• Aus dem Seoul-Thread von Flicka :

    Ich musste mal wieder raus aus der Sonne und entschied mich für Pizza. Danach gings nach Insadong, wo ich drauf und dran war, mir einen Namensstempel machen zu lassen, bis mir einfiel, dass ich sowas samt Stempelkissen auch vor Jahren schon mal aus China mitgebracht hatte.


    Ich hab mir in Taipei ein Namenssiegel (1) anfertigen lassen. Es ist aus Stein. Die Übersetzung meines Namens wurde per Hand eingraviert. Im Vorfeld habe ich viel recherchiert, ob eine Übersetzung meines Namens nicht irgendwie "lächerlich" sein könnte, wurde aber ermutigt und auch beraten, welche Übersetzungen sinnvoll und möglich sind. Die Anfertigung hat zwei Wochen gedauert, das Etui und die Stempelfarbe gab's dazu. Preis ca. 150 Euro, aber nur weil ich bei der Auswahl des Steins so bescheiden war, da kann man auch wesentlich mehr ausgeben.

    Die anderen beiden Stempel (2 und 3) sind aus Holz. Einer wurde per Hand geschnitzt, der andere maschinell in so einer Art CNC-Verfahren. Diese Art Stempel erhält man in Geschäften, die oft auch Schlüssel anfertigen, so eine Art "Mister Minit". Man kann in der Regel darauf warten. Ich glaube, ich habe 1 oder 2 Euro dafür bezahlt. Sie enthalten Sinnsprüche, so in etwa von "learning from Nature" und "Playful brush and ink". Ich beschäftige mich auch ein bisschen mit chinesischer Tuschemalerei. Deshalb die Stempel.


  • Ich wusste bislang nicht, dass diese Siegel quasi als Signatur des Künstlers verwendet werden, wieder was gelernt.

    In jedem Fall eine sehr hübsche Erinnerung.

    Unser Ferienhaus:

    https://airbnb.de/h/privates-Fer…in-Zella-Mehlis

    redfloyd.........................................................................................Gusti
    redfloyd.gifGusti.gif

    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
    Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.

  • redfloyd Die haben unterschiedliche Verwendungszwecke:

    In Taiwan kann man sein Namenssiegel behördlich registrieren lassen, dann gilt es als Signatur auf offiziellen Dokumenten, Kaufverträgen, bei Bankgeschäften, etc.

    Und eben auch zur Signatur von Kunstwerken, Alte Tuschemalereien haben oft eine Vielzahl von Stempeln, weil auch der jeweilige Besitzer sein Siegel darauf setzt, um zu dokumentieren, dass es ihm gehört. Und über die Jahrhunderte geht so ein Gemälde durch viele Hände.

  • NoDurians schönes Bild!

    Hier mein "Goshuin", den ich für das Zeichnen von Oshigata verwende.

    Das passt auch ganz gut zu Flicka ´s Goshuin Thema in Ihrem aktuellen Japanreise-Bericht. Nimmt man die Kanji für "Goshuin" von ihrer Bedeutung her auseinander, wäre das Go = Ehrenname, Shu = Rot, In = Siegel. Wobei in Japan "Goshuin" in der Regel mit Autoritäten (Behörden, Ämtern, Vereinigungen, bzw. historisch auch Kaiser, Shogun, Tempel, Schreine) verbunden wird.

    Ausnahme sind Künstler (nee, bin kein Künstler), aber traditionell benutzen Künstler keine Klarnamen, sondern "Go" - also so etwas wie ein Künstlername bzw. Synonym. Und na klar, die beiden Kanji entsprechen hier meinem Forenname.

    Normale Namenssiegel nennt man Hanko.

    Traditionell verwendet man in Siegeln eine bestimmte standardisierte Form von Schriftzeichen, die in Japan Tensho heißt, und bei NoDurians Beispielen mehr oder weiniger ausgeprägt zu sehen ist. Ich habe mich jedoch für klassische Kanji entschieden.

