Posts by felix2000

    Schießereien in Bahir Dar


    Am 1. März ist es in der Amhara Regionalhauptstadt zu Kämpfen zwischen Fano-Kräften und Regierungstruppen gekommen.


    Anwohner berichten, dass Geschäfte und Hotels geschlossen, sowie Transportaktivitäten eingestellt seien.


    Die BBC hat bestätigt, dass Ethiopian Airlines die Linienflüge von und nach Bahir Dar eingestellt hat. Es sei „ungewiss“, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden könne, hieß es.


    In einer Erklärung der Regionalregierung hieß es, extremistische Kräfte führten Hausdurchsuchungen und „Reinigungsarbeiten“ durch. Weiterhin hieß es in der Erklärung, dass sie die „Eindringlinge“ an der Küste bekämpft und die Schlacht gemeistert habe. Sie gab außerdem bekannt, dass die Stadt Bahir Dar und ihre Umgebung vollständig von „Extremisten“ geräumt worden sei und dass nach Fano-Mitgliedern gesucht werde.


    Quelle: https://www.bbc.com/amharic/articles/c2q7r9q392do

    Auch von meiner Seite viel Vorfreude und eine stressfreie Reise.

    .... am Wochenende meine übliche Kiste aufbauen, in die immer schon alles reinkommt, was ich für die Reise so brauche und keinesfalls vergessen will ....

    :thumbsup:  :thumbsup: Kenne ich. Für den ganzen "unverzichtbaren" Kleinkram. Bei mir ist es eine Klappbox.

    Habesha Medizin, falls sie zügig und sicher bis nach D durchkommen sollte, würdest du sie denn nehmen?

    Eher nicht. Ich bin bislang ohne irgendwelche Drogenexperimente ausgekommen. Warum soll ich jetzt etwas mit fragwürdigem Inhalt einnehmen. Zumal ich mich mit seiner Diagnosefindung ein wenig schwer tue. Nach meiner Meinung sind Patienten mit somatoformen Erkrankungen besser bei Heilern aufgehoben.

    Wenn natürlich ein ordentlicher Beipackzettel dabei ist, mit Anwendungsbereich, Angaben zu Nebenwirkungen usw. ... 8-)  :thumbsup:

    Guten Morgen Gusti

    Mit großer Freude habe ich Deine lieben Zeilen gelesen.

    Aber natürlich fragt sich meine westlich orientierte Wohlstandsdenke dann doch, wie das möglich ist, und .... wovon die Leute eigentlich leben oder wie sie ihr Tagwerk bestreiten.

    Die richtige Antwort hast Du bereits geschrieben.

    Diese Frage kam bei mir ebenfalls auf, also habe ich meinen Freund gefragt.


    LG, felix

    Ab 28. Jan. – Familytime in Addis


    Danach kommen wir am neu erbauten Adwa-Museum vorbei, welches die Schlacht von Adwa gegen die Italiener zum Thema hat. Ein Prestigeprojekt von MP Abiy Ahmed, das demnächst medienträchtig eröffnet wird, wenn sich die Afrikanische Union zu einem Gipfel in der Hauptstadt trifft. Da möchte der Premier gern glänzen. In Äthiopien nennt man so etwas Image building. Abiy Ahmed ist sehr am Bau seines Image interessiert. Er sieht sich selbst als großen Führer der Nation, auf einer Stufe mit den alten äth. Königen und Kaisern und möchte Äthiopien wieder zu wahrer Größe verhelfen.


    In den Jahren 2018/19 hielt ich den Staatschef noch für einen fähigen Politiker, der das damals prosperisierende Land nach vorn bringt. Der ihm verliehende Friedensnobelpreis verfehlte auch bei mir nicht seine Wirkung. Endlich mal ein afrikanischer Staatenlenker, wie man sich ihn aus westeuropäischer Sicht wünscht. Im nächsten Jahr begann der Bürgerkrieg mit der Provinz Tirgray und Abiy Ahmed zeigte ein ganz anderes Gesicht. Er ließ Krieg gegen ein ganzes Volk führen. Mit der Totalblockade von Tigray wollte er das Land und seine 6 Mio. Bewohner aushungern. Damit war er bei mir unten durch.


