Grüße aus Japan (Frühjahr 2026)

  • Hallo Flicka,

    Ich kann ja immer gar nicht fassen, wie perfekt ausgearbeitet Deine Tage sind, und dass Du bei all den vielen Eindrücken pro Tag auch noch von "geplantem Leerlauf" sprichst.

    Mit Kyoto als Basis bist Du scheinbar weitestgehen im Reinen, das scheint ja nicht so dramatisch gewesen zu sein, wie befürchtet. Aber vermutlich sollte man sich von Kyoto selber künftig mit einem weinenden Auge verabschieden.

    Es war wie immer ein Fest, Dir virtuell zu folgen, und ich bin fast ein bisschen betrübt, dass Du schon wieder am Flughafen bist.

    Aber es klingt, als ob Du noch ein bisschen Zeit in Seoul verbringen wirst? Ist auch schön, anders natürlich als die japanischen Städte, die Tempel nicht ganz so bezaubernd. Ich wünsche jedenfalls gute Weiterreise und freue mich, wenn Du auch aus Seoul noch von Dir hören lässt.

    Und nochmals vielen Dank für Deinen tollen Bericht, den werde ich sicher zu rate ziehen, wenn ich wieder mal Japan-Sehnsucht habe und eine Reise planen werde.

    herzliche Grüße

    Gusti


    PS: Ich ziehe grade in Erwägung, künftig für meinen "Moosgarten" auch Eintritt zu verlangen:-O:-O:-O - wobei ich hin und wieder tatsächlich noch Grashalme dazwischen finde;)

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  • Ich war richtig geschockt: wie Airport Kansai? Das ging mir durch Mark und Bein und zeigt, dass meine alte Liebe immer noch brennt.

    Also ich meine Japan.

    Aber natürlich habe ich besonders Flickas Beiträge besonders lieb!

    Ich habe mich sogar erwischt meiner Frau gesagt zu haben, "naja, vielleicht ein Kurzurlaub in Japan. Weit weg von Tokyo, Kyoto und Konsorten". Sie hatte nämlich ein Beutel mit Klimpergeld gefunden, darunter habe ich auch 1.000 Yen zusammengefunden. Na wenn das Startkapital ist!

    Nein, im Ernst Flicka: tolle Fotos und Berichte! Du hast es etwas geschafft, mein blutendes Herz zu besänftigen. Dieses Ziehen in der Herzgegend (nein kein Herzinfarkt) kenne ich nur zu gut! Japan-Sehnsucht! Besonders Deine letzte Etappe im Herzland Yamatos hat mich gefangen.

    Domo arigatou gozaimashita!

  • 11.04.26

    Grüße aus Kashihara!

    Heute morgen waren die nassen Sachen zum Glück wieder trocken, und es sollte sonnig werden. Also gings mit dem Zug in ca 30 Minuten nach Hasedera und vom Bahnhof aus zu Fuß zum Tempel. An der Straße zum Tempel gibts nicht nur die üblichen Essensangebote und Souvenirs, sondern auch Agrarprodukte, sehr ungewöhnlich.

    Am Aufgang zum Tempel wurde es laut: Offenbar kümmert man sich auch in Japan Samstags um den Garten, oder der Tempel hatte neue Laubbläser angeschafft, jedenfalls wurde ausgiebig Laub weggeblasen, wo überhaupt kein Laub zu sehen war. Ich war jedenfalls genervt. Zum Glück ließ ich den Krach bald hinter mir. Die überdachten Stufen hoch, immer wieder Blicke auf kleine Tempel links und rechts, dann kam ich an der Haupthalle an. Hier konnte man gegen eine Zusatzgebühr die große Kannon-Statue besuchen und ihr sogar die Füße reiben, und das machte ich natürlich. Die Kannon-Statue hat übrigens einen Zwilling, der aus dem selben Stamm gefertigt und ins Meer geworfen wurde, in Kamakura angetrieben wurde und jetzt im dortigen Hasedera Tempel steht.

    Ich enter noch mal kurz Dein Fred, weil ich ja erwähnte, dass dieser Hasedera in meinem Vortrag über Seki in Mino Erwähnung findet.

    Das Besondere an der Kannon ist die Darstellung mit einem Pilgerstab, wie er gewöhnlich bei Jizo-Darstellungen zu finden ist. Kannon wird regelrecht in der Ikonographie des Jizo dargestellt. Das ist sehr selten, weswegen diese Art von Kannon "Hase-Kannon" genannt wird. Tempel, die eine solche Kannon verehren, nennen sich entsprechend "Tempel der Hase" also Hasedera.

    "Dein" Hasedera gilt als der Ur-Hasedera. Dann gibt es den beliebten Hasedera in Kamakura, wie Du oben geschrieben hast. Und dann gibt es noch einen Hasedera in Koga/Ibaraki, die ganz eifersüchtig darauf bestehen, dass sie die Dritten im Bunde sind, und dass ihre Kannon aus der Spitze des Kampferbaums geschmitzt wurde, aus dem auch die Figuren bei Nara und Kamakura gemacht wurden.

    Leider haben sie dabei den Shinchokokuji-Tempel in Seki bei Gifu vergessen. Dieser Tempel wurde 1222 in "Shinchokokuji" umgeweiht, weil man von der Hosso-Ausrichtung des Buddhismus in die Shingon-Schule wechselte. Davor hieß dieser Tempel "Yoshidasan Shin-Hasedera". Dieser Hasedera in Seki ist ein unmittelbarer Zweigtempel deines besuchten Tempels.

    Warum ist das wichtig für meinem Vortrag? der Seki-Hasedera war der Größte Landbesitzer vor Ort, und war mit großer Wahrscheinlichkeit der Arbeitgeber der sich dort ansiedelnden Schwertschmiede.

    Leider ist vom Seki-Hasedera kaum was übrig geblieben, und die dortige Hase-Kannon wird nur alle 12 Jahre für einen Monat der Öffentlichkeit gezeigt.:roll:

  • Sehr interessant. Was bedeutet denn "Hase"? So etwas wie "Pilgern"?

    Nein, das hat keinen religiösen Kontext und hat eher was mit einer Ortsangabe zu tun. Die Schriftzeichen verweisen eher auf ein langes Tal. Möglicherweise auf den Standort des Yamatoer Hasedera. Das besondere ist wie oben geschrieben die besondere Darstellung der Kannon, weswegen sie im Zusammenhang Hasedera Hasekannon genannt werden. Tempel, welche diese besondere Kannon verehren, übernehmen die Bezeichnung Hasedera in ihrem Tempelnamen.

    Figuren des buddhistischen Pantheon gibt es in -zig verschiedenen Interpretationen, die teilweise auch nur regional vorkommen. Insbesondere die Kannon ist sehr variabel, wird ursprünglich männlich dargestellt, geht dann über androgyne Varianten besonders in China und Japan in weibliche Darstellungen über und erinnern teilweise sogar an Marien-Darstellungen. Kannon können viele viele Köpfe besitzen und "tausend" Arme, deren Hände diverse Mudras formen oder religiöse Gegenstände und sogar Waffen halten.

    Das Ding ist einfach, dass es die unterschiedlichsten buddhistischen Schulen und den damit verbundenen Unter-, Zweig- und Nebenströmungen gibt, wodurch es manchmal nur sehr wenige Tempel gibt, die eine ganz bestimmte Darstellung z.B. eines Bodhisattvas wie die Pilgerstab-(Hase)-Kannon verehren.