Erste Indien-Reise - Tipps zur Routenplanung 4 Wochen

  • Hallo an alle Indien-Reiseerfahrene!

    Wir möchten im Okt./Nov. 2026 (25.10. - 26.11.26) zum ersten Mal nach Indien reisen. Diesbezügl. tun sich bei der Routenplanung ein paar Fragen auf.


    Vorabinfos zu uns / unserem Reisestil:

    Wir sind mit Rucksack unterwegs, habe schon etwas Reiseerfahrung (u.a. mehrmals Nepal, Peru, Tadschikistan - also auch etwas ab vom Schuss), reisen immer individuell auf eigene Faust, authentische Eindrücke des Landes/der Leute gehen uns meist vor Bequemlichkeit, ganz Holzklasse solls aber auch nicht sein. Reisen eher schneller.


    Erste grobe Routenplanung:

    25.10.: Flug nach Kolkata (Ankunft am 26.10., 01:55 Uhr nachts)

    26.10.: Kolkata

    27.10.: Kolkata -> Nachtzug n. Varanasi

    28.10.: Varanasi (Ankunft am Morgen)

    29.10.: Varanasi

    30.10.: Varanasi

    31.10.: Varanasi

    01.11.: Varanasi -> Nachtzug n. Agra

    02.11.: Agra (Ankunft am Morgen)

    03.11.: Agra

    04.11.: Agra -> später Nachmittag Zug nach Delhi

    05.11.: Delhi

    06.11.: Delhi

    07.11.: Delhi -> Nachtzug n. Bikaner

    08.11.: Bikaner (Ankunft früher Morgen)

    09.11.: Bikaner -> Nachtzug n. Jailsamer

    10.11.: Jailsamer (Ankunft früher Morgen)

    11.11.: Jaisalmer

    12.11.: Jaisalmer -> Zug n. Jodhpur am Nachmittag

    13.11.: Jodhpur

    14.11.: Jodhpur

    15.11.: Jodhpur -> Flug nach Goa

    16.11. - 26.11.: erst Hampi u. dann ausruhen in Süd-Goa (noch keine genaue Planung) - Rückflug bestenfalls von Goa aus.


    Fragen:

    Macht die Route durch den Norden so Sinn? Sollte eine Stadt mit mehr Zeit bedacht werden, z.B. Kolkata?

    Ist die touristische Route, aber beim ersten Besuch möchte man das ja alles mitnehmen.

    Der zweite Teil im Süden ist noch nicht geplant. Was macht hier am meisten Sinn? Von wo aus starte ich am besten nach Hampi?

    Toll wäre natürlich: Flug nach Goa und dann gleich ohne Zeit zu verlieren z.b. mit einem Nachtbus weiter nach Hampi. Gibt´s da Erfahrungen / Tipps?

    Ist die Zeit für Goa + Hampi ausreichend o. zu lange? Wäre es sinnvoller, etwas Zeit im Süden zu Gunsten des Nordens zu streichen u. dort dann noch etwas mit einzuplanen?


    Bin über Vorschläge u. Tipps bezügl. des jetzigen Planungsstandes dankbar.

  • Guten Morgen,

    das ist natürlich ein ziemlicher Rundumschlag durch ganz Indien. Meiner Meinung nach ist es meistens sinnvoller, sich auf eine Region zu beschränken.

    Habt ihr euch die Zugverbindungen schon angesehen und passt es mit den Nachtzügen? Versucht, die Züge möglichst früh zu buchen. Und legt euch vielleicht schon einen IRCTC-Account an und probiert, ob der auch funktioniert (Probebuchungen, ihr könnt alles stornieren), damit ihr die Züge problemlos buchen könnt. Das ist manchmal etwas sperrig für Ausländer mit dem Account.

    Kolkata: Würde ich wahrscheinlich nicht beim ersten Indienbesuch machen. Es ist ne Metropole mit einigen Sehenswürdigkeiten, aber doch ziemlich weit vom Schuss und dafür nicht sooooo spannend meiner Meinung nach. Ich war letztens das zweite Mal dort und will nicht nochmals hin.

