Grüße aus Seoul (April 2026)

  • 14.04.26

    Nach zweiwöchiger Japanreise sollte es heute zum zweieinhalbtägigen Stopover nach Seoul gehen. Vom Flughafenhotel am Kansai Airport brauchte ich nur ein paar Minuten bis zum Check In Bereich. Dort konnte / sollte man bei Korean Air an Automaten einchecken bzw sein Gepäckband ausdrucken. Mich machen diese Dinger immer nervös. Aber okay, der Automat fand mit dem Scan des Reisepasses meine Buchung und spuckte schließlich auch das Gepäckband aus.

    Nur wurde ich meinen Koffer nicht los. Am dortigen Automaten musste ich den Pass wieder scannen, und jetzt hieß es plötzlich "Your passport details don't match" (oder so). Wie bitte??? Leichte Panikattacke, ein neuer Versuch mit Hilfe eines Flughafenmitarbeiters an einem anderen Bag-drop-Automaten, selbes Ergebnis. Ich wurde an den Check-in-Schalter verwiesen. Der öffnete 10 Minuten später, ich kam zum Glück bald dran und auf meine Erklärung, was passiert war, kam ein gelassenes It's okay, und ich konnte meinen Koffer abgeben. Puh, jetzt konnte ich also meinen Gemütszustand wieder auf normal runterfahren.

    Durch die Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, Shops, mit einem Shuttle zum Gate 14, ich kaufte noch ein Frühstück, dann begann bald das Boarding. Der Flug nach ICN verlief reibungslos, die Einreise nach Korea ebenfalls. K-ETA wird derzeit von Deutschen nicht benötigt. Ich hatte die erforderliche Arrival Card vorher online ausgefüllt, musste aber nichts vorzeigen. Man musste lediglich den Pass vorlegen, bekam Fingerabdrücke abgenommen und ein Foto gemacht. Die Wartezeit war kurz, und beim Zoll lief es ohne irgendwelche Angaben. Einfach den "Nothing to declare"-Ausgang nehmen und fertig. Nach Quarantäne-Angaben oder einem entsprechenden QR Code fragte übrigens niemand.

    Im Flughafen hob ich erst mal Geld ab, folgte den Hinweisen zur Rail, kaufte ein Ticket für den Arex Express nach Seoul und schaffte es vor der Abfahrt noch, im Convenience Store CU die T-Money-Card für die U-Bahn aufladen zu lassen, die ich mir beim Hinflug nach Japan schon in ICN im Transferbereich gekauft hatte. Um 12.10 Uhr, ziemlich genau 1 Stunde nachdem der Flieger das Gate erreicht hatte, saß ich im anfahrenden Expresszug. Dort hätte ich mir, wie ich dann feststellte, wohl auch während der Fahrt auch eine T-Money-Card kaufen können. Jedenfalls wurde das durchgesagt. Nach 2 Wochen Zugfahren in Japan sehr ungewohnt: Die Sitze sind nicht drehbar, und die Passagiere in meinem Wagen fuhren alle rückwärts.

    Am Bahnhof Seoul gings weiter mit der UBahn Linie 4 und zwar 2 Haltestellen bis Myeong-Dong. Als ich dort auf dem Handy nach dem richtigen Ausgang schauen wollte, wurde auf dem Display plötzlich ein "Amber Alert" angezeigt, irgendwas auf koreanisch, dann ein Foto eines Mann von einer Überwachungskamera. Aha. Zum Glück schaffte ich es ohne weitere Probleme ins Hotel und konnte jetzt, um halb zwei zum Glück auch schon einchecken.

    Den Nachmittag verbrachte ich damit, mich einfach durch Myeong-Dong treiben zu lassen und Eindrücke aufzusaugen. Irgendwann fand ich mich an der Kirche wieder und entdeckte in der Nähe eine sonnige Terrasse. Ein entspanntes Bier in der Nachmittagssonne, das hatte mir in Japan echt gefehlt.

    Nach einer Rast auf dem Hotelbett gings Abends wieder in die Straßen und zu den vielen Essensständen, die mittlerweile aufgebaut worden waren. Inzwischen schoben sich die Touristenmassen durch die Straßen. Nach vier Tagen im ländlichen Japan fühlte ich mich etwas erschlagen. Ich probierte gefüllte Teigtaschen und eine mit Schokocreme gefüllte Waffel, für mehr reichte der Hunger nicht. Vielleicht morgen.

    Für heute aber: Gute Nacht!

