Marokko's Süden - eine kleine Rundreise

  • Auf der Suche nach einem Restaurant, das laut Internet eine große vegetarische Auswahl hat und mal was anderes als Tajine oder Couscous bietet, stromern wir weiter durch die Stadt. Besagtes Restaurant gibt es aber leider nicht mehr.


    Also versorgen wir uns in einem kleinen Shop mit ein paar Keksen und gehen langsam zurück zum Riad.


    Vorbei an Marokkos Variante der "Painted Ladies"...

    ... und der nach wie vor genutzten motorfreien Variante des Transports aller möglicher Güter.

    Den Rest des Tages verbringen wir im Riad mit lesen und etwas sonnen. Später gibt es noch ein 3-Gänge Menü am Pool. Der erste Gang besteht aus vielen kleinen Schüsselchen mit den verschiedensten Vorspeisen. Sehr lecker. Die Tajine und auch der Nachtisch können da aber dann leider nicht mehr mithalten.

    Mit einem alkoholfreien Cocktail lassen wir den letzten Abend der Rundreise ausklingen. Morgen geht es für die letzten 4 Tage ans Meer in eine Ferienwohnung.

    Das Dar Salam Souss ist wirklich stylish und fotogen eingerichtet. Unser Zimmer ist, bis auf das ungewöhnliche (aber dennoch schöne) Bad, wirklich schön. Und verschiedene Terrassen und Sitzgelegenheiten bieten viele Rückzugsorte. Das Betreiberpaar allerdings war zwar bei der Begrüßung wirklich freundlich, aber weitere Worte wechselt man mit uns nicht, sondern geht seinen eigenen Dingen nach. Was natürlich verständlich ist, aber wir bisher so noch nicht erlebt hatten. Alles in allem können wir das Riad aber empfehlen, wenn man Taroudant besichtigen möchte.
    Ich muss sagen, würde ich die Reise mit dem jetzigen Wissen noch mal planen, würde ich Taroudant nicht noch mal ansteuern. Wir fanden es relativ reizlos.

  • Liebe Katharina,

    ich habe nun deinen Reisebericht in einem Zug inhaliert und der graue, wenig vorweihnachtliche Dezembertag hat nun einen goldenen Wüstenschimmer bekommen...

    Ich war Mitte der 90er Jahre zwei Mal in Marokko. Ich war zu der Zeit mit einem Marokkaner zusammen, den ich im Studium in Münster kennengelernt habe und ich hatte einen Teppichhändler in Marrakech als Schwiegervater und habe somit deinen Reisebericht mit etwas Wehmut und Nostalgie gelesen.

    Damals stand ich noch mit meinem Postsparbuch oder Eurocheques in vertaubt wirkenden Buden, wenn ich Geld abheben wollte. Deine wunderschönen stimmungsvollen Bilder zeigen ein deutlich gefälligeres Marokko und es lässt mir das Herz aufgehen zu sehen, dass dennoch so viel Typisches erhalten geblieben und zu seiner besten Version geworden ist.

    Die letzten Jahre hatte ich schon immer mal mit einer Routenplanung gespielt - mal sehen, sollte Indien mich dann doch irgendwann mal loslassen, ist vielleicht ein Wiedersehen drin, du hast viel dazu beigetragen, dass es wahrscheinlicher geworden ist!

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Heute geht es ein letztes Mal weiter. Das Ziel ist Taghazout, einem kleinen Örtchen etwa 10 km nördlich von Agadir. Hier haben wir für die letzten 4 Tage eine Ferienwohnung gemietet, um noch etwas zu entspannten, zu surfen und das Meer zu genießen.

    Wir verlassen Taroudant und das Dar Salam Souss Richtung Agadir. Da wir noch zumindest für das tägliche Frühstück einkaufen müssen, ab jetzt können wir uns ja nicht mehr an den gedeckten Tisch setzen, ist das Ziel des Tages ein Supermarkt. Dieses Mal fällt die Wahl auf den Marjane in Inezgane, einem Stadteil von Agadir. Den Carrefour kennen wir nun ja schon.
    Außerdem, so sagt der Reiseführer, liegt direkt neben dem Supermarkt auch ein Souk der hauptsächlich von Einheimischen genutzt wird. Wenn das kein Argument ist...