    Varanasi: Super spannend und mit 4 Tagen für einen ersten Besuch etwas lange. Ich liebe Varanasi und könnte dort auch 4 Wochen sein, aber bei einem ersten Besuch würde ich nur 3 Tage bleiben. Bei 2 Tagen hat man meistens nur Chaos im Kopf dort, am 3. Tag könnte es sich ordnen und für diejenigen, die die Stadt nicht mögen, langweilig werden. Ihr plant Varanasi derzeit sehr früh auf eurer Reise. Da ist die Gefahr hoch, dass die Ghats noch verschlammt sind. Das macht es mühsam, denn das Einfachste und Schönste in Varanasi ist, an den Ghats am Ganges entlangzugehen. Ich würde es zur Sicherheit erst ab der 2. Novemberwoche nach Diwali planen.

    Agra hat nicht viel zu bieten außer dem Taj Mahal, dem Fort, dem "Baby Taj" und dem Blick auf das Taj Mahal von der anderen Seite des Flusses. Da würde ich nur eine Nacht bleiben. Morgens ankommen, Sightseeing machen und am nächsten Tag mittags nach dem Sonnenaufgang am Taj Mahal gleich weiter. Das Taj Mahal hat freitags geschlossen, müsst ihr bei der Planung beachten.

    Delhi 2 ganze Tage kann man gut machen. Ich finde Delhi attraktiver als viele so meinen. Es gibt nette Parks mit Monumenten, sehr hübsche Stadtteile, Stadtteile mit Street Art, interessante Tempel... Ihr müsst euch überlegen, ob ihr ins zentrale typische Backpackerviertel Pahar Ganj wollt oder in ein hübscheres Viertel mit guter Metro-Anbindung für die Unterkunft.

    In Bikaner, Jaisalmer und Jodhpur war ich jeweils nur kurz 2013, dazu kann ich nicht viel sagen. Aber bei Bikaner ist ein süßer kleiner Ort (Kolayat), der einen Abstecher lohnt. Jaisalmer fand ich hübsch.

    Hampi: Falls ihr auf Historie steht, ein guter Ort, es finden sich viele gepflegte Stätten über die ganze Stadt, ein beeindruckender Hanuman-Tempel (Geburtsort von Hanuman). Das Flair von "Hippie Island" ist aber vor einigen Jahren zerstört worden. Die Landschaft ist immer noch toll, aber die Vibes, die viele beschreiben, die vor 10 Jahren dort waren, sind wohl leider Vergangenheit.

    Ihr werdet über Diwali dort sein (8.11.), vergleichbar mit unserem Weihnachten. Kann nett sein, aber auch anstrengend (Böllerei, ausgebuchte Züge, geschlossene Sehenswürdigkeiten). Würde ich bei der Planung im Hinterkopf haben und einen eher kleineren hübschen Ort aussuchen, in dem der Fokus nicht auf Power-Sightseeing liegt.

    In Indien sind Taxis auch für längere Strecken erschwinglich und über Apps wie das indische "Make my Trip" u. ä. oder auch Uber einfach zu buchen. Ist eine gute Alternative zu Zügen, insbesondere wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist (2 bis 3 Leute), ist bequem, spart Zeit und ist individuell planbar auf Strecken, die mit dem Zug vielleicht eher kompliziert zu erreichen sind.

    Es gibt eine Menge hübscher kleiner Orte, die man bei uns nicht kennt, die aber absolut lohnenswert sind. Ich würde Kolkata weglassen und statt dessen schauen, ob ihr im Norden ein wenig mehr erkundet. Indienreisen leben nicht vom Abhaken einer Burg und eines Schlosses nach dem nächsten, sondern von den kleinen Momenten an einem Chai-Stand, Begegnungen in Tempeln, Chats mit einem Shopkeeper usw. Hier meine Empfehlungen für euch (gerade weil ihr reiseerfahren und offenbar abenteuerlustig seid):

    Vrindavan zwischen Delhi und Agra (Hare Krishna, mehrere Tempel, westliche "Spiris" und viele indische Pilger am Geburtsort Krishnas), ein armer Ort, was hart sein kann, aber interessant und voller Krishna-Vibes.

    Orchha einige Fahrstunden südlich von Agra: Wunderbar ruhiges schnuckeliges Dorf an einem Fluss, mit einem berühmten Tempel, einem beeindruckenden Fort, nur wenige westliche Touristen. Absolut empfehlenswert!

    Pushkar in Rajasthan: Sehr gechilltes Pilgerstädtchen mit Ritualen an einem malerischen See, Ausblicke von Cafés auf Dachterrassen, viele Backpacker und indische Pilger, entspanntes Shopping für indischen Geschmack und Traveler-Geschmack.

