis grinste.

    Als unser Guide an einer Düne uns bedeutet, vorsichtig zu sein, versteht das mein Mann falsch und hält mitten auf dem Kamm der Düne. Mit dem Ergebnis, dass wir nicht vor- und zurück können. Nach einigem hin- und her heißt es: die Frau muss ans Steuer. Die Frau protestiert jedoch lauthals, bis ihr klar ist, dass da wohl kein Weg dran vorbei führt. Aber die Schieberei, zusammen mit meinem Gas geben, erzeugt nur eine riesige Sandfontäne, jedoch kein Fortkommen. Erst als uns eine andere Buggy-Tour mit einem erfahreren Guide zur Hilfe kommt, und nicht geschoben, sondern hin- und her geschaukelt wird, kommt das Buggy mit mir (oder umgekehrt) frei und fährt die doch recht steile Düne herunter. Hach, das hat Spaß gemacht. Wer hätte das gedacht? Das Angebot weiter zu fahren, lehne ich jedoch ab und ich wechsel wieder auf meinen angestammten Platz als Beifahrer-Prinzessin.

    Der Tag fing schon mal erlebnisreich an
    Wir hatten noch eine weitere Nacht in Merzouga, jedoch in einem Hotel, gebucht. Bevor es jedoch dahin ging, fuhren wir mit Salah noch zu dem Organisator von Offroad-Motorrad-Touren, wo er für meinen Mann an dem Tag doch noch eine 2-stündige Tour ermöglichen konnte. Beim Warten auf den Besitzer stomerten wir durch den großen Shop nebenan, der von den Handwerks-Betrieben und Händlern in Merzouga betrieben wurde. Hier gab es allerlei Mitbringsel und Souvenirs zu kaufen. Wir konnten uns aber unbehelligt umschauen. Beim Teppichhändler riskierten wir einen Blick länger, da wir bereits zu Hause auf der Suche nach einem neuen Teppich unter der Couch waren. Das Interesse blieb natürlich nicht unbemerkt und ein Teppich nach dem anderen, samt Erklärungen über die Wolle, Herstellung, Muster etc. wurde ausgebreitet. Zwischendrin bekamen wir auch Tee in die Hand gedrückt. Der Klassiker schlechthin. Ein Teppich gefiel uns tatsächlich gut, also fassten wir uns ein Herz und fragten nach dem Preis. Der wurde uns genannt und auch der Preis für die Versendung (denn im Flieger mitnehmen war ja nicht drin) pro Kilo. Da wir uns nicht direkt entscheiden konnten und wollten, verabschiedeten wir uns mit dem Hinweis, dass wir noch eine Nacht in Merzouga wären und darüber nachdenken. Das wurde freundlich zur Kenntnis genommen und uns ein schöner Tag gewünscht. Null aufdringlich, null nervig.
    Schlußendlich haben wir uns dagegen entschieden, den Teppich zu erstehen, fanden das aber für unseren Eindruck der Menschen im Süden, ein schönes und typisches Erlebnis.

    Nachdem die Motorrad-Tour für später in trockene Tücher gebracht war, ging es zum gebuchten Hotel.

  • Die Wahl war auf das Desert Villa Boutique Hotel gefallen. Top-Bewertungen, nahe an den Dünen, aber auch an der Stadt, 8 Zimmer und mit Pool.

    Was für ein sympathischer Empfang vom Besitzer. Wir waren noch recht früh, wurden aber herzlich willkommen geheißen. Am Pool wurde uns Tee und Gebäck serviert und versichert, dass der Zimmerservice so schnell wie möglich unser Zimmer vorbereitet.

    Wir hatten keine Eile, im Schatten konnten wir erst mal in Ruhe ankommen und die vielen Eindrücke des Vormittags sacken lassen.

