Posts by ninka


    Hallo S@bine,

    Und danke erstmal!
    Simeon hat nach seinem Wehrdienst ein paar Monate in einem Kibbuz gelebt. Ich würde, dass auch unheimlich gerne mal machen. Aber es hat sich bisher nicht ergeben.

    Mir ging es da ganz ähnlich wie dir, zum Teil geht mir das heute noch so. Ich bin damals, 2012, auf jedenfalls mit gemischten Gefühlen nach Israel und mit gemischten Gefühlen wieder nach Hause.
    Ich würde auch Leuten, die nach Israel reisen, wollen auf jedenfalls empfehlen eine Führung zu machen. Zumindest in den großen Städten wie Jerusalem. Ich hatte halt das große Glück, dass ich Simeon kennengelernt habe, der mich viel rumgeführt hat und mir unter anderem auch dieses Erlebnis in Hebron ermöglicht.

    Ich werde auf jeden Fall auch noch was zu Me'a She'arim schreiben. Dort bin ich 2012 mit einer Kollegin gewesen, und 2016 nochmal mit Simeon an Purim (und an Purim in ein Ultraorthodoxes viertel zu gehen würde ich jedem empfehlen).
    Dazu werde ich auf jeden Fall nochmal etwas schreiben.

    Nun ja, manchmal überschattet aber auch so ein Erlebnis vieles. Eine Bekannte war in Indien und fand es furchtbar und superanstrengend. Das lag wiederum daran, dass sie ungefähr die halbe Reise mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hatte: Wenn man sich permanent matt fühlt, nichts essen kann und unterwegs immer wieder Angst haben muss, dass Tee und trockener Reis einem wieder mal irgendwo rauslaufen, dann kann ich verstehen, dass man vom Land selbst und dessen schönen Seiten nicht mehr viel mitbekommt.

    Ich kann das voll verstehen, dass man dann von den schönen Seiten des Landes nicht so viel mitbekommt. Aber für mich wäre, dass dann kein Grund nie wieder dorthin zu reisen. Ich würde dann auf jeden Fall nochmal hinwollen und das ohne Einschränkungen zu genießen. Ist aber natürlich auch nur meine Meinung.

    Ich bin aber bisher auch meist vor schlimmeren verschont geblieben. In Nepal hatte ich am Anfang ein paar Tage durchfall, dann ging es, in Afrika einmal an einem Tag. In Israel war ich einmal von Expats in Jerusalem zum Grillen eingeladen, da gab es Würste aus Schweinefleisch von einem Metzger aus dem christlichen Viertel. Danach hatte ich zwei tage durchfall und starke Magenkrämpfe, habe stark geschwitzt, hätte ich damals nicht für MSF gearbeitet, wäre ich eventuell ins Krankenhaus gegangen, am zweiten Tag.


    Noch eine kurze Rückmeldung zu dem Staatsstreich in Guinea (leider nur in Französisch): Coup d'Etat en Guinée

    Sie kam rechtzeitig vor dem Staatsstreich in Cky an:-/. Gestern gab es keine Flüge mehr nach Conakry. Jetzt muss sie abwarten und hoffen, dass bald wieder Normalität eintritt.

    Viele Grüße

    horas

    :(

    Ich drücke auf jeden Fall weiter die Daumen!

    Wir erkunden die Stadt noch etwas zu Fuß und finden ein paar schöne Ecken, steigen schließlich bei Gelegenheit in einen der Minibusse. Die Minibusse sind ziemlich praktisch, man braucht keine Haltestelle, man kann sie einfach anhalten, wenn man sie sieht und dann auch dem Fahrer sagen man möchte aussteigen. Nur den Minibus anhalten, wie Simeon es in Ost Jerusalem vorgemacht hat (einfach in den Weg stellen) hätte mich doch etwas Überwindung gekostet, zum Glück war gerade ein Palästinenser da, der auch mit dem Minibus fahren wollte. Ich zeige dem Fahrer auf der Karte wo wir hin wollen und er fährt uns ohne Probleme dort hin. Wir überqueren den Checkpoint bereits im Dunkeln und sind 30 Minuten später am Haus der Familie.

    Wir verbringen noch einen netten Abend mit einigen interessanten Gesprächen. Schließlich geht die Familie ins Bett und ich stelle fest, das mein Adrenalinspiegel ziemlich ansteigt. Gegen 1 Uhr Nachts etwa bekommen wir mit wie eine Gruppe von Siedlern versucht eins der Nachbarhäuser zu besetzen, sie aber von Marcels Kollegen abgewiesen werden. Etwa 30 Minuten später klopft jemand gewaltsam an unsere Tür. Isabel und Mark sind ziemlich beunruhigt, und ich ehrlich gesagt auch, hab fürchte nur das, wenn ich jetzt zeige, dass ich auch wahnsinnige Angst habe, dass die beiden noch mehr verunsichert. Deshalb versuche ich mich zusammenzureißen. Marcel erwähnt das Simeon erzählt habe das ich aus Berlin sei und er fragt, ob ich da schon an Demos und Hausbesetzungen teilgenommen habe. Hausbesetzungen noch nicht, aber ich erzähle auf was für Demos in Berlin und Stuttgart ich bereits war. Das Erzählen hilft mir glücklicherweise mich etwas zu beruhigen und so wirke ich nach außen hin viel souveräner als ich es innerlich bin.



    Es bleibt aber nach der Klopf Aktion ruhig. Der Morgen kommt und damit auch die Erleichterung. Wir fahren zum Schlafplatz zurück wo wir Simeon wieder treffen, er ist mit zwei weitere Leuten von BtS dort und sie haben Frühstück gebracht. Simeon sieht mich und fragt sofort, ob ich schlecht geschlafen habe, "gar nicht" sage ich und er versteht sofort. Er muss lachen, später erklärt er, dass er das schon vermutet hatte, dass ich da dabei sein will. Marcel ist etwas eingeschnappt das Simeon ihn nicht "vor mir gewarnt hat". Aber die Stimmung ist insgesamt fröhlich an diesem Morgen. Alle schaffen es sich an den kleinen dingen im Leben zu erfreuen, und auch ich muss mal wieder feststellen Red Bull schmeckt nach einer viel zu kurzen Nacht leider doch wirklich gut.

