Reisebericht - Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren

  • Ich habe keine Rubrik für Antarktis/Arktis gefunden und da wir Start und Ende in Argentinien hatten, poste ich den Bericht in diesem Unterforum. Falls es falsch sein sollte, dann verschiebt ihn bitte, Erhard oder Petra.



    Reise nach Südgeorgien und in die Antarktis 2014




    Prolog

    Vor vielen Jahren hatte ich einmal eine Dokumentation von Südgeorgien gesehen. Diese Dokumentation, insbesondere die dort gezeigte unglaublich große Population von Königspinguinen, weckte ihn mir die Sehnsucht, einmal diese Gegend der Erde besuchen zu wollen. So stand für mich fest, falls ich mir jemals eine Reise in die Antarktis erfüllen könnte, dann wäre Südgeorgien ein absolutes Muss bei der Route.


    In den vergangenen Jahren ließ ich des Öfteren mal bei meinem Mann diesen Reisewunsch fallen, aber aufgrund der Preise und des Wissens um meinen nicht gerade als seetauglich zu bezeichnenden Gleichgewichtssinn, haben wir dieses Ziel dann nie richtig ernsthaft verfolgt.


    Vor wenigen Jahren stolperte ich dann mal eher zufällig über eine Reise mit der MS Delphin. Die Preise waren um Einiges niedriger als bei anderen Schiffen, die ich mir bisher so angeschaut hatte. Dafür wurde dann mit einer höheren Zahl an Passagieren gefahren, aber irgendwo muss der Preisunterschied begründet sein.


    Dann bekam ich mit, dass die MS Delphin nicht mehr unter Hansakreuzfahrten fuhr, somit schob ich dieses Reiseziel wieder nach hinten, ohne es jedoch in meiner Wunschreiseliste von einem der vordersten Plätze zu streichen. Irgendwann würde sich hoffentlich die Möglichkeit ergeben und ich hoffte, wenn es dann soweit wäre, dass auch der Gesundheitszustand meines Mann und mir uns auch keinen Strich durch die Pläne machen würde. Denn jeder, der in die Antarktis reist, muss vorab einen medizinischen Fragebogen ausfüllen, aufgrund dessen dann entschieden wird, um man reisetauglich für dieses Zielgebiet ist. Eine medizinische Hilfe in diesem abgelegenen Gebiet ist nicht so einfach möglich, so kann z. B. kein Helikopter die Strecke vom südamerikanischen Festland in die Antarktis zurücklegen. Gerade dieser Punkt, den ich aber bis letzten Herbst zur Kenntnis genommen hatte, aber nicht besonders tief bedacht hatte, wird wohl aufgrund unserer persönlichen Erfahrung in Namibia zukünftig auch noch mehr in unsere Reisevorbereitungen einfließen.


    Nun hatten wir schon ein gutes Jahr im Voraus unsere Reise ins südliche Afrika für letzten Herbst gebucht und als ich dann die Reiseroute der MS Delphin, die wieder ihre Reisetätigkeit - nun unter Passatkreuzfahrten - aufgenommen hatte, Ende des vorletzten Jahres in den Händen hielt, fragte ich meinen Mann. Eigentlich dachte ich nicht, dass er zustimmen würde, da nur wenige Woche zwischen beiden Reisen lag, aber er schaute sich alles an und sagte „Ja, okay, lass‘ es uns machen, aber vergiss‘ nicht, dass du Probleme mit Mr. Seasick bekommen könntest.“ Die Erfahrungen mit Reisen auf dem Wasser, die wir bisher gemacht haben, egal für wie lange und auf welchem Boot oder Schiff, haben gezeigt, dass sich Mr. Seasick immer blicken hat lassen. Ich war jedoch wild entschlossen, für mein Wunschziel, es mit Mr. Seasick aufzunehmen.


    Daraufhin buchte ich sogleich, allerdings die Kreuzfahrt und noch eine kurze Verlängerung am Ende in Ushuaia sowie in Buenos Aires, wie auch die Flüge separat. Wir wollten nicht direkt vom Schiff in den Flieger nach Buenos Aires steigen, der schon fast 4 Stunden für allein diese Strecke benötigt, dort den Flughafen wechseln und anschließend weiter nach Hause. So hängten wir noch wenige Tage dran, mehr wollten wir zu Jahresanfang auch nicht gleich von unseren Urlaubstagen verplanen. Darüber hinaus entschieden wir uns auch nach einigem Überlegen für eine bessere Kabinenkategorie. Schließlich sollte dies auch unser Zuhause für mehr als zwei Wochen sein und diese Reise würde wohl auch eher unter die Kategorie „einmal im Leben“ fallen. Diese Entscheidung sollten wir auch nicht bereuen.