    Das Zimmer, das wir bekamen, war schön hell, top sauber, mit einem schönen Bad und - juchu - bequemen Betten!
    Aber so schön es auch war, wir waren ja nicht hier, um im Zimmer zu bleiben. Also zog es uns dann schnell wieder raus.
    Youssef fragte nach unseren Plänen und versorgte uns dann mit Tipps, wo wir gut eine Kleinigkeit essen könnten, wo man schön sitzen kann auf ein Getränk und wo man besser nicht hingeht.
    Und dann machten wir uns auf den staubigen Weg durch die Sonne ins "Städtchen". Tatsächlich ist Merzouga keine wirklich Stadt. Neben der asphaltierten Hauptstraße sind alle weiteren Straßen nur (gut befahrbare) Pisten. Kleine Hotels, ein paar Restaurants und Souvernirläden haben sich hier angesiedelt. Vor allem hat Merzouga aber alles zu bieten, was man als Touri so in der Wüste machen möchte: egal ob eine Nacht in der Wüste, mehrtätige Wüstentouren mit Dromedar, Moped oder Auto, Buggy fahren, Quad-Touren...und und und.

    An der kleinen Restaurant-Meile trafen wir lustigerweise auch Salah und die Crew das Camps wieder. Obwohl wir nur eine Nacht da waren, gab es ein großes Hallo, als würde man sich ewig kennen. Bei einem Getränk beobachten wir das überschaubare Treiben und schlenderten dann für noch ein, zwei faule Stündchen zurück zum Riad.


    Am Pool liegend wurde gelesen, nur nicht geschwommen, denn obwohl es warm war, war der Pool eisekalt. Mein Mann wurde immer aufgeregter, denn seine Moped-Tour rückte immer näher.

    Ich nutzte die Zeit alleine, um das Hotel noch ein wenig zu erkunden und machte es mir dann auf dem Dach, mit Blick auf die Dünen, gemütlich.
    Irgendwann kam die Nachricht meines Mannes, dass das Moped mitten in der Wüste den Geist aufgegeben habe und er jetzt noch seinem Guide beim Abschleppen hilft. Ich solle mir keine Sorgen machen. Gegen halb acht, gut 1,5 Stunden später als erwartet, kam er dann zurück ins Hotel mit strahlenden Augen und SEINEM Urlaubserlebnis schlechthin. Er hatte das Glück, alleine mit dem Guide unterwegs zu sein und hatte einen Riesenspaß.

    Beim Abendessen gab es also viel zu berichten.
    Das Abendessen hatten wir im Hotel bestellt. Es gab ein leckeres, einfallsreiches 3-Gänge-Menü, vegetarisch war kein Problem. Ein schöner Abschluss für diesen Tag.

  • Zwar war die Nacht dank des ätzenden Reizhustens wieder nicht sonderlich erholsam, dafür aber immerhin in einem bequemen Bett. Und bei dem Ausblick des Sonnenaufgangs aus dem Zimmerfenster war die Nacht erst mal vergessen.

    Beim Frühstück gab es wieder neben den üblichen Frühstückszutaten noch Obst und Berberomelette, eine Art Shakshuka.
    Und das Wertvollste war der fürsorgliche Tipp von Youssef, es in der Apotheke doch mal mit Codein-Hustensaft zu probieren. Ja, er wüsste, dass das in Europa ohne Rezept nicht ginge, hier sei das aber kein Problem.
    Da die wenig erholsamen Nächte so langsam aber deutlich ihren Tribut forderten, war ich weich genug geklopft, um das in Erwägung zu ziehen.

    Nun hieß es Abschied nehmen von diesem gastlichen Haus.
    Das Desert Villa Boutique Hotel kann ich nur wärmstens empfehlen. Toller Gastgeber, schöne Lage, tolle Zimmer, schöner Pool, gutes Essen - rundum gelungen. Allerdings war es mit über 100,- Euro auch (neben der Ferienwohnung zum Schluss) auch die mit Abstand teuerste Unterkunft. Ich würde sie aber jederzeit wieder buchen.