    Nach dem Frühstück finden wir etwas Zeit zum Schlafen und am frühen Nachmittag geht es dann zurück nach Tel Aviv.

    Auf dem Rückweg, fahren wir durch eine der Siedlungen und als wir an einer Ampel stehen ziehen wir die Aufmerksamkeit von einem Siedler, der an der Kreuzung steht auf uns. Er beginnt sofort los mit dem Finger auf uns zu zeigen und aufs lauteste zu zetern und zu schimpfen. Ich frage ihn auf Englisch was denn sein Problem ist, worauf er nur noch lauter zu schimpfen anfängt, er verstehe, dass das BtS Logo auf dem Auto die Quelle seines Zorns ist. Vielleicht war es der Schlafmangel, vielleicht auch mein Unverständnis darüber, dass ein Mensch gegenüber anderen Menschen die er nicht mal kennt so viel Verachtung und Zorn zum Ausdruck bringen kann, vielleicht auch der Stress und die Anspannung in Hebron allgemein. Aber während wir da an der Ampel stehen und der Siedler schimpft und zetert ereilt mich ein Moment der Schwäche und ich zeige dem Siedler den Mittelfinger. Nun rastet dieser völlig aus. Rennt im Kreis herum und ich frage mich was das jetzt soll bis ich verstehe das er nach Steinen sucht. Ein paar Meter weiter sind Pflastersteine an einer Baustelle gestapelt und auf diesen Stapel rennt er nun zu, greift einen Stein, läuft wieder zu uns zurück, die Ampel wird grün worauf ich sofort hinweise. Simeon fragt mich was den los sei und ich antworte etwas verlegen "och öh nichts" als ich ihm Tags darauf meine Tat gestehe muss er lachen und ich bin erleichtert.

    Hebron Teil 3

    Seit meinem zweiten Besuch sind ein paar Wochen vergangen. Schon direkt nach meiner Rückkehr hab ich Simeon bekniet, ob er nicht jemand kennt der mich in H1 auf der palästinensischen Seite rumführen kann. Simeon sagt das er zwar ein paar Leute kennt die in Hebron arbeiten aber er denkt er nicht dass die Zeit oder Lust haben sich als Fremdenführer zu betätigen.
    Zwischenzeitlich dachte ich das wird nichts mehr, erst durch konsequentes quengeln und drohen zur Not ganz alleine nach Hebron zu fahren lenkt er schließlich ein und erklärt, dass er mit einem bekannten gesprochen hat der mich rumführen würde.
    Es ist nicht so leicht einen Termin zu finde. Ich habe schon einiges gesehen, will aber noch mehr sehen und Simeon besteht darauf mich nach Hebron zu fahren und so kann mal er nicht mal ich nicht. Schließlich finde ich einen Tag, an dem ich kann und auch Simeon freihat.
    Aber da ist Yom Kippur und da kommt man mit dem Auto nicht weit erklärt er mir. Stattdessen machen wir an Yom Kippur eine Radtour ins Grüne (aber dazu schreibe ich vielleicht ein anderes Mal).

    Schließlich finden sich ein Termin, Simeon will nach Hebron um sich mit Leuten von Breaking the Silence und anderen Gruppen zu treffen, er bleibt aber über Nacht und das bedeutet ich muss auch über Nacht bleiben, Simeon erklärt aber sein Bekannter kann das organisieren. Simeon erklärt mir aber auch, dass die Lage sehr angespannt ist. Und in Hebron zu sein aktuell nicht ganz ungefährlich ist. Er betont das mehrmals und unmissverständlich, aber es ist mir egal, ich habe mir das in den Kopf gesetzt, ich will da hin.
    Vor lauter Freude kann ich meine Klappe nicht halten und Mark und Isabel wollen auf jeden Fall auch wieder mit. Simeon wirkt wenig begeistert als ich ihm erzähle, dass die beiden auch mit wollen, sagt aber nichts dazu, außer dass er das erst abklären muss. Am Tag darauf er zählt er uns, dass wir alle drei mitkönnen, er betont nochmals, dass das nicht ungefährlich ist, aber wir sind alle unbeirrt.

    Wir fahren also mit Simeon nach Hebron in einem Auto von BtS.
    In Hebron macht er uns mit Marcel bekannt. Marcel ist Spanier und ein Aktivist, der sich aktiv für die Sache der Palästinenser einsetzt. Er wirkt wie jemand der die ganze Nacht durchgefeiert hat (Die Verknüpfung dazu werde ich kurze Zeit später machen). Simeon gibt ihm eine riesige Sporttasche und Mark hat sofort Angst in etwas Illegales verwickelt worden zu sein, er flüstert zu mir was ich glaube was in der Tasche ist, traut sich aber nicht die beiden zu fragen. Seine Nervosität steckt Isabel an und ich bin davon leicht genervt. Weshalb ich frage was in der Tasche ist, wovon Mark nun wenig begeistert ist. Marcel zeigt uns den Inhalt der Tasche, darin sind Taschenlappen, Batterien, Fertiggerichte und vor allem Energydrinks. Wir alle müssen herzlich lachen und die Nervosität ist erstmal weg.
    Wir stellen einander kurz vor, Marcel erzählt uns von seiner Arbeit hier, er und andere bewachen Nachts Häuser von palästinensischen Familien, die von der Räumung durch Siedler bedroht sind. Finanziert wird dies vor allem durch Spenden. Auch Marcel erklärt uns in Simeons Beisein noch einmal, das die Lage aktuell sehr angespannt ist. Er erzählt uns auch den Grund. Da in letzter Zeit Siedlungen geräumt worden, sind die Siedler zurzeit besonders angriffslustig und aggressiv. So gab es nicht nur Übergriffe, sondern es wurden auch mehrere Häuser von palästinensischen Familien besetzt, die aus ihren Häusern vertrieben wurden. Die IDF (israelische Armee) hat vor einer Woche einige der von Siedlern besetzten Häuser geräumt. Der Widerstand der Siedler war so stark das über ein dutzend israelischer Soldaten verletzt wurden. Simeon erklärt an der Stelle, dass in der Regel bei solchen Aktionen immer extrem betont wird das die Soldaten gegen die Siedler sich auf jeden so deeskalierend wie möglich sein soll. Es wird immer betont, dass man alles versuchen soll, um die Siedler nicht zu verletzen. Auf die Frage warum das so ist zucken Simeon und Marcel mit den Schultern und sagen vermutlich Politik, Marcel betont, dass die meisten Siedler amerikanische Staatsbürger sein, und die USA will man nicht verärgern.