    Dann kam aber leider Herr Appendix dazwischen, so dass wir uns noch bis wenige Wochen vorher, genauer gesagt, bis zur nächsten Stornokostenstufe offen gelassen haben, ob wir die Reise nicht noch möglicherweise absagen müssen. Aber zum Glück ging es mir dann wieder gut und nach Rücksprache mit dem Arzt und auch insbesondere im Hinblick darauf, dass die Erholung im südlichen Afrika gleich Null war, entschieden wir dann Anfang Dezember, dass wir die Reise machen werden.
    Die Vorfreude, die nach des Verlustes von Herrn Appendix eine Weile nicht vorhanden war, kam dann auch wieder ganz schnell und genauso stark zurück, wie wir es kannten, als ich noch mit Herrn A. reiste.


    Ein bisschen Skepsis begleitete uns jedoch, da wir nicht genau wussten, wie uns eine Kreuzfahrt, auch wenn es eine „Expeditionskreuzfahrt“ ohne Kleidungszwang bei Essen u. ä. und mit Vorträgen statt vieler Unterhaltungsprogramme werden sollte, gefallen würde. Na ja, ganz ohne Kleidungszwang ist wohl falsch beschrieben, Gummistiefel, die auch für diese Temperaturen beschaffen sein sollten sowie dicke, wasserdichte Hosen hatten wir schon vor Monaten angeschafft. Wir waren also gerüstet und wohl zumindest mit unseren Gummistiefeln besser ausgestattet als Sir Shackleton zu seiner Zeit für unsere Reise auf den 6. Kontinent.



    … Fortsetzung folgt, jedoch kann ich zurzeit nicht sagen, wann ich jeweils dazu komme, diese zu schreiben …


    [u]

  • Deine Zeilen hören sich jetzt schon recht abenteuerlich an und bin
    gespannt wie es weiter geht.
    Auch wenn die beiden Urlaube knapp hintereinander liegen, wenn es
    passt, hätte ich es genauso gemacht. Es ist zwar eine Durststrecke bis
    zum nächsten, aber man kann unwahrscheinlich davon zehren. Ich denke
    du besonders, nachdem du ja Herrn Appendix unbedingt loswerden musstest. ;-)


    Mit Mr. Seasick hätte ich gewaltige Probleme und ich bin mir nicht
    sicher, ob ich ihm Paroli bieten würde bzw. ob ich überhaupt dazu
    noch in der Lage wäre. :-O


    Gruß
    Gudi

  • Sabine macht es wieder mal spannend :D


    Tja, Mr. Seasick!
    Ich hab einmal 6 Tage auf einem Tauchboot verbracht, aber ich wollte gar nicht wissen, ob er zuschlägt, oder nicht!
    Hab einfach von Anfang an Tabletten genommen ;-)
    Aber ich vergesse nicht, wie sich die erste Stunde auf festem Boden nach den 6 Tagen angefühlt hat...

  • Tag 1/Tag 2


    Sir Ernest Shackleton hatte eine längere Anreise als wir nach Buenos Aires. Außerdem musste er die Anreise auf einem schwankenden Schiff hinter sich bringen.
    Ob sich ihm Mr. Seasick gezeigt hat? Ich nehme mal an, eher nicht. Stattdessen hat er einen blinden Passagier aufgelesen ... der sich den späteren Verlauf wohl auch anders vorgestellt hatte und sich möglicherweise auch überlegt hätte, hätte er gewusst, wie sich die weitere Endurance-Expedition gestalten würde, lieber seine Füße auf dem Festland zu lassen.


    Unser Flug in einem Lufthansa Jumbo – noch ohne Mr. Seasick und von einem blinden Passagier ist mir auch nichts bekannt – startet pünktlich gen Ezeiza, den internationalen Flughafen von Buenos Aires. Die Crew ist wieder sehr freundlich und der Service stimmt. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn von schlechtem Service und/oder unfreundlichem Personal bei der LH berichtet wird. Dieses haben wir bisher noch auf keinem unserer LH Flüge erlebt. Auch haben sie beim Kranich-Flieger aufgerüstet, und es gab diesmal Inseat-Entertainment in unseren Eco-Sitzen – diesen Komfort hatte Sir Shackleton auch sicherlich nicht, wenngleich ich denke, vermisst haben wird er ihn auch nicht. Nichtsdestotrotz zogen sich für uns die 13 ½ Stunden Flug.


