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    Ich habe auf jeden Fall bei meinem zweiten Besuch anderes gesehen und das entspannter.


    Das mit den U-Bahn-Stationen war nicht besonders schwer. Abzählen muss man nicht mehr, das macht die U-Bahn nun für dich: Die Stationen sind durchnummeriert, und wenn du dir die ganzen Dongs und Ros und Gus nicht merken kannst, merkst du dir einfach, dass du bei 51 einsteigst und bei 58 aussteigen willst. Außerdem stehen die Namen der Stationen in unserer Schrift angeschrieben.


    Tricky fand ich manchmal (allerdings lange nicht so fies wie in Tokio), den richtigen Ausgang zu finden. Es gibt teilweise unterirdische Straßen über hunderte von Metern, meistens mit Shops etc. ganz ansprechend gestaltet. Aber wenn man den Ausgang 3 sucht, kann Ausgang 4 schon wieder fast 1 km entfernt sein. Entweder traut man sich dann wieder in die Unterwelt oder man muss ggf. überirdisch eine Möglichkeit suchen, eine Straße zu überqueren, das ist leider auch nicht immer einfach dort8|

    Wie immer habe ich leider nicht genug. Obwohl ich schon fast nicht mehr aufnahmefähig bin und ein bisschen deprimiert vom trüben Wetter, muss es also noch weiter gehen zum Changdeokgungpalast inmitten einer großen Parkanlage. Inzwischen etwas lustlos, laufe ich auch hier herum und bedauere, dass ich schon so fußlahm bin.






    Und weil auch das nicht genug ist, muss es noch das Bukchon Hanok-Village sein. Hanok Villages sind historische Stadtteile, in denen sich noch viele Häuser in alter Bauweise finden. Diese sind teilweise aus Holz und Papier gefertigt, sodass sehr viele dieser Siedlungen den Koreakrieg nicht überstanden haben. Hier finden sich in den Gassen Zahnarztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien hinter den restaurierten oder neu aufgebauten Fassaden und manch unmissverständliches mehrsprachiges Verbotsschild weist darauf hin, dass sich ab hier Privatgrund befindet um die Touristen davon abzuhalten, sich mal ausführlich im Innenhof umzusehen und durch die offene Tür die Mama am Kochtopf als malerisches Sujet zu fotografieren.






    Hier finde ich auch ein nettes Café mit einem tollen Cappuccino und einem verdammt guten Kuchen.



    Eigentlich will ich nur noch zurück. Aber wieder mal unterschätze ich die Entfernungen und mache mich auf Schusters Rappen auf den Weg in Richtung des Hotels. Ich gehe durch die inzwischen beleuchtete Stadt, kann mir den Besuch in einem Uniqlo hier und einem Schnickschnackladen dort in der belebten Fußgängerzone nicht verkneifen. So langsam lohnt es nicht mehr, ins Hotel zu gehen, nur um dann gleich zum Essengehen wieder aufzubrechen. So finde ich dann in Myeongdong ein Fonduerestaurant, wo vor mir Unmengen an Gemüse, Fleisch und Seafood auf den Tisch geladen werden, die ich in der heißen Brühe garen und dann in Salatblätter gewickelt essen soll. Um das Gemüse und das Fleisch zu zerschneiden, gibt es eine Schere, wie praktisch im Gegensatz zu Messer und Brettchen.


    Hier gibt es dann das erste echte sprachliche Missgeschick. Der Kellner, der kein Englisch kann und seine Kollegin, die ebenfalls kein Englisch kann, wollen meine Bestellung aufnehmen. Mit Google Übersetzer fragt mich der Kellner, ob ich die Brühe “hot” will. Äh, na klar will ich die heiß, in kalter Brühe wird doch das gute Essen nicht gar. Und so kommt der Topf mit der Brühe, und was ich dann dort nach dem Garen heraushole, ist höllisch scharf. Echt jetzt! Und dabei bin ich scharfes Essen gewöhnt. Ich gucke hilflos. Und die Kellnerin, die ich gerade so ungnädig angeblitzt habe ob der albernen Frage, ob die Brühe “hot” sein soll, kommt mit nachsichtiger Miene und mit einem Napf und schöpft die etwa 2 cm dicke Schicht Chili-Öl von der Brühe. Den Rest des Essens verputze ich entspannt und mit Genuss.


    Ich gönne mir auf dem Rückweg als Nachtisch noch ein kunstvolles Blumeneis und falle völlig fertig ins Bett.



    Nun ja, beim zweiten Besuch - aber auch das ist ja irgendwie normal - habe ich dann einen geschlosseneren Eindruck der riesigen Stadt bekommen. Aber da hatte ich ja die hauptsächlichen Sehenswürdigkeiten ohnehin schon mal kurz gesehen und konnte entscheiden, was ich noch einmal sehen will, was Neues dazukommen sollte und was verzichtbar ist, weil es reicht, es einmal gesehen zu haben.