  • 15.04.26

    Heute wollte ich mir den Gyengbokgung-Palast anschauen. Von Myeong-Dong gings mit der U Bahn eine Station bis Chungmu-ro und von dort aus mit Linie 3 vier Stationen bis Gyeonbokgung.

    Auf dem Vorhof der Palastanlage war schon einiges los. Einige Besucher waren im geliehenen Hanbok, der traditionellen Tracht, oder jedenfalls einer touristentauglichen Version, unterwegs und konnten damit kostenlos in den Palast. Der Eintritt ist mit 3000 Won allerdings auch günstig. Ich kaufte mir für 6000 Won ein Combination Ticket für alle Paläste und machte ein paar Fotos, während ich auf die Wachablösung wartete. Die ging dann auch pünktlich um 10 Uhr los.

    Danach machte ich das, was alle anderen auch machten: zum Eingang drängen. Wer auf die Wachablösung keinen Wert legt, sollte vielleicht einfach schon um neun in die Anlage, da ist es sicher ruhiger. Es waren einige Reisegruppen unterwegs, auch mit Mikrofonen, und natürlich wollten die vielen Menschen im Hanbok schöne Fotos. Es war also etwas anstrengend, allerdings erstreckt sich die ganze Anlage über viele Höfe, Zwischengänge und einen Park, es verteilte sich also. Und es ist wie in Japan: Einerseits ärgert man sich über die posierenden kostümierten Menschen, andererseits sind es nette folkloristische Farbtupfer.

    Irgendwann hatte ich aber genug und vor allem musste auch mal für eine Weile aus der Sonne. Obwohl Seoul nördlicher liegt als Kyoto, schien die Sonne hier gefühlt doppelt so hell. Also raus aus dem Palast und rein in ein Cafe. Danach gings weiter ins Bukchon Hanok Village, einem Viertel mit traditionellen Häusern. Ich dachte noch, so voll ist es hier ja gar nicht, aber der Andrang konzentrierte sich vor allem auf eine besonders pittoreske Straße, an und in der mit Schildern bewaffnete Wachmenschen standen und vergeblich daran erinnerten, dass hier tatsächlich Menschen wohnen. Eigentlich war es wie in Gion (Katzenbabies Katzenbabies Katzenbabies....) Irgendwo hatte ich den Tip gelesen, abends zu kommen, aber Besucher dürfen das Viertel nur noch von 10 - 17 Uhr betreten.

    Ich musste mal wieder raus aus der Sonne und entschied mich für Pizza. Danach gings nach Insadong, wo ich drauf und dran war, mir einen Namensstempel machen zu lassen, bis mir einfiel, dass ich sowas samt Stempelkissen auch vor Jahren schon mal aus China mitgebracht hatte.

    Zum Abschluss besuchte ich den Jogyesa-Tempel. Dort war alles mit Lampions verziert, große bunte Figuren standen herum. In Japan hätte ich auf ein Tempelfest getippt, aber ich glaube, zumindest die Lampions sind hier ständig angebracht. Jedenfalls war hier insgesamt alles deutlich bunter als ich es aus Japan gewohnt war.

    Es war schon nach vier, ich fuhr mit der U Bahn zurück nach Myeong-dong und legte im Hotel zwei Stunden die Füße hoch. Zum Abschluss gings dann nochmal durch die Straßen des Viertels. Hunger hatte ich nicht, ich suchte eher nach einem letzten Reiseandenken und wurde schließlich fündig: In einem der Läden, in denen man sich mit Bügeletiketten selbst gestaltete Taschen und ähnliches zusammenstellen kann, bastelte ich mir einen Schlüssel- / Kofferanhänger.

    Morgen steht der letzte Urlaubstag an, Abends gehts schon für die letzte Übernachtung zum Flughafen.

    Gute Nacht!

  • 16.04.26

    Grüße aus ICN

    Heute vormittag wollte ich den Changdeokgung Palast und nach Möglichkeit den dortigen Secret Garden anschauen. Der Zugang in den Garten ist limitiert, die Hälfte der Tickets wird ab einigen Tagen vorher über Internet verkauft und die andere Hälfte am selben Tag am Ticketschalter. Online hatte ich vorgestern nichts mehr bekommen, aber als ich heute um viertel vor neun am Ticketschalter ankam, warteten nur ca 30 Leute vor mir. Da pro Zeitslot ca. alle 30 - 60 Minuten 50 Tickets (für je 5000 Won) vorhanden waren, musste das ja klappen. Allerdings schrumpften die freien Plätze auf der großen Anzeige schneller als gedacht, offenbar kauften die Leute jeweils mehrere Tickets. Es reichte aber trotzdem noch locker für den Zutritt um 10.30 Uhr, zu dem eine englischsprachige Führung angeboten wurde. Den Eintritt für den Palast (3000 Won) hatte ich schon mit meinem Combination Ticket gekauft.