    Gokarna, etwas südlich von Goa (statt Hampi): Pilgerstadt mit Tempeln und malerischen Straßenszenen und ganz in der Nähe (zu Fuß und / oder Rickshaw) der Om Beach mit westlichem Badeleben, Hostels und Banana Pancakes.

    Kochi statt Kolkata: Der Stadtteil Fort bietet sehr viel Hübsches, Strände und die Backwaters (nicht Allepey, das ist leider zu clean geworden und zu unruhig mit Hunderten von Hausbooten, auf denen indische Partypeople feiern).

    Ich habe vor einiger Zeit angefangen, mal einige weniger bekannte Orte in einem Thread hier vorzustellen. Da findest du einige der erwähnten Orte wieder:

    Inspired
    November 23, 2024 at 7:54 PM

    Viel Spaß beim Planen. Ich freue mich über Fragen und helfe euch gerne, falls ihr eure Route noch ändern möchtet.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Authentische Eindrücke des Landes/der Leute gehen uns meist vor Bequemlichkeit, ganz Holzklasse solls aber auch nicht sein. Reisen eher schneller.

    Ich hatte auf Taxis auch zwischen Städten verwiesen. Das ist für Inder ab Mittelstand eine ganz normale Möglichkeit zu reisen (nur dass ihr nicht denkt, dass das nicht "authentisch" sei). Es gibt aber auch Fernbusse, mit denen ich mich aber nicht auskenne.

    In Bezug auf Züge: Würde ich nur in der 2AC oder 1AC machen, gerade wenn ihrüber Nacht fahren wollt. Inder sind wahnsinnig laut. Lautes Quatschen und sich gegenseitig überschreien bei Reisen in "kleinen" Familienverbänden von um 10 Personen, rein und raus zwischen verschiedenen Abteilen, an jeder Station Videotelefonat ohne Kopfhörer mit 3 Familienmitgliedern um mitzuteilen, wo man gerade ist und unendlich nervige Lachschleifen, wenn jemand non-stop ohne Kopfhörer Videoclips guckt.

    Da ihr offenbar durch eine Nachtfahrt Hotels ersetzen und Zeit sparen wollt, würde ich darauf achten, dann auch einigermaßen die Chance zu haben, ausgeruht anzukommen, sonst verliert ihr mehr Zeit als ihr spart. Je kleiner das Abteil, desto besser. Und nehmt gute Earplugs oder Noise Cancelling Kopfhörer mit.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Und ansonsten seid ihr in kleinen weniger bekannten Orten deutlich authentischer unterwegs als in den bekannten Orten:

    Inder sind sehr gut darin, Körpersprache zu lesen und Unsicherheiten zu erkennen. An untouristischen Orten bedeutet das, dass ihr auf viel Interesse, Unterstützung und herzerwärmende Kontakte spekulieren könnt. An den Touriorten hingegen (alle von euch erwähnten Orte außer Kolkata) sammeln sich Geschäftemacher. An den Touri-Orten wird die "normale" Herzlichkeit und Aufmerksamkeit überdeckt von Kontakten, bei denen jemand euch etwas aufschwatzen will, sich aufdrängt, sich an euch dranhängt, eben Kontakte, die zu Recht Misstrauen erwecken.

    Auch das solltet ihr also bei der Routenplanung bedenken, gerade wenn es um Authentizität geht. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Reisen an den unbekannteren Orten trotz Sprachschwierigkeiten deutlich leichter ist als an den Touri Hotspots, auch wenn es dort seltener Caffe Latte, Waffeln und Felafel gibt als dort, wo die Traveler sich sammeln.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Der Liste empfehlenswerter Orte würde ich noch Bundi zufügen wollen (Rajasthan): Ein kleiner Ort, den man zu Fuß erkunden kann, ein mächtiges Fort. Ein See mit dem Ort, an dem Rudyard Kipling (Dschungelbuch) kreativ war, sehr viele schön bemalte Havelis in der Stadt und schöne Unterkünfte in der Stadt selbst. Die sind dort westliche Gäste gewöhnt und auf diese eingestellt (nette Unterkünfte, Shops und Cafés), aber es ist nicht überlaufen. Meiner Meinung nach genau die richtige Mischung aus "noch richtig indisch" und Komfort für Traveler. Ich würde Bundi jederzeit einer Großstadt vorziehen, gerade wenn ihr authentisches Leben kennenlernen möchtet.

    Ich glaube, Bundi oder Orchha würde ich für Diwali am ehesten ins Auge fassen, falls ihr da nicht schon in Goa seid.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Und nochmal zum Thema "authentisch" und "Holzklasse".

