Dschungel, Mantas und Bali - Indosien: immer eine Reise wert

  • Seit knapp einer Woche hat uns das richtige Leben wieder. :cry:

    Und dank der vielen hilfreichen Tipps und frühzeitiger Planung hatten wir ein weiteres Mal eine wunderschöne, abwechslungsreiche Indonesienreise. Und Spoiler: es wird nicht die letzte gewesen sein!

    Mit den noch frischen Eindrücken berichte ich Euch gerne, nach und nach, wie es die Zeit zulässt, von unserer Reise. Wie Ihr wisst: kurz kann ich nicht, Ihr müsst Euch also auf viel Prosa einstellen. ;)

    Wenn Ihr Lust hat, begleitet uns auf unserer Reise die uns vom Dschungel auf Sumatra, über den größten Kratersee auf Sumatra, zu einer Bootstour im Komodo-Nationalpark und schlußendlich noch nach Bali führte.

    Los geht's...

    Die All Indonesia Arrival Card war (problemlso) ausgefüllt, die E-Sim besorgt, die Taschen gepackt. Und da Urlaubstage kostbar sind und der Flug am späten Abend ab Frankfurt es möglich machte, gingen wir Vormittags noch arbeiten, um abends dann im Flieger zu sitzen.

    Der erste Flugabschnitt ging über Nacht nach Singapur. Dank der Plätze mit Beinfreiheit (early Bird ist nie verkehr bei der Buchung...) konnten wir sogar schlafen. Wie vor zwei Jahren schon war der Flug mit Singapore wieder sehr angenehm.
    Im Changi Airport hatten wir dann 2,5 Stunden Aufenthalt. Den Terminalwechsel nutzten wir dazu, statt den Skytrain zu nehmen, zu Fuß zu gehen. Und dieser Flughafen bietet ja einiges, um sich die Zeit zu vertreiben. Wir schnupperten erste Tropenluft im Schmetterlingsgarten.

    Der Weiterflug nach Medan war dann mit 1,5 Stunden ein Klacks. Bzw. er verlängerte sich, da wir noch etwas über eine halbe Stunde über Medan kreisen mussten. Ein Unwetter hatte die Landebahn in einen kleinen Fluss verwandelt. Als wir landeten, windete und regnete es heftig.

    Schnell das Visum on arrival (30,- Euro, und man konnte wirklich in Euro zahlen - natürlich auch in Dollar, Indonesischen Rupien oder mit Kreditkarte) besorgt und ratz fatz waren wir eingereist. Auch die Koffer kamen schnell.
    Der Bequemlichkeit halber, nach so einem langen Flug steht uns nicht der Sinn nach Taxi-Struggle, hatten wir über unser Hotel Deli River direkt den Transer für umgerechnet 20,- Euro gebucht. Der Fahrer stand mit einem Schild wartend bereit (ich liebe das :)) und begrüßte uns herzlich. Geld ziehen? Kein Problem, dort ist der ATM. Noch schnell was zu trinken und essen holen? Kein Problem, dort ist der Alfamaret. Und zack waren die ersten 50.000 IDR schon etwas kleiner gemacht. Das ist nie verkehrt.

    Die Stunde Fahrzeit klebten unsere Nase am Fenster, wir unterhielten uns mit dem gut englisch sprechenden Fahrer und kamen dann gegen 22 Uhr Ortszeit im Hotel an. Das Hotel war um die späte Zeit wie ausgestorben, auch der Empfang war nicht mehr besetzt. Aber in Indonesien ist das ja alles kein Problem. Zuerst wies uns der Fahrer des Hotels kurz ein, dann nahm uns der Nachtwächter unter seine Fittiche und brachte uns zum Zimmer.

    Platt nach der langen Reise, ging es dann auch nur noch kurz ins Bad und dann ins Bett. Indonesien, wir sind da!

  • 05. Juni

    Dank Jetlag und dank unserer Nachbarn war die Nacht schnell vorbei. Von der Nachbarterrasse hörten wir immer sartu, dua, tiga und konnten uns keinen Reim darauf machen. Bis wir, bewaffnet mit dem ersten Kaffe, auf die Terrasse kamen, wo drei Fotografen und eine (vermutlich) Kosmetikerin um ein Brautpaar (traditionell zurecht gemacht) schwirrten und Foto um Foto machten. Nun gut, von dem Spektakel lässt man sich doch gerne wecken.
    Als das Fotoshooting weiterzog, konnten wir dann auch in Ruhe und voller Vorfreude auf die Reise, die vor uns lag, den Kaffee genießen.

    Bis zum Frühstück war noch etwas Zeit, die wir mit einem weiteren Kaffee gut überbrückten.
    Das Hotel Deli River liegt etwa 30 Minuten Fahrtzeit außerhalb von Medan. Von der Straße fährt man quasi in einen Kessel, in dessen Zentrum ein großer Teich mit Seerosen liegt, drumherum verschiedene, maximal 2-geschossige Häuser mit schönen, großen und sauberen Zimmern. Auf der gegenüberliegenden Seite findet sich das Rezeptions/Restaurant-Gebäude und dahinter ein schöner Pool mit Blick ins Grüne. Wir hatten uns hierfür entschieden, weil die Bewertungen gut waren und wir erst mal in Ruhe ankommen wollten und da kam ein ruhiges Hotel mit Pool, weg vom Gewusel von Medan, gerade Recht.

    Das Frühstück wurde als kleines Büffet angerichtet, Eier wurden frisch nach Wunsch zubereitet. Hungrig schlugen wir zu, genossen das erste Nasi Goreng, die Wärme und die schöne, grüne Umgebung.

    Nach dem Frühstück riefen wir uns ein Grab und fuhren nach Medan. Alle Foren und Reiseführer sind da relativ eindeutig in ihrer Meinung: Medan ist kein Muss der Sumatra-Reise. Und um das vorweg zu nehmen, können wir das nur bestätigen. Trotzdem fanden wir es schön, erst mal anzukommen, durch die Straßen zu laufen und den wunderbar entspannten Indonesien-Vibe aufzusaugen. Vor zwei Jahren führte uns die Reise nach Java (und abschließend wieder nach Bali) und wir waren den freundlichen, lustigen, zugewandten Indonesiern sofort verfallen. Kein Wunder, dass sie regelmäßig in TopTens als die freundlichste Nation der Welt betitelt werden. Und auch in Medan war dies nicht anders.

    Die von den Reiseführern benannten Sightseeing-Attraktionen waren wohl eher für die indonesischen Reisenden interessant, aber sich treiben zu lassen war auch sehr schön.

    Masjid Raya

    Offensichtlich die Straße der Metallbauer

    Moderne, tolle Graffiti

    Nach 25.000 Schritten hatten wir dann genug, die Hitze und der Jetlag forderten Tribut. Zuerst ging es noch in eine große Mall, die aber außer der Klimatisierung für uns zu westlich war und nichts Interessantes bot. Also traten wir die Rückreise an. Kostete die Hinfahrt vom Hotel zum Palast 40.000 IDR/ 2 Euro, war die Rückfahrt nun zu einer wohl stärker frequentierten Zeit schon 60.000 IDR/ 3 Euro. Wie immer wurden ein paar Worte gewechselt: wo seid Ihr her? was habt ihr vor? Je nach Sprachvermögen verlief jede Taxifahrt so. Generell sind diese Fragen in Indonesien immer der Opener gewesen.

    Am Nachmittag zurück im Hotel, rief der Pool. Hier verbrachten wir den Nachmittag lesend und als der Regen kam, ging es auf die Terrasse.

    Zum Abendessen gingen wir ins zum Hotel gehörigen Restaurant, wo es für mich - natürlich- Nasi Goreng gab. Lecker war's.

    Und so verging der erste Tag. Zwar war Medan kein Highlight, aber wir würden es, alleine um erst mal in Ruhe anzukommen, wieder so machen. Und das Hotel Deli River kann ich nur wärmstens empfehlen, sollte man mal in Medan sein.

  • 06. Juni Bukit Lawang

    Auch heute trieb uns der Jetlag wieder früh aus dem Bett. Aber, um ehrlich zu sein, treibt mich auch immer die Neugierde auf das, was so kommt an diesem Urlaubstag, aus dem Bett. Wie am Tag zuvor gab es einen ersten Kaffee mit Blick ins tropische Grün auf der Terrasse, dieses Mal ohne Fotoshooting nebenan. Nach dem Frühstück wurden wir um 10 Uhr pünktlich abgeholt.
    Und auch das schon mal vornweg: alle vereinbarten Fahrten, Touren etc. wurden immer pünktlich eingehalten.

    Heute sollte es nach Bukit Lwang an den Rande des Gunung Leuser Nationalparks gehen, gut 3-4 Stunden Fahrzeit von Medan. Ich hatte im Vorfeld recherchiert, wer ethisch vertretbar Dschungeltrekkings anbietet und bin dann letztlich bei Bukit Lawang-Jungle Trekking gelandet. Im Vorfeld hatte ich das Trekking vereinbart, die Abholung, die Weiterfahrt, sowie die Unterkunft (die von BL-Jungle Trekking unterhalten wird). Betrieben werden die Unterkunft, Restaurant und die Trekking-Agentur von einem Deutsch-indonesische Pärchen, was den, wie wir fanden, Vorteil hatte, dass wir alles vor Ort mit Euro bezahlen konnten.