    Der Souk al Houria bietet dann tatsächlich nichts, was uns zum Kaufen animieren könnte. Trotzdem durchstreifen wir das Gewirr der vielen kleinen Läden: Kleidung, Haushaltswaren, Schuhe, Haustextilien, Goldfische in kleinen Aquarien...alles was der marokkanische Haushalt so benötigen könnte, wird hier feil geboten.

    Der Marjane steht dem Carrefour in Nichts nach. Das Angebot ist reichhaltig. Und so landet neben allem, was wir zum Frühstück so benötigen auch Einiges an Mitringseln wie Arganöl oder Amlou im Einkaufswagen.

    Nun sind wir gerüstet für die kommenden Tage. Dummerweise müssen wir uns nun durch den nervigen Verkehr Agadirs quälen, aber auch das hat ein Ende und irgendwann ist Taghazout erreicht.

    Taghazout ist quasi terrassenförmig direkt von erster Meereslinie ausgehend den Berg hinauf gebaut. Eine zweispurige Straße teil den Ort quasi in zwei Teile. Gerade im Richtung Meer liegenden Teil finden sich nahezu keine Straßen.
    Vorm Rathaus werden wir, wie vorher vereinbart, in Empfang genommen und zu unserer Wohnung in erster Meereslinie gebracht. Die Wohnung ist genau so, wie die Bilder es zeigten: ein großer, heller Raum mit Bett, Tisch und Küche, einem kleinen, aber netten Bad und vor allem einem über die gesamte Breite verlaufenden Balkon mit zwei Liegen und einer überdachten Couchecke. Vom Balkon sieht man direkt auf den Ortsstrand und das Meer. Also wenn man es hier nicht aushalten kann, weiß ich es nicht....

    Die kommenden Tage verbringen wir wenig aufregend, aber für uns perfekt.
    Taghazout ist eine wirklich charmante Mischung aus alteingesessenem Fischerdorf und Hotspot der (mehr oder weniger) surfenden Jugend. Ich schätze, wir sind die Ältesten, die hier übernachten.
    Der Strand vor unserer Nase bietet vom Balkon aus immer wieder etwsa Neues zu entdecken.
    Seien es die Fischer, die morgens zur Brandung gezogen werden, um den Tag fischend zu verbringen und abends wieder einlaufen.

    Der Fang wird dann zum Kauf feilgeboten. Frischer geht wohl nicht. Denken sich allerdings auch die Zaungäste, die auf etwas hoffen, was herunter fällt.

    Auch der örtliche Boxclub schiebt am Strand eine Trainingseinheit ein.

    Wem der Strand direkt am Ort zu klein ist (er unterliegt sehr stark Ebbe und Flut), geht einfach ein paar Minütchen weiter und trifft auf den schier endlosen Panoramabeach.

    Hier sammeln sich die örtlichen Surfschulen zuhauf, fliegende Händler verkaufen Minztee, Gebäck oder gar Eis. Hinter dem Strand läuft eine Promenade entlang, die man herrlich spazieren gehen kann. Viel hochpreisige Hotels haben sich hier angesiedelt.

  • Schnell haben wir eine Routine, die immer damit beginnt, dass wir morgens vor Sonnenaufgang alle Rolläden öffen und mit einem Kaffee auf dem Balkon dem Erwachen des Tages zuschauen.

    Der Ort selber bietet wirklich für Jeden etwas. Die hiesige Metzgerei bietet ihre mehr oder minder appetitliche Ware feil.

    Drei Geschäfte weiter kann man Surfbretter ausleihen.

    Es mangelt nicht an portablen Ständen mit Saftpressen, Cafès, mal mehr mal weniger hippen Restaurants. Tatsächlich sind wir einen Abend in einem chicen Restaurant direkt am Meer essen, in dem sogar Alkohol ausgeschenkt wird.
    Das ist hier aber die Ausnahme. Und wie wir feststellen durften, hat das (wir vermuten den Zusammenhang zumindest) den angenehmen Nebeneffekt, dass obwohl wir so nah am Strand wohnen, hier Nachts absolute Ruhe herrscht. Keine gröhlenden, feiernden Menschen am Strand.

    Dafür dürfen wir an einem Abend einem Fest beiwohnen, bei dem eine klassische Kapelle Musik macht und alle Marokkaner Taghazouts sich versammelt haben, um zuzuhören und mitzuklatschen. Seitdem glaube ich auch, dass das meistverkaufte Fußballtrikot der Welt das marokkanische ist.