    Das Bild von überfüllten Vorortzügen sollte man nicht romantisieren. Indien hat zwar noch einen großen Teil Bevölkerung, die sich nur die unklimatisierten "Sleeper-Abteile" leisten können. Aber die Schicht, die gerne reist und dabei einen gewissen Komfort bevorzugt, wird immer größer, ist also auch authentisch.

    "Authentisches Indien" kann man auch erleben, wenn man nicht nachts um 3 Uhr auf Bahnhöfen auf verspätete Züge wartet um dann in unklimatisierten Abteilen zu hoffen, dass man bis zur Ankunft nicht zur Toilette muss.

    Auch hochmoderne Malls, coole Bars und immer mehr werdende Inlandsflugverbindungen gehören inzwischen zu Indien und sind keinesfalls nur für Touristen gebaut - im Gegenteil! Zumindest bin ich in solchen Settings sehr oft manchmal tagelang die einzige Weißnase weit und breit.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Der zweite Teil im Süden ist noch nicht geplant. Was macht hier am meisten Sinn? Von wo aus starte ich am besten nach Hampi?

    Toll wäre natürlich: Flug nach Goa und dann gleich ohne Zeit zu verlieren z.b. mit einem Nachtbus weiter nach Hampi. Gibt´s da Erfahrungen / Tipps?

    Ist die Zeit für Goa + Hampi ausreichend o. zu lange? Wäre es sinnvoller, etwas Zeit im Süden zu Gunsten des Nordens zu streichen u. dort dann noch etwas mit einzuplanen?

    Nach Hampi kann man von Goa aus mit Bussen, mit dem Zug, einem Shared Taxi oder privatem Taxi fahren. Die Anbindung von dort nach Bangalore ist gut (Taxi oder Zug). Vielleicht könntet ihr dort Mysore noch mitnehmen und dann den Rückflug von Bangalore aus buchen.

    Was routentechnisch besser und ein Erlebnis sein könnte (habe ich noch nicht probiert): Mumbai statt Kolkata und von dort mit dem Panorama-Zug nach Goa (8 bis 9 Stunden).

    Goa ist ein bisschen Portugiesisches Heritage und ansonsten Sonne, Strand, Relaxen, gut und günstig essen und trinken. Ich war erst nach vielen Indienbesuchen das erste Mal dort. Ich mag Goa für ein paar Tage zum Entspannen. Ob die bisher geplante Zeit zu lang ist, müsst ihr natürlich selbst entscheiden.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Liebe Inspired , Du solltest über Beratungshonorare nachdenken- oder direkt ein kleines Spezialreisebüro für Indienreisen eröffnen.

    Ich lese ja gerne über das Land und sollte es mich tatsächlich doch einmal in dieses Land verschlagen, würde ich jedenfalls die Reise aus Deinen super durchdachten und lebensnahen Informationen umsetzen.

    Liebe Grüße Gusti

    Unser Ferienhaus:

    https://airbnb.de/h/privates-Fer…in-Zella-Mehlis

    redfloyd.........................................................................................Gusti
    redfloyd.gifGusti.gif

    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
    Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.

  • Und Amritsar könnte supergut in eure Route im Norden passen, wenn ihr nach Bikaner wollt. Die Stadt ist für die Sikhs so etwas wie Rom für die Katholiken. Es gibt einen wundervollen Tempel (Harmandir Sahib) dort mit toller Atmosphäre, der sich sowohl in der Morgenstimmung als auch über den Einbruch der Nacht sehr lohnt. Über dem Tempel schweben die hypnotischen Klänge der Hymnen der Sikhs und ihr könnt dort eine riesige öffentliche Küche ansehen, in der ihr kostenfrei an einer Mahlzeit teilnehmen und auch beim Kochen helfen könnt. Im Tempel könnt ihr sogar übernachten.

    Amritsar ist im Punjab. Die Punjabi-Küche ist schwer, aber sehr lecker. Es gibt hervorragenden Lassi dort. Und durch die vielen Sikhs (die Menschen mit ihren Turbanen) herrscht in der Stadt nochmals eine etwas andere Atmosphäre als in Rajasthan.

    Wenn er nicht wieder gestrichen wird (wie bei mir), könnte es theoretisch einen Direktflug von Amritsar nach Goa geben. Ansonsten seid ihr bequem in ein paar Stunden mit dem Zug von Amritsar nach Delhi gefahren.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Liebe Inspired , Du solltest über Beratungshonorare nachdenken- oder direkt ein kleines Spezialreisebüro für Indienreisen eröffnen.