    Nun trennen sich die Wege von uns und Simeon und Marcel nimmt uns in seinem Auto mit. Erstmal geht es zum Schlafplatz von Marcel und seinen Kollegen. Fast alle die wir dort antreffen schlafen. Die Energydrinks werden in den Kühlschrank gepackt, alles andere wird in die Regale geräumt. An der Wand hängt ein Stadtplan von H2 auf dem von den Siedlern bereits besetzte Häuser Rot und von Räumung/Besetzung bedrohte Häuser mit Grün markiert sind.
    Marcel erklärt uns noch einiges zu den Hintergründen, die zum Teil sehr verwirren und unübersichtlich sind.
    Nur um es kurz zu skizzieren.
    Manche Häuser werden von Siedlern besetzt, diese dringen Nachts in die Häuser ein und überrumpeln die Familien im Schlaf und zwingen sie zum Gewaltsam ihre Häuser zu verlassen. Zum Teil warten sie auch während die Familien nicht im Haus sind.

    Diese besetzten Häuser werden zum Teil von der IDF wieder geräumt, damit die palästinensischen Familien wieder dorthin zurückkönnen.

    Aber auch die israelische Regierung enteignet zum Teil palästinensische Familien, teilweise unter fadenscheinigen Gründen wie etwa, dass das Haus abgerissen werden muss, weil keine Baugenehmigung vorliegt und es somit illegal errichtet worden sei. Das sind Häuser, die zum Teil mehrere 100 Jahre alt sind. Finde dafür mal eine Baugenehmigung. Dazu kommt noch, dass das für die Familien einen langwierigen und teuren Prozess bedeutet, den sich viele gar nicht leisten können.

    Marcel erklärt uns, dass er uns jetzt Tagsüber in H1 rumführen wird, uns dann dort zu unserer Bleibe bringt und er dann aber nach H2 zurückmuss, um ein Haus zu bewachen. Ich widerspreche, dass soeben erfahrene hat meinen Hang zum Aktivismus geweckt. Und ich will nicht in H1 übernachten, ich will Helfen. Marcel ist nicht ganz glücklich über diese Wendung, Mark und Isabell glaube ich auch nicht, aber sie trauen sich nicht etwas zu sagen. Da ich so unnachgiebig bin, gibt Marcel schließlich nach. Er packt eine Tasche und wir fahren, entgegen dem ursprünglichen Plan erstmal zu der Palästinenser Familie, bei der wir später die Nacht verbringen werden. Wir machen uns bekannt, legen unsere Sachen ab, trinken Tee.
    Etwas verspätet brechen wir nun nach H1 auf. Marcel scheint jedenfalls bestens an das Autofahren in Israel und den Palästinenser Gebieten gewohnt zu sein. Er rast durch die Straßen, als müsste er all die Zeit, die uns durch die Planänderung verloren, ging, wieder aufholen. Marcel fährt uns durch Straßen und Gebiete von H1 die wir noch nicht gesehen haben. Die Straßen sind sehr viel belebter als während der Palästinenser Tour.

    Ich ärgere mich, dass ich hinten auf der Fahrerseite Sitze, ich versuche ein paar Fotos durch die Windschutzscheibe zu machen in dem ich meinen Arm mit der Kamera von hinten nach vorne Strecke, aber die meisten sind verwackelt. Ich habe auch etwas Angst das ich bei Marcels rasanten Fahrstil ihm die Sicht nehme und wir einen Unfall bauen.
    Hebron ist hier doch deutlich anders als das Hebron, dass der palästinensische Führer uns gezeigt hat. Damals wurde der Eindruck erwähnt, ganz Hebron sei eine Geisterstadt wie in der Al-Shuhada Straße. Hier sehen wir Menschen auf den Straßen und sehr viel verkehr, wir sehen auch ein paar relativ moderne Autos auf der Straße. Wir parken das Auto und gehen zu Fuß weiter, die Hauptstraße ist sehr belebt und es gibt auch einige Geschäfte. Als ich Marcel erzähle, dass letztes Mal die Stadt ziemlich leer wirkte, frage Marcel ob wir an einem Freitag in Hebron waren. Waren wir, Freitag ist der muslimische Ruhetag. Ich komme mir unheimlich dämlich vor, dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin.
    Mit diesem Wissen, dass ich nun habe muss ich sagen, dass mich die sehr einseitige Darstellung die unser palästinensischer Führer uns gegeben hat, doch sehr stört (wie mich auch die einseitige Darstellung des Siedlers gestört hat) vor allem stört es mich, da es nichts an der Situation der Palästinenser in H2 und an dem Unrecht, das hier jeden Tag geschieht, ändert.