    Es war das erste Mal bei meinen bisherigen Anflügen auf Buenos Aires, dass wir vom Rio de la Plata über die Stadt einflogen. So konnte ich einen guten Blick aufs Microcentro aus dem Flugzeugfenster werfen, gleichzeitig stellte sich bei mir wieder dieses wunderbare Gefühl ein, dass ich jedes Mal verspüre, wenn wir nach Chile und/oder Argentinien fliegen.


    Mit einem Remise von Manuel Tienda Leon ließen wir uns zu unserem Hotel bringen. Ich hatte fürs Ausschlafen nach Ankunft diesmal das Galerias gebucht wegen der zentralen Lage. Am nächsten Morgen sollte es auch bereits aufs Schiff gehen. Nach Bezug des Zimmers legten wir uns erst einmal hin. Es war jetzt der vierte Besuch für mich in der Stadt der guten Lüfte, so dass wir auch kein allzu großes Besuchsprogramm geplant hatten. Bisher waren wir immer im Oktober oder November bei ausgesprochen angenehmen und sonnigen Temperaturen in der Stadt. Diesmal, im Januar, war es ziemlich heiß und schwül, und es empfing uns ein bedeckter Himmel. Dafür waren wir überrascht, wie vergleichbar leer die Stadt jetzt war. Die Portenos zieht es um diese Zeit ans Meer.


    Aufgrund des Rats eines von mir sehr geschätzten Reisemediziners begann ich bereits heute damit, mich für meinen Kampf mit Mr. Seasick in Form der Einnahme von Reisetabletten zu wappnen. Mr. Seasick sollte gewarnt sein, dass ich gut vorbereitet war und jederzeit bereit sein würde, es mit ihm aufzunehmen, schließlich hatte ich mich auch schon von Herrn Appendix unter ungünstigen Umständen verabschiedet.


    Am späten Nachmittag liefen wir noch ein wenig durchs Microcentro, um dann doch recht früh und sehr müde ins Reich der Pinguin-Träume zu fallen.

  • Hallo Sabine,


    Dein Bericht scheint spannend zu werden, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.


    Wie schlimm Mr. Seasick einem zusetzen kann habe ich auf der Fähre von Dänemark nach Island erfahren. Zuerst habe ich mich über die vielen Leute gewundert, die mit Tüten rum gelaufen sind, einen Tag später hatte ich auch eine in der Hand :roll: Da haben auch die Reisetabletten an Bord nichts mehr geholfen. Beim nächsten Mal werde ich mir vorher ein Pflaster besorgen.

  • Tag 3


    Den Morgen haben wir ruhig angehen lassen und frühstückten erst einmal ausgiebig. Gegen Mittag fuhr uns dann ein Taxi zum Hafen, wo wir zuerst unsere Koffer abgaben und dann durch die Sicherheitskontrollen gingen. Da man sich im Hafenbereich von Buenos Aires nicht zu Fuß alleine bewegen darf, stiegen wir in einen Bus, der uns zur MS Delphin, unserem schwimmenden Zuhause für die nächste Zeit, bringen sollte.


    Wir fuhren zum Pier, wo die MS Delphin lag. Auf einem der hinteren Decks sah ich gleich die acht Zodiacs, die uns in Südgeorgien und der antarktischen Halbinsel vom Schiff zum Land und wieder zurück transportieren sollten. Beim Anblick dieser Zodiacs stieg meine Vorfreude noch einmal, gleichzeitig fand ich es auch aufregend, diesen kleinen Hauch von Abenteuer, wenn auch gut organisiert, zu verspüren.


    Neben dem größten Feind auf dieser Reise, die Badezimmertür (wie wir später vom Expeditionsleiter hörten – denn niemals sollte man sich im Türrahmen festhalten, da eine Schiffsbewegung die schwere Badezimmertür zufallen lassen kann), würde ich gleich die Kalorienzufuhr anführen. Kaum hatten wir an der Rezeption unsere Kabinenkarte bekommen, konnten wir gleich durchgehen ins Restaurant zum Mittagessen, wo heute Mittag noch freie Platzwahl war.


