Exkurs: Autofahren in Korea
Über das Fahren eines Mietwagens in Korea fand ich vor der Reise fast nichts im Internet. Für die mit Hawaii verglichene Insel Jeju südlich der Hauptinsel wird definitiv zu einem Mietwagen geraten. Ansonsten findet man mit schnellen und komfortablen Zügen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln auch immer zum Ziel.
Ich aber bin das Autofahren im Urlaub gewöhnt und will es auch nicht anders. Ich möchte anhalten können, wo ich will und auch mal Pause in einem unbekannten Kaff machen können. Den einen oder anderen einsamen Tempel hätte ich sicher nicht zu sehen bekommen, wäre ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen gewesen, denn umgekehrt sucht ja jeder, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, die bequem zu erreichenden Ziele heraus, und die nicht so wichtigen Tempel brauchen hingegen auch keine regelmäßigen Verbindungen.
Ich ging also auf Recherche und fand bei einem seriös wirkenden Vermittler ein Angebot von Lotte Cars, dem Vertragspartner von Hertz, ab und bis Busan, bei dem sichergestellt war, dass hier Navis mit englischer Sprache zur Verfügung gestellt werden. Zum Thema Navi empfehle ich unbedingt, ein solches Angebot zu nehmen, denn eine App (MapsMe) findet nicht alles. Und vor allem kann man in Korea mit Hilfe der Telefonnummer des Ziels dieses auf der Navi sicher identifizieren: Man gebe also die Telefonnummer des Hotels ein und wird zur richtigen Adresse geleitet.
Google Maps übrigens findet zwar alle Ziele und lokalisiert sie auf der Karte, was bei der Orientierung in der Stadt super ist. Allerdings gibt Google Maps keine Routen über Straßen aus, was mit der politischen Situation Süd-Koreas begründet wird und der Angst davor, dass die Nordkoreaner dann leichter zu potenziellen Angriffszielen finden.
In Korea finden sich wirklich alle paar Kilometer Geschwindigkeitsmessungen, teilweise wird auch über die Strecke von mehreren Kilometern die Durchschnittsgeschwindigkeit gemessen. Auch das ist ein Grund, ein Navi mitzumieten, denn die Messstellen werden darauf allesamt zuverlässig angezeigt.
Ansonsten herrscht Rechtsverkehr, und das Fahren funktioniert einwandfrei. Schilder sind in Hangeul (koreanische Schrift) und Englisch ausgeschrieben, die Straßen sind gut, die Leute fahren nach meiner Erinnerung unauffällig.
Beim Tanken erinnere ich mich an keine Besonderheiten. Ich glaube, alle Tankstellen haben Service. Es finden sich überall ausreichend viele Tankstellen. An horrende Spritpreise oder so erinnere ich mich nicht.
Problematisch ist das Parken, nicht wegen Parkplatzmangels, sondern wegen teilweise undurchschaubarer Bezahlsysteme, bei denen man beispielsweise die Autonummer eingeben muss, und das auf Koreanisch oder bei denen man irgendwelche Unterlagen an einer Kamera an der Ausfahrt scannen und ein sprachgeleitetes Menu auf Koreanisch befolgen muss. Ich erinnere mich, einmal auf einem beschrankten Parkplatz gewesen zu sein und beim besten Willen nicht kapiert zu haben, wie ich diesen bezahle. Nach misslungener Kommunikation über eine Gegensprechanlage wurde mir schließlich die Ausfahrt ohne Bezahlung gewährt.
Auf den Autobahnen herrscht Mautpflicht. Die Autobahnen zu benutzen, ist für längere Strecken empfehlenswert, weil es wirklich hilft, Kilometer zu fressen. Allerdings habe ich erst sehr spät gemerkt, wie das funktioniert. Oh Gott, was für einen Stress gab es da immer an den Mautstellen. Die Mitarbeiter sprechen kein Englisch. Ich habe bis zum Schluss nicht kapiert, dass es eine Kennzeichenerfassung gibt und hatte gedacht, ich brauche ein Ticket, das immer wieder mal jemand vor mir zog, aber eben auch nicht jeder. Und weil ich an Mautstellen immer und überall Angst habe, nicht durchgelassen zu werden und auf der Autobahn verhungern oder verdursten zu müssen, bewegte ich mich an der Stelle, wo manche Karte gezogen wurde, nicht weiter, bis mir eine solche Karte in die Hand gedrückt wurde, offenbar jedoch nur, um mich zu beruhigen und mich zur Weiterfahrt zu bewegen. Die Maut an sich ist erschwinglich, und nächstes Mal werde ich sicher mit mehr Gelassenheit an den Mautstellen auch ohne Ticket vorbeifahren.