    Irgendwann beginnt Marcel ständig Nervös auf seine Uhr zu gucken bis er uns sagt er müsse jetzt zurück, wir würden Hebron aber gerne noch etwas weiter erkunden. Nachdem ich Marcel erkläre, dass ich mit Simeon in Ost Jerusalem bereits in einem der arabischen Minibusse gefahren bin. Und ich mir das durchaus zutraue, zeichnet er uns schließlich auf wo wir hin müssen, damit wir dort zu Fuß den Checkpoint überqueren können und es dann nicht mehr weit zum Haus der Familie haben. Wir machen noch ein geheimes Klopfzeichen aus, dass Marcel dann auch weiß, dass wir es sind und damit ist alles klar, für mich und Isabel. Mark scheint wenig begeistert und erwähnt zweimal das ihm gesagt wurde, man soll die Checkpoints nicht zu Fuß überqueren, aber er will auch nicht mit Marcel zurückfahren und mich und Isabel alleine in H1 lassen.

    Naja es waren halt die Kinder, wenn ich das richtig Verstanden habe. Kinder können ja durchaus eigenwillig sein, auch wenn es darum geht ihnen die Küche einer anderen Kultur näher zu bringen.


    Auf der anderen Seite wäre, für mich, eine Lebensmittel Vergiftung auch nicht unbedingt ein Grund da nie wieder hin zu fahren.

    Auch wenn es natürlich keine schöne Erfahrung ist, vor allem wenn es im Krankenhaus endet.

    Hi ninka, eine interessante Frage. Wie andere hier bereits schrieben, ist Luxus etwas sehr Subjektives. Ich möchte deshalb auf die Maslowsche Bedürfnispyramide abstellen, dahingehend jemand vielleicht etwas nicht oder noch nicht Zugängliches aus der/den nächsthöheren Ebene(n) als Luxus betrachten könnte. Leider gibt es auf der Welt noch zu viele Gegenden, wo die Menschen noch nicht einmal die unterste Ebene erreichen. Ich bin Nachrichtenschauer und Reisender und bekomme daher mit, wie es in anderen Teilen der Welt zugeht.


    Für mich bedeutet rein subjektiv Luxus, hier in Europa und speziell in Deutschland in einer Gesellschaft leben zu dürfen, in der seit Jahrzehnten Frieden herrscht, in der demokratische Prinzipien sowie Recht und Gesetz gelten und wo man mit seiner Familie in Freiheit, Sicherheit und Stabilität leben kann. Ja, das ist für mich ein Luxus, der nicht automatisch gottgegeben und selbstverständlich ist. Unsere Altvorderen haben lange dafür gerungen und viele Opfer wurden dargebracht, damit wir hier heute so leben können, wie wir leben und ich bin dankbar dafür. Vieles, was hier bei uns benörgelt wird, kann man als Luxusprobleme bezeichnen, wenn man Vergleiche (s.o.) zieht. Und ja, auch Zeit und Gesundheit sind ein Luxus, der wertzuschätzen zu wäre. Alles Materielle, was man gemeinhin als Luxus betrachten kann, steht bei mir weit weit hinten.


    Hallo felix,


    Ja, wie auch schon gesagt, Luxus ist immer subjektiv aufs Individuum bezogen, auf die Gesellschaft bezogen ist Luxus, in unserer Gesellschaft, ganz oft vor allem Materiell und egozentrisch.
    Das ist auch für mich der größte Kritikpunkt an Maslows Bedürfnispyramide, die Ansichten sind doch sehr von unserem westlich, industriellem Wohlstands- und Statusdenken geprägt.
    Denn im Grunde ist so gut wie alles Luxus was wir hier in Deutschland haben oder machen. Auto fahren, Reisen, Bücher und Magazine lesen, ins Restaurant essen gehen, Filme gucken, etc. etc.

    Über die Hälfe von allen Sachen die wir Herstellen von Lebensmitteln über elektronische Geräte, Kleidung, Autos werden nie gekauft, sondern landen am Ende auf den Müll, dieser Überschuss ist ein Luxus den wir uns gönnen, um die Preise stabil zu halten.
    Und wie du sagst, ist es leider, hat die absolute Mehrheit der Bevölkerung auf diesem Planeten, nach unseren Maßstäben, überhaupt keinen Luxus, sie haben nicht einmal, dass was für uns so selbstverständlich ist dass wir es nicht mal merken, dass wir es haben (erst dann, wenn es mal nicht mehr da ist).

    Materielle dinge kommen bei mir auch ganz weit hinten, da habe ich mir auch nie was daraus gemacht. Eigentlich brauche ich diese ganze Lebensweise nicht, hatte da mal mit Hitchhiker/Simeon ein Gespräch, bei dem wir am Ende auf den Schluss kamen, das wir beide wunderbar die ganze Zeit Bäume pflanzen und nackig durch den Wald rennen könnten und es würde uns gefühlt an nichts fehlen. Problem ist halt geht in Deutschland so schwer, weil das Leben hier nun mal so viel kostet. Und somit habe ich eine Menge Luxus in meinem Leben die es mir erlauben in unserer Gesellschaft doch ziemlich gut zurechtzukommen. Ein Beruf, der mir Spaß macht und bei dem ich genug Geld verdiene, dass ich mir nebenbei noch Träume verwirklichen kann und am Ende noch was übrig bleibt, Eltern, die mich immer Unterstützt haben, eine Schwester zu der ich ein super Verhältnis habe, Freunde, Beziehung, Wohnort, etc. Denn das sind ja die Sachen, die es mir ermöglichen, andere Sachen zu machen die unheimlich viel zu meinem Seelenheil beitragen. Reisen, auf Demos gehen, auf kulturelle Veranstaltungen gehen, etc.

    Das sind halt Sachen, die schon irgendwo alles Luxus sind, welche ich die meiste Zeit als selbstverständlich sehe, aber wenn davon was fehlt, dann fehlt das schon. Nie hab ich das mehr gemerkt während des letzten Lockdowns letztes Jahr im Herbst/Winter, ich hab auf der Covid Intensivstation gearbeitet und all die Sachen die ich gerne mache (Kino, Tanzen, Lesungen) gab es nicht. Ohne Simeon wäre ich glaube ich durchgedreht.