    Den Rest des Tages ließen wir ruhiger angehen, schauten uns das Schiff an, machten uns vertraut mit dem Programm und bezogen unsere Kabine, die sich als äußerst komfortabel herausstellte und in der wir uns sehr wohl fühlen sollten. Wir – als Amateur-Seefahrer – mussten uns erst einmal an den Begriff Kabine gewöhnen, sehr oft verwendeten wir in den ersten Tagen noch den Begriff Zimmer (bei einer Bewerbung für die Endurance-Expedition hätte ich mich wohl damit gleich disqualifiziert).


    Beim Bordmanifest, das ich schon vor Monaten eingeschickt hatte, hatten wir als Tischwunsch eine 4er Belegung angegeben, auch wenn meine Recherche ergab, dass diese keinen Fensterplatz hatten. Gleichzeitig hatte ich noch den Wunsch geäußert, Passagiere unseres Alters zu uns zu setzen. Zu unserer Freude bekamen wir einen 4er Tisch direkt am Fenster (insgesamt sah ich nur zwei davon) – möglicherweise war die höhere Kabinenkategorie der Grund.
    Zum Abendessen lernten wir dann auch unsere Tischnachbarn für die nächste Zeit kennen. Es waren zwei Herren unseres Alters und wir verstanden uns sofort. Im Verlauf der Reise haben wir gemeinsam viel gelacht und die Chemie stimmte einfach.


    Obwohl mein Gleichgewichtssinn bereits am Mittag beim Betreten das ganz leichte Schwanken des Schiffes vermeldete und dieses Gefühl auch nicht mehr verschwand, hatte ich heute einen Punkt gegen Mr. Seasick erzielt.


    Mr. Seasick - ich = 0:1

  • Tag 4


    Das Schiff lag an diesem Tag noch in Buenos Aires, das Ablegen in unser kleines Abenteuer war für 1:00 Uhr nachts geplant.
    Wir hatten für den heutigen Tag keinen der angebotenen Ausflüge gebucht, da wir zum einen schon vieles kannten und zum anderen keine Lust auf eine Ganztagestour auf eine Estancia in der Nähe von Buenos Aires mit mehreren Busladungen hatten.


    So entschlossen wir uns, auf eigene Faust in die Stadt zu ziehen. Wir liefen kreuz und quer, vieles kam uns so bekannt vor, dass wir in dem Gebiet noch nicht einmal einen Stadtplan brauchten. Leider spielte das Wetter nicht so recht mit, nicht nur dass sich zwischendurch immer mal wieder der Himmel verdächtig zuzog und ein wenig Nieselregen herunterkam, nein, es war zudem noch sehr schwül. Das Wetter im Oktober/November, wie wir es bisher in Buenos Aires kennengelernt hatten, gefiel uns viel besser.


    Wir liefen zur Plaza de Mayo, wo wir das Museum hinter der Casa Rosada besuchen wollten. Demonstrationen in Buenos Aires hatten wir schon einige gesehen, diesmal wunderten wir uns jedoch über die ausgesprochen vielen Transparente auf dem Plaza de Mayo und auch die Gitter, die den Platz in der Mitte abtrennten. Durch Spalten, durch die man als Fußgänger gehen konnte, gingen wir Richtung Casa Rosada. Uns kamen zwei Polizisten entgegen, und ich fragte einen der beiden, wo genau dieses Museum, von dem ich gelesen hatte, denn wäre. Er zeigte es uns und sagte gleichzeitig, dass es zurzeit geschlossen wäre. Schade, wir beschlossen darauf hin, einen Besuch auf unseren Aufenthalt nach der Kreuzfahrt zu verlegen.


    Wir gingen zurück und standen gerade mitten auf dem Plaza de Mayo, als es dermaßen zu regnen begann, dass unsere Schirme dem nichts mehr entgegenzusetzen hatten und binnen Sekunden das Wasser zentimeterhoch auf dem Boden stand. Hier hätten wir gleich einmal unsere Gummistiefel, die aber leider in der Kabine des Schiffes standen, zum Einsatz bringen können …


    Wir liefen Richtung eines Unterbaus am Rande der Plaza, der von Demonstranten errichtet wurde. Am Eingang fragte ich in die Runde, ob wir reinkommen könnten. Man winkte uns unverzüglich hinein, schleppte Stühle herbei und bat uns sogleich einen Sitzplatz an. In dieser provisorischen Unterkunft saßen vier ältere Männer.