    Ich lese ja gerne über das Land und sollte es mich tatsächlich doch einmal in dieses Land verschlagen, würde ich jedenfalls die Reise aus Deinen super durchdachten und lebensnahen Informationen umsetzen.

    Ha ha, sehr gerne auch ohne Beratungshonorar. Und danke für das Kompliment.

    Liebe Grüße - übrigens gerade aus Suhl - Birgit

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Was halt immer schade ist, da lege ich los mit Feuereifer und der oder die TO meldet sich erstmal nicht mehr. OK, ich weiß, dass es oft so kommt und schreibe dann auch, weil ich weiß, dass es anderen vielleicht nutzt, aber dennoch...

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Ich kann es nicht lassen...

    Nochmals zu Kolkata: Die Stadt ist riesig. Es gibt eine gute Metro, die hilft, schnell entlang der Achse zwischen Kumartulli (sehr interessantes Handwerkerviertel) und dem ruhigen Süden (gepflegte Gegenden mit indischen, aber nicht ganz so chaotischen Märkten und nicht ganz so schlimmem Verkehr) zu pendeln.

    Ich habe bei meinem ersten Besuch zentral in der Nähe der Park Street gewohnt (wuselige Märkte, Verkehrschaos, nicht so weit zu den anderen Sehenswürdigkeiten) und beim zweiten Mal im Viertel Kalighat (ruhiger, gepflegter, der bekannte Kalighattempel um die Ecke, Lake Market ist nett für Streetfood und es gibt nette Cafés dort, Metrostation in wenigen Minuten erreichbar). Ich war in einem super empfehlenswerten Apartment über Airbnb in einem wirklich süßen Wohngebiet mit Straßenhändlern und gelben Taxis und einem vom Balkon aus zu beobachtenden Waschplatz und gebe den Kontakt sehr gerne weiter).

    Sehenswert neben Kumartulli und Kalighat Tempel: Das Univiertel, der Dakshineswar Kali Tempel ist mir persönlich zu neu und zu clean, das Victoria Memorial ist halt eine Art Museum in einem gepflegten Park, als Andachtstätte und Museum das Mother House (Mutter Theresa), Howrah Bridge mit dem Blumenmarkt war deutlich weniger spektakulär als erhofft. Es gibt nahe der Station "Esplanade" einen riesigen Markt (New Market) für alles.

    Ich habe den Kontakt eines netten Guides, mit dem ich leider nur schriftlich kurz Kontakt hatte. Aber eine Freundin hat sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht (keine Abzocke, ein sehr engagierter junger Mann).

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Halli Hallo!

    Sorry, ich war das Wochenende über unterwegs und somit kaum online. Zuallererst: WOW, das ist mal viel Input. Danke dafür! Man merkt, dass du das Land sehr magst und dich auskennst.

    Deinen Beitrag über untouristischere Städte / Gegenden habe ich im Vorfeld schon gelesen. Es ist echt schwierig für mich, all die Dinge die ich sehen will / auf die ich neugierig bin, unterzubringen bzw. mich dann entsprechend von Ideen (erstmal zumindest, vielleicht folgen ja weitere Reisen) verabschieden zu müssen, weil´s zeitlich einfach nicht hinhaut. Und dann bleiben oft die touristischen Punkte, sicher auch, weil man darüber schon was gelesen / gesehen hat und entsprechend interessiert ist.

    Aber du hast natürlich recht, viele Gegenden die nicht in jedem Reisefürer als "TopTipp" erwähnt sind, haben ihren Reiz.

    Ich schau mir die Vorschläge alle mal an und überlege, ob wir davon was mit aufnehmen. Vrindavan wäre ja gar nicht mal so weit weg von der bisher geplanten Route.


    Die Idee mit Kolkata kam auf, da wir unbedingt nach Varanasi möchten u. das von Delhi ähnlich weit weg ist wie von Kolkata. Wenn wir in Kolkata starten, müssen wir keine Wege doppelt zurücklegen. Indlandsflüge möchten wir, so gut es geht, vermeiden. Mich interessiert die Stadt auch, weil sie lange Zeit als "Armenhaus Indiens" galt, wegen den Kolonialgebäuden (viele sicher nicht mehr so gut in Schuss) aber auch weil sie im Kontrast als Zentrum von Litaratur- und Kunstschaffenden gilt.