    Die Fahrt mit Opec, unserem Fahrer, führte erst lange durch volle Straßen. Erst nach gut 1,5 Stunden hatten wir den Großraum Medan hinter uns gelassen und kamen in etwas ländlichere Gegenden. Die letzten gut 1,5 Stunden fuhren wir durch endlose Palmöl-Plantagen.

    Bukit Lawang ist das Zentrum für Dschungeltouren zu den Orang Utans, die es nur hier auf Sumatra und auf Borneo gibt. Es gibt noch zwei, drei weitere Dörfchen am Rande des Nationalparks, von denen aus man ebenfalls starten kann. Bukit Lawang ist halt touristischer (was man allerdings relativ sehen muss auf Sumatra) als die anderen kleinen Orte, allerdings eben auch schneller zu erreichen.
    Der Ort zieht sich rechts und links entlang de Bohorok Rivers mit zahllosen Unterkünften, Restaurants, Souvenirläden und kleinen Shops. Was jetzt unfassbar touristisch klingt, ist aber letztlich ein ganz entspannter Ort, in dem eben auch ganz viele Menschen leben, was sich spätestens am Abend am Fluß zeigt, wenn halb Bukit Lawang am und im Fluß weilt.

    Zuerst hieß es aber mal zur Unterkunft kommen. Mit dem Auto geht gar nichts in Bukit Lawang. Man parkt am Ortseingang und von da an geht es nur noch mit Rollern oder zu Fuß weiter. Unsere Unterkunft lag auf der anderen Flußseite und so begann unsere Anreise mit einem ersten Abenteuer:

    Hm, vertrauenserweckend sieht anders aus, zumal das Geländer immer niedriger wurde. Als wir drüben angekommen waren, waren wir erst mal froh....
    Dodi, der Betreiber unserer Unterkunft, hieß uns total herzlich und sogar auf deutsch willkommen. Bei einem Begrüßungsgetränk konnten wir erst mal ankommen. Da es im Vorfeld bei der Buchung zu einem kleinen Problem kam, schliefen wir die erste Nacht nicht dort, sondern zwei Lodges weiter in der Green Travel Lodge, wo wir dann hinbegleitet und auch hier herzlich willkommen geheißen wurden.
    Wir bezogen schnell das modern eingerichtete Zimmer mit leichtem Dschungelflair (sauber wie alle Hotels, die wir in Indonesien hatten), um uns dann Bukit Lawang näher anzuschauen.

    Dieses Mal ging es erst auf unserer Flußseite weiter, bis die Bebauung aufhörte, wieder zurück fanden wir dann eine etwas vertrauenswürdiger aussehende Brücke, um die Flußseite zu wechseln. Dort ging es an vielen Restaurants vorbei, überholt von grüßenden Rollerfahrern, winkenden Kindern, immer weiter, bis auch hier die Bebauung aufhörte und den Blick in den Dschungel frei gab.

    Auf dem Rückweg mussten wir ein paar Makaken umschiffen, die hier über Dächer, durch Gärten und sogar über die Brücken turnen.


    Die nächsten zwei Stunden sitzen wir im zur Unterkunft gehörenden Restaurant direkt am Fluss und schauen dem Treiben zu.
    Der Fluß dient als Kinderspielplatz, als Waschküche, als Wohnzimmer und als Badezimmer. Da wird geplantscht, Wäsche gewaschen, im Wasser gesessen und gequatscht, aber sich auch rasiert und gewaschen. Herrlich, das anzusehen.

    Beim Abendessen wird es sehr unterhaltsam. Eine Schulkassse einer deutschen Schule aus Singapur ist mit ihrem Biologie-Kurs hier und so können wir beim Abendessen aus der ersten Reihe dem regen Treiben zuschauen, unterhalten uns mit den Lehrern und auch Dodi schaut vorbei. Ich bestelle vegetarisches Rendang (das ich noch nicht kannte) und bekomme eine Geschmacksexplosion geliefert. Unfassbar lecker!

    Die Wärme, die vielen Eindrücke und darauf ein Bintang fordern ihren Tribut. ;)

    Bevor wir uns schlafen legen, packen wir noch etwas um, morgen geht es in den Dschungel. Unsere großen Taschen bleiben hier und nur Minimalgepäck nehmen wir mit. Und da wir ja morgens dann diese Unterkunft (sie war ja nur für die erste Nacht) wieder verlassen, organisieren wir uns entsprechend neu.

  • 07. Juni Dschungeltour

    Noch ein Wort zum Bintang bzw. Alkohol vorneweg. Von unserer Java-Reise kannten wir es, dass es nahezu keinen Alkohol gab und wenn nur in von Ausländern betriebenen Restaurants. Immerhin befindet man sich im größten muslimischen Land der Welt. Auf dieser Reise war es nahezu kein Problem, zumindest ein Bier zu bekommen. Egal, ob im muslimischen Bukit Lawand und erst Recht im christlich geprägten TukTuk. Nicht, dass es ein Problem ohne Alkohol wäre, aber so ein Bierchen am Abend ist dann ja auch mal nett.

    Der Wecker geht früh ab ins Bad und dann Dschungelfertig gemacht. Empfohlen werden lange Hosen und Socken darüber, um sich gegen die zahlreichen Blutegel zu schützen, außerdem Schuhe mit Grip. Teils wurden auch langärmelige Oberteile empfohlen, eben auch als Mücken- und Egelschutz. Aber bei der Hitze konnten wir uns dazu erst mal nicht aufraffen. Aber natürlich hatten wir etwas langärmeliges im Gepäck. Bevor es los ging, cremten wir uns noch mit Sonnencreme ein (die im Dschungel, wo selten wirklich Sonne durchkommt eigentlich nicht nötig gewesen wäre) und parfümieren uns dann mit reichlich Anti Brumm Forte ein.

    Die Green Travel Lodge, in der wir die Nacht verbrachten, können wir ebenfalls wärmstens empfehlen. Ganz liebe Betreiber (die uns auch die nächsten Tage immer von Weitem grüßten, wenn sie uns sahen), ein schönes, großes, sauberes Zimmer und ein Restaurant mit leckerem Essen am Fluß.

    Für uns ging es aber zurück zum Indah Guesthouse, von wo wir starteten. Unser Team bestand aus unsere Guides Joes und Putra, sowie zwei holländische, junge Männer, die allerdings die 2-Nächte-Tour gebucht hatten. Wir machten uns bekannt und waren uns direkt alle sympathisch. Gute Voraussetzungen für unsere Tour.

    Heute standen ca. 6 Stunden Wanderung auf dem Plan bis zur Übernachtungsstätte. Morgen sollte es dann erst mal gemeinsam für etwa 3 Stunden weiter gehen, bevor sich die Wege von Denis und Jeffrey (die Holländer) und Joe trennten und es für uns wieder zurück ging.

    Aber erst mal gab es noch ein gemeinsames Foto "Smile before sweat)" und dann ging es los. Direkt hinterm Guest House begann, gefühlt, der Dschungel. Wir gingen durch Kautschuk-Plantagen, in denen uns Joe erzählte, wie mühsam und letztlich auch unlukrativ der Kautschuk-Anbau ist, weshalb auch sehr viele Leute lieber auf den Palmöl-Plantagen arbeiten.
    Hier, vorm eigentlich Eingang zum Nationalpark, waren wir nicht alleine. Von überall starteten Touren. Seien es "nur" Tagestouren oder mit Übernachtung. Am eigentlich Eingangstor zum Nationalpark legten wir die Rucksäcke ab, um dann ein Stück in die entgegen gesetzte Richtung zu gehen. Aufgeregte, glücklich aussehende Menschen kamen uns entgegen.
    Orang Utans....schon jetzt, bevor wir überhaupt im Nationalpark waren...Wow!

    Man muss dazu sagen: in Bukit Lawang gab es eine Orang Utan Auffangstation und bis 2015 wurden die halbwilden Orang Utans noch gefüttert. Und von diesen halbwilden Orang Utans leben eben immer noch welche rund um Bukit Lawang. Heutzutage werden sie nicht mehr gefüttert (sollten sie zumindest nicht), leben aber eben noch weiterhin im Umfeld des Dorfes.
    Ethische Dschungeltouren vermeiden, die Tiere mit Futter oder sonstwie anzulocken, wahren den Abstand zu den Tieren und versuchen, so wenig Impact auf die Natur zu verursachen, wie möglich.

    Da lohnt sich das Invest in das neue Teleobjektiv :)

    Mit dem Handy geht es aber auch (und mein Reisebericht wird größtenteils nur mit Handyfotos gefüttert. Die richtigen Fotos sind noch unbearbeitet aber immerhin schon auf den PC geladen).