    Zu Fuß gehe ich zum Jogyesa-Tempel. Hoppla, Korea gilt doch immer als so ehrlich und aufrichtig. Dennoch erwartet mich hier ein Scam-Versuch. Vor dem Tempel fängt mich ein Mönch oder zumindest ein Mensch im Mönchsgewand ab und bittet mich, mich mit einem Gruß in sein Freundschaftsbuch einzutragen. Ich schreibe meinen Namen und irgend etwas Nettes und male ein Smiley. Er bedankt sich, dass ich einverstanden sei mit einer Spende und fragt mich nach einigen tausend Won. OK, wieder was dazugelernt. Er geht leer aus.


    Ich sehe mir die aufwändigen Rabatten und die Kunstwerke aus Blumen an vor dem Tempel und betrete das Tempelinnere. Wie so oft in Korea, gerade auch in den städtischen Tempeln, an denen viel los ist, sitzen hier auf quadratischen Meditationsmatten dicht an dicht Menschen. Vor dem Altar mit den 3 Buddha-Statuen beten Menschen oder führen Niederwerfungen aus.


    In den hinteren Reihen sitzen die meist älteren Koreanerinnen zwischen ihren Büchern, Malas, Schreibzeug und Thermosflaschen und üben sich in Heiligkeit und schwatzen auch mal miteinander. Vorsichtig bahne ich mir zwischen den vielen am Boden kauernden Menschen meinen Weg und sehe mir den Tempel genau an.


    Im angrenzenden “Devotionalienladen” gibt es Buddhastatuen, Amulette und Malas in allen möglichen Ausführungen.















    Hinter dem Tempel beginnt das Viertel Insadong, ein Stadtteil, in dem sich Läden für schöne und nicht so schöne Souvenirs, für Kunst und Kitsch sowie Galerien aneinanderreihen, abgelöst von Teestuben und Restaurants. Ich bin etwas KO, das Wetter ist ungemütlich, sodass ich mir neben dem Bummel durch Läden und Seitengassen eine Pause bei einem ersten Bibimbap gönne und währenddessen schon wieder eine Prozession in historischen Kostümen und von scheppernder Musik begleitet von oben betrachten darf.

    2.11.2017 Seoul Overkill


    Ich bin ehrlich: Es war halt eigentlich eine Taiwan-Reise und die 3 Tage Seoul sind halt “nur so” ein Anhängsel, von dem ich nicht viel erwartet habe. Insofern habe ich nur einen extrem groben Überblick über das, was mich hier erwartet.


    Frühstück habe ich nicht mitgebucht. In der globalisierten Welt gibt es überall Starbucks und ähnliches, auch direkt am Hotel. Überhaupt ist Korea ein Land, in dem viel Kaffee getrunken wird, sodass mir klar ist, dass ich das überteuerte Frühstücksbuffet nicht brauchen werde, sondern überall einen Coffee to Go und ein süßes Teilchen finden werde.


    Erwartungsvoll ziehe ich los und finde schnell heraus, dass eine T-Money-Card die deutlich bessere Alternative zum Kauf von Einzeltickets für die Metro ist. Man muss sich nicht darum kümmern, was für ein Ticket man braucht, sondern muss nur für genügend Guthaben auf der Karte sorgen. Ich schaffe es, eine zu kaufen und Geld darauf zu laden am Automaten. Die rote U-Bahn-Linie bringt mich direkt zum Gyeongbokgung, einem der 5 großen Paläste. Korea zeigt mir gleich, was es zu bieten hat. Hier findet - dank meiner schlechten Reisevorbereitung - für mich völlig unerwartet und somit positiv überraschend bei meiner Ankunft eine prächtige Wachwechselzeremonie statt in historischen Kostümen und mit viel exotischem Krach.


    Anschließend reihe ich mich in die Schlangen der nationalen und internationalen Touristen ein um die beeindruckende Palastanlage zu besichtigen. Leider ist es heute kühl, windig und diesig, dennoch fallen mir die bunten Bäume in ihrer Herbstlaubfärbung auf, der Kontrast zwischen dem historischen Palast und der modernen glitzernden Stadt auf der einen Seite und den Bergen des nahen Bukhansan-Nationalparks, zu dem am Wochenende die wanderfreudigen Koreaner aufbrechen, um sich von der Hektik der Metropole zu erholen, auf der anderen Seite.