    Von Agra ist evtl. ein Ausflug nach Fathepur Sikri geplant, daher zwei Übernachtungen. Dass insbes. Agra absolut auf Touristen ausgelegt ist und es viele Reisenden abseits vom Taj Mahal nicht gefällt, habe ich gelesen.


    Varanasi ist der Stopp auf den ich mich am meisten freue. Es kann natürlich sein, dass mich die Stadt total überfordern wird, aber irgendwie glaub ich das nicht. In Nepal gab es auch eine Hindu-Verbrennungsstätte (Pashupatinath-Tempel) den ich sehr interessant fand. Sicherlich nicht mit Varanasi zu vergleichen, aber ich hätte dort den ganzen Tag verbringen können, so anders und interessant war das für mich. Daher hab ich für Varanasi etwas mehr Zeit eingeplant.

    Dass die Ghats zu dem Zeitpunkt (28.20.) evtl. noch verschlammt sein können, ist ein guter Hinweis, das hatte ich überhaupt nicht am Schirm. Gibt es da Erfahrungswerte aus den letzten Jahren?


    Bezügl. Goa: Die Wahl fiel auf Goa, da ich vermute, dass sich Hampi am einfachsten mit Goa verbinden lässt. Kerala wäre auch interessant, aber eben nochmal weiter entfernt.


    Die Nachtzüge hab ich nur mal grob nachgeschaut. Es gäbe zumindest zeitlich ganz gute Verbindungen. Ich habe gelesen, dass man die Zugtickets bestenfalls 3 Monate vorher buchen sollte, weil viele längere u. beliebte Strecken schnell ausgebucht sind (zumindest die besseren Klassen). Danke für den Hinweis mit den Probebuchungen auf der Seite der Indischen Bahn. Das werd ich dann auf jeden Fall mal probieren.


    Danke, dass du dir so viel Zeit zum Antworten genommen hast!

    LG Christine

  • Die Idee mit Kolkata kam auf, da wir unbedingt nach Varanasi möchten u. das von Delhi ähnlich weit weg ist wie von Kolkata. Wenn wir in Kolkata starten, müssen wir keine Wege doppelt zurücklegen. Indlandsflüge möchten wir, so gut es geht, vermeiden. Mich interessiert die Stadt auch, weil sie lange Zeit als "Armenhaus Indiens" galt, wegen den Kolonialgebäuden (viele sicher nicht mehr so gut in Schuss) aber auch weil sie im Kontrast als Zentrum von Litaratur- und Kunstschaffenden gilt.

    Das ist sicher kein dummer Gedanke... Andererseits: Wenn ihr ohnehin Nachtzüge nehmen wollt, ist es im Grunde auch egal, wo genau ihr im Dunkeln seid...

    EDIT: Letztlich ist es aber von den Entfernungen ungefähr so, als würdet ihr von Hamburg nach München fahren wollen und dann lieber weiter fahrt nach Rom statt zurück.

    Ja, Kolkata gilt als intellektuell und die West Bengalis als gebildet. Außer jeder Menge chaotischer Buchstände im Univiertel bekommt man davon nicht viel mit.

    Ja, Kolkata hat im alten Teil um Esplanade herum noch viele alte Kolonialgebäude, alles - ebenso wie die berühmte Tram und auch die uralten Busse, die in der Stadt herumfahren, eher etwas verkommen und abgewrackt wirkend. Dazwischen tost der Verkehr und man denkt, man könne mal eben den Kilometer laufen, ist aber gefangen zwischen mehrspurigen Straßen, die mit Metallgittern abgesperrt sind und man weiß kaum, wie man da von einer Seite auf die andere kommt...

    Anderes Erbe der Stadt sind noch die von Menschen gezogenen Rickshaws. Kann man nostalgisch finden. Aber wenn man sieht, dass darauf als Fahrgast ein Vater den Sohnemann - offenbar aus einer gut situierten Familie - zur Schule bringt, denkt man sich, dass es vielleicht nicht so verkehrt wäre, würde der Vater einen Motorroller nutzen.

    In Kolkata ist Kali sehr präsent, eine erstmal furchterregend aussehende schwarze Göttin, die an ihrem Gürtel Knochen und Schädel trägt.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

    Edited once, last by Inspired (April 27, 2026 at 10:04 PM).