    Hoch über uns hangeln sich Orang Utans durch die Bäume. Mal raschelt es da und ein orangener Po schaut raus, mal raschelt es da und ein Orang Utan hängt mit langen Armen an zwei Ästen. Wir stehen gebannt da und schauen dem Schauspiel zu. Dass wir so schnell schon Orang Utans sehen...damit haben wir nicht gerechnet.

    Irgendwann müssen wir uns von dem Anblick lösen und es geht zurück zum Eingangstor zum Nationalpark, wo es natürlich ein Beweisfoto gibt.

    Wir sind gerade mal 1,5 Stunden unterwegs und schaut, wie ich aussehe! An uns ist schon jetzt nicht ein trockener Stofffetzen mehr! Und das, obwohl bis hierhin der Weg nun wirklich nicht anstrengend oder schwierig war. Die Temperatur und die gefühlten 120% Luftfeuchtigkeit machen trocken bleiben unmöglich.

    Unterwegs bleiben wir immer mal wieder stehen, unsere Guides erklären uns, was dieses Geräusch in der Ferne macht (Gibbons), weisen uns auf stachelige Bäume oder aber auch auf diese nette Ameise hin:

    Schon bald raschelt es wieder über uns in den Bäumen und wir bekommen zum ersten Mal die endemsichen Thomas Leaf Monkeys mit ihrer punkigen Frisur zu sehen.

    Der Weg führt durch sattes Grün mal mehr, mal weniger steil bergauf und bergab. Die Geräusch, das Grün....einfach toll.

    Bei einer Trinkpause schauen ein paar "troublemaker" Makaken vorbei. Und auch hier im Wald zeigen sie wenig Scheu.

    Gegen Mittag machen wir Pause und bekommen den indonesischen Klassiker (natürlich kalt) serviert: Nasi Goreng mit Krabbenchips, etwas Salat und Ei darüber. Das ist also das Geheimnis von Joe und Putras großen Rucksäcken: sie versorgen uns nicht nur mit Nasi, sondern zaubern zum Nachtisch eine "kleine" Obstplatte.

    Ich bin im Himmel. Hier auf Sumatra ist gerade Maracuja-Zeit - ich liebe Maracujas. Wir schlagen alle begeistert zu, müssen dann aber doch unser Essen verteidigen.
    Aus dem Unterholz kommt unauffällig ein Pfau vorbeistolziert und versucht Wegezoll zu bekommen.

    Insgesamt sind wir gut 6 kurzweilige, aber schweißtreibende Stunden unterwegs. Immer unterbrochen von Trink- und Esspausen, mal gibt es was zu sehen, mal bleiben wir einfach für ein Schwätzchen stehen, mal müssen vorwitzige Blutegel von den Socken gezupft werden.
    Ein letzter, steiler Anstieg gefolgt von einem wirklich steilen Abstieg und plötzlich stehen wir vor einem kleinen Fluss.

    Wir haben es fast geschafft, sagt Putra und zieht sich die Schuhe aus. Die nächsten gut 10 Minuten geht es durch den träge vor sich hinfließenden Bach. Herrlich, wie das (eigentlich nicht wirklich kalte) Wasser unsere erhitzten Füße kühlt.

  • Eine Kneipp-Kur zum Schluss hat was. Und so sind wir sogar zumindest etwas erfrischter, als unsere Bleibe für heute Nacht am Flussufer auftaucht:
    zwei Unterstände aus Bambus mit Plastikplane abgedeckt. In beiden Unterständen auf einem mit festem Plastik abgedeckten Lehmboden in etwa 1 m Höhe befinden sich jeweils zwei kurze "Matratzen" überspannt von einem Moskitonetz. In einem kleinen weiteren Verschlag erwartet uns schon unser Koch (leider habe ich seinen Namen vergessen). Etwa 20 m vom Lager entfernt bergauf befindet sich eine Sitztoilette auf einer Sickergrube von Blicken durch weitere Plastikplanen abgeschirmt.
    Home seet home :-O

    Unser Bett:

    Unser Vorgarten:

    Schnell die nassen Klamotten zum Trocknen (so war zumindest die Hoffnung) ausgezogen, Badesachen an und ab ins Bad:

    Mehr Dschungel als Himmel

    Das Wasser erfrischt und spült wenigstens die erste Hitze und den Schweiß vom Körper. Wir planschen ein wenig, grüßen andere vorbei ziehende Trekker (es ziehen sich wohl - nicht, dass wir sie sehen würden - entlang des Flusses weitere Unterstände für die Übernachtung) und werden dann von zuerste einzelnen Regentropfen, die sich dann aber zu einem ordentlichen Regen auswachsen, zurück zum Unterstand getrieben.
    Die Geräusche des Dschungels sind nicht mehr zu hören und werden vom Regen und dem Geräusch des sich anfüllenden Baches übertönt. Bei Kaffee, Tee und Keksen staunen wir nach draußen, was da so an Wassermassen herunter kommt. Das geht gut 1,5 Stunde so.

    Gegen halb sieben bricht die Nacht herein, Zeit fürs Abendessen. Das nehmen wir im 2. Unterstand alle zusammen zu uns. Die Holländer, unsere Guides, unser Koch und wir sitzen bei Kerzenlicht um viele verschiedene mit Essen gefüllte Schlüsselchen. Alles wirklich lecker und üppig. Unglaublich, was in der kleinen Küche unter diesen Umständen da für uns zubereitet wurde!


    Wir sitzen beieinander, unterhalten uns. Joe erzählt von einem befreundeten Guide, der bei einer 8-Tages-Tour tiefer im Dschungel von einem Elefanten bzw. dessen Stoßzahn am Oberschenkel erwischt wurde, zwar überlebte und sein Bein verlor. Jeffrey erzählte von den Fotos, eines vom Tiger angefallenen Menschen (ich erspare Euch Details), die ihm am Vortag ein Guide gezeigt hatte. Kam mir ein wenig vor, wie unsere Kindergeburtstage früher, auf denen man sich Gruselgeschichten erzählte. Dummerweise gab es aber nun mal in diesem Dschungel Elefanten, Tiger und Pythons....


    Putra erzählte, dass die Ausbildung als Guide knapp 200, Euro kostet und was sie so beinhaltet (neben Kenntnissen über Flora und Fauna auch englisch, erste Hilfe etc.). Klingt für uns nicht viel, ist für einen normalen Indonesier aber durchaus ein Monatslohn. Vermutlich aber, wenn man es aufbringen kann, nicht das schlechteste Invest in eine Zukunft. Beide Guides sind nicht aus Bukit Lawang, sondern der eine aus Java, der andere vom Toba-Lake. Überhaupt begegnen uns immer wieder Indonesier, die für die Arbeit ihre Heimatinsel verlassen haben.

    Irgendwann wird es Zeit, ins Bett zu gehen, auch wenn wir es gerne aufgeschoben hätten. Dass die Nacht im Dschungel kein großes Vergnügen werden würde, war uns klar. Und mir, mit meinen 1,61m geht es noch ganz gut, aber mein Mann ist viel zu groß für die Matratze und erst Recht fürs Moskitonetz. Während ich schon (mehr oder weniger) selig schlafe (gut, wenn man den Kopf ausschalten kann) liegt mein Mann die halbe Nacht mit Kopfkino wach.
    Was rumpelt da in der Ferne so?
    Was ist das für ein Licht?
    Hält den Tiger wohl die halbhohe Plane als Tür ab, uns zu fressen?
    Sucht die wechselwarme Python wohl heute Nacht unsere Wärme?

  • 08. Juni

    Irgendwann ist jede Nacht mal herum. Als ich die Augen aufschlage, ist es schon hell.

    Unsere Kleidung ist natürlich bei der Luftfeuchtigkeit kein Stück getrocknet, schon gar nicht, wenn man wie ich, Merinosachen trägt.
    Auch auf das Frühstück müssen wir noch warten, da unser Koch zuerst das Nasi Goreng für unser aller Mittagessen vorkochen muss.
    Gewaschen wird sich wieder im Fluss (wozu haben wir schließlich extra die biologisch abbaubare Seife mit. Und Zähneputzen with a view geht ja immer.

    Das Warten auf das Frühstück hat sich aber wirklich gelohnt. Wieder mal unglaublich, was für uns in der Küche gezaubert wurde.

    Gegen 10 Uhr heißt es dann: weiter geht's. Den steilen Berg, den wir am Tag zuvor abgestiegen sind, müssen wir nun auch wieder hoch. Das erweist sich heute aber als noch mal spannender, denn der ausgiebige Regen des Abends und der Nacht haben den Weg ordentlich rutschig gemacht. Und auch die Blutegel lauern fleißig auf uns.

    Und schon nach kurzer Zeit fragen wir uns, wieso wir überhaupt versucht haben, unsere Kleidung zu trocknen, ist sie doch schon innerhalb kürzester Zeit wieder klatschnass.
    Immerhin werden wir am höchsten Punkt mit einem tollen Ausblick belohnt. Außerdem treffen sich hier viele weitere Trekker, weil eben alle vom Fluss wieder hier hoch müssen. So bleibt noch ein wenig Zeit für die eine oder andere Unterhaltung.