    Heute erwartete uns ein eher ereignisarmer Fahrtag. Zagora war das Ziel, ein weiterer Ausgangspunkt um die Erg Chegbi zu fahren. Im Vorfeld war die Frage in welche Wüste es uns zieht, wir entschieden uns für Merzouga, da hier mehr Sandwüste zu erwarten war. Etwas weniger touristisch soll es aber in der Erg Chegbi sein.

    In der nächsten Stadt Rissani, machten wir uns erst mal auf die Suche nach einer Apotheke. Wobei die Suche nicht sonderlich schwierig ist, weil Apotheken in jedem Dorf zu finden sind und immer deutlich gekennzeichnet sind. Mein Wunsch nach Codein-Hustensaft ließ die Apothekerin noch nicht mal mit der Wimper zucken. Für 1,50 Euro wurde ich mit einer großen Flasche versorgt.
    Besonders erstaunlich, da mich vorher ein Hustensaft und ein Saft gegen Halsschmerzen 15,- Euro gekostet hatte und eine weitere Packung Halsschmerztabletten 9,- Euro. Toll, wenn Drogen so günstig sind. :S

    Die Landschaft war größtenteils Steinwüste und eher eintönig. Zeit also, den Beipackzettel übersetzen zu lassen und das Internet zu Codein zu befragen. Hui...es stand schon mal fest, dass ich auf keinen Fall die 4x am Tag von dem Zeug nasche, sondern nur nachts (zumal mit der Husten tagsüber in Ruhe ließ).

    Entlang des Weges grasten (wobei, kann man grasen sagen, wenn alles gefühlt nur karg ist) Dromedare und die Straße war lang und weilig.

    Ein Problem bei langen Autofahrten ist auch das Austreten. Für meinen Mann nicht so sehr, wie für mich. Gerade auf dieser Strecke, die so gut wie durch keine Dörfer oder gar Städte führte, aber auch Büsche rar gesät sind.
    An einer Stelle, an der Dromedare was auch immer aus der Krone eines einzelnen, stacheligen Baumes zupften und ein paar Büsche mehr herum standen, versuchte ich mein Glück, zumal weit und breit niemand zu sehen war. In einem islamischen Land möchte man ja auch nicht unbedingt mit der Hose in der Kniekehle gesehen werden :ops: . Ich hatte Glück, kein Auto weit und breit, die Dromedare interessierte ich auch nicht. Doch kaum zurück am Auto kam wie aus dem Nichts jemand auf seinem Möfchen vorbei und fragte nach Wasser. Wirklich verrückt. Wo auch immer er herkam. Er bekam ein Wasser, wir hatten ja genug dabei, und weiter ging's. Jetzt entspannter.

    Nach viel Straße, viel eintöniger Landschaft und nur wenigen, kleinen, kargen Dörfchen erreichten wir Zagora. Mehrspurige Straßen und Kreisverkehre, sogar Ampeln und alles in eine Oase eingebettet. Zagora war deutlich größer, als alle Städte, die wir seit Ouarzazarte durchquert hatten. Um zu unserer Unterkunft, der Zagora Oasis Lodge, zu gelangen, mussten wir einmal durch die Stadt. Also hieß es wieder sehr aufmerksam fahren.

    Der Empfang war freundlich, aber doch etwas verhaltener als wir es mittlerweile gewöhnt waren. Die Lodge bestand aus einem schönen, grünen Garten zwischen den umgebenden Mauern, vielen Palmen, die einen Pool umstanden, an dem es sogar eine Bar gab. Etwa 5 Zimmer gab es hier.
    Unser Zimmer war modern und freundlich eingerichtet und top sauber wie alle Unterkünfte bisher.
    Da Zagora bei der Durchfahrt nicht unbedingt lockte, machten wir es uns am Pool gemütlich. Der lud nur leider so gar nicht zum schwimmen ein, da das Wasser sehr trüb war. Dafür gab es an der Bar einen tollen, leckeren alkoholfreien Cocktail, den wir gemütlich auf der Liege rumlungernd schlurften.