    Natürlich gibt es noch ein paar essenzielle Sachen, vor allem technische die ich nicht dauerhaft missen möchte, Handy, Laptop, Fahrrad. Aber da ist es schon so, dass das für mich eben Gebrauchsgegenstände sind und keine Statussymbole. Mein Handy ist vier Jahre alt, mein Laptop glaube ich sieben. Ich kann aber auch mal ohne sein für ein paar Wochen.

    Ganz allgemein würde ich sagen: das, was man für erstrebenswert empfindet und nicht oder - nach eigener Meinung - zu wenig hat und das man sich nicht einfach besorgen kann.


    Ninka empfindet Zeit als Luxus. Der alte, gebrechliche, gut betuchte Herr würde es sicher eher als Luxus empfinden, sich wieder alleine und ohne Hilfe in seinem Haus bewegen zu können. Und jemand, der in Afrika kilometerweise unterwegs ist, um an Wasser zu kommen, würde einen Ziehbrunnen im Dorf als reinsten Luxus bezeichnen.


    Somit ist Luxus immer subjektiv - und kann (und wird sich) auch im Laufe des Lebens ändern...

    Hallo Joe,

    Natürlich ist Luxus immer subjektiv (und kann sich auch ändern). Wie viele andere Sachen ja auch (Schönheit/Attraktivität zum Beispiel, selbst Intelligenz ist eigentlich viel komplexer als die Vorstellung die wir in der Regel davon haben).

    Luxus sind so gesehen für mich viele Sachen, dass ich seit Januar durchgeimpft bin zum Beispiel (und mein Freund auch) denn dadurch wird einiges für uns sehr viel unkomplizierter.
    Auch das wir jede Woche getestet werden ist ein Luxus für mich.

    Aber auch, das mein Freund kocht und überhaupt sehr viel im Haushalt macht (und viele auch selber sieht).

    Dass ich in der Innenstadt wohnen kann und somit im Alltag kein Auto brauche, ist für mich auch Luxus.

    Während für jemand anderen wahrscheinlich das Auto Luxus ist.

    Und natürlich kann sich das auch ändern, wenn wir in 10 Jahren vielleicht 2 Kinder haben sind natürlich unsere Prioritäten ganz anders als sie jetzt sind.

    Was aber Zeit angeht und warum Zeit für mich das ultimative Luxusgut ist, ist Folgendes jeder von uns hat nur so und so viel Zeit im Leben.

    Und deine beiden Beispiele haben ja auch einen Zeitfaktor.

    Der alte, gebrechliche, gut betuchte Herr, der sich wieder ohne Hilfe in seinem Haus bewegen möchte. Der konnte das ja eine ganze Zeit lang, jetzt kann er es nicht mehr, all sein Geld, das er hat, hilft ihm da wenig, egal wie viel es ist, er kann sich davon nicht eine einzige Sekunde Zeit erkaufen, die er länger in den gewünschten Zustand verbringen kann. Also klar kann man jetzt argumentieren mehr Geld, bessere medizinische Versorgung, bessere Möglichkeiten, er könnte sich sein Haus komplett behinderten Gerecht umbauen lassen, das könnte jemand mit weniger Geld nicht. Aber über kurz oder lang läuft es doch darauf hinaus, das ist der natürliche Lauf der Dinge, irgendwann verlieren wir an Mobilität und Selbständigkeit.

    Und jetzt ist die Frage was bereut der Mann? Dass er sich nicht mehr in seiner Wohnung bewegen kann oder dass er die Zeit, die er zur Verfügung hatte, die Zeit als er das konnte, nicht voll ausgenutzt hat.

    Die Person in Afrika ebenfalls, was die Person, dadurch dass sie jeden Tag mehre Kilometer unterwegs ist, um an eine saubere Wasserquelle zu kommen, verliert sie Zeit, Zeit die sie für etwas anderes nutzen könnte. Etwa zum Lernen, Arbeiten, Haus bauen, oder auch um Gar nichts zu tun und nur zu chillen.


    Hallo Petra,

    Gut in dem verlinkten Thread ging es ja spezifisch um materiellen Luxus. Das wäre bei mir dann glaube ich schon wirklich meine Wohnung in der Innenstadt. Zum einen, weil ich das halt, schon so ein bisschen brauche für mein Seelenheil, zum anderen, weil wir dadurch wirklich so ziemlich alles wo wir hinmüssen (Arbeit, Bahnhof, Supermarkt, etc.) mit Fahrrad oder Öffis erreichen können.

    Muss mir morgen mal den ganzen Thread in Ruhe durchlesen.

    Coole Sache mit Rumänien.

    Simeon und ich haben die letzten zwei Jahre, einer bekannten von Ver.di an unseren freien Tagen während der Erntezeit immer Infomaterial, Kalender etc. an rumänische und georgische Erntehelfer verteilt.
    Obwohl wir uns manchmal auch gefragt haben, ob das wirklich was bewirkt, während der Pandemie ist ja aber die Verhandlungsposition der Arbeiter zumindest minimal stärker.
    Was es auch wert ist, wir Essen seitdem wir zum ersten Mal mit Erntehelfern gesprochen haben, nur noch Spargel den wir selber gestochen haben.

    Ein wenig inspiriert von dem was bedeutet für euch Heimat Thread.

    Kurze Vorgeschichte, diese Woche habe ich Spätdienst auf der Intensivstation, ich arbeite von 15 bis 23 Uhr.