    1,5 Stunden später suchen wir uns einen Platz für das letzte gemeinsame Mittagessen, bevor sich unsere Wege trennen. Jeffrey, Denis und Joe haben ja noch einen weiteren Tag vor sich, während es für uns langsam wieder zurück in die Zivilisation geht.

    Während wir eine weitere üppige Obstplatte futtern, kommt neugieriger Besuch aus dem Unterholz, mit dem ich hier nicht unbedingt gerechnet hätte.

    Denken wir zuerst, dass sie an unser Obst will, scheint die Schildkröte einfach nur neugierig mal vorbei schauen zu wollen. Mal schaut sie bei dem einen, mal bei dem anderen vorbei, macht es sich in unseren Schatten gemütlich, bevor sie wieder im Unterholz verschwindet.

    Trekker, die an uns vorbei ziehen, berichten von einem Hornbill hundert Meter vorher in den Bäumen. Wir lassen also die Rucksäcke da und gehen wieder zurück. Schon auf Java hatten wir einen Hornbill gesehen und dieser sollte noch näher sein. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und hiervon habe ich dann wenigstens mal ein Foto meines Mannes zu bieten:

    Und jetzt heißt es (erst mal) Abschied nehmen von dem Rest unserer Truppe. Wir sind schon auf ihren Bericht gespannt, wenn wir sie morgen Abend im Hotel wieder sehen werden!

    Für uns geht es nun sehr steil, und teilweise auch kurze Strecken kletternd, immer nur abwärts. Ich liebe solche Wege. Wir sehen aber auch viele Leute, die hier wirklich ihre Probleme haben (viele ist relativ, nicht dass Ihr glaubt, hier wären Menschenmassen unterwegs...) Eine Horde Thomas Leaf Monkeys sorgt für eine Pause, bevor wir die letzten Meter Abstieg angehen.

    Unten am Fluss weitet sich das Tal und ein kleines Dorf voller Unterstände tut sich vor uns auf. Wie sich heraus stellt, übernachten hier alle, die die 2-Nächte-Tour gebucht haben, somit also auch unsere Holländer, die aber noch einen Umweg vor sich haben, um abends hierhin zu gelangen.

  • Putra unterhält sich mit anderen Guides und wird plötzlich ganz aufgeregt.
    Kommt mit, ein junger Orang Utan ist im Camp. Aufgeregt folgen wir ihm und sehen dann tatsächlich noch einen jüngeren, männlichen Orang Utan wirklich nah durch die Bäume turnen und neugierig auf uns herab schauen. Gebannt verfolgen wir sein Rumgeturne, machen Foto über Foto, bevor er sich langsam wieder wegtrollt.


    Aber damit nicht genug, an einer anderen Stelle hockt ein weiblicher Orang Utan mit Baby (ich hatte vorher gelesen, dass im April ein Baby geboren worden war) in einem Baum. So nah, dass das Tele meines Mannes sie gar nicht ganz auf das Foto bekommt.
    Das Baby schläft, Mama hält es im Arm und tut so, als würde sie uns gar nicht sehen.

    Was für ein Abschluss! :love:

    Vielleicht noch mal generell ein paar Worte über die Fauna hier. Wir haben Orang Utans, Thomas Leaf Monkeys, Makaken

    und Whitehanded Gibbons (Siamangs) gesehen.

    Schwarzhandgibbons haben wir nur gehört, aber nicht gesehen.

    (Die Fotos sind natürlich alle nicht von meinem Handy, sondern mit der richtigen Kamera gemacht.)

    Bevor es auf LKW-Reifen den Fluß abwärts zurück in den Ort geht, gibt es am (Kiesel-)Strand noch - na, was wohl? - Nasi. Nicht, dass wir verhungern! Dann werden alle Rucksäcke wasserdicht verpackt (vor allem beim Fotorucksack achtet mein Mann mit Argusaugen darauf, dass alles korrekt verzurrt wird), die Schuhe ausgezogen und wir dürfen unseren Reifen besteigen. Der Lotse vorneweg, Putra, unser Guide, hintendran, wir zwei mit unseren zarten Popöchen teilen uns einen Reifen.
    Um ehrlich zu sein, hatte ich erst ein wenig Angst vor dieser "Raftingtour". Tatsächlich ist sie jedoch harmlos, die "Stromschnellen" sind klein und überschaubar, so dass die etwa 30 Minuten den Fluß hinab einfach ein großes Vergnügen sind.

    Gegen 15 Uhr findet unser Dschungelabenteuer, mit nassem Popo, sein Ende.

    Vielleicht eine kurze Zusammenfassung hierzu:
    Erwartet hatten wir viel mehr Vögel oder generell Wildlife. Tatsächlich haben wir, bis auf den Hornbill und den Pfau, keine Vögel gesehen oder gehört. Wieso das so war - keine Ahnung. Auch andere Tiere, bis auf die Schildkröte, eine Eidechse und eine Stabheuschrecke, bekamen wir nicht zu sehen. Ob es daran lag, dass man selten ruhig an einer Stelle saß oder ob hier die Fauna einfach nicht so üppig ist, wie wir es z.B. aus Costa Rica kannten...keine Ahnung.
    Trotzdem war es ein Erlebnis, Orang Utans in Freiheit zu sehen. Und auch die anderen Affen beobachten zu können war toll.

    Was die Anstrengung bzw. den Anspruch der Tour angeht: Wir wandern regelmäßig und sind recht fit. Die Tour selber war sehr schweißtreibend, was aber vor allem an dem Klima lag. Die Guides machten an den steilen Stücken viele Pause und hatten ein Auge darauf, dass es uns gut ging. Jemandem, der aber ansonsten allerhöchstens mal 'ne kleine Runde im Park dreht, würde ich die Tour nicht empfehlen.

    Wir wurden von den Guides wirklich Bestens umsorgt, bekamen viel und leckeres Essen und hatten eine wirklich gute Zeit.

    Die Nacht im Dschungel ist, was sie ist: sehr basic und letztlich der Preis, den man zahlt. Kann man sich schön reden, kann man aber auch wie wir einfach als notwendiges Übel in Kauf nehmen.

    Unsere beiden Holländer, die ja zwei Nächte im Dschungel blieben, machten letztlich nur noch eine weitere Runde von 3 Stunden, bevor sie im selben Camp ankamen, von dem wir dann die Rafting-Tour antraten. Auch sie sahen Mama Orang Utan mit Baby, vorher aber keine weiteren Orang Utans. Von daher hätte sich, in unseren Augen (und natürlich mit dem Wissen rückblickend betrachtet) , eine 3 Tage-2 Nächte Tour nicht wirklich gelohnt.

    Unterm Strich war es aber ein wirklich tolles Erlebnis!

    Zurück in Bukit Lawang konnten wir nun für die nächsten zwei Nächte unseren wunderschönen Bungalow Jungle Dreams Bungalow beziehen. Direkt neben dem Indah Guesthouse des Trekkingveranstalters haben wir uns in die luxuriösere Variante der Unterkunft eingebucht: in einem kleinen Garten mit Hängematte und Sitzgelegenheiten stehen kleine Häuschen mit Veranda.


    Unser Zimmer ist groß, sauber und schön eingerichtet

    und auch das helle Bad ist toll.

    Wir richten uns ein, spülen die Anstrengung des letzten Tages unter der Dusche ab und lümmeln in der Hängematte herum, bevor wir noch mal schauen, was am Fluss so los ist und abends nebenan wieder lecker Essen gehen.

  • 09. Juni

    Was ein bequemes Bett. Wir schlafen herrlich!

    Das Frühstück ist hier üblicherweise nicht inkludiert. Man kann frühstücken, wo man möchte und bestellen, was man möchte. Bei den hiesigen Preisen schlägt das auch nicht wirklich groß zu Buche. Wir gehen aber direkt zum Indah Guesthouse nebenan und lassen es uns bei Cappuccino, Brötchen (!), Bananenpfannkuchen, Müsli und Joghurt erst mal gut gehen.

    Heute steht eine "Eco-Villagetour" auf dem Plan. Abgeholt werden wir von Mira, einer jungen Frau, die unter anderem für hier aufgewachsen ist und unter anderem als Lehrerin in einer Eco-Farm arbeitet. Los geht es zu Fuß, raus aus dem touristischen Teil Bukit Lawangs.

    Wir gehen entlang eines der Kanäle, der die Reisfelder bewässert, vorbei an einer Schule. Mira erzählt uns, dass sie als junges Mädchen das Glück hatte, Unterstützung durch ein hiesiges Waisenhaus zu bekommen (sie ist keine Waise, konnte aber an dem Education-Programm teilnehmen) das ihr ermöglichte zu studieren und sogar einen kurzen Aufenthalt in der Schweiz ermöglichte (sie hat Schnee gesehen und war begeistert - die Bucketlist aller Indonesier, wie wir vom letzten Mal noch wissen). Sie spricht super englisch und weiß viel zu erzählen. Sie berichtet vom Schulsystem, dem unsinnigen Unterfangen der Regierung, die Schüler an der Schule mit "anständigem" Essen zu versorgen (unsinnig, weil es dringlichere Probleme und Geldsorgen im Bildungssystem gibt).