    Ein wenig Bewegung fehlte jedoch noch. Also gingen wir noch eine kleine Runde um die Lodge. Von Dächern wurde uns freundlich zugewunken, Hunde kamen uns entgegen, interessierten sich aber nicht für uns, aus dem Nichts begegnete uns wieder ein Mofa-Fahrer, die Sonne schwand nach und nach, Zeit wieder zurück ins Hotel zu gehen.

    Auch hier konnten wir ein 3-Gänge-Menü am Pool sitzend essen. Den Tag ließen wir dann vor unserem Zimmer sitzend, ein Tisch und zwei Stühle luden dazu ein, bei einem Gin-Tonic ausklingen.
    Wie schon in Merzouga hatte man uns freundlich darauf hingewiesen, dass kein Alkohol ausgeschenkt würde, es aber kein Problem sei, wenn man welchen dabei hätte, diesen zu trinken.

    Als es ins Bett ging, gab es das Codein-Teufelszeug und die Nacht war herrlich erholsam.

  • Ein weiterer sonniger Tag wartete auf uns. Und heute konnte ich ihn auch mal genießen, ohne gerädert zu sein.

    Das Frühstück wurde auch am Pool serviert, bot aber keine großen Überraschungen. Was uns aber nicht davon abhielt, wieder alles aufzufuttern, was uns hingestellt wurde. Wir waren in früheren Leben wohl Heuschrecken.

    Die Zagora Oasis Lodge war tatsächlich die Unterkunft, die uns am wenigsten gefallen hat. Obwohl die Anlage schön war, das Zimmer ebenfalls, fühlten wir uns hier nicht ganz so wohl, wie in anderen Unterkünften. Dennoch würde ich von der Lodge nicht abraten. Mit dem Pool bzw. dem Wasser hatten wir vielleicht Pech und natürlich war der Service auch nicht unfreundlich oder schlecht. Nur eben nicht so freundlich, wie wir es mittlerweile gewohnt waren.

    Am Sonntag sollte in Zagora ein großer, sehenswerter Markt stattfinden. Bevor es also weiterging, wollten wir uns das Spektakel nicht entgehen lassen. Vorher musste aber noch das Klassiker-Foto gemacht werden.

    Wie mein Reiseführer zu berichten wusste, wird das berühmte Schild regelmäßig erneuert. Sah aus, als sei es gerade sehr frisch erneuert.

    Nun also auf zum Markt. Der sollte in Flughafennähe sein, wie uns noch im Hotel erklärt wurde. Nur, die Straße in die Richtung war gesperrt. Wir versuchten es anders herum, aber auch hier war kein Durchkommen, geschweige denn, dass man auch nur das Gefühlt gehabt hätte, alle strömen in eine Richtung, in der der Markt sein müsste.
    Unverrichteter Dinge geben wir auf und treten die Weiterreise an.

    Statt die Hauptstraße durch das Draa-Tal zu nehmen, biegen wir ab und fahren durch kleinere Straßen durch die Oase.

    Ziemlich zerrupfte Palmen säumen den Weg, im Hintergrund erheben sich tafelartige Berge, wir fahren an Eselskarren vorbei, durch kleine Orte. Obwohl Marokko ein muslimisches Land ist, ist der Sonntag der Ruhetag. Und das merkt man. Heute ist nicht viel los.

    Nach gut einer halben Stunde führt der Weg aus der Oase wieder zurück auf die Hauptstraße. Hinter Agdz wandelt sich die Landschaft wieder eine eine reine Fels- und Steinwüstenlandschaft. Nichts Grünes weit und breit.

    Bei der Recherche war ich auf den Hinweis auf die Cascade Tizgui gestoßen und auch unser Reiseführer wusste davon zu berichten. Und da wir Zeit hatten, nahmen wir einen weiteren Schlenker, weg von der Hauptstraße über Serpentinen durch karge Felsen.