    Auch habe ich bewusst ein japanisches "Go" gewählt, weil mein Name nicht im Japanischen zu schreiben geht. Das geht nur in der Silbenschrift Katagana. Damit könnte ein Japaner meinen Namen zu mindestens phonetisch lesen, sieht als Schrift aber doof aus.

    Falls sich jetzt jemand wundert, warum Flicka und NoDurians Namenssiegel mit ihren offensichtlichen Klarnamen haben, liegt das an der chinesischen Schrift. In der chinesischen Schrift gibt es vielmehr Phonogramme als Logo- und Piktogramme. Man kann also europäische Namen phonetisch im Chinesischen besser darstellen.

    Im rein Japanischen ist man in der "Begriffszeichenlesung" laienhaft ausgedrückt stehengeblieben. Für "Sabine" oder Klaus" gibt es in Japan keine Begriffszeichen. Man kann dies nur mit den Silbenschriften Hiragana und Katagana ausdrücken. "Sabine" ist sehr japanfreundlich "Sa-Bi-Ne", "Klaus" ist dann eher schräg "Ka-Ra-U-Su" (ausgesprochen Kalausu, wobei das "l" eine Mischung aus L und R ist).

    Durch die unterschiedlichen Lesearten in China und Japan, beherrscht ein durchschnittlicher Chinese grob gesagt doppelt so viel Schriftzeichen wie Otto-Normal-Japaner.

  • ... traditionell benutzen Künstler keine Klarnamen, sondern "Go" - also so etwas wie ein Künstlername bzw. Synonym.

    In meinem Fall 柯睿思 (Kē Ruìsī). Die Erklärung, die ich dazu erhalten habe:

    Es klingt ähnlich wie „Chris“ und hat im Chinesischen eine sehr positive Bedeutung: weise und nachdenklich. Das erste Zeichen 柯 ist ebenfalls ein genuin chinesisches Wort, was den Namen authentisch und natürlich wirken lässt.

  • ... traditionell benutzen Künstler keine Klarnamen, sondern "Go" - also so etwas wie ein Künstlername bzw. Synonym.

    In meinem Fall 柯睿思 (Kē Ruìsī). Die Erklärung, die ich dazu erhalten habe:

    Es klingt ähnlich wie „Chris“ und hat im Chinesischen eine sehr positive Bedeutung: weise und nachdenklich. Das erste Zeichen 柯 ist ebenfalls ein genuin chinesisches Wort, was den Namen authentisch und natürlich wirken lässt.

    Na dann ist das eigentlich ganz ähnlich wie im Japanischen, da würde Chris per Katagana "Ke-Ri-Su" geschrieben und gelesen werden, nur eben nicht mit den klassischen Kanji, das geht dann nur im Chinesischen.

  • Durch die unterschiedlichen Lesearten in China und Japan, beherrscht ein durchschnittlicher Chinese grob gesagt doppelt so viel Schriftzeichen wie Otto-Normal-Japaner.

    Um das mal in Zahlen zu verdeutlichen.

    In China lernt man 5000 Schriftzeichen in der Schule.

    3500 - 5000 reichen aus, um im Alltag zurechtzukommen.

    Zum Zeitunglesen sollte man ca. 2500 Zeichen beherrschen.

  • Na das passt ja. Ich glaube im Rahmen der herkömmlichen schulischen Ausbildung sind es in Japan etwa 2100 Kanji. Wer studieren will, muss mehr beherrschen.

    Mir ist aufgefallen, dass besonders in Museen die Beschriftung der Schilder, insbesondere wenn es um Namen geht, die Kanji sehr oft mit der Silbenschrift Hiragana ergänzt werden. Das hat mir natürlich geholfen, wenn ich Kanjis nicht kannte, und es keine romanische Beschriftung gab.

    Offensichtlich hilft es auch vielen Japanern. Fairerweise muss ich allerdings dazu sagen, dass im historischen Bereich viele Kanjis nicht mehr üblich sind, oder heute anders gelesen werden. Als ich meine damalige Japanisch-Lehrerin gebeten hatte, Passagen aus einem Fachbuch zu übersetzen, hat die ganz schön dicke Backen gemacht...