    Für mich (uns) sind diese Phasen nicht ganz so toll, weil wir uns mit etwas Glück 2 bis 3 Stunden am Tag sehen. Morgens eine Stunde, wenn wir aufstehen bevor Simeon losmuss, mit etwas Glück eine Stunde auf der Arbeit (wenn wir auf derselben Station arbeiten) sein Dienst geht von 8:40 bis 16:40 und wenn ich pünktlich rauskomme vielleicht noch so eine halbe Stunde, abends wenn ich pünktlich rauskomme, aber oft genug komme ich nicht pünktlich raus und kann dann nur noch leise zu ihm ins Bett schlüpfen und hoffen, dass er nicht wach wird.


    Es hat aber manchmal auch gute Seiten. Montag hatte er frei (da am Wochenende gearbeitet). Und wir sind dann montags morgen zusammen durch die Stadt geschlendert und ich liebe das einfach unter der Woche, wenn eigentlich alle Arbeiten durch die Innenstadt zu laufen und so den Puls der Stadt etwas zu fühlen. Als wir an der riesigen Schlange vorm Testzentrum vorbeigelaufen sind haben wir zu uns gesagt was für ein Luxus und Privileg wir durch unsere Berufe haben das wir einmal die Woche von unserem Arbeitgeber aus getestet werden.

    Heute Morgen bin ich recht früh wach geworden und gerade wenn ich Spätdienst habe freue ich mich immer ein wenig vor ihm wach zu werden, dann kann ich mich an in Kuscheln und das einfach genießen, bis sein Wecker klingelt. Und während ich heute Morgen so da lag und auf die Uhr geschaut habe um herauszufinden wie lange ich denn diesen Zustand noch genießen kann bis der Wecker das beendet. Habe ich mich gefragt, ob nicht Zeit das ultimative Luxusgut ist. Zeit und wie und mit wem wir diese Verbringen.

    Und ohne Wecker aufwachen zu können. ^^

    Was mich zur Frage im Titel bringt, was ist für euch Luxus?

    Mir bedeutet es viel, Wiener zu sein, ich bin aber nicht stolz drauf. Denn stolz kann man nur auf etwas sein, was man durch eigene Leistungen erreicht hat. Stolz bin ich, einen Marathon gelaufen zu sein, einen Preis in einem Fotowettbewerb gewonnen zu haben oder meine Wohnung so eingerichtet zu haben, dass ein Wohnmagazin einen Artikel drüber geschrieben hat.


    Und ganz wichtig: Meine Heimatliebe bedeutet NICHT, dass ich glaube, was Besseres zu sein als ein Tiroler, Kärntner, Türke, Syrer... Es ist mir ein Bedürfnis, das zu schreiben, denn der Begriff "Heimat" wird heute sehr oft im nationalistisch-patriotischen Kontext verwendet, und das ist mir ein Gräuel.


    Da wollte ich noch was dazu schreiben, denn das finde ich ganz wichtig und sehr schön gesagt!

    Mir geht das auch so.
    Ich würde sagen, dass ich glücklich oder froh bin Berlinerin zu sein.
    Ich bin froh, dass ich in einem so freien, demokratischen und vielschichtigem Land wohne.
    Es erfüllt mich mit Sorge das wir heute wieder eine Partei deren Mitglieder antidemokratische, verfassungsfeindliche und vor allem absolut menschenverachtende Ansichten vertreten in unsere Parlamente wählen.

    Es erfüllt mich auch mit Sorge, wenn Politiker einen Maulkorb für die Zivilgesellschaft fordern. Aber was da auch falsch läuft, das entscheidende läuft richtig, den wir dürfen darüber reden, schreiben, auf die Straße gehen. Ich weiß aber, dass das nicht selbstverständlich ist. Daher ist mir das sehr wichtig.

    Ich finde es auch Schade, dass der Begriff Heimat so sehr von der politischen rechten geprägt wird in den letzten Jahren. Und da vor allem Bilder gezeichnet werden, die überhaupt nicht real sind.

    Stolz bin ich hingegen auf eigene erbrachte Leistungen.

    Interessantes Thema, danke für Hochholen!


    Ich kann mich, wenn ich so drüber nachdenke, bei den Kindheitserinnerungen anschließen. Ich würde das mal mehr oder weniger auf das Grundschulalter eingrenzen. Damals wusste ich zwar schon, dass es mehr zu sehen und erleben gibt als meine festgefügte Welt. Aber jemals woanders zu leben, nicht mehr als Kind in der Familie umsorgt zu werden, mich nicht mehr mit meinen damaligen Freundinnen zu treffen, hätte ich mir da nicht vorstellen können. Ich glaube, Heimat ist deshalb für mich auch ein Stück Nostalgie, ein Ort, der in die Vergangenheit reicht mit all seinen Menschen und Erlebnissen und der so gar nicht mehr existiert und vielleicht auch nie existiert hat.


    Da sagst du was Wichtiges auch. Ich bin auch davon überzeugt, dass unsere Kindheitserinnerungen in der Regel ins Positive (manchmal auch ins Negative) verzerrt sind. Irgendwo habe ich mal gehört, dass wir unsere Kindheit immer besser oder schlechter in Erinnerung behalten als sie war.
    Ich würde, dass aber nicht nur auf das Grundschulalter eingrenzen bei mir. Meine Kindheit hat da in jedem Fall eine große Rolle gespielt. Ich bin dafür vor allem meinen Eltern Dankbar, dass ich so eine emotional stabile Person geworden bin die einen guten moralischen Kompass hat und den Mut hat ihren Leidenschaften voll nachzugehen. Trotzdem habe ich irgendwie kaum Erinnerungen an Momente mit meinen Eltern, wo ich heute sagen würde, die waren jetzt entscheidend für meine Erziehung. Aber ich erinnere mich an die Pommes im Freibad, bin mir aber sicher, dass die nur in meiner Erinnerung so gut schmecken. :D
    Meine Zeit als jugendliche hat mich dann aber doch auch sehr geprägt, ich habe angefangen das Berliner Nachtleben zu erkunden, Musik zu entdecken, auf Demos zu gehen, später im Studium hab ich dann selber geholfen Demos zu organisieren.