    Mira zeigt uns, mit welchen Naturspielzeug sie sich als Kinder die Zeit vertrieben haben, berichtet von der Unsitte, Plastikverpackungen einfach wegzuwerfen (früher war alles in Blätter verpackt, was ja einfach weggeworfen werden konnte. Dass das heute nicht mehr geht und Plastik ewig zum Verrotten braucht, ist in die meisten Köpfe leider noch nicht vorgedrungen.)

    Einer der Volksstämme, die hier in der Gegen wohnen, sind Malaien. Bei einer Dame des Dorfes, die vor 2 Jahren Witwe geworden ist, sind wir dann zu Besuch.

    Es gibt reichlich zu Essen und zu trinken und dank Mira als Übersetzerin auch genug Gesprächsstoff.

    Und natürlich dürfen wir auch ihr Haus anschauen. Im kargen Wohnzimmer steht ein Fernseher, zwei kleine Räume dienen als Schlafzimmer. Ein weiteres Zimmer ist die Innenküche:

    Gefolgt von der Außenküche. Da meist mit Holz gefeuert wird, außer es hat geregnet und das Holz ist nass, ist die eigentliche Küche immer draußen und letztlich ein Anbau an das eigentliche Haus.

    Trotz aller Verständigungsschwierigkeiten fühlen wir uns wirklich wohl und nicht, als würden wir in ihre Privatspähre eindringen. Unsere Gastgeberin ist aber auch wirklich herzlich. Und sorgt noch für eine lustige Anekdote. Sie möchte unbedingt mit Kolja aufs Foto, stellt sich nah neben ihn und hakt ihn unter. Mira sagt ihr etwas auf Bahasa, worauf unsere Gastgeberin lachend abwinkt. Mira übersetzt, dass sie ihr gesagt habe, sie solle sich nicht so nah an Kolja hinstellen (denn auch ohne ein Kopftuch zu tragen, ist sie Muslima), sie entgegnet aber, dass sie ja locker seine Mutter sein könne. Wie sich heraus stellt ist sie 58 (Mira übrigens 32) und ich frage mich, wie die Indonesierinnen es hinbekommen, sich so gut zu halten. Ich bin ein wenig neidisch.
    Und unsere Mutter kann sie definitiv nicht sein. Die Anekdote sorgt jedenfalls für viel Spaß und Gelächter.

  • Wir verlassen das Dorf, um einen Bus anzuhalten. Von hier soll es zur Ecofarm gehen. Mira erzählt uns noch ein wenig von sich. Sie ist verheiratet, hat ihr erstes Kind aufgrund eines Gendefektes verloren. Zusammen mit ihrem Mann hat sie entschieden, aus der Stadt zurück aufs Land zu ziehen, damit ihr Kind nah an der Natur aufwächst. Die Beiden entscheiden sich für ein dort sehr unübliches Modell. Ihr Mann gibt seinen Job auf und arbeitet immer dann auf den Feldern, wenn sie nicht wie heute, einen Job hat. Hat sie einen Job, bleibt er zu Hause bei dem Kind. So entspannt die indonesischen Moslems auch wirken, ist das jedoch etwas, was beim Umfeld und ihren Familien nicht wirklich gut ankommt. Die Beiden stehen jedoch dahinter. Wie schon vor zwei Jahren auf Java, wo wir ebenfalls eine junge Frau mit ihrem eigenen Kopf kennenlernten, muss ich wieder feststellen, was für ein Glück ich als Frau doch habe, in Deutschland geboren zu sein, wo die Limitierungen - gemessen an denen von Mira - doch fast nicht vorhanden sind!

    Statt eines Busses erwischen wir den Schulbus, den sie kurzerhand anhält. Auf dem Dach Jungs in Schuluniform, ein Ghettoblaster, der laute Musik von der Pritsche des Wagens in die Gegend schallert und zwei vorwitzige Jungs, die cool am Auto hängen. Was für ein Ritt! Wir haben echt Spaß! (Ich wollte ein kurzes Video dazu hochladen...klappt leider nicht).

    Auf dem Dach sitzt man übrigens nicht nur, weil es cooler ist oder kühler, sondern weil man da rauchen kann. :rolleyes: In Indonesien ist Rauchen für Männer ein Männlichkeitssymbol und schon kleine Jungs dürfen rauchen, ohne dass es dafür Ärger gibt.

    An der Eco-Farm angekommen, zeigt uns Mira die Farm, erzählt von spannenden Anbaumethoden und natürlichem Dünger, junge Leute kümmern sich um die verschiedensten Aspekte der Farm. Für uns gibt es hier essen (ohne dem geht es in Indonesien einfach nicht) und währenddessen unterhalten wir uns. Und wie wir es von Indonesiern kennen, sind nicht nur daran interessiert, zu sehen wir man dort lebt - nein auch die Indonesier sind daran interessiert, was bei uns so gemacht und getan wird. Und so wird es ein kurzweiliges und interessantes Essen.

    Zurück geht es wieder mit dem Schulbus. Diese Mal aber das Kontrastprogramm...in diesem Bus sitzen nur Mädchen auf der Pritsche, keine laute Musik, alles geht gesittet zu. Kolja als einziger Mann bekommt mal kichernde, mal verschämte Blicke zugeworfen.

    Da der Schulbus uns nicht bis Bukit Lawang bringen kann, steigen wir noch mal auf ein Becak um. Das muss Mira aber erst mühsam suchen, weil die Fahrer gerade alle an einem Kiosk sitzen und Karten zocken.

    Mira bringt uns noch zum Hotel, wo wir uns herzlich verabschieden. Was für eine tolle, interessante Tour. Vielen Dank, Mira!

    Den Nachmittag verbringen wir in der Hängematte schaukelnd und lesend, versuchen uns bei der Hitze an einer Runde Yoga, gehen noch mal durchs Dorf und kehren für ein Getränk in ein nettes Restaurant mit direktem Blick auf den Fluss ein.

    Heute herrscht hier nicht so ein Trubel. Am Wochenende suchen viele Wochenendtouristen in Bukit Lawang etwas Abwechslung, weshalb es vor der Dschungeltour hier auch so viel zu schauen gab.

    Zurück in "unserem" Restaurant treffen wir auf Denis und Jeffrey, Joe stößt auch später noch dazu und so verbringen wir den letzten Abend wieder zusammen und berichten uns gegenseitig von unseren Erlebnissen im Dschungel und im Dorf.

    Die Beiden sind müde vom Trekkingtag, wir müssen morgen für die Weiterreise früh raus, also machen wir die Nacht nicht zum Tag.
    Ein weiterer erlebnisreicher, interessanter Tag findet sein Ende.

  • Danke für den interessanten Bericht. Weckt Erinnerungen an unsere Reise 2016. Auch unsere 1. Station nach der Ankunft in Medan war damals das Deli River. Den anschließenden Trip nach Bukit Lawang im Junia Guesthouse habe ich in bester Erinnerung. Allerdings haben wir uns bei der Dschungeltour auf einen Tag beschränkt (war für uns absolut ausreichend). Bin gespannt, wie es bei Euch weitergeht. Wir waren anschließend am Tobasee.

  • Hallo Katharina,

    ist es für dich ok, wenn ich in deinen Bericht zwischenreinschreibe?

    Sonst lösche ich das natürlich wieder!

    Ja, deine Art, so lebendig zu schreiben, ist einfach klasse, so wie auch die eindrucksvollen Bilder!

    Medan: Im Herrenhaus des Tjong A Fie haben wir nicht nur Geräte wie einen urtümlichen Staubsauger gesehen, sondern auch eine Gruppe von 8 muslimischen Chirurginnen aus Jakarta getroffen. Alle verheiratet, aber im Urlaub ohne die Familie unterwegs.
    Bukit Lawang: Diese Brücke hat sich nicht verändert ;)
    Dass die Schuljungen auf dem Bus rauchen dürfen, wusste ich nicht und das Bild von deinem Mann mit den Schulmädchen ist schon auch sehr speziell; in diese Situation zu kommen, hätte er sich wohl nicht träumen lassen :)

    Danke - ich freue mich auf mehr!

  • Danke für deinen super schönen Bericht mit tollen Bildern :thumbsup: - ich fühle mich direkt wieder an unser Orang Utan-Trekking 2024 und den schönen Aufenthalt in Bukit Lawang erinnert, uns hat es dort auch sehr gefallen!

    Freu mich auf die Fortsetzung deines Berichts! =)

  • Guten Morgen!

    Ihr könnt gerne direkt hier in den Bericht schreiben und antworten.
    Und es freut mich sehr, so viel positives Feedback zu bekommen.