  • Deinen Beitrag über untouristischere Städte / Gegenden habe ich im Vorfeld schon gelesen. Es ist echt schwierig für mich, all die Dinge die ich sehen will / auf die ich neugierig bin, unterzubringen bzw. mich dann entsprechend von Ideen (erstmal zumindest, vielleicht folgen ja weitere Reisen) verabschieden zu müssen, weil´s zeitlich einfach nicht hinhaut. Und dann bleiben oft die touristischen Punkte, sicher auch, weil man darüber schon was gelesen / gesehen hat und entsprechend interessiert ist.

    Aber du hast natürlich recht, viele Gegenden die nicht in jedem Reisefürer als "TopTipp" erwähnt sind, haben ihren Reiz.

    Trau dich unbedingt, den einen oder anderen Ort zu besuchen, der nicht in jedem Reiseführer erwähnt wird. In Blogs, Reiseführern, bei Routenbeschreibungen der Reiseveranstalter werden natürlich eher die Städte mit den "großen" Sehenswürdigkeiten erwähnt, und es ist in jedem Land normal, erst einmal die Highlights abzugrasen, die einem immer irgendwo begegnen beim Lesen und einem vertraut werden und die man dadurch für unentbehrlich hält.

    Aber ich schwöre dir: Indien erschließt sich nicht durch das Besichtigen von einer Burg nach der nächsten, an denen man klebrige Guides abschütteln muss und kaum ein Bild machen kann, auf dem keine Reisegruppe in dreiviertel langen beigen Hosen, Sonnenhut und roter Nase einem sich produzierenden und ausgesprochen lustigem Reiseleiter an den Lippen hängt.

    Ich verspreche dir: Bundi, Orchha oder Pushkar gehören auf die Liste! Pushkar ist inzwischen auch ziemlich touristisch und es gibt viel Abzocke dort. Aber beim Klang von Mantras und Tempelglocken bei Sonnenuntergang, während Affen über Dächer tobten mit Blick in den Sonnenuntergang über dem heiligen See habe ich mich in Pushkar restlos in Indien verliebt. Und Orchha und Bundi haben ähnliches Potenzial. Es ist zu Herzen gehend, wenn dich am zweiten Tag Shopkeeper und Wirte in Restaurants wiedererkennen und du hier und da zu einem Schwatz anhältst, wenn du zufällig in einen Tempel in einer Seitengasse gerätst und man dir eine Rassel in die Hand drückt und du "Hare Krishna" mitchantest, wenn du dich auf einen Mauervorsprung setzt und der Shopkeeper gegenüber bringt dir einen Hocker und bietet dir einen Tee an. Das alles passiert dir in den kleinen Orten eher.

    Die kleinen Orte haben einen anderen Reiz und nicht "auch ihren Reiz", sie ermöglichen dir, in Atmosphäre einzutauchen, statt staunend vor einem Bauwerk zu stehen und dir dann im Verkehrschaos dir die Füße platt zu laufen auf dem Weg zum nächsten Monument.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Von Agra ist evtl. ein Ausflug nach Fathepur Sikri geplant, daher zwei Übernachtungen.

    Falls ihr euch hier und da für die Taxi-Variante entscheidet, braucht Fatehpur Sikri keinen Tagesausflug, sondern ist ein Stopp von 1 bis 2 Stunden auf dem Weg zwischen Delhi und Agra bzw. zwischen Agra und Vrindavan.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Varanasi ist der Stopp auf den ich mich am meisten freue. Es kann natürlich sein, dass mich die Stadt total überfordern wird, aber irgendwie glaub ich das nicht. In Nepal gab es auch eine Hindu-Verbrennungsstätte (Pashupatinath-Tempel) den ich sehr interessant fand. Sicherlich nicht mit Varanasi zu vergleichen, aber ich hätte dort den ganzen Tag verbringen können, so anders und interessant war das für mich. Daher hab ich für Varanasi etwas mehr Zeit eingeplant.

    Dass die Ghats zu dem Zeitpunkt (28.20.) evtl. noch verschlammt sein können, ist ein guter Hinweis, das hatte ich überhaupt nicht am Schirm. Gibt es da Erfahrungswerte aus den letzten Jahren?

    Varanasi ist ja weit mehr als Manikarnika und Harischandra Ghat. An beiden wird aktuell gebaut.