    Ist zwar schon etwas älter das Thema aber ich denke, mehr Meinungen sind hier sicher willkommen.

    Heimat ist für mich etwas Vielschichtiges.


    Es ist die Stadt Berlin, der Stadtteil Pankow in der/dem ich aufgewachsen bin.

    Es ist etwas Materielles, das ich sehen, hören, riechen oder schmecken kann.

    Die Menschen die dort wohnen, die Sprachen und Dialekte, der Anblick des roten Gebäudes, der Alten Pfarrkirche, der Geruch von Currywurst und Döner und ja, auch der Geruch von Nikotin und Urin in der U-Bahn Sonntags Morgens um 5 Uhr gehört irgendwo auch dazu.


    Es ist immaterielles, das ich höchstens fühlen kann oder weiß, dass es da ist.

    Das wissen das ich mit der Mehrheit der Menschen, die mich Umgeben Wertvorstellungen teile.

    Große, ganz wichtige wie das Menschenbild: Würde, Gleichberechtigung, Toleranz, Respekt und Güte.

    Kleine weniger wichtige wie die ein oder andere Anstandsregel und manche Traditionen oder Rituale. Die Sicherheit so akzeptiert zu werden wie ich bin, die Gewissheit sich nicht erklären zu müssen.


    Vieles davon habe ich natürlich nicht nur in Berlin, sondern auch in Mannheim.

    Trotzdem ist Mannheim, obwohl es mittlerweile seit über 3 Jahren mein zu Hause ist, nicht meine Heimat.


    Der entscheidende Teil sind hier für mich Kindheitserinnerungen.

    Die Erinnerung bzw. der Gedanke an meine Familie, meine Schul- und Kindheitsfreund*innen.

    Solche Sachen wie dass gewisse Snacks oder gewisses Essen aus der Kindheit immer geil bleiben egal wie ungesund sie sind (wie etwa Pommes im Schwimmbad oder Capri sonne).


    Das einzige, was an dieses Gefühl von Heimat rankommt ist meine Studienzeit, die vor allem durch alle jene welche meine WG mit mir bewohnt haben so intensiv und liebenswert gewesen ist. Wenn ich die Wahl hätte wieder in Berlin zu wohnen oder woanders in Deutschland, aber dafür würden alle meine WG Mitbewohner*innen in der Nachbarschaft wohnen würden mir das wirklich schwerfallen, mich zu entscheiden.

    Du hast "unheimlich gutaussehend" vergessen ;)


    Und Ja, lustige Anekdote auch. Da du mich ja zu eine palästinensischen Werkstadt gefahren hast der sofort gefragt hat "Steinwurf" ich mit hochrotem Kopf wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken. Dann hat er gefragt ob er Plastik oder Glasscheiben einsetzen soll. Ich hab verwirrt zu dir uns zu ihm geschaut. Dann hat er gemeint "Die Siedler nehmen immer Plastik scheiben die gehen bei Steinen nicht so schnell Kaputt. Ich hab erst gedacht ich hab mich verhört, frag nochmal nach "Die Siedler kommen zu euch um ihre Autos Reparieren zu lassen?" und er sagt "Ja, ganz viele Siedler fahren zu palästinensischen Werkstätten wir sind viel günstiger als die israelischen Werkstätte." Bin ich die ganze Heimfahrt nicht drauf klar gekommen.

    Finnland im November war jetzt so ne Überlegung, Simeon wollte da immer mal hin, und da uns Ski Gebiete während der Pandemie einfach zu heiß sind (und wir da vermutlich eh nicht hinreisen dürfen) vielleicht ja Finnland.

    Winter wäre zudem auch gut, weil im Sommer die Mücken mich vermutlich auffressen würden.

    Man kann das natürlich vermeiden in dem man nicht in ein Ultra Orthodoxes Viertel fährt (oder am Shabbat generell kein Auto fährt) aber ja, ich finde auch das in Jerusalem viele Viertel sich sehr ähnlich sehen (Simeon sagt jetzt wahrscheinlich gleich die sehen doch ganz unterschiedlich aus :-O). Wenn man sich dann eh schon nicht auskennt kann dass schnell verwirrend sein und schon ist man im Ultra Orthodoxen Viertel und hat zwei eingeworfene Fensterscheiben.


    Gut Maut gibt es in Israel glaub nur 2 oder 3 stellen wo man die bezahlen muss etwa die "Fast Lane" bei Tel Aviv.


    Parken ist wie gesagt seit ein paar Jahren so dass man wo früher Parkuhren standen nur noch per App bezahlen kann und für die braucht man eine israelische Sim. Strafzettel kann man aber bei jeder Post Stelle in Israel bezahlen das ist relativ unkompliziert.


    Stau bin ich eigentlich immer relativ entspannt, glaube dass liegt einfach daran dass ich durch Jahrelanges fahren mit der Deutschen Bahn eine stark erhöhte Leidensfähigkeit habe was so etwas angeht.

    ...


    Eins hab ich noch vergessen,

    In Israel gibt es an ziemlich vielen Stellen Nagelsperren. Oft auch solche, die Verhindern sollen, dass man die Straße gegen die Fahrrichtung befahren kann, also mit der Fahrtrichtung klappen sie runter, wenn man drüber fährt, aber gegen die Fahrtrichtung sind deine Reifen futsch. Für die Israelis, ist das kein Thema, die sind das gewohnt. Dementsprechend lassen die voraussichtlich auch genug Platz bei Rückstau.

    Aber ich (als auch nicht so erfahrene Autofahrerin) stand wie oft mit den Vorderreifen schon über der Sperre mit den Hinterreifen noch auf der anderen Seite am besten noch auf einer abschüssigen Straße und habe jedes Mal beim Anfahren Blut und Wasser geschwitzt wie seit der Fahrschule nicht mehr.


