• Hier unsere Route:

    Wir kamen an Silvester an und verbrachten zwei Tage in Taipei. Dann hatten wir neun Tage mit unserem Fahrer Sean Leao (Jiufen – Jiaoxi – Taichung – Sun-Moon-Lake – Alishan – Tainan – Kaoshiung). In Kaoshiung blieben wir vier Nächte. Dann mieteten wir ein Auto und fuhren in den Kenting Nationalpark und von dort retour nach Tainan. Von Tainan fuhren wir mit dem HSR nach Taipei, wo wir die letzten 4 Tage verbrachten. Insgesamt waren wir 23 Tage in Taiwan.

    Hotels: Wir hatten vom B&B (in Jiufen oder Alishan), über preiswerte Stadthotels (ca. 60 Euro) in Taichung und Tainan bis zu 5*-Hotels (Kaohsiung Marriott, Caesar Park Kenting, Grand Banyan Tainan, Miramar Garden Taipei). Alle waren extrem sauber, komfortabel und entsprachen unseren Erwartungen oder übertrafen diese sogar. In preiswerteren Unterkünften sollte man allerdings keine allzugroßen Erwartungen ans Frühstück haben.

    Taiwan hat sich uns als überaus attraktives Reiseland präsentiert. Wie ich an anderer Stelle schon geschrieben habe: Unglaublich nette, kultivierte, zuvorkommende, zurückhaltende, höfliche, disziplinierte, aufgeschlossene, interessierte Menschen, eine hochtechnisierte Gesellschaft, die es jedoch schafft, ihre alten Traditionen zu wahren. Eine gute Mischung aus ganz viel China, ein bisschen Japan und einer Prise einer alten pazifischen Kultur. Ein sehr interessantes, vielfältiges Land, das aber wesentlich leichter zu bereisen ist als (Festland-)china. Damit meine ich: Keine "Great Firewall", keine Zensur, keine Sicherheitskontrollen, kaum Probleme mit westlichen Kreditkarten. Und - was die Mentalität betrifft - keine Chinesen.

    Fortbewegung:

    Wir haben uns neun Tage lang rumkutschieren lassen, und das fand ich sehr praktisch. Sean Leao hat 10 Jahre in den USA verbracht, hat in Kentucky studiert und ist nicht nur zertifizierter Tourguide und zertifizierter Driver, sondern auch ein begeisterter Foodie, der uns immer an die richtigen kulinarischen Adressen gebracht hat. Wir wurden in einem nagelneuen Toyota Grandvia (vergleichbar mit einem VW Multivan) durchs Land kutschiert. Während der Fahrt hab ich Fotos bearbeitet oder Videos geschnitten. Sehr praktisch. Ich wüsste nicht, was Sean hätte besser machen können. Er war pünktlich, ein guter Autofahrer, hat uns wirklich viel Hintergrundwissen vermittelt, aber uns auch den nötigen Freiraum gelassen, selbst Dinge zu entdecken. Soll heißen, er war nicht so "anhänglich", wie das bei Guides leider manchmal so ist. Er hat uns jeden Tag vom Hotel abgeholt, Tourende war dann am späteren Nachmittag wieder am Hotel. Das heißt, wir hatten die Abende für uns, was wir als sehr angenehm empfanden.


    Sean

    Selber fahren haben wir dann auch ausprobiert, das ist grundsätzlich recht einfach. Die Taiwaner sind im Straßenverkehr nicht anders als sonst, also diszipliniert und zurückhaltend. Aber es gibt doch ein paar merkwürdige Verkehrsregeln. Wir haben uns mit Google Translate ein Schild übersetzen lassen, auf dem sinngemäß stand "Fahrzeuge der Abgasklasse XY müssen mindestens 3 Personen enthalten, um diese Fahrspur verwenden zu dürfen". In Tunnel muss man gleichmäßig fahren und eine Mindestgeschwindigkeit einhalten. Und es gibt eine nahezu lückenlose Überwachung des Straßenverkehrs.

    Der öffentliche Verkehr in den Städten ist extrem einfach zu nutzen. Am Flughafen kauft man eine Plastikkarte (Zwei Systeme: Easycard oder iPass, es ist aber egal, welche man kauft), mit der man sämtlichen ÖPNV in allen Städten und auch die Fernzüge nutzen kann. Frisches Geld kann man in jeder Metro-Station und in allen 7-Eleven und ähnlichen Läden auf die Karte aufbuchen.