    Karg, karg, karg. Nichts deuter an, dass hier irgendwo Wasser sein könnte.
    eine Art Plateau dient offensichtlich als Parkplatz. Drei Wohnmobile und ein weiteres Auto parken hier. Ein Parkplatzwächter schiebt einen lauen Job unter einem Sonnendach.
    Wir parken und treten den kurzen Abstieg zur Cascade an. Und tatsächlich, der Abschnitt im Tal führt auf ein Becken, von Grün umwuchert. Stühle, Tische und Sitzgelegenheiten mit Schattendach eines Restaurants laden zum Verweilen ein.

    Bevor wir uns niederlassen, gehen wir jedoch erst noch ein Stück weiter in das eingeschnittene Tal. Das so ein kleines Rinnsal in so unwirtlicher Gegend dann plötzlich so viel Grün erschafft und letztlich sogar eine kleine Gumpe bildet. Immer wieder erstaunlich, was Wasser so kann.
    Zurück an der untersten Gumpe spricht uns der Besitzer des Restaurants, der es sich selber im Schatten gemütlich gemacht hat, an. Wir holen uns etwas zu trinken und setzen uns zu ihm. Dass ich nur maximal einzelne Wörter französisch kann, mein Mann gar nicht, er aber nur französisch und dafür kein englisch spricht, hält ihn nicht davon ab, uns ganz viel zu erzählen. Ich versuche den Faden nicht zu verlieren, mir einen Reim auf das Gesagte zu machen, einzelne Worte zu verstehen und ab und an wissend zu nicken. Was für ein lustiger und schöner Moment. (Und nur fürs Protokoll: das Eine oder Andere habe ich dann doch verstanden, konnte nur mangels gemeinsamer Sprache nicht wirklich reagieren oder gar antworten). Um so lustiger, als mein Mann hinterher fragt, was er denn gesagt habe, weil er dachte, ich hätte alles verstanden.
    Tatsächlich haben wir hier zum ersten Mal in Marokko, auch wenn dieser Ort im Reiseführer erwähnt wurde, das Gefühl, ein wenig auf eigene Faust erkundet zu haben. Etwas, was bei den letzten Reisen in ferne Länder viel öfter passierte und das Salz in der Suppe war.

    Die Unterkunft des Tages liegt zwischen Ouarzazarte und Ait Ben Haddou, heute fahren wir also tatsächlich ein kleines Stück doppelt. Die Weiterfahrt dorthin führt wieder ein wenig höher mit tollen Ausblicken über einen kleinen Pass, bevor die Gegend wieder bewohnter wird.

    Ein Tankstop ist noch nötig, bevor wir die letzten Meter des Tages fahren.

    Auf den Strecken, die wir gefahren sind, war es übrigens nie schwierig, eine Tankstelle zu finden. Sehr oft finden sich hier große Tankstellen an Ortsein- und Ausgängen und an allen größeren Straßen. Wir zahlen meist etwa 1,37 Euro für den Liter. An jeder Tankstelle steht jemand bereit, der einem volltankt, manchmal sogar die Windschutzscheibe säubert (aufgrund des vielen Staubs sieht das Auto immer aus wie Hulle). Man kann also bequem im Auto sitzen bleiben, sogar zahlen geht mit der Kreditkarte und dem Kartengerät im Auto. Und nie wurde hier die Hand für Trinkgeld aufgehalten. Natürlich wird es gerne und mit einem Schukran und Lächeln genommen, aber wir hatten nie das Gefühl, dass es erwartet wird. Ein weiteres Vorurteil das wir ablegen durften.

  • Am Nachmittag erreichen wir dann unser Tagesziel, das Maison D'hotes Tigminou. Und ich fürchte, hier folgt nun ein Werbeblock. :-O

    Die Anlage liegt zwischen Ouarzazate und Ait Ben Haddou. Und wie schon vorher geschrieben, wäre es auch eine Idee, wenn man Ait Ben Haddou besuchen will, hier zu übernachten, da der alte Ksar nur 10 Autominuten entfernt ist. Letztlich war ich mit unserer Variante am Ort zu übernachten sehr zufrieden, allerdings die Aussicht auf zwei Nächte hier in dieser schönen Unterkunft.....:love: hätte auch was.

