Was kümmert mich mein Geschwätz von vorhin....weiter geht's 
Der Wecker geht früh, aber das macht uns ja nichts aus, wenn man was Schönes erleben darf. Noch ist es dunkel. Wir machen uns also in aller Ruhe fertig, um dann vor Sonnenaufgang erneut den Weg rüber ins alte Dorf anzutreten.
Leider zeigt sich schon, dass die Wettervorhersage, die einen Wettereinbruch für heute vorhersagte, nicht gelogen hat. Es ist zwar trocken, aber bewölkt.
So früh am Morgen, ohne Souvenirhändler und mit wenigen weiteren Menschen, kann man sich noch viel mehr in alte Zeiten zurück versetzen und sich vorstellen, wie man hier im windgeschützten Ksar zwischen den Mauern gelebt hat.
Bauarbeiten zwischen den alten Häusern zeugen davon, dass man nicht nur die Bausubstanz erhalten will, sondern auch verfallene Gebäude mit neuem Leben erfüllen will. Ait Ben Haddou ist DER Besuchermagnet weit und breit. Wie so oft, wenn etwas angesagt ist, sogar leider so sehr, dass es wohl auch wieder viele negative Auswirkungen hat. Mit unserer Besuchszeit am späten Nachmittag bzw. frühen Morgen, bleiben wir aber von den Massen verschont.
Wir stromern also noch etwas die Treppen rauf und runter, biegen um Ecken ab, um uns vor Toren , Tunneln oder den nächsten Treppen zu sehen.
Wir beobachten eine lustige Szene. Eine alte Dame mit Gras in einer Kiepe auf dem Rücken begegnet und und strahlt uns mit einem Salam freundlich an. Wir grüßen zurück und ziehen weiter. Hinter uns passiert das Selbe mit einer Gruppe Osteuropäerinnen, die sofort das Fotomotiv, das die alte Dame abgibt, erkennen. Sie bitten uns, Fotos mit Ihnen zu machen. Die alte Dame legt sich ins Zeug, lacht, klatscht und singt und animiert die Damen um sie rum, es ihr gleich zutun. Kaum sind die Fotos geschossen, wird ein Obulus erwartet, der durchaus kritisch beäugt und nachgefordert wird. Die Dame hat da mit Sicherheit ein lukratives Geschäftsfeld für sich entdeckt. Dass sie nicht wirklich mit ihrer Rückenlast irgendwohin gehen will, lässt sich leicht daran erkennen, dass sie zwar etwas auf dem Rücken trägt, aber nicht annähernd so viel, wie wir vorher auf den Straßen beobachten konnten. Aber gut, die Touristinnen hatten ihren Spaß und Fotos, die Dame ein paar Dirham. Klingt nach Win-Win und wir konnten eine lustige Begebenheit beobachten.
Ein letzter Blick aufs Dorf, bevor wir zurück zum Hotel zum Frühstück auf der Terrasse gingen.
Unser Hotel Dar Mouna hat uns gut gefallen. Die Bewertungen im Vorfeld waren nicht ausschließlich hochlobend, aber wir fühlten uns wohl. Die Lage ist die Beste, die man sich vorstellen kann: gegenüber des Dorfes, so dass man von der Terrasse oder, je nach Zimmer auch aus dem eigenen Fenster, den Ksar gegenüber sehen kann. Das Personal war durchweg freundlich, es gibt einen Pool, Parkplätze und sogar ein Frühstücksbüffet. Das Essen war o.k. Unser Zimmer war ein typisches Lehmhaus-Zimmer, aufgrund der dicken Mauern und kleineren Fenster etwas dunkle aber super sauber.
Ein paar Tage später übernachteten wir in einem ganz, ganz tollen Hotel, das nur 10 Autominuten entfernt liegt. Aber letztlich war es gut, direkt im Ort zu sein und die Möglichkeit zu haben, spontan rüber zu gehen.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den nicht allzu langen Weg Richtung Dades Tal. Der Plan war, gegen Mittag dort zu sein, um noch eine kleine Wanderung zu machen.
Zuerst fahren wir jedoch durch Ouarzazarte, Marokkos Hollywood. Zahlreiche Filme wurden hier in den Studios und in der Umgebung gedreht. Sogar ein Film-Museum in dem man durch einige Kulissen schlendern kann, gibt. Die Bewertungen davon sind jedoch nicht ganz so überzeugend. Und da es jetzt eh nicht unbedingt auf unserer To-Do-Liste stand, lassen wir es links liegen.