    Essen:

    Taiwan ist ein Streetfood-Paradies, aber ein bisschen sollte man schon asiatischen Genüssen gegenüber aufgeschlossen sein. Restaurants schließen recht früh am Abend, dann übernehmen die Nachtmärkte. Da wir im Vorfeld unserem Guide geschrieben haben, dass Kulinarik für uns ein wichtiges Thema ist, haben wir z.B. Scallion Pancakes (ein herrliches Gebäck mit Frühlingszwiebeln) und Mooncakes (eine Art Kuchen) in Workshops selbst gebacken. Wir waren 2 x Hot Pot essen, einmal auf einer Abalone-Farm. Abalone sind Seeohren, die ich schon aus Bangkok Chinatown kannte, aber dort haben sie sich nicht mehr bewegt, als sie serviert wurden. Wenn wir alleine unterwegs waren (meist am Abend), sind wir gerne in Dumpling-Restaurants gegangen, oder haben die Vielfalt der japanischen Küche ausprobiert. Es gibt alles in hervorragender Qualität: Von einfachen Ramen-Bars oder Izakayas (Bier- und Sakestuben) bis zu feinstem Omakase-Sushi.

    Manche Restaurants haben Warteschlangen, das liegt entweder daran, dass sie so gut sind, oder es gibt gerade einen Hype. Bei einer Filiale von Din Tai Fung (Soup Dumplings, etc.) hätten wir am Nachmittag 60 - 80 Minuten Wartezeit gehabt. Um die Ecke gab's ein Restaurant, wo wir gleich einen Tisch bekommen haben und die Soup Dumplings waren auch gut.

    Nach 23 Tagen hatte ich das Gefühl, dass ich viel zu viele Dinge auszuprobieren versäumt habe.

    Wetter:

    Bei der Ankunft in Taipei hatten wir ca. 15 Grad und die Luft war feucht. Es hat auch manchmal leicht genieselt, aber selten so stark, dass man eine Regenjacke gebraucht hätte. Am Sonne-Mond-See hatten wir Sonnenschein und knapp 20 Grad. Gerade recht für eine kleine Radtour. Im Alishan hatten wir 5 Grad, als wir morgens aus dem Auto ausgestiegen sind. Ein paar Stunden vorher hatte es sogar leicht geschneit, hat man uns erzählt. Im Süden war es dann sommerlich. "Kurze-Ärmel-Wetter" sozusagen, aber nicht so heiß, dass es bei Besichtigungen anstrengend geworden wäre.

    Preise:

    Taiwan ist teurer als Südostasien aber billiger als bei uns. Hotels haben zwischen 60 und 180 Euro p.N. inkl. Frühstück gekostet. Preise variieren stark zwischen unter der Woche und Wochenende. Das teuerste Hotel war das Marriott in Kaoshiung, das hatte aber ein gigantisches Frühstücksbuffet, spektakuläre Ausblicke über die Stadt, einen tollen Indoorpool und eine Wellnessoase mit ca. 10 heißen Sprudelbecken, Sauna und Dampfbad, was wir jeden Tag genutzt haben. Auf dem Nachtmarkt gibt's ab 2 Euro was zu essen, in "normalen" Restaurants wird man zu zweit um 20 Euro gut satt. Eine Metro- oder Busfahrt kostet ca. 0,60 Euro. Eintritte in Museen, Nationalparks und andere Attraktionen sind sehr günstig. Uber innerstädtisch meist so 4 - 6 Euro für 15 - 20 Minuten Fahrt.

    Ca. 500 Fotos auf flickr

    10 Videos auf Youtube

  • Ich hatte dir ja schon geschrieben, meinem Eindruck nach wart ihr in einem anderen Taiwan... Aber vielleicht hatte ich auch schlecht geplant, war schlecht drauf oder hatte einfach völlig andere Erwartungen. Mir war das Land zu nüchtern, das Wetter zu schlecht, Städte zu ausgestorben, die Mentalität "zu chinesisch".

    Zwischendurch fand ich einige Landschaften (an der wilden Ostküste) atemberaubend und ich hatte auch einige nette Begegnungen wie einen Taxifahrer, der mir als Gast im Land Rabatt gegeben hat und eine Mitarbeiterin an einer Sehenswürdigkeit, die mir hinterher gelaufen ist und mich eingefangen hat, da ein 4D-Movie gleich beginne, den ich nicht verpassen sollte.

    Aber das erste Mal habe ich mich auf Reisen einsam gefühlt, statt glücklich. Wahrscheinlich war es ein Mix aus allem, der es mir schwer gemacht hat, Taiwan so zu sehen wie ihr. Zum Ende der Reise zurück in Taipeh war es dann besser bei mir.

    Dann mache ich mal einen Videoabend mit euch und sehe mir an, was ich verpasst habe. Alles, was ich von euch (bisher bruchstückhaft) gesehen habe, fand ich jedenfalls sehr, sehr schön.

    Und ansonsten: Prima, dass ihr gute Erfahrungen mit eurem Fahrer / Guide gemacht habt. Ich selbst habe ja jahrelang naserümpfend da gestanden, wenn ein Grüppchen lammfromm der Sandale folgte. Durch Äthiopien, wo ich tolle Guides hatte, die mich wie gute Freunde begleitet und mir viele Türen geöffnet hatten, habe ich da meine Meinung geändert. Und ja, nicht immer passen Fahrer und Gast zusammen, aber es stimmt, es hat absolut Vorteile, wenn man im Auto ausruhen oder etwas anderes tun kann.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • ... ich hatte auch einige nette Begegnungen wie einen Taxifahrer, der mir als Gast im Land Rabatt gegeben hat und eine Mitarbeiterin an einer Sehenswürdigkeit, die mir hinterher gelaufen ist und mich eingefangen hat, da ein 4D-Movie gleich beginne, den ich nicht verpassen sollte.