    Hinter, wie meist unscheinbaren Mauern, öffnet sich ein kleines Juwel. Originelle Schilder verweisen zum Parkplatz, Pool und zur Rezeption. Kaum haben wir geparkt, werden wir von Yahya und dem lauten I-A des Hausesels willkommen geheißen. Neben dem Parkplatz wohnt nämlich ein Esel zusammen mit zwei Ziegen und beäugt mal mistrauisch mal neugierig die Neuankömmlinge.


    Das Maison D'Hotes Tigminou ist ein Adults only-Hotel mit 7 Zimmern. Jedes liegt in einem kleinen Bungalow samt Veranda, umgeben von viel Grün, lauschigen, schattigen Plätzen und schön angelegten Wegen.

    Selbstverständlich gehört auch ein Pool mit Daybeds, Liegen und genügend Schatten dazu, sowie ein kleiners Spa. Die Anlage ist unter französischer Leitung und das merkt man. Schon im Vorfeld war die Kommunikation hervorragend. Und das führte sich im Hotel fort.

    Wir bekommen eine kleine Führung durch die Anlage, auch die im Vorfeld gebuchte Massage, hatte man direkt auf den Schirm und unseren Wunsch abends dort zu essen. Wo wir unseren Tee haben möchten, nachdem wir das Zimmer bezogen haben, wird noch gefragt. Wir entscheiden uns für de Pool.
    Unser Zimmer ist gemütlich eingerichtet, das Bett bequem und selbstverständlich alles makellos sauber. Wobei ich bei meinem Hochlied auf das Tigminou sagen muss, dass das Zimmer zwar wirklich nett ist, aber da hatten wir dann Schönere auf der Reise. Dafür ist der Rest unschlagbar.

    Nachdem wir das Zimmer bezogen haben machen wir uns Poolfertig und kaum dort angekommen, kommt auch schon Yahya mit Tee und Gebäck. Eine mittlerweile liebgewordene Sitte für uns.

    Wir verbringen den Nachmittag wieder lesend am Pool, der aber wie bei den bisherigen Pools auch, sehr frisch ist. Bei mir langt es nur für die Füße. Mein Mann schafft es ganz rein, allerdings auch schnell wieder raus.

    Kurz vor meinem Termin zur Massage werde ich abgeholt und die wenigen Meter zum Spa gebracht, wo ich noch eine sehr gute, entspannende Massage genießen darf. Mit 40,- Euro für 1 Stunde keine asiatischen Preise, trotzdem jede Cent wert.

    Maximal tiefenentspannt geht es dann später zum Abendessen. Schon im Vorfeld hatten wir viel vom gehobenen Niveau der marokkanisch-französisch inspirierten Küche gehört. Im Tigminou wird auch Alkohol ausgeschenkt und so gönnen wir uns vorneweg einen Gin-Tonic, bevor wir im kleinen Restaurant bei einem marokkanischen Weißwein (gut, den braucht es nicht unbedingt) ein unfassbar leckeres Menü serviert bekommen. Toll angerichtet auf stylischem Geschirr und wirklich sehr lecker. Das Ganze für 25,- Euro pro Person.
    Bei einem weiteren Gin-Tonic lassen wir den Abend auf unserer Veranda ausklingen.

  • Am Morgen ist es leider so frisch, dass wir das Frühstück nicht draußen, sondern erneut im Restaurant einnehmen. Und uns erwartet ein sehr leckeres Frühstück (nichts anderes hatten wir erwartet) und ein kleiner Plausch mit Yahya und Johanna, die zusammen mit Yahya die Gäste betreut.
    Leider müssen wir weiter und wie gerne wir noch verlängert hätten. Wie schon angedroht, das war der Werbeblock. Uns hat das Maison D'hotes Tigminou unfassbar gut gefallen. Sowohl was die "Hardware" angeht fühlten wir uns in der kleinen, stylischen Oase pudelwohl. Aber auch die Software war, und wir waren ja nun schon auf der Reise viele super liebe, freundliche Menschen erlebt, noch einen Tick aufmerksamer und einfach auch durchdachter.