    Für uns waren die vier Tage in Taghazout wirklich ein toller Abschluss. Sicher ist das alles Geschmackssache und natürlich ist der Ort reichlich auf touristische Bedürfnisse (vor allem die, der jungen Leute) zugeschnitten, aber uns hat es so gut gefallen (wohl auch wegen unserer tollen Ferienwohnung), dass wir überlegen, nächstes Jahr im Winter hier wieder für eine Woche vorbeizuschauen.

  • Noch ein paar abschließende Worte zu unserer Reise:

    Wir hatten eine tolle, abwechslungsreiche Reise, die uns zum ersten Mal in unserem Leben, in die Wüste geführt hat. Das war ein wirklich tolles Erlebnis.
    Auch unsere Befürchtungen im Vorfeld, dass wir als Asien-affine Urlauber Probleme mit der marokkanischen Mentalität bekämen, bewahrheiteten sich nicht. Wir trafen durchweg freundliche, liebenswürdige Menschen, die nie aufdringlich waren.
    Auch fühlten wir uns nie unwohl oder gar unsicher.

    Die Route führte natürlich nicht in abgelegene Gegenden oder off the beaten path, von daher war es gar kein Problem mit dem Mietwagen herum zu kommen. Unser Mietwagen war nicht geländegängig. Um unsere Taschen ggf. auch bei der Reise von A nach B unterwegs im Kofferraum haben zu können, hatten wir uns für einen mittel großen Wagen entschieden, letztlich hätte auch ein Kleinwagen gereicht. Rasen kann man nicht, da die Geschwindigkeitsbegrenzungen, gepaart mit den vielen Polizeikontrollen, das eh nicht zulassen.
    Alle Straßen, die wir gefahren sind, waren asphaltiert, bzw. die wenigen nicht asphaltierten Wege ließen sich mit etwas Vorsicht ebenfalls gut fahren.
    Sprit war günstiger als bei uns hier und die Versorgung mit Tankstellen wirklich exellent.

    Geld haben wir ausnahmslos am Automaten mit der Kreditkarte gezogen. In Marokko ist größtenteils noch Barzahlung das Mittel der Wahl. Bei den Unterkünften wurde es teils im Vorfeld kommuniziert, dass man nur bar zahlen könne. Klar, in größeren Geschäften, wie den großen Supermärkten oder an Tankstellen, war die Bezahlung mit Karte problemlos möglich. Aber ansonsten ist hier Bares Wahres.

    Unsere Unterkünfte hatte ich im Vorfeld, bis auf Maison D`Hotes Tigminou und die Ferienwohnung zum Schluss, über booking gebucht. Welche Vorlieben man bei Unterkünften hat, ist ja sehr individuell. Wir zahlten zwischen 52,- Euro bis 107,- Euro für eine Übernachtung mit Frühstück (bis auf die Ferienwohnung, die war teurer). Alle Unterkünfte waren tip top sauber. In den meisten konnte man abends auch essen, musste das aber nicht. Nie hatten wir das Gefühl, dass das obligatorisch sei. Wir haben es gemacht, weil es auch einfach einfacher war und teils - je nach Ort - die Infrastruktur auch nichts Anderes hergab. Die Preise für ein 3-Gang-Menü lagen hier zwischen unglaublichen 10,- Euro im Dades Tal, bei den meisten Unterkünften zahlen wir 15,- Euro. In der Wüste (ungerechtfertigte) 40,- Euro.

    Zu öffentlichem Personennah- oder auch Fernverkehr kann ich nichts beitragen. Und auch zu den Taxi-Preisen nicht. Ein Taxi hatten wir ja nur in der ersten Nacht und am ersten Morgen genutzt, das hatte unsere Unterkunft organisiert. Hier waren die Preise durchaus ordentlich. Für eine Fahrt von vielleicht 10 Minuten waren wir mit 15,- Euro (nachts) bzw. 10,- Euro (tagsüber) dabei. War uns aus Bequemlichkeitsgründen in dem Fall egal. Ob das normale Preise sind, oder die Flughafenmafia kann ich nicht beurteilen.

    Was ich auf jeden Fall sagen kann: Marokko kann man hervorragend und problemlos individuell bereisen.