    Ich fragte die Männer, ob die Regierung Probleme damit hätte, dass sie hier demonstrierten, schließlich war ihre Behausung nicht gerade klein errichtet. Nein, die hätten damit kein Problem, war die Antwort.


    Plötzlich kam mir dann in den Sinn, weil das Polizeiaufgebot rund um die Plaza heute größer war als ich es von vorherigen Besuchen kannte, dass es vielleicht doch besser wäre, bald zu gehen. Meine Phantasie blühte plötzlich rege auf und ich stellte mir vor, der Platz wird geräumt und wir zwei Touris ganz unbedarft mittendrin. Nicht auszudenken, wenn wir dann am Abend in einer der Nachrichten über den heimischen Bildschirm geflimmert wären … ich befürchte, in diesem Fall hätte ich den Titel des Reiseberichtes umbenennen müssen, denn den Spuren Sir Ernest Shackletons hätten wir wohl nicht mehr folgen können, und es wären zwei Zodiac-Plätze frei geworden.


    Dann aber ließ der Regen nach, wir bedankten uns bei den Herren, dass sie uns Schutz vor dem Nass gewährt hatten. Nach einer herzlichen Verabschiedung verließen wir den Platz.
    Kleine Anmerkung: Meine Phantasie war aber wirklich etwas mit mir durchgegangen, denn diese Behausung stand auch noch an der gleichen Stelle, als wir mehr als zwei Wochen später wieder in der Stadt waren.


    Auch heute erzielte ich einen weiteren Punkt gegen Mr. Seasick.
    Mr. Seasick – ich = 0:2

  • Hallo zusammen,


    wie sagt man so schön, was lange währt ... Petra hatte ja schon geschrieben, dass sie auf die Fortsetzung gespannt wäre. Gerne schreibe ich hier weiter und stelle ein paar Bilder ein und würde einfach einmal damit anfangen, ein paar zu den bereits geschriebenen Tagen nachzureichen.



    Unsere Kabine:





    Buenos Aires - wie geschrieben, haben wir uns nicht viel in der Stadt angeschaut, da wir schon einige Male in BA waren. Wir haben uns einfach ein wenig durch das Mircoentro treiben lassen, das regnerische, schwüle Wetter hat uns zudem die Entscheidung auch leicht gemacht:













    Muchos Saludos,

    Sabine

  • :thumbsup::-O

    ...das nenn ich ja mal "slow traveling" - ganze 7 Jahre bis zur Fortsetzung.


    So weit in den Tiefen des Forums hatte ich noch gar nicht gestöbert, daß mir dieser angefangene Bericht untergekommen wäre.

    Ich bin jedenfalls gespannt auf ein sehr ungewöhnliches Reiseziel!


    LG

    Gusti

    redfloyd.........................................................................................Gusti
    redfloyd.gifGusti.gif


    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
    Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.

  • So, gleich eine Vorwarnung --- die ersten Tage bis zur Ankunft in Südgeorgien gibt es so gut wie keine Bilder.

    Aber vielleicht interessiert es trotzdem den einen oder anderen, ich habe auch versucht, viele Infos, die so eine Reise (und deren Ablauf) mit sich bringt, in den Text zu bringen.



    Tag 5 – Tag auf See mit Kurs auf Südgeorgien


    Das Ablegen in Buenos Aires war für 01:00 Uhr nachts geplant. So stellten wir unseren Wecker, um dieses Schauspiel, das für uns als Kreuzfahrt-Neulinge etwas Besonderes versprach, live mitzuerleben. Der Wecker klingelte pünktlich und wir standen auf.


    Es standen zwar einige Männer am Pier, aber leider tat sich nicht sonderlich viel. Nach einiger Zeit ging ich dann an die Rezeption und fragte nach, wann wir ablegen würden. Ich bekam zur Auskunft, dass man noch auf die Gäste wartete, die den Tagesausflug nach Iguazu gemacht hätten. Man wisse nicht genau, wann sie jetzt eintreffen würden, die Maschine hätte Verspätung. Eigentlich hätten sie schon vor 2 bis 3 Stunden wieder auf dem Schiff sein müssen. Wir liefen noch ein wenig auf Deck umher, nur wenige andere Gäste waren ebenfalls aufgestanden, auch sie warteten auf das Ablegemanöver. So kamen wir ins Gespräch mit einem sehr netten Paar aus Hamburg, mit dem wir im Verlauf der Reise zusammen mit unseren Tischnachbarn unsere eigene kleine Gruppe bildeten. Wir sechs waren alle mehr oder weniger im selben Alter und beschlossen recht schnell, uns gemeinsam als Gruppe für die Zodiac Ausflüge anzumelden.