    Der Palast gefiel mir richtig gut. Es war viel weniger los als gestern am Gyeongbokgung Palst, und außer der imposanten Halle gab es auch viele kleine Nebengebäude und verwinkelte Gänge. Ich schlenderte durch und kam gemütlich kurz vor halb elf am Eingang zum Secret Garden an. Man konnte dort die Führung mitmachen, aber auch auf eigene Faust herumspazieren. Ich entschied mich für die Führung, die gut gemacht war und etwa 45 min dauerte. Der Garten ist auch sehr schön, das hatte sich gelohnt.

    Danach ging ich zu Fuß weiter zum Gwangjang Markt, wo ich mir zwar einiges exotisches Essen anschaute, mich aber nur an eine Art Pfannkuchen mit Mungobohnen herantraute.

    Danach merkte ich, dass ich es noch locker zur Wachablösung um 14 Uhr an den Deoksugung Palast schaffen konnte, denn die U-Bahn zur City Hall fährt am Gwangjang Markt ab. Die Wachablösung war dann richtig herzig. Zwei in richtige kleine Uniformen kostümierte aufgeregte Kinder durften dabei mitmachen, und die stolzen Eltern fotografierten und filmten. Insgesamt ging es viel familiärer zu als beim Wachwechsel gestern.

    Danach gings zurück nach Myeong-Dong, wo ich mir ein Urlaubsabschlussbier - okay, es waren zwei - gönnte und am späten Nachmittag den Weg zum Flughafen antrat. Ich war im nachhinein froh, dass ich da nicht morgen früh durch muss, denn nach den Ticketgates der UBahn musste man nochmal durch ein Transferticketgate, was laut Hinweis nichts kosten sollte, aber ich weiß gar nicht, wie man da ohne T-Moneycard durchgekommen wäre. Ein paar Treppen hinauf und hinab mussten mit Gepäckbändern überwunden werden, und schließlich musste man wieder durch Ticketgate und für die Tickets für die Expresszüge nochmal eine Etage hoch und dann wieder runter. Es dauerte ein paar Minuten, bis ich verstand, wo ich hinmusste und ich war froh, dass ich keinen Zeitdruck hatte. Alternativ hätte es auch einen Airportlimousinenbus gegeben.

    Die Fahrt zum Terminal 2 dauerte 50 Minuten, von dort gings per Shuttle zum Flughafenhotel. Online eingecheckt habe ich gestern schon.

    Gute Nacht!

  • Meine Tochter macht Kimchi immer selber und nimmt dafür überwiegend Rettich, weniger Kohl.

    Ich habe jahrelang Kendo/Kumdo bei einem koreanischen Meister gemacht, und Kimchi ist grundsätzlich bei jedem koreanischen Essen bei. Ohne wäre wie Torte ohne Sahne.

  • Weißt Du, was das alles ist? Fällt das alles unter Kimchi? Ich hab mir unlängst wieder mal Kimchi gekauft, bin mir aber noch immer nicht sicher, ob ich ihn mag. Ich weiß auch nicht so recht, wo man den dazu essen kann oder soll. Wenn ich frage, heißt's immer "passt zu allem".

    Ich kann da auch nur mutmaßen, dass es unter Kimchi fällt. Zu meinen Pfannkuchen hatte ich auch Kimchi bekommen. ;)

  • 17.04.26

    Die letzten Stunden vor dem Heimflug sind angebrochen. Mit dem Hotelshuttle gings zum Terminal 2, dort an den Schaltern von Korean Air in einer langen Schlange zum Self Bag Drop. Sonderlich "Self" liefs hier aber nicht. An jedem Automaten stand ein Mitarbeiter, der das Prozedere übernahm, inklusive des Anbringens des Gepäckbands. Das ging auch vermutlich deutlich schneller als wenn das jeder Passagier selbst zusammengebastelt hätte. Ich war froh, dass sich hier kein Automat Passprobleme zusammenfabulierte wie am Kansai Airport. Die Schlangen an der Sicherheits- und der Passkontrolle waren ebenfalls lang. Allzu knapp sollte man in ICN offenbar nicht unterwegs sein.