    Ziel des Tages war Taroudant, angeblich das ruhigere Marrakesch. Gute 3,5 Stunden Fahrt erwarteten uns. Und ein Großteil des Weges führte wieder durch weite, weite Landschaft, die durch wenig Abwechslung sorgte. Jetzt muss ich dazu sagen: wir fanden die Landschaft eher eintönig, auch wenn wir natürlich zwischendrin auch tolle Ausblicke genossen hatten. Aber jeder ist anders, jeder findet andere Dinge schön. Und ich weiß, dass viele Menschen das auch toll finden.

    Ab und an boten sich dann aber auch Abwechslungen von den eintönigen Brauntönen.

    Ab und an durchfuhren wir auch Dörfer und kleine Orte. Je näher wir Taroudant kamen, desto abwechslungsreicher wurde es dann doch wieder. Zumal kleine Schmankerl wie dieser Tiertransport am Wegesrand warteten.

    Kaum wurde es städtischer, sahen wir aber auch wieder mehr Polizeikontrollen. Blieben aber unbehelligt. Mit kleinen Stressmomenten (hier abbiegen oder da?) kamen wir dann in der Unterkunft in Taroudant, dem Dar Salam Souss, an.
    Hinter einer unscheinbaren Tür im nicht unbedingt wirtlichsten Viertel verbarg sich eine extrem Instagrammable-Unterkunft. Das Betreiberpaar hatte wohl lange in den Niederlanden gewohnt und war nun zurück gekehrt, um das kleine Riad mit vielleicht 5 Zimmern zu betreiben.

    Unser Zimmer war groß, modern-orientalisch eingerichtet mit, etwas ungewöhnlich, einem offenen Bad. Das heißt Dusche und Toilette waren nur durch eine 2m hohe Wand (das Zimmer war locker 3,50 m hoch), die jedoch kein eigenes Zimmer bildete, vom restlichen Raum getrennt. Nichts für Frischverliebte, die sich noch nicht so gut kennen. 8o

    Same procedure...

    Frisch gestärkt zog es uns dann in die vielleicht 10 Fußminuten entfernte Medina. Taroudant ist mit 85.000 Einwohnern eine relativ große Stadt. Die eigentliche Medina ist jedoch, und das ist wohl das Besondere, komplett von einer alten Lehmmauer umgeben.
    Ich muss zugeben: nach der Lektüre des Reiseführers und diverser Internet-Einträge hatte ich nun mit einer alten Medina gerechnet, spannend wie Marrakesch's Medina nur eben ohne Händler, die alle etwas von einem wollen.
    Wir wurden jedoch eines Besseren belehrt. Nicht wegen der Händler, sondern wegen der alten Medina.

    Hinter einem der Tore durch die man in die Medina kommt, erwarteten uns moderne Gebäude. Zwar teils ein Gassengewirr, jedoch durchweg mit neuen Häusern. Toll war, dass in Taroudant gefühlt keine bzw. nur wenige Touristen zu finden waren und hier das normale Leben stattfand. Obst wurde von Karren verkauft, die üblichen (unappetitlichen) Metzger boten ihre Ware feil. Aber auch Elektrogeräte vom Mixer bis zur Kühlgefrierkombi konnten in kleinen, vollgestellten Läden gekauft werden.
    Der Hauptplatz, umstanden von vielen Cafès als Zentrum, wurde aber durchaus von Autos befahren.

    Wir landeten dann im hiesigen Souk, der das Attribut "entspannt" definitiv verdiente.

    Hier konnten natürlich Touristen fündig werden und Argan-Produkte oder Honig kaufen, aber auch die Einheimischen konnten hier Gold oder Kleidung kaufen. Wenn wir angesprochen wurden, dann wurden wir nur freundlich gegrüßt und das war es auch. Man konnte also in Ruhe herumstöbern und schauen.