    Einige Zeit schauten wir noch in den Nachthimmel über Buenos Aires immer in der Hoffnung, dass wir ein Flugzeug sehen würden, so wie wir sie tagsüber mehrmals beim Landeanflug auf den innerstädtischen Flughafen Aeroparque über uns hinweg flogen sahen - aber leider nichts. Ich fragte mich, ob es hier ein Nachtflugverbot gäbe und wann wir in diesem Fall wohl ablegen würden. Unser Zeitplan mit den Anlandungen war sicherlich strikt vorgegeben. Na ja, nützte jetzt alles nichts und so legten wir uns wieder hin.


    Gegen 03:30 Uhr nachts wurde ich von einem Geräusch wach. Nur gut, dass unsere Kabine direkt auf dem Bootsdeck lag, so war ich ganz schnell draußen, um zu sehen, ob sich etwas tat und tatsächlich, am Pier herrschte Gewusel. Eilig machte ich meinen Mann wach und wir beide gingen nach draußen, um das Ablegen mitzuerleben. Irgendwann in der Zwischenzeit mussten die Ausflügler aus Iguazu eingetroffen sein. Sie hatten auf jeden Fall einen ziemlich langen Tag hinter sich. Wir hatten uns gegen diesen Ausflug entschieden, da ich die Fälle schon zweimal, allerdings immer für länger als einen Tag, besucht hatte.


    Die Skyline von Buenos Aires wirkte imposant, noch um diese Zeit strahlten viele Lichter aus den Hochhäusern, besonders um den Bereich des Puerto Madero. Bei meiner ersten Reise vor vielen Jahren befand sich dieser Bereich gerade im Um- und Aufbau. Damals schien dort vieles verlassen zu sein, jetzt hingegen wirkte er modern und ist sehr angesagt.


    Ich verspürte eine große Vorfreude, als wir langsam ablegten und uns unserem nächsten Ziel nähern würden, wo wir das nächste Mal Festland betreten sollten. Auf nach Südgeorgien, ins Reich der Königspinguine!


    Leider hatten wir, besser gesagt ich, ab jetzt einen ständigen Begleiter, den ich nicht recht abschütteln konnte. Der Name dieses aufdringlichen Kerls lautet Mr. Seasick.


    Am frühen Morgen fand die obligatorische Seenotrettungsübung statt, und ich hoffte inständig, dass wir unser hier erworbenes Wissen nicht zur Anwendung bringen werden müssen.


    Tagsüber verbrachten wir immer wieder mit Beobachtungen an Deck und besuchten zudem einen interessanten Vortrag über die Vogelwelt des Südpolarmeeres. Ab heute gab es jeden Tag verschiedenste Vorträge des hervorragenden Lektorenteams im Grand Salon. Leider hatte der Grand Salon einen großen Nachteil, es schaukelte ziemlich und die Luft war in diesem Raum sehr schlecht, sodass ich nicht so viele Vorträge habe besuchen können, wie ich unglaublich gerne hätte. Aber die Spucktüte der Lufthansa, die jetzt immer an der Frau war, wollte ich auch nicht unbedingt füllen … diese Freude wollte ich Mr. Seasick nicht gönnen.


    Abends fand der Kapitänsempfang statt, um den wir einen Bogen machten, nachdem wir festgestellt hatten, dass sich eine lange Schlange bildete, um dem Kapitän die Hand zu schütteln. Darauf hatten wir so gar keine Lust, sodass wir währenddessen nach draußen gingen und noch frische Seeluft genossen. Hier trafen wir dann auch wieder das Hamburger Paar, die sich - wie wir - entschlossen hatten, lieber hier draußen noch ein wenig aufs Meer zu schauen. Gemeinsam gingen wir dann anschließend zum Gala-Dinner – ohne besonderen Kleidungszwang. Im Programm stand: „sportlich elegant“, was den einen oder anderen aber nicht davon abhielt, sich in große Robe zu hüllen … was ein Smoking mit sportlich elegant zu tun hat, erklärt sich mir nicht.


    Den Tag habe ich alles in allem ganz gut mit Reisetabletten überstanden und vergebe ein Unentschieden zwischen Mr. Seasick und mir.


    Mr. Seasick – ich = 1:3