    Muller fragte während der weiteren Fahrt, ob mir etwas aufgefallen sei. Nein, eher nicht, was soll mir denn aufgefallen sein? Hast du heute irgendwo Straßenkinder gesehen? Nein, aber stimmt, sonst sind die an jeder Kreuzung. Bettelnde Kinder aller Altersgruppen. Schon die ganzen letzten Tage nicht. Die hat Abiy Ahmed alle einfangen lassen und sie irgendwo in Lager verfrachtet, damit sie das Stadtbild nicht stören, wenn die Limosinen der AU durch die Stadt fahren. Hört sich für mich recht abenteuerlich an, aber zutrauem würde ich es dem Premier. Irgendwas muss ja gemacht worden sein, denn es sind nun mal seit Tagen keine bettelnden Kinder in der City zu sehen. Jedenfalls hat mir Freund Muller eine schöne Idee für eine neue Karikatrur geliefert. Image building.


    Als es Zeit ist, fährt mich Muller zum Flughafen. Ich habe mit Mehrtab Kontakt aufgenommen, wir treffen uns am Airport. Und auch Helen kommt zum Tschüs sagen vorbei. Mit Muller und dem Gepäckwagen sind wir auf der Suche nach den beiden. Der Sicherheitsdienst drängelt, wir sollen uns hier nicht aufhalten, weitergehen. Dann sehen wir Mehrtab. Ich gehe zu ihm. Das passt den Sicherheitsleuten gar nicht. Einer kommt hinterhergedackelt. Die wollen uns im Gebäude haben, runter vom Vorplatz. Helen ist nicht zu entdecken. Inzwischen stehen drei Mann vom Flughafendienst in der Nähe. Wir sollen zur Eingangskontrolle weitergehn. Die Zeit auf Helen zu warten bleibt mir nicht mehr. Als ich sie am Telefon habe, hat man uns schon zur Sicherheitskontrolle komplimentiert.


    Meine Habesha Medizin erhalte ich jetzt nicht mehr rechtzeitig. Die soll irgendwo in Addis erst noch zur Abholung bereitgestellt werden. Da muss Mehrtab sich nun drum kümmern, wie wir da rankommen. Muss das Zeug halt irgendwie mit dem Postweg oder sonst wie nach Deutschland gesendet werden, falls da überhaupt noch was kommt. Am Samstag Abend, als wir auf das Boarding warten, kann ich mir Fotos von Habens verordneter Habesha Medizin auf Mehrtabs Handy anschauen. Auf einem Bild sieht man eine kleine Dose mit grauem Pulver, auf einem anderen etwas undefinierbares, wo ich nicht einmal sagen könnte, ob das eine feste oder flüssige Konsistenz hat. Sahauf den ersten Blick wie Nuggets aus.



    º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º° ኢትዮጵያ ለዘላለም ትኑር። º¤ø,¸¸,ø¤º°`°º¤ø,¸¸,ø¤º



    Fazit: Von den physischen Herausforderungen her war dies die leichteste Reise. Es gab kein schwieriges Gelände, keine Kraxeleien, keine Extremtemperaturen, keine langen Märsche, kein Herumgestolpere mit Stirnlampe im Dunkeln, kein Camping. Es war eine reine Städtetour, meine Trekkingschuhe hätte ich zu Hause lassen können. Andererseits haben sich auf dieser Reise deutlich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen gezeigt. Die Tour nur mit Begleitperson zu machen war richtig und erwies sich als notwendig. Gleichzeitig war es die Reise mit dem geringsten Komfort. Aber darin bin ich ja geschult worden. Mental gesehen war es die schwermütigste Reise, schlugen hier doch die Nachwirkungen den Bürgerkriegs allgegenwärtig voll durch.


    Würde ich dieselbe Reise aus heutiger Sicht auch tun? Eindeutig Ja!!


    Es hat sich als machbar erwiesen und es war eine einmalige Erfahrung auf einer völlig anderen Ebene. Alles anders eben.