    Mal schauen, ob ich heute noch dazu komme, weiter zu schreiben. Falls nicht geht es nächste Woche weiter.

    Mir macht das Schreiben (und revue passieren lassen) aber ja selber viel Spaß, von daher ist es eine Win-Win Situation :thumbsup:

  • 10. Juni

    Weiter geht's...

    Heute steht ein langer Fahrtag an und so geht es schon früh los. Ein leckeres Frühstück lassen wir uns aber nicht nehmen. Die Verabschiedung wird wirklich unfassbar herzlich. Dodi verabschiedet uns mit guten Wünschen und Fitri, die gute Seele hinter der Theke kommt zu uns und nimmt uns fest in den Arm und entlässt uns mit ihrem ansteckenden, fröhlichen Lachen.

    Sollte also Bukit Lawang mal in Eurer Reiseplanung anstehen, können wir für die Dschungeltour Bukit Lawang-Jungle Trekking guten Gewissens empfehlen. Und auch die schönen Zimmer im Jungle Dreams Bungalows, das von Dodi und Janine zusammen mit dem Indah Guesthouse und Restaurant nebenan (dort sind die Räume einfacher gehalten, aber alle die dort waren, waren auch zufrieden) bekommen eine 5-Sterne-Bewertung und unsere vollste Empfehlung. Wir haben uns hier sehr wohl und fast wie bei Freunden zu Gast gefühlt.
    Und es war auch die richtige Entscheidung, nicht direkt am Tag nach dem Trek wieder aufzubrechen, sondern noch einen Tag in Bukit Lawang zu verweilen. Und auch noch einen weiteren Tag hätten wir dort gut "rumgebracht".

    Nun geht es also in etwa 7 Fahrstunden über Berastagi zum Sipisopiso Wasserfall und schlußendlich zur Fähre in Parapat, die uns nach Tuktuk auf Samosir im Lake Toba schippern wird.

    Draußen gibt es immer etwas zu sehen, allerdings schlummern wir zwischendrin auch weg.

    Im Hochland verändert sich die Flora deutlich, in der Ferne verbergen Wolken einen Vulkan (dessen Name ich vergessen habe und auch irgendwie nicht mehr recherchiert bekomme...)

    Irgendwann nimmt die Moscheedichte ab und die Kirchendichte zu. Statt Katzen laufen Hunde am Straßenrand entlang. Und auf Feldern, neben Häusern und gefühlt überall finden sich einzelne Mausoleen statt Friedhöfe. Wir sind im christlichen Batak-Land angekommen.

    Bei der Fahrt durch Berastagi sind wir froh, dass wir nicht, wie ursprünglich angedacht, hier eine Zwischennacht einlegen. Zumindest bei der Durchfahrt bietet Berastagi nichts Ansprechendes für uns.

    Irgendwann sind wir am Wasserfall Sipisopiso angekommen. Der Himmel ist wolkenverhangen und beim Aussteigen staunen wir nicht schlecht über die doch recht kühlen 20 Grad, die durch einen entsprechenden Wind nicht besser werden. So sehr haut uns der Wasserfall dann auch nicht um und so bleibt es bei einem Foto, dem Einkauf von etwas Süßem und einer Pipipause.

    Von einer Ausichtsplattform erhaschen wir einen ersten Blick auf das Ziel der nächsten Tage, dem Lake Toba.

    Ab hier geht es bergab und zusehends verändert sich die Vegetation wieder. Wir legen noch einen kleinen Lunch-Stop ein, bevor es dann die letzte Stunde weiter abwärts zum Fähranleger in Parapat geht.

    Nach gut 8 Stunden Fahrt, inklusive aller Stops, kommen wir endlich an. Und fast zeitgleich reißt der Himmel auf, die Sonne kommt raus und es wird wieder warm. Sehr schön!


    Unser Fahrer kümmert sich noch ganz lieb darum, dass wir auch auf der Fähre landen. Diese fährt stündlich und braucht, je nach Ankunftsort zwischen 30-45 Minuten, um nach TukTuk zu kommen. An einem kleinen Stand am Fähranleger trägt man sich für die Überfahrt ein bzw. wird eingetragen, und hier sagt man auch, wo man hin möchte. Unser Ziel ist das bekannte Tabo Cottage, das über einen eigenen Fähranleger verfügt, an dem man abgesetzt wird. Praktischerweise ist es direkt der 2. Stop in TukTuk. Bezahlt wird dann an Bord. Die Fahrt kostet pro Nase 25.000 IDR/ 1,25 Euro. Unser Timing ist perfekt, 10 Minuten nach unserer Ankunft legt die Fähre ab.

    Wir genießen die Sonne und Wärme und die Überfahrt, fahren wir doch Beide gerne Boot.

    Am Anleger der Tabo Cottages werden wir schon erwartet und zur Rezeption geleitet. Die ganze Anlage ist in einen troßischen Garten liebevoll eingebettet, ein schön angelegter Pool mit Seeblick lädt zum Planschen ein. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl, erst Recht, da alle die hier arbeiten, super lieb sind und einen mit einem Lächeln grüßen.

    Die Kirsche auf dem Eis ist dann, dass wir tatsächlich (ohne es gebucht zu haben) das beste (und neueste) Zimmer im Hotel bekommen: das Geburtshaus des Besitzers wurde versetzt und aufgehübscht. Uns erwartet ein stimmungsvolles, großes Zimmer mit einem super bequemen Bett und einem großen, super schönen und modernen Bad. Selbstverständlich alles piccobellosauber.

    Und auch der Blick vom Balkon, der mit einer gemütlichen Sitzecke und einer Hängematte ausgestattet ist, ist unschlagbar der Top-Blick des Hotels auf den See.

    Der Tag war lang und wir sind platt, zudem ist meinem Mann etwas kodderig. Also richten wir uns in Ruhe ein, genießen etwas Auszeit auf dem Balkon und gehen letztlich im Hoteleigenen Restaurant essen.
    Das Tabo Cottages ist unter deutsch-indonesischer Leitung (ich schwöre, das ist kein Muster und kein Grund gewesen unsere bisherigen Unterkünfte auszusuchen) und unterhält unter anderem auch eine "German Bakery". Und so kann ich nur peinlich berührt zugeben, dass beim Blick in die Speisekarte mein kartoffelbegeistertes Herz über die asiatische Küche siegt und das, nachdem wir noch keine Woche im Land sind. :-O

    Nach dem Essen gibt es noch ein Bierchen aus der Minibar auf unserem Balkon, bevor wir in dem unfassbar bequemen Bett wunderbar schlafen.

  • Super, dass ihr dieses neue riesige Zimmer samt Balkon und Minibar bekommen habt :)

    Ein eigenes Restaurant gab es bei uns noch nicht, aber das damalige Cafe-Restaurant war immer voll besetzt mit hauseigenen Gästen und vielen dauerkichernden Mädchen aus der Umgebung.
    Wir wissen nicht, ob sie meinen Mann an- oder ausgelacht haben: Er erinnere sie an einen Promi und sie haben ihn (vorher gefragt) fotografiert.

    Heutzutage ist die Frisur deines Mannes ja total angesagt, aber damals kamen mir nur der Dalai Lama oder Bruce Willis in den Sinn.

    Nachtrag: Sean Connery, ich denke, für den hätte er sich entschieden. ;)

  • 11. Juni

    Wir beginnen den Tag, wie so oft, mit einem Kaffee auf dem Balkon. Hier gibt es mal nicht die üblichen Tütchen mit Instant-Kaffee, sondern Einmal-Filter gefüllt mit Kaffeepulver, mit dem man sich den Kaffee frisch aufbrühen kann. Tolle Erfindung!

    Beim Frühstück erwartet uns ein kleines Büffet mit reichlich Auswahl. Sogar Eier werden hier auf Wunsch in allen möglichen Varianten frisch zubereitet. Sitzen kann man, wo man will, wenn man den Weg zum Büffet nicht scheut, sogar vorne am See. Wir bleiben aber in Büffetnähe mit Blick auf den schönen Garten und ich beginne den Tag ein wenig, wie der letzte aufgehört hat: un-asiatisch in der Auswahl der Essens. Toast mit Erdnussbutter und holländischem Hagelslag. Ich musste es alleine deshalb essen, weil es auf dem Büffet stand. :-O

    Dann hält uns aber nichts mehr im Hotel, wir wollen etwas von unserer Umgebung sehen. Der Verkehr hier auf Samosir ist wirklich sehr überschaubar. Kein Vergleich mit Bali. Und so wagen wir hier das, was wir dort nie tun würden: wir leihen einen Roller. Und auch das ist hier denkbar einfach. Raus aus dem Hotel finden sich in Sichtweite direkt zwei Roller-Verleiher. Wir wählen Cäcilias Scooter Verleih. Schnell ist der Roller ausgewählt, wir werden mit Helmen versehen, der Roller erklärt und ich bekomme per What's App (in Indonesien läuft nahezu alles über WA) eine Liste mit möglichen Routen inklusive google.maps Karte. Handelseinig werden wir uns auch schnell, für 200.000 IDR (10,- Euro) können wir den Roller für den ganzen Tag ausleihen. Bis auf die Frage (an meinen Mann, ich sitze nur hinten drauf), ob er schon mal gefahren sei, will hier keiner einen Führerschein sehen. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich jeden damit auffordern möchte, einfach zu fahren!