    Das du dich daran noch erinnerst. :love:

    Und natürlich hab ich zwischendurch mit Absicht schlechter gespielt, und dann wieder angezogen, so züchtet man sich starke Gegenspieler! :*

    OK, Orientierungssinn ist schon sehr wichtig wenn man im Ausland fährt, in Los Angeles oder Rio de Janeiro kann sogar tödlich enden.

    Dürfen Ultra Orthodoxen Steine werfen während des Shabbats?:cry: (ehrliche Frage, da ich nicht genau weiß, was tatsächlich verboten ist nicht ist)

    Ich habe schon Orientierungssinn, aber als Radfahrerin orientiert man sich halt anders als ein Autofahrer.

    OK, das deckt sich eher mit dem was ich früher mal gehört habe, dass sie nicht mal Knöpfe in einen Aufzug drücken dürfen und deshalb diese an Ruhetage selbständig in jeden Stock anhalten. :roll:


    Sie dürfen keine Tätigkeiten ausführen die nach der Halacha als Arbeit gelten. Dazu gehört auch das anzünden und löschen von Feuer. In der moderne wurde diese Regel auf elektrische Geräte übertragen, was das Bedienen von Fahrstühlen, Herden, Wasserkochern, etc. ausschließt, deshalb haben solche Geräte in Israel in der Regel einen sogenannten Shabbat Modus, dann halten die Fahrstühle automatisch in jedem Stock wie von dir geschrieben. Das ist aber in öffentlichen Gebäuden (wie Krankenhäusern) und Hotels in der Regel nur ein Fahrstuhl pro Haus.

    OK, vielleicht hätte ich, dass etwas mehr präzisieren sollen.


    Außerhalb der Ortschaften ist es wirklich Super entspannt.

    Da ist, dass einzige was etwas problematisch ist, ist das es in Israel zum Teil drei verschiedene Namen für denselben Ort gibt. Caesarea und Quesarriya zum Beispiel. Das kann man natürlich mit Navigation umgehen in dem man google maps oder die israelische App Waze benutzt.


    In den großen Städten ist es aber anders (zumindest meine Erfahrung). Ich muss vielleicht auch dazu sagen, dass ich keine große Autofahrerin bin, ich bin in Berlin aufgewachsen, habe in Tübingen studiert und lebe jetzt in Mannheim. Ich habe in meinem Leben im Alltag so gut wie nie ein Auto gebraucht. Wir haben aktuell auch beide gar kein Auto da wir auch keins brauchen. Ich hab zwar Führerschein und habe auch kein Problem längere Strecken zu fahren und als wir in Schottland mit dem VW Bus waren bin ich auch gefahren, aber in Israel hab ich anfangs schon geflucht und war wirklich froh, dass ich nicht zum ersten Mal in Israel war. Vielleicht liegt es also auch daran dass ich nicht so oft Autofahre- Fahrrad hingegen habe ich kein Problem bin ich in China gefahren und ging super (man muss sich halt unsere deutsche Höflichkeit etwas abgewöhnen).


    Ich habe 2016 während meines Aufenthaltes für MsF in Israel ein Auto günstig von einem Expat gekauft, der zurück ist als ich angekommen ist. Vor allem da es für mich vieles einfacher gemacht hat. Zu aller erst Ja, die Israelis sind (für mein Empfinden) sehr aggressiv, forsche und unnachgiebige Autofahrer.

    Das wird im Berufsverkehr noch schlimmer denn im Berufsverkehr ist ganz Jerusalem ein einziger Stau, da wird gehupft, gedrängelt, geschnitten und zwanzigmal die Spur gewechselt um zwei Plätze gutzumachen. Wenn man an der Ampel steht, kann man von ausgehen das man in der Sekunde, in der die Ampel von gelb auf grün springt angehupt wird, manchmal auch schon vorher. Wenn man jemanden vor oder durchlässt etwa an einer Kreuzung oder wenn es von zweispurig auf Einspurig wechselt, wird man angehupt. Wenn man aufgrund von Ortsunkenntnis mal 5km/h langsamer fährt, als die Höchstgeschwindigkeit wird man angehupt. Dazu kommt noch dass wenn man jemanden vorlässt dass als persönliche Schwäche ausgelegt wird und der hinter dem gleich denkt "rare opportunity".

    Dazu kommt dann noch, dass ich, mit meinem Fahrradfahrer Orientierungssinn, es tatsächlich Geschäft habe am Samstag falsch abzubiegen und in ei Ultra orthodoxes Viertel zu fahren. Und Ja, die werfen tatsächlich mit Steinen, und ja die treffen auch. Die ersten zwei Wochen hab ich schon ganz schön gelitten, am Ende ging es dann doch, man gewöhnt sich ja dran und passt sich an, ich habe am Ende sogar selber gehupt, wenn jemand bei Grün nicht schnell genug losgefahren ist. Was unter Simeons Freunden zu größter Freude geführt hat, sie haben es als Höchstmaß an Integration bezeichnet.

    Parkplätze sind zudem in Städten wie Tel Aviv oder Jersualem ein Riesen Problem. Das Prinzip ist zwar ziemlich Simpel und genial (farbliche Markierung am Bürgersteig) aber seit 2017 gibt es in Israel fast keine Parkuhren mehr, Parkplätze werden per Apps bezahlt und die funktionieren nur mit israelischer Sim. (Auf jeden fall vorher beim Hotel fragen ob das Hotel einen Parkplatz hat).


    Deshalb, wenn mich jemand fragt, der zum ersten mal nach Israel reist und mich fragt was mit Autofahren ist, würde ich persönlich raten, nur wenn ihr in der Negev oder der Judäischen Wüste oder bei den Golan Höhen reisen wollt. Es gibt aber auch positives die Straßen sind in einem sehr guten Zustand. Ich weiß jetzt nicht wie es in Sao Paulo ist Senugeru. aber wenn es da ähnlich ist bist du es ja schon gewohnt, dann ist, dass entsprechend auch was anderes.