    ***** Ende des Berichts

    Ab 28. Jan. – Familytime in Addis


    Weil es ein Inlandsflug ist, beschränkt sich die Ankunftsprozedur auf das Gepäckband. Muller steht schon auf dem Parkplatz und wartet auf mich. Nach 15 Minuten bin ich draußen und darf ihn in die Arme schließen. Wir fahren zum Haus der Familie, wo die nächsten herzlichen Umarmungen auf mich warten. Die nächsten Tage sind intensive Familienzeit.



    im Gegensatz zu Memory hat er beim 4 gewinnt keine Chanche



    hier muss ich mich mehr anstrengen


    Muller sehe ich an einem der nun folgenden Tage überhaupt nicht, an anderen nur stundenweise. Er hat immer noch voll mit den Zulassungsformalitäten für die zwei Jeeps zu tun und steckt voll in der äht. Bürokratie und deren Langsamkeit. Bei mir und Mehrtab sieht es danach aus, dass wir uns auch dort hineinbegeben müssen. Schlechte Nachrichten von Haben. Er bezeichnet den ganzen Prozess der Visaverlängerung jetzt als äußerts langsam, sehr frustrierend und very crowded.


    Mit Muller fahre ich am Montag, 29. Jan. zum Main Department For Foreigner’s & Immigration in der City von Addis, um einen ungefähren Eindruck und allgemeinen Überblick zu erhalten. Draußen auf dem Innenhof des Verwaltungsgeländes sitzen auf Stühlen gefühlt mehrere Hundert Afrikaner und warten. Oh Gott, so mein spontaner Gedanke. Wir fragen einen Bediensteten und erhalten die Auskunft, Anträge auf Visaverlängerungen werden erst wieder am Freitag bearbeitet. Damit sind von den sechs Tagen, die ich zeitiger in Addis bin bereits 4 wieder dahin. Es heißt also Freitag ganz zeitig aufstehen und spätestens um 1.00 Uhr a.m. (!Localzeit!) dort sein, wenn die um 2.30 Uhr a.m. öffnen. Spontan muss ich an „das Haus, das Verrückte macht“ denken.


    Die Kinder sind vormittags in der Schule, haben aber wg. Feiertag und Brückentagen auch einige Tage extra schulfrei. An einem Tag habe ich die Gelegenheit, mir ihre Schule anzusehen. Sie nehmen mich mit und Redit zeigt mir vor Schulbeginn alles. Die Wache am Eingang lässt mich nach kurzer Diskussion hinein. Es ist eine recht neue Schule, die einen guten Eindruck bei mir hinterlässt. Die Klassenräume etwas klein vielleicht, aber da habe ich im Land auch schon ganz andere Schulräume gesehen in den letzten Jahren. Das Spiel Schiffeversenken hat sich wie gewünscht in der ganzen Schule verbreitet. Yesss Strike! Meinen mir selbst gesetzten Bildungsauftrag dbzgl. kann ich als erfolgreich durchgeführt verbuchen.





    Redits Klassenzimmer - Jonathans 6A ist gleich nebenan


    An einem Tag feiert die Familie „Marientag“. Es kommen den ganzen Tag über Gäste (Freunde, Verwandte, Nachbarn) vorbei, werden bewirtet, man schwatzt eine Weile und dann gehen sie wieder. Am Abend kommt auch Helen (die Helen aus Addis) vorbei. Sie bringt mir meine Pillennotfallbox. Sie musste ganz schön suchen, bis sie das Haus gefunden hatte. Tigist hatte schon einen Suchtrupp mit Asmerom und den Kindern geschickt, nach dem Auto Ausschau halten. Eigentlich wollte ich mit rausgehen, sie auf der Hauptstraße treffen, damit sie nicht durch die Seitenstraßen irren muss, aber als sie dann in der Nähe war, hatte ich wieder mit einem OFF zu tun und konnte nicht hinaus.






    An einem anderen Tag gehe ich mit Redit, Jonathan und Asmerom abends zu ihrer Kirche und wir hören draußen sitzend dem Priester bei seiner Predigt zu.