    Erstes Ziel ist der kleine Markt in Ambarita, der just donnerstags stattfindet. Er ist auch nicht zu verfehlen, macht das rege Treiben an Menschen mit Tüten in den Händen und vollgestellten Roller-Parkplätzen doch gleich klar, wo man hin muss. Empfangen werden wir erst von Ständen mit Kleinzeugs wie Haarschmuck und Wäsche, aber auch eine Dame, die ihre Nackenmassage anbietet, macht sich lautstark bei der möglichen Klientel bemerkbar. Auch Kaffeebohnen können hier gekauft und frisch gemahlen werden.

    Je weiter wir gehen, desto bunter wird das Warenangebot. Obst und Gemüse liegt in "Bergen" zur Auswahl bereit. Auf einem großen Tablett sehen wir etwas, von dem wir nicht ganz sicher ist, ob es das ist, was wir denken.

    Wir versuchen, mit unserem Handy heraus zu bekommen, was da vor uns liegt und natürlich bleibt unsere Ratlosigkeit und unser Interesse nicht verborgen. Sogleich findet sich jemand, der uns sagt, dass wir hier den für die hiesige Region bekannten Andamalinpfeffer vor uns haben. Da wir aber davon ausgingen, dass er so, wie er vor uns liegt, erst mal für uns nicht verwendbar ist, kaufen wir keinen.

    Schon bald wird das Angebot eine kleine Herausforderung für die olfaktorischen Sinne.

    Wer es frischer haben möchte, kann sich dann vermutlich eines der armen Hühnchen aussuchen, die in Käfigen auf ihr Schicksal warten.

    Auch frischer Fisch ist im Angebot: noch lebend wird das arme Tier aus dem Bottich mit Wasser in die Plastiktüte umgepackt und der Käufer kann mit seiner zappelnden Fracht heim.

    Dass wir in einem christlichen Teil Indonesiens sind, wird spätestens jetzt klar:

    Märkte in anderen Ländern - immer wieder ein Erlebnis!

    Nach diesen vielen visuellen wie auch olfaktorischen Eindrücken geht es wieder zum Roller und wir folgen erst einmal einfach der Hauptstraße weiter.

    Rechterhand kann man immer mal wieder den See erblicken, ansonsten säumen Kirchen, kleine Shops und immer wieder die verschiedenst imposanten Grabanlagen den Weg. Und was uns beeindruckte war, dass neben "normalen" kleinen Häusern es überall eine Vielzahl der so charakteristischen Batakhäuser gibt. Und nicht als nicht genutztes Relikt, sondern als Haus, das eben über die Jahre bis ins heute bewohnt wird. Elektrische Leitungen, Glühlampen am Eingang oder auch Steinerweiterungen zeugen davon.

    Unser Ziel ist das Huta Bolon Batak Museum, und trotz der Karte von Cäcilia sind wir erst mal anscheinend zu blind, es zu finden. Und so biegen wir einfach mal hier und mal da von der Straße ab und entscheiden dann, ein paar Minuten nach dem wir den nördlichsten Punkt der Insel erreicht haben, umzukehren.

  • Und aus dieser Richtung sehen wir dann auch endlich das Huta Bulon Museumsdorf. Wir sind die einzigen Gäste und werden freudig mit dem Roller direkt vor dem Eingang eingewiesen zu parken. 20.000 IDR (1,- Euro) Eintritt sind pro Nase fällig. Zuerst geht man durch ein großes Batakhaus, in dem diverse Alltags- und Kultgegenstände ausgestellt sind. Allerdings ohne Beschreibung. Dann stehen wir vor Königsgräbern, die gemessen an dem, was wir zwischendrin schon an Mausoleen gesehen haben, gar nicht allzu imposant sind.

    Dann geht es ins eigentliche Dorf, das durch einen Erdwall geschützt ist und durch ein Tor zu betreten ist. Wir sind die einzigen Gäste und haben alle Batakhäuser für uns.

    Auf der einen Seite befinden sich die Wohnhäuser, gegenüber die Reisspeicher. Die Häuser können betreten werden, aber auch hier findet sich weder Interieur noch eine Erklärung, so dass man sich nur seinen eigenen Reim darauf machen kann, wie die Häuser genutzt wurden/ werden.

    Schön anzusehen sind sie dennoch.

    Nach dem Besuch fordern die Hitze (obwohl die hier am Lake Toba sogar gut erträglich ist) und die Sonne ihren Tribut und wir legen eine kleine Cola-Pause ein, bevor es weitergeht.

    Wie man an der Spiegelung in der Brille sieht: weit und breit allein auf weiter Flur. So lässt es sich entspannt nach rechts und links schauen.
    Der Versuch an einen der Strände zu fahren scheitert, weil der anvisierte Strand sich eher als Strandbad entpuppt, mit viel Remmidemmi (allerdings ohne Publikum) und für das Eintritt zu zahlen ist. Also geht es weiter. Vorbei an winkenden Kindern und ab und an überholt von einem Auto oder anderen Rollern, die nie ohne eine "Hallo-ich-komme"-Hupe an einem vorbei ziehen.

    Immerhin im Schatten warten drei Büffel leise schnaubend auf ihre Verlegung wohin auch immer. Viele ihrer Kollegen sieht man rechts und links des Wegesrandes im Grünen grasen und ab und an träge einem hinterher schauend. Hoffen wir, dass die drei Kollegen nur auf eine saftige weitere Wiese gebracht werden.

    Nächstes Ziel ist das Huta Siallagen, ein weiteres Freilichtmuseum mit Batakhäusern in Ambarita. Hier ist schon deutlich mehr los und zumindest vom Eintrittshäuschen und der Ansammlung von Souvenirbuden der Bekanntheitsgrad größer. Hier finden sich dann nicht allzu viele Bules (Touristen wie wir), sondern eben auch viele Indonesier, die zur Besichtigung hier sind.

    Im Gegensatz zum Huta Bolon sind hier die Häuser jedoch nach wie vor bewohnt, nur eines kann besichtigt werden. Die Hauseingänge sind mit Blumentöpfen abgegrenzt, da hängt zwischen zwei Häusern Wäsche und der Roller wird hier auch im Schatten geparkt. Wohnen im Museum, quasi.

    Ebenfalls können wir 200 Jahre alte Steinsitze begutachtet werden, auf denen die Dörfer zusammen kamen, um Dinge zu besprechen und Urteile zu fällen. Und passenderweise steht ein Stück weiter hierzu auch ein Stein, auf dem Exekutionen durchgeführt wurden.

    Hier werden auch regelmäßig Tanzvorführungen aufgeführt, für die wir aber leider zu spät sind.
    Als Entschädigung bekomme ich meine 2 Minuten Ruhm und darf mich mal (im wahrsten Sinne des Wortes) ganz groß fühlen.

    Wen interessieren schon Batak-Häuser, wenn da so 'ne rothaarige Weißnase rumläuft?!
    Im Gegensatz zu Java wurden wir hier zwar auch immer mal wieder gebeten, für ein Foto zu posieren, allerdings im noch überschaubaren Rahmen.

    Am Nachmittag machen wir uns wieder auf die letzten Meter Richtung Tabo Cottages, kehren vorher noch im Reggae-Gusthouse mit schönem Blick über den See auf einen Mango-Saft und ein Nasi Goreng ein. Bevor wir den Scooter dann wieder abgeben versorgen wir uns noch in einem kleinen Supermarkt mit Getränken und ein paar Keksen.

    Den Nachmittag verbringen wir dann faul, im Schatten liegend am Pool.
    Abends geht es dann zum Horas Restaurant, einem rein vegetarisch-vegangen Restaurant etwa 6 Fußminuten vom Hotel entfernt. Nicht nur die Familie von Cäcilias Scooter winkt uns strahlend zu, nein, nahezu jeder Indonesier, der uns begegnet grüßt freundlich und mit einem Lachen. (Ich erwähnte schon, dass ich die Indonesier liebe, oder?)
    Das Essen bei Horas ist wirklich ausgezeichnet. Vielleicht ein klein wenig teurer, aber bei teurer sprechen wir von vielleicht 10,- Euro für eine Vorspeise, zwei Hauptspeisen und 2 frischen Säften. Tagsüber ist der Blick über den See sicherlich toll, im Dunkeln sieht man nur vereinzelt die Lichter am gegenüberliegenden Ufer der Bucht.
    Dass Samosir nichts für Partymäuse ist, wird uns auch klar. Weder gibt es Restaurants oder Kneipen mit lauter Musik, noch gibt es überhaupt viele Touristen, die sich hier den Abend vertreiben.
    Uns steht der Sinn aber sowieso nicht nach Party. Und so gibt es noch ein Absacker-Bintang (übrigens mitterweile auch als Radler erhältlich) auf dem Balkon und dazu ein kleiner Plausch mit unseren Nachbarn, bevor wir in die gemütlichen Betten sinken.