    Der Gatebereich kam mir dann dunkel bekannt vor. Stimmt, hier war ich vor zweieinhalb Wochen umgestiegen. Lang ists her. Ein letztes Umschauen in den Geschäften, dann gings ans Gate, wo der Flieger auch schon bereitsteht.

    Die letzten zweieinhalb Tage in Seoul haben mir insgesamt gut gefallen, auch wenn ich die Touri-Blase kaum verlassen habe. Nur gestern, zu Fuß auf dem Weg zum Markt, gabs ein paar Einblicke ins Alltagsleben, in kleine Imbisse und in in einem Park in eine Ecke, in der alte Männer an Steintischen saßen und Baduk spielten. Aber das war zum Ende einer Rundreise auch so geplant und ich würde es in dieser Situation im Zweifel auch wieder so machen.

    Jetzt warte ich auf den Abflug.

    Danke fürs Mitreisen und bis bald!


  • Guten Morgen! Nach fast 14 Stunden Flugzeit und einer abenteuerlichen Bahnfahrt bin ich gestern Abend wieder zu Hause angekommen. Immerhin hat auf diesem Flug der Kopfhörer ohne Wackelkontakte funktioniert, und ich konnte mir die Zeit mit ein paar Filmen vertreiben. Trotzdrm fühle ich mich gerade um Jahre gealtert. :-O

  • Ich hoffe, du bist nun wieder voll anwesend in deinem Alltag und hast den Jetlag gut überwunden? Welcome back!

    Da Korea ja zu den TOP 5 meiner Lieblingsländer gehört und mir persönlich näher ist als Japan (OK, da war ich ja nur sehr kurz und schon vor fast 10 Jahren), interessiert mich natürlich, wie du Korea /Seoul im Vergleich zu Japan empfunden hast.

    Denkst du, Korea wird dich wiedersehen?

    Für dich als Wanderfan übrigens: Meine Freundin Mareike (ich hatte dir von ihr schon mal kurz berichtet) war im vergangenen Jahr auf einem Rundwanderweg um Seoul herum. Man kann in der Stadt wohnen und mit der Metro immer zum Ausgangspunkt der nächsten Etappe und von dort wieder in die Stadt fahren. Ich hatte dabei an dich gedacht und mich gefragt, ob das wohl etwas für dich wäre?

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Die Wanderidee klingt ja schon mal nicht schlecht. Käme natürlich darauf an, wo man sich dort bewegt und was man dort so sieht.

    Insgesamt bin ich zu Seoul hin- und hergerissen und habe die Tage unterschiedlich empfunden: Nach der Ankunft mich einfach mal in Myeong-Dong treiben zu lassen und nach kleinen Verrücktheiten zu suchen, fand ich ganz entspannend. Dass ich dort mit vielen Touris unterwegs war, hat mir nichts ausgemacht.

    Den Folgetag fand ich dann eher anstrengend, was aber auch an dern intensiven Sonne lag. Eigentlich war es das, was ich in Japan eher vermeiden wollte, nämlich in einer Touriblase die Ziele abzuklappern. Dafür kann aber Seoul nichts.

    Deutlich entspannter fand ich dann den letzten Tag. Der Palast war nicht so voll, der Garten ohnehin nicht, unterwegs zum Markt gabs dann mal ein paar Einblicke ins Alltagsleben. Das hat mir dann schon wieder Lust auf weitere Entdeckungen gemacht.

    Was ich bisher von Seoul mitbekommen habe, fand ich "normaler" als Japan, einerseits entspannter, andererseits fehlten mir japanische Eigenheiten, z.B. die Achtsamkeit, die dort im Hintergrund bei vielem mitschwingt. Beispielsweise war ich nach 2 Wochen in Japan daran gewöhnt, zu warten, bis jeder aus der U-Bahn ausgestiegen war, bevor ich selbst eingestiegen bin. In Seoul lief das eher so, dass man schon angefangen hat sich reinzudrängeln, während die anderen sich noch rausgewurschtelt haben.

    Kurz gesagt: Keine Liebe auf den ersten Blick, ein zweites Date aber nicht ausgeschlossen.

  • Ach, interessant. Das war bei mir genau umgekehrt. Ich fand die eher bodenständige und lebendige Art der Koreaner angenehmer als das Gefühl, ständig etwas falsch machen zu können in Japan.

    Weniger Touristen findest du in den Klöstern und Tempeln auf dem Land und in den anderen Städten. Seoul ist ja für viele - ebenso wie für dich und auch für mich beim ersten Besuch - ja meistens ein Zwischenstopp zum Schnuppern.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)