    Das Haus, also der Bau, hat in den letzten Monaten Fortschritte gemacht. Nach oben hin ist eine weiteres Stockwerk im Rohbau entstanden. Innen sind jetzt ein paar Räume mehr bereits teilweise nutzbar. Insbesondere der Salon ist soweit fertig. Dieser Raum ist mit seinen Maßen 13x7 m riesig und erstreckt sich über eine ganze Fensterfront. Ich schlafe des Nachts im Salon. Es gibt leider viele Mücken. Tigist hat ein kleines Mosquitonetz für mich aufgestellt. Allerdings habe ich mich abends doch lieber noch komplett mit Autan eingespührt, um vor den Biestern Ruhe zu haben.




    Die ganze Umgebung hier um das Haus herum ist eine einzige große Baustelle. Überall wird gehämmert, gebohrt, Beton gegossen und an neuen Häusern gewerkelt. Es gibt nur weinig Grün und davon wiederum ist das meiste von allein gewachsen. Ein bisschen trostlos wirkt das Wohnviertel schon auf mich.




    Die nächsten schlechten Nachrichten von Haben erreichen mich. Er hat seinen Pass immer noch nicht wieder zurück. Vor 10 Tagen hat er ihn abgegeben, er soll ihn nun am folgeden Tag erhalten, schreibt er noch. Booha, das wird eng. Am Freitag den 2. Feb. kann ich frühestens die Visaverlängerung beantragen. Wenn es bei mir auch so lange dauert, dann komme ich auf Sonntag 11. Feb. Wenn die dann am 12. Feb. sagen, bis Donnerstag nur Anträge auf Reisepässe, Visa-Angelegenheiten erst wieder am Freitag, dann stehe ich am Tag der Abreise ohne Reisepass da. Haben meint, ich soll die Flüge umbuchen, weil auch er der Meinung ist, das wird zu knapp. Jetzt muss ich erst einmal mit Mehrtab reden.


    Haben hat recht, wir müssen umbuchen. Mir kommt da aber eine völlig andere Idee. Anstatt Freitag in der Früh mich dort anzustellen, für meine Visaverlängerung 80 Dollar zu bezahlen, dann auch noch die Umbuchungskosten der Flüge zu zahlen und wer weiß wie oft bei der Behörde, vorstellig werden zu müssen, kann ich doch in die andere Richtung umbuchen und z.B. am Samstag Abend fliegen. Vor Ablauf des Visums. Dann fallen nur die Umbuchungsgebühen an, die wir ja jetzt sowieso hätten. Den ganzen Sch…. mit dem Visum kann ich mir dann ersparen und ich müsste gar nicht erst zum verrückten Haus.


    Ich überumpele Mehrtab mit meiner Idee, die Umbuchung in die andere Richtung zu machen und in drei Tagen nach Deutschland fliegen zu wollen. Das muss er erst einmal sacken lassen. Er ging für sich noch von einer Visaverlängerung und den Gang durchs verrückte Haus aus. Von der Notwendigkeit einer Umbuchung der Flüge, musste ich ihn tags zuvor auch erst überzeugen. Da hat er dann sicher selbst nachgerechnet, wann er seinen Pass mit dem Visum event. erst wieder zurück hat. Er entscheidet sich schließlich für meine Variante und sagt, er buche für morgen einen Flug von Shire nach Addis. Also können wir doch gemeinsam zurückfliegen. Wie sehr das notwendig war, hatte ich weiter vorn bereits gespoilert. Meine fehlenden Klamotten aus Shiraro hat er auch dabei. Da hätte ich alles wieder beisammen.


    Wer sich fragt, was hat es nur mit dem Haus, das Verrückte macht auf sich?

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    Dann ist da, der Tag des Abschieds. Samstag der 3. Feb. Ich muss wieder nach Hause. Meine Tasche ist gepackt. Asmerom, Tigist und die Kinder sagen mir auf Wiedersehen. Ich denke, es wird vermutlich ein Goodby sein. Ich bedanke mich ergriffen, dann fahren Muller und ich los.


    Mit Sisay, unserem Fahrer bei den ersten drei Reisen hatte ich auch Kontakt aufgenommen, zwecks eines Treffens. Dazu machten wir am Tag der Abreise einen Zeitpunkt im Katenga-Restaurant aus zu einem gemeinsamen Mittagessen, wie wir das vor einem Jahr schon einmal getan hatten.