  • 12. Juni

    Frisch gestärkt vom Frühstücksbüffet soll es heute in die andere Richtung gehen, also Richtung Tomok und dann ab hoch in die Berge.
    Kaum verlassen wir das Hotel, wird uns schon von Cäcilias Scooter freudig zugewunken. Heute ist leider der größere Roller schon weg, aber auch die etwas kleinere Maschine tut's.

    Erster Anlaufpunkt ist Bukit Beta, ein kleiner Aussichtshügel oberhalb von TukTuk. Wir sind zu faul zu laufen, deswegen geht es mit dem Roller so weit, wie möglich und die letzten Meter bergauf geht es dann zu Fuß weiter.
    Der Blick über den See ist wirklich schön, zuerst fesseln uns aber die überall grasenden Büffel (die wiederum mit einer Leine ebenfalls gefesselt sind).

    Malerisch schiebt sich ein einzelner Baum vor die Bergkulisse.

    Und nachdem ich Euch jetzt schon so oft von den zahlreichen Mausoleen und Grabanlagen berichtet habe, gibt es jetzt auch mal Fotobeweise. Hier oben, mit schönem Blick auf den See, haben mehrere Leute ihre letzte Ruhe gefunden. Ist ja auch malerisch.

    Jedes Grabmal ist anders. Mal bunt, mal wie ein kleiner verglaster Pavillion, mal wie eine kleine Kirche und dieser samt Engel.

    Nachdem wir reichlich fotografiert haben, geht es durch Tomok, das uns aber irgendwie nicht anspricht. Also fahren wir einfach durch. Hier ist dann auch mal etwas mehr Verkehr, der aber immer noch überschaubar ist. Dann schlängelt sich die Straße langsam höher und höher, nach und nach lässt die Bebauung nach und man findet nur noch vereinzelte Häuser (und Grabmäler). Um uns herum wird es immer grüner und immer mehr Bäume säumen den Weg.

    Am Parhallow Viepoint kehren wir in das dortige Cafè ein (wenn man es so nennen will). Der Blick über den See ist toll, je höher man kommt. Fast ist aber für uns die größere Attraktion, dass das Cafè heute für die Gesundheitsvorsorge genutzt wird. Da werden mitgebrachte Babys gewogen und vermessen, genau so wie Kinder und Erwachsene. Alles wird fein säuberlich notiert. An einem weiteren Tisch gibt es eine kleine Lehrstunde, vermutlich bezogen auf Ernährung oder einem anderen Gesundheitsbezogenen Thema (wir können es nicht verstehen und zuordnen). Es scheint, als hätte die örtliche Gesundheitsbehörde hier Sprechstunde.
    Wir trinken unsere Cola und schauen abwechselnd auf den See und beobachten das Treiben. Sicher hätten wir fotografieren können, die Indonesier sind da ja sehr offen, aber irgendwie hätten wir es auch übergriffig gefunden. Von daher muss Euch meine Beschreibung reichen.

    Immer wieder sind Teile der Straße durch die Regenfälle der Regenzeit ausgewaschen und weggespült. Tagsüber kein Problem, es ist wenig Verkehr und man sieht es rechtzeitig, nachts möchte ich jedoch nicht hier her fahren.

    Am (überschaubar beeindruckenden Sigarattung Wasserfall ist mal kurzzeitig etwas mehr los, er scheint ein beliebter Fotostop der Jugend zu sein. Wir steigen für ein Foto noch nicht mal vom Roller ab.

    Kurze Zeit später haben die Regenfälle allerdings richtige Arbeit geleistet. Die Straße ich komplett weg, der Wiederaufba aber mit großem Gerät in Gang. Für die Übergangszeit führt eine Schotterpiste erst steil bergab und dann in einem Bogen steil bergauf.
    Ein Junge mit Warnweste hält uns wichtig an und fordert 100.000 IDR, um unseren Roller über die "gefährliche Strecke" zu fahren. Wir gucken ihn ungläubig an und versuchen vor uns die Lage zu sondieren. Mein Mann fährt Offroad-Motorrad und braucht da ganz gewisse keine Hilfe. Der Junge merkt unser Zögern und geht im Preis sukzessive runter: 50.000, 20.000, 10.000. Uns wird es zu dumm und mein Mann beurteilt die Straßenverhältnisse als durchaus machbar, will losfahren und da greift ihm der kleine Rotzlöffel doch glatt an die Bremse! Ein böser Blick und er lässt los. So was haben wir hier noch nie erlebt. Nun ja....wir sahen wohl wie leichte Opfer aus. Tatsächlich haben wir von hier an auch keine Bules mehr gesehen.
    Ich steige also ab, mein Mann fährt die Strecke alleine und ohne große Problem, während ich hinterher tapere. Freundlich von den Bauarbeitern gegrüßt. Oben steige ich wieder auf und weiter geht die Fahrt.

    Nächster Anlaufpunkt der Danau Aek Natongang. Ein künstlich angelegter See samt Steg auf eine Insel, Picknickplätze, Parkplätze und eine Toilettenanlage sind vorhanden, also scheint die Insel auf einem See auf einer Insel in einem See 8o durchaus (vermutlich eher indonesische) Ausflügler anzuziehen. Heute ist es hier aber total ausgestorben und wir die einzigen Besucher.

    Um ehrlich zu sein, außer für den "ich war auf einer Insel auf einem See auf einer Insel....."-Spruch lohnte sich der kleine Umweg nicht wirklich. Wobei; am Eingang zum Gelände befindet sich dieses Schmankerl. Ob sich hier die holländische Vergangenheit Bahn bricht, man mal etwas anderes als einen Gartenzwerg haben wollte oder ob es sich um ein weiteres Grabmal handelt...ich weiß es nicht. Ein Foto war es mir trotzdem wert.

    Letztes Ziel des Tages ist ein wirklich spektakulärer Aussichtspunkt. Wir folgen dem Wegweiser über eine kurze holprige Straße zu einem Cafè und unter uns öffnet sich dieser Blick.

    Und noch besser, dieser:

    Ist das nicht unglaublich schön! Die Weite, der Himmel, der See, die begrünten in den See abfallenden Hänge. Wahnsinn! Und wir sind hier komplett alleine.

    Das ist super, so stört mich keiner beim Schaukeln.

    Nach diesem spektakulären Höhepunkt der Tour treten wir langsam wieder den Rückweg an.

  • Der Weg führt über die selbe Strecke zurück. Auf Samosir gibt es eine Ringstraße, die um die Insel herum führt und nur eine Straße, die die Insel quert.
    Es geht vorbei an weiteren bunten Grabmälern

    Büffeln am Wegesrand

    Immer wieder liegen am Wegesrand Dinge zum trocknen aus. Nelken verströmen ihren Duft, Mais wird da ausgelegt und dieses hier - ich vermute Muskatnuss.

    Und wie Ihr seht, wird für die Auslage nicht unbedingt nur das eigene Grundstück, sondern auch gerne mal ein Teil der Straße genutzt. Sollen halt alle drumrum fahren. Was natürlich bei dem Verkehrsaufkommen auch kein Problem ist.

    Wieder in Seenähe geht es vorbei an bewohnten Batak-Häusern, vor denen (wieder eine harte Nuss für die Nase) Fisch zum Trocknen ausliegt.

    Bevor es zurück zum Hotel geht, nehmen wir noch ein kleines, spätes Mittagessen ein. Es soll das Günstigste der Reise werden. Gegenüber des einzigen 5-Sterne-Hotels der Insel (ein schrecklicher großer Klotz, der an den Abenden den Seeabschnitt mit Karaoke beschallt) wurde uns ein kleines, nicht besonders schmuckes, Restaurant empfohlen, geführt von 3 Frauen - Coffee2Go heißt es.
    Das (leckere) Nasi Goreng schlägt hier mit 18.000 IDR/ 0,90 Euro zu Buche, der Mango-Saft kostet 80 Cent. Mich lachen die gerösteten Brotscheiben mit Knoblauch und Käse als Vorspeise an. Das ist fancy und kostet unverschämte ;):) 1,25 Euro.

    Wir geben den Scooter ab und verbringen den restlichen Tag wieder am Pool, bzw. ich habe noch eine Massage gebucht, die mit 12,50 Euro zwar sehr günstig ist, allerdings vom Ambiente und der Masseurin nicht das Highlight der Reise.

    Am Abend geht es wieder ins Horas Restaurant, das wie am Abend zuvor, gut gefüllt ist (heißt mit uns sind 5 der 8 Tische belegt). Anschließend wollen wir noch in Roys Pub vorbei schauen, am Wochenende soll hier ordentlich was los sein. Da wir aber wieder viel zu früh dran sind, ist gar nichts los. Also geht es wieder zum Absacker Bintang auf den Balkon, wo wir (jetzt mit neuen Nachbarn) einen Plausch halten und dann ins Bett gehen.