    Ähnlich wie auch in Japan an vielen Stellen, mieten sich auch hier chinesische Touristen gerne einen Hanbok, eine historische Tracht, um die Vibes beim Besuch der historischen Sehenswürdigkeiten besser zu fühlen. Ich fänd das nur unbequem, aber ein nettes Motiv ist es schon, wenn eine so hübsch gemachte Dame ein Foto ziert.















    Wäre ja auch zu schade, wenn das schöne Moos von Hunderten täglich niedergestampft würde...


    Wie hat das Fahren eigentlich funktioniert? Ist irgend etwas (außer der Straßenseite) eigentlich grundsätzlich anders als beim Fahren in Deutschland? Ich kenne das Fahren in Japan ja nur von der Busfahrt als Passagierin von Tokio nach Kawaguchiko und zurück und habe es eigentlich ganz entspannt in Erinnerung...

    Ja, ich fand auch Ähnlichkeiten! Vor Taiwan hatte mir jemand erklärt, Taiwan sei wie Japan, nur günstiger. Daraufhin buchte ich ja völlig begeistert um dann herauszufinden, dass Taiwan mir "viel zu chinesisch" ist und ich so gar keine Japan-Assoziationen hatte.


    Ich wechsele immer vor dem Abflug bei der Reisebank einen kleinen Betrag, so auch hier. Aber das sind dann immer nur ein paar Euro für die erste Fahrkarte, das erste Getränk und ein paar Kekse, halt so 20 oder 30 Euro. Meistens ist ja der Wechselkurs erbärmlich.


    Ich hatte in der Situation schon darüber nachgedacht, ob ich am Hotel darum bitten kann, meine Karte zu belasten und den Betrag in bar auszuzahlen. Aber das war ja dann zum Glück nicht nötig.

    1.11.2017 Taipeh - Seoul


    Ich bin auf dem Rückweg aus Taiwan und lande am Incheon Airport in Seoul, ein Airport, der als überaus effektiv bekannt ist. Dennoch irre ich ein wenig durch leere Hallen aus Stahl, Glas und Beton auf der Suche nach der Bahn in die Stadt. Es gibt langsame Bahnen und Schnellzüge in die Innenstadt. Der Ticketkauf für die Bahn gelingt am Automaten. Geschafft! Schließlich sitze ich im Zug und genieße das Gefühl, das ich immer habe auf Reisen, wenn ich fremdländische und verheißungsvolle Namen von Haltestellen lese und höre. Dass es hier nicht wirklich verheißungsvoll aussieht, werde ich erst bei Tageslicht am 5.11. auf der Rückfahrt zum Airport feststellen können. Jetzt ist es nämlich schon dunkel.


    Ich komme am Lotte CityiHotel Myeongdong an, ein gutes Mittelklassecityhotel zu erschwinglichem Preis, zentral gelegen, nur einige Minuten von der zentralen Shoppingzone Seouls entfernt, ganz in der Nähe einer U-Bahn-Station, von der aus ich bequem auch an andere Ziele gelangen kann.


    Ich irre ein bisschen mit meinem Köfferchen um die wenigen Ecken, die mich vom Ziel trennen, lande schließlich am Hotel. Dann stehe ich vor der riesigen Statue, die mir auf den Bildern auf den Buchungsseiten schon ins Auge gefallen ist.



    Im Hotel spricht man Englisch. Das Einchecken funktioniert wie erwartet reibungslos und professionell. Das Zimmer ist neu, sauber, mittelgroß und so komfortabel, wie es sich für moderne 4 Sterne gehört.


    Ich ziehe nochmal los, denn ich brauche unbedingt noch einige Zehntausend Won, will ein bisschen runterkommen und bin neugierig. Ich gehe aus dem Hotel in Richtung des seit einiger Zeit wieder freigelegten und zum städtischen Naherholungsgebiet umfunktionierten Kanals.


    Mich überkommt Staunen und eine blubbernde Freude: Ich finde die Stadt in der kühlen, klaren Herbstluft schon jetzt atemberaubend: Moderne, glitzernde Hochhäuser, Lichtinstallationen am Spazierweg am Kanal, alles sauber, aber nicht steril, viele Kleinigkeiten gibt es zu entdecken. Und zu allem läuft dann noch eine Katze mitten durch die Stadt mit fast 10 Millionen Einwohnern. “Seoul” übrigens, ist als Name denkbar phantasielos. Der Name bedeutet nichts anderes als “Hauptstadt”.