Kurz vor Ouarzazarte springen wir noch in den Carrefour und füllen unsere Vorräte auf.
Kurz vorm Ortsausgang ist es dann soweit...auch wir werden von der Polizei angehalten. Dazu muss man sagen, dass die Kreisverkehrgestaltung hier schon speziell ist. Man hat nicht unbedingt Vorfahrt, ist man einmal im Kreisverkehr. Und so mussten wir an einem Stopschild an der Einfahrt stoppen und direkt vor der nächsten Zufahrt in den Kreisverkehr wieder. Mein Mann achtet nur auf den einfließenden Verkehr, ich sage noch "Du hast ein Stopschild überfahren", da kommt schon die Kelle.
Die Polizei hat es sich in einem Café am Ausgang des Kreisverkehres Richtung Schnellstraße gemütlich gemacht und zieht einen Touri nach dem Nächsten raus. Alle übersehen das 2. Stopschild.
Der Polizist ist freundlich, spricht sogar englisch und was soll man leugnen, wenn man es doch getan hat. 10 Minuten später, um eine Erfahrung reicher und 40 Euro ärmer fahren wir weiter. Einerseits war es offensichtlich, dass man sich dort positioniert hatte, weil in diese Stop-Schild-Falle alle tappen. Wir waren aber einfach froh, dass es wegen etwas passierte, was wir getan hatten, man sich nicht abgezogen fühlte und somit auch kein blödes Gefühl aufkam. Sogar eine DIN-A-4 große Bestätigung des Vorfalls samt Quittung gab es (auf Wunsch meines Mannes, der nun mal kein arabisch lesen kann, aber unterschreiben sollte, noch um den Tatbestand auf englisch ergänzt).
Groß ärgern galt nicht, in Deutschland wäre das wesentlich teurer geworden.
Was uns viel mehr ärgerte, war das:
Regen! Ernsthaft Marokko?
Die weitere Fahrt verlief ereignislos, bei Regen und grau und grau kann einen ja auch oft die Landschaft nicht begeistern. Zumal wir uns fragten, was wir nur am Ziel machen, wenn es regnet.
Die Fahrt ins Dadestal ist wunderschön. Anfangs noch relativ breit, führt die Straße vorbei an kleinen Dörfern, unzähligen Palmen und beeindruckenden Felsformationen. Je weiter und höher wir kommen, desto enger wird das Tal (ohne zu einer wirklichen Schlucht zu werden) und desto kühler wird es.
Bei 14 Grad und leichtem Nieselregen steigen wir dann schlussendlich bei der nächsten Unterkunft aus. Hier im Tal gibt es unzählige Übernachtungsmöglichkeiten von sehr günstig bis zu wirklich sehr teuer. Wir haben uns für das Riad Gabsi aufgrund der guten Bewertungen entschieden. Kaum angekommen, kommt man uns schon entgegen und führt uns durch das ein wenig verwinkelt und verwirrend gebaute Haus auf eine überdachte Terrasse am Pool. Wie freundlich wir begrüßt werden. Sogleich gibt es Tee und Gebäck, das W-Lan-Passwort, die Frage ob wir etwas zu trinken benötigen und der Hinweis, dass wir jederzeit Kaffee, Tee oder Wasser haben könnten.
Unser Zimmer ist groß und absolut sauber, eigentlich sogar sehr schön eingerichtet, hätte man nicht noch eine eher abgewohnte Ledercouch mit hinein gestellt.
Wir richten uns ein und überlegen uns dann Plan B. Also sitzen wir kurz darauf wieder im Auto und fahren ein paar Kilometer weiter zum engsten Stück des Tales, wo sich in zahlreichen Serpentinen die Straße über einige Höhenmeter nach oben schlängelt.
Oben, mit Aussicht auf das Tal unter uns, trinken wir einen Kaffee und beschließen dann, wieder ein Stück zurück zu fahren, um uns die berühmte Felsformation der Affenfinger anzuschauen. Der große Parkplatz hier ist verwaist. Kein Wunder bei der Kälte und dem leichten Regen. Wir schauen uns ein wenig um, entscheiden aber, dass ohne eine Regenjacke (und die hängt zu Hause im Schrank) selbst eine kleine Wanderung sehr unangenehm werden würde.
Also legen wir auf unserem Zimmer eine kleine Pause ein, lesen, schlafen etwas, bis wir draußen hören, wie vor unserer Tür der Nasse Boden geflitscht wird und wir messerscharf folgern, dass man das ja nur macht, wenn es nicht mehr regnet.