    Du kannst an den Verbrennungsghats überall ungehindert hingehen, darfst auch fotografieren (auch wenn einige Menschen es pietätlos finden, wobei ich finde, dass es immer eine Frage der konkreten Situation und des Bildausschnitts ist). Die Scammer werden zu dir kommen, sich als "hilfsbereite Volunteers" vorstellen und dir die "eternal flame" zeigen wollen. Sie werden versuchen, dir etwas zwischen Respekt und Angst einzuflößen und werden irgendwas zwischen Nettsein und Druckaufbau versuchen. Sie fragen dich dann nach eine "kleinen" Spende für die Armen, die sich kein Holz leisten können, deren Höhe mit dem Wocheneinkommen einer Krankenschwester vergleichbar ist, lassen ihr Opfer mit dem Gefühl von Dankbarkeit und Ehrfurcht zurück, setzen das Geld dann in Drogen und Alkohol um. Sobald sie dich kennen und wissen, dass sie dir nichts vormachen können, ist alles gut und sie lassen dich in Ruhe. Also ist es gut, mehrfach hinzugehen.

    Zum Schlamm an den Ghats: Ich war jeweils Ende Oktober / Anfang November 2013, 2022 und 2024 dort und es wurde fieberhaft daran gearbeitet, die Ghats freizuspülen. Es wurde jeden Tag etwas besser, aber man konnte bei weitem nicht durchgängig durchgehen. Das macht es anstrengend, denn in den Gassen verliert man schnell die Orientierung, GPS geht nicht immer und plötzlich ist man ganz woanders als man dachte. Eine Freundin war letztes Jahr etwas früher da (um den 20.10.) und die Ghats waren noch völlig unpassierbar.

    Und genau das, was du in Kathmandu an Pashupatinath gemacht hast, macht man in Varanasi: Stundenlang an den verschiedenen Ghats sitzen, auf den Ganges schauen, übers Leben nachdenken und die vielen völlig unterschiedlichen Typen beobachten, die an dir vorbeigehen.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Bezügl. Goa: Die Wahl fiel auf Goa, da ich vermute, dass sich Hampi am einfachsten mit Goa verbinden lässt. Kerala wäre auch interessant, aber eben nochmal weiter entfernt.

    Ja, wenn es denn Hampi sein soll, ist Goa als Stranddestination da sicher die beste Wahl.

    Die Nachtzüge hab ich nur mal grob nachgeschaut. Es gäbe zumindest zeitlich ganz gute Verbindungen. Ich habe gelesen, dass man die Zugtickets bestenfalls 3 Monate vorher buchen sollte, weil viele längere u. beliebte Strecken schnell ausgebucht sind (zumindest die besseren Klassen). Danke für den Hinweis mit den Probebuchungen auf der Seite der Indischen Bahn. Das werd ich dann auf jeden Fall mal probieren.

    Du kannst die Züge gar nicht früher buchen, die Buchungen werden erst dann fereigegeben. Ich weiß gerade nicht genau, ob es 2 oder 3 Monate vor der Reise sind.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)

  • Quote

    Falls ihr euch hier und da für die Taxi-Variante entscheidet, braucht Fatehpur Sikri keinen Tagesausflug, sondern ist ein Stopp von 1 bis 2 Stunden auf dem Weg zwischen Delhi und Agra bzw. zwischen Agra und Vrindavan.

    Um nochmal eine Lanze für einen Mix aus Zug und Taxi zu brechen:

    Es gibt gute Unternehmen, die tolle Fahrer haben, mit denen ihr die Route besprechen könnt. Es kostet nicht mehr als ein Mietwagen ohne Fahrer in anderen Ländern.

    Ihr könnt halten, wo ihr wollt, könnt hier und da noch einen Schlenker fahren zu einer kleinen Sehenswürdigkeit am Rande, könnt unterwegs in Ruhe Pausen machen zum Essen oder für Chai.

    Ein guter Fahrer erkennt besondere Situationen und macht euch darauf aufmerksam.

    Ein Fahrer hat zum Beispiel beim Durchqueren eines Wildschutzgebietes mich mal auf einen wilden Elefanten aufmerksam gemacht.

    Einmal stand ich plötzlich einfach so mitten auf einem Viehmarkt und mir wurde erklärt, wie man mit einer Art Fingersprache unter einem Handtuch den Preis aushandelt.

    Das eine oder andere Mal wurden mir Betriebe gezeigt wie eine Ziegelei oder eine Zuckerfabrik, in der Zuckerrohr verarbeitet wurde etc.

    "Your soul was born in India!"

    (Vinod zu mir in Gujarat im März 2023)