    Hinter dem Kanal komme ich in ein Shopping- und Vergnügungsviertel. Hier lässt sich sicher ein Bankautomat finden. Kneipen und Restaurants reihen sich aneinander, die Läden haben bereits geschlossen. Schließlich ist es mittlerweile auch schon nach 22 Uhr. Ich gehe in verschiedene 7-11 und ähnliche Convenience-Läden auf der Suche nach einem ATM und werde auch fündig. Nur leider rückt keines der Geräte Geld heraus. Der absolute Horror, der mich oft auf Reisen überkommt: Wenn man nicht weiß, ob man an Geld kommt oder nicht, ist das so lange immer fies, bis es am Ziel einmal funktioniert hat…




    Über mein “GlocalMe” bin ich mit dem Internet verbunden und finde die Namen von 2 Banken heraus an deren Automaten es funktionieren sollte, da in den 7-11 nur lokale Karten funktionieren. Ich bin ein bisschen beruhigt und finde auf dem Rückweg direkt neben dem Hotel eine der genannten Banken. Zu meiner Erleichterung spuckt der Automat auch Geld aus, sodass ich dann gleich nochmals mit der anderen Karte so viel ziehe, dass ich zur Not über die Zeit bis zum Abflug komme. Sicher ist sicher!


    In einem der vielen Convenience-Stores kaufe ich mir noch ein paar Snacks und einen Drink als Absacker, Hier gibt es auch Rotkäppchen, wie ich erstaunt feststelle. Ich werfe einen Blick auf das Büro-Aquarium gegenüber, eine gläserne Fensterfront, hinter der auf einem Platz auch jetzt, mitten in der Nacht, noch jemand sitzt und arbeitet und freue mich darauf, morgen mit der Entdeckung der Stadt zu beginnen.



    In Erfurt gibt es inzwischen sogar 2 Koreaner.


    Das "Bap und Bap", also "mein" Koreaner, ist inzwischen in die Stadt umgezogen. Kurz darauf eröffnete der zweite Koreaner 100 Meter weiter. Den habe ich aber noch nicht ausprobiert.


    Falls ihr nach Erfurt kommt, können wir auch gerne gemeinsam dorthin und über Taiwan versus Korea quatschen :)

    Habt ihr euch während der Coronazeit, seit das Reisen in die Ferne hinsichtlich der Möglichkeiten etwa ebenso weit weg ist wie die Länder, in die es euch zieht, mal gefragt, welche Länder ihr unbedingt noch besuchen wollt angesichts der plötzlichen Erkenntnis, wie schnell die Reisemöglichkeiten begrenzt sein können?


    Nun, in meinem Fall war die Antwort tatsächlich unerwartet: Natürlich steht Indien ganz oben als Dauerbrenner auf der Liste, aber neben Spanien und Portugal und England kristallisierte sich erstaunlicherweise ausgerechnet… Korea??? heraus!


    Wie so oft ging Liebe auch hier durch den Magen: In Erfurt eröffnete irgendwann ein kleines koreanisches Bistro an einer Durchgangsstraße. Hier lernte ich Bibimbap kennen, ein Gericht, in das liebeskummergeplagte koreanische Mädchen in Filmen ihren Schmerz hineinweinen, in Szenen, bei denen amerikanische Mädchen im Film einen Riesenbecher Ben and Jerry’s Peanut Butter Cup auf dem Schoß haben.


    Mein erster Besuch in Korea im Herbst 2017 war Zufall… Na ja, fast. Ich buchte einen Flug nach Taiwan. Und da ich dorthin mit der Asiana flog und ohnehin in Seoul landete, beschloss ich, für 4 Nächte dort zu bleiben.


    Übrigens. Wenn ich von “Korea” spreche, meine ich immer Süd-Korea, also die Republik Korea.


    Taiwan war für mich so… na jaaaaa, aber auf dem Rückweg in Seoul war ich sozusagen in den ersten Minuten verliebt. Seoul war auf den ersten Blick für mich die Stadt, die so war, wie ich mir Tokio zuvor vorgestellt hatte.


    Also hier zunächst ein kleiner, anhand meiner Fotos und Facebook-Postings und Google Timeline rekonstruierter Bericht zu Seoul 2017.

    Ich hoffe auf eine ordentliche Saison ab etwa Mai in Europa und auf die Möglichkeit dann ab dem Spätsommer zu Saisonbeginn in anderen Ecken der Welt auch wieder interkontinental reisen zu können.


    Für den Sommer will ich mein Augenmerk erst einmal auf Orten lassen, die mir sonst zu überfüllt sind, weil ich denke, da wird es erst langsam wieder losgehen mit internationalen Gästen (Barcelona, Lissabon schwebt mir so vor...)

    Ich bastele seit einigen Tagen eifrig an einem Reisebericht 2017 und 2018, werde in den nächsten Tagen zu posten beginnen.


    Da, wo Datenschützer die Stirn in sorgenvolle Falten ziehen, bin ich einfach nur baff, was Google sich alles merkt. Mit Hilfe der Zeitleiste in Google Maps und der Infos in den Fotos zu Ort und Zeit kann ich alles wieder ganz gut nachvollziehen.