    Für uns war es eine schöne Reise, allerdings nicht so schön, dass wir (von einer Woche Taghazout abgesehen) in nächster Zeit wieder Marokko planen würden. Irgendwie sind wir, aber da weiß ich wie gesagt nicht, ob das an uns lag, oder am Land, nicht so richtig in einen Flow gekommen, um auf dem Weg noch rechts und links spontan Dinge zu entdecken. Und somit bestanden die Tage immer aus der Fahrt von A nach B und dem Aufenhalt samt dem, was man dort geplant hatte, in B. Ein wenig mehr rechts und links des Weges hätte uns besser gefallen.
    Auch ist diese karge Landschaft einfach nicht so unsers (außer es ist hochalpin, da kann es uns nicht karg genug sein =) ).

    Dann bedanke ich mich, dass Ihr mitgereist seid und meine Prosa bis zum Ende ertragen habt. Kurz und knapp kann ich irgendwie nicht. Sorry!
    Gerne beantworte ich, soweit möglich, Eure Fragen, solltet Ihr die haben.

  • Danke für diesen aufschlußreichen und schön bebilderten Reisebericht. Irgendwie könnte ich mich jetzt auch mit Marokko anfreunden. Wüste geht bei mir immer und es scheint ja ein ganz entspanntes Reisen dort zu sein.

    Mein erster Gedanke zu Marokko wäre auch die Frage gewesen, ob es mit der Mentalität klappt, zum Glück wird man dann doch eines besseren belehrt.

    Zum Flow auf reisen... naja, nicht immer gibt es spontan die Gelegenheit noch nebenbei etwas zu entdecken. Natürlich kann es eintönig sein, wenn man nur stumpf von A nach B fahren kann und unterwegs nur die Monotonie aushalten muß. Vielleicht ist aber auch die Wüste so.

    Die kiki wurde ja schon ein paar Mal in die Wüste geschickt, daher ist sie auch mit monotonen Tagen dort vertraut. Gehörte dann halt zum Reiseerlebnis dazu.

  • ob das an uns lag, oder am Land, nicht so richtig in einen Flow gekommen, um auf dem Weg noch rechts und links spontan Dinge zu entdecken. Und somit bestanden die Tage immer aus der Fahrt von A nach B und dem Aufenthalt samt dem, was man dort geplant hatte, in B. Ein wenig mehr rechts und links des Weges hätte uns besser gefallen.
    Auch ist diese karge Landschaft einfach nicht so unsers (außer es ist hochalpin, da kann es uns nicht karg genug sein =) ).

    Danke für den schönen und interessanten Reisebericht! Vieles können wir auch nachvollziehen.
    Taroudannt hatten wir aber ganz anders erlebt und hat uns viel besser gefallen als das megatouristische Marrakesch.
    Mag sein, dass sich die Stadt in den letzten Jahren verändert hat, aber eigentlich noch immer gut bewertet.

    Also wir hatten schon das eine oder andere spontane Erlebnis.
    Gerade auch rund um Tafraoute und im Vallée d'Ammeln.
    Übernachtet in der Auberge Kasbah Chez Amaliya und nach einem Ausflug in die Berge gefragt.
    Dann fuhren wir los und bald war die Straße ein schmaler Schotterweg. Auto abgestellt und losgewandert, aber nach der zweiten Biegung dann eine befestigte aber schmale Straße. Auto geholt und losgefahren und es waren spannende 10 km und das Ziel ein Berberdorf Tagdicht in den Bergen. Das hatten wir echt nicht erwartet. Dazu auch noch in Terrassen angelegte Landwirtschaft. Wie ich jetzt gesehen habe gibt es auch dort nun eine Auberge. Also wen es interessiert in Google Maps die Route der oben erwähnte Auberge und Tagdicht" suchen.
    Ich erlaube mir zwei unserer Bilder zu zeigen.




    Aber wir schon erwähnt, ein sehr nachvollziehbarer und schöner Reisebericht. Und einmal sollte man sich diese Region des Antiatlas als Reiseziel in Betracht ziehen.:)

  • Auch ich danke dir für diesen aussagekräftigen und schön bebilderten Bericht, Katharina!

    Ich dachte zuerst Halbwüste, Wüste, wüstenhaftes Gebirge, kenne aus Niger, Algerien, Sudan, Eritrea, Senegal. Soll ich’s noch lesen?
    Habe ich und habe es nicht bereut. Jedes Land hat halt seinen eigenen Charme und macht es somit für uns interessant. Und du hast das alles gut herausgestellt. Danke dafür!

    horas