    Wir waren in einem Izakaya-Restaurant, da hat man uns Gerichte serviert, die wir gar nicht bestellt hatten, mit den Worten "Welcome to Taiwan". Das Omakase-Sushirestaurant in Taipei hatte nur 9 Plätze, die anderen Gäste waren Koreaner und ein paar Geschäftsleute aus Taiwan. Die haben uns auch in die Runde aufgenommen und uns Sake spendiert. Oft haben Leute mit uns ein Gespräch begonnen und "Welcome to Taiwan" haben wir sehr oft gehört. Und kaum steht man wo an einer Straßenkreuzung und guckt ins Handy, ist schon jemand da, der den Weg weisen möchte. ^^

  • Die haben uns auch in die Runde aufgenommen und uns Sake spendiert. Oft haben Leute mit uns ein Gespräch begonnen und "Welcome to Taiwan" haben wir sehr oft gehört. Und kaum steht man wo an einer Straßenkreuzung und guckt ins Handy, ist schon jemand da, der den Weg weisen möchte.

    Hm, ja, dasselbe könnte ich über Indien sagen, wobei es sich dann um Tee und nicht um Schnaps handelt... Taiwan hat sich - wie gesagt - völlig anders angefühlt für mich... Aber das sagen ja viele Leute auch über Indien.

    Und ja, vieles ist damit verbunden, dass man zum konkreten Zeitpunkt vielleicht nicht offen dafür ist. Das muss ich über meine Reise nach Taiwan leider definitiv sagen, dass es so war.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Dann mache ich mal einen Videoabend mit euch und sehe mir an, was ich verpasst habe. Alles, was ich von euch (bisher bruchstückhaft) gesehen habe, fand ich jedenfalls sehr, sehr schön.

    Na, da sind wir auch gerne dabei :thumbsup:

    Im Ernst - auch von uns ein Danke, ich hab manche Deiner Videos und Bilder verfolgt und hat mir richtig gut gefallen. So ein bisschen bin ich aber auch bei Inspired , die ganz große Begeisterung für Taiwan hat uns auch gefehlt.

    Ich hab mich in Taipeh sehr wohlgefühlt, das wäre eine Stadt, die ich mir als Stopover durchaus öfter vorstellen könnten. Aber sonst... zugegeben haben wir ja nur eine kurze Stippvisite im Land gehabt, aber die Städte Taiwans sind mir als die hässlichsten ever in Erinnerung geblieben. Irgendwie alles so lieblos gebaut und ohne Struktur.

    Aber es ist ja gut, wenn's Euch so geflasht hat - ich hab manchmal so gedacht, was würdet Ihr dann erst zu Japan sagen, wenn Euch Taiwan schon so begeistert ;)

    Viele Grüße Gusti

    Unser Ferienhaus:

    https://airbnb.de/h/privates-Fer…in-Zella-Mehlis

    redfloyd.........................................................................................Gusti
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    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
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  • ich hab manchmal so gedacht, was würdet Ihr dann erst zu Japan sagen, wenn Euch Taiwan schon so begeistert ;)

    Das frage ich mich selbst auch! Vielleicht sollte ich mal...

    aber die Städte Taiwans sind mir als die hässlichsten ever in Erinnerung geblieben. Irgendwie alles so lieblos gebaut und ohne Struktur.

    Zugegeben, schön ist anders! Ich konnte mich trotzdem nicht daran satt sehen. Für mich hatte das so eine eigene Ästhetik. Diese Verschachtelung von Wellblechhütten und unterschiedlichsten Gebäuden und oft ist dazwischen noch ein Tempel eingepfercht. Und immer gibt's Pflanzen oder andere Versuche, den Anblick ein bisschen abzumildern.

  • Das frage ich mich selbst auch! Vielleicht sollte ich mal...

    Nun ja, denn mal los!

    Und wenn ihr dann schon dabei seid, ab nach Seoul: Du stehst zwischen Wellblechhütten. Aus der Hütte links von dir werden Waschbecken verkauft, gegenüber sitzen in einer Spelunke 2 alte Männer und spielen irgendein Brettspiel. Du gehst ein paar Schritte, biegst um die Kurve und stehst zwischen Lichtinstallationen mit Blick auf cleane moderne Wolkenkratzer. Du gehst noch ein paar Schritte weiter und stehst in einer Markthalle, durch die du dich erstmal durchessen kannst. Du verlässt die Markthalle und folgst Stimmen und stehst vor einem brechend vollen Tempel, in und vor dem gerade Menschenmassen durch 108 Niederwerfungen geführt werden...

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)