    Am Nachmittsg fährt mich Muller noch ein wenig in Addis herum. Für den Flughafen ist es noch zu zeitig. Wir besuchen die Medhane alem Kathedrale, eine der größten Kathedralen in der Hauptstadt. Hier war ich noch nicht.




    27. Jan. - Shire


    Später dann nicht ganz so gute Nachrichten von Haben. Zur Visaverlängerung konnte er mir sagen, was es alles dazu bedarf. Hatte ich alles dabei. Aber er sagte außerdem, man müsse ganz früh zeitig kommen, auch wenn die erst ab 2.30 Uhr a.m. (äth. Lokalzeit) öffnen. Es sei sehr voll.


    Eine solche Visaverlängerung stand bei Mehrtab und mir auch noch an. Entgegen den bisherigen Reisen gab es dieses Mal keine Dreimonats-Visa auf dem Onlineportal zur Auswahl. Unserer beider Visa lief am 4. Feb. ab. Die Rückreise ist aber erst am 15. Feb.


    Mehrtab ruft mich an und fragt mich, ob ich morgen mit zurück nach Shiraro komme oder ob ich von Shire aus zu meiner Familie weiterreisen möchte. Ursprünglich hatte ich vor, wieder nach Shiraro zu reisen und dann später von Shire aus nach Addis zu fliegen, am den 3. Feb. oder 4. Feb., um die Visumsverlängerung anzugehen. Auch hatte ich mich von Mehrtabs Eltern noch nicht gebührend verabschiedet. Das war damals mehr so ein Abschied wie „wir sehen uns in ca. zwei Wochen wieder.“


    Angesichts Habens News werde ich eine wenig unsicher, ob eine Rückreise in die Hauptstadt am 3./4. Feb. zu knapp kalkuliert ist. Es wäre event. weiser, Shiraro auszulassen und die gewonnenen Tage in Addis bei meiner 2. Familie zu verbringen und sich um die Visumsverlängerung zu kümmern. Ich erbitte mir bei Mehrtab Bedenkzeit. An Haben schicke ich die Frage, ob man lange anstehen muss.


    Die Anwort von Haben ist am nächsten Morgen da. Ja es dauert sehr lange und man muss seinen Pass für mehrere Tage abgeben. DAS passt mir überhaupt nicht. Angesichts der Einfachheit bei der Bewilligung der Online-Visa, hatte ich erwartet, man geht da hin, wartet seine Zeit, erledigt die Sache und geht mit der Visaverlängerung hinaus. Scheint aber nicht so zu sein. Nein, dann fahre ich nicht nach Shiraro, sondern fliege von hier aus gleich nach Addis. Ich informiere Mehrtab über die neue Sachlage und frage ihn, ob er bis kurz vor Ablauf seines Visums in Shiraro bleibt, oder ob er ein paar Tage früher nach Addis kommt. Da muss er noch darüber nachdenken, meint er. Erst einmal fährt er zu seinen Eltern.


    Er verabschiedet sich in Richtung Shiraro, ich bleibe in Shire. Meine Reisetasche muss ich mir ja noch organiesieren, die hat Helen v. Haben, wie mir Mehrtab noch mitteilt. Ich soll mit ihr Kontakt aufnehmen. Tue ich also, indem ich ihr eine SMS schreibe, denn Helen hat kein WhatsApp. Ja die Tasche ist bei ihr zu Hause. Ob ich sie abholen kommen soll, schreibe ich zurück. Nein, sie kommt hier vorbei, ich sei bei ihr zu Hause heute eingeladen. Sie holt mich ab. Also warte ich auf der Hotelterrasse vor der Lobby, den Sonnenschein genießend auf Helen. Die Zeit nutze ich, um meinen Flug nach Addis zu organisieren. Na dann lasse ich jetzt mal mein Tablet glühen. Es gibt Büroarbeit. Ich habe drei Möglichkeiten. Mehrtab bucht den Inlandsflug für mich, wie bei der Herreise, ich buche selbst oder ich bitte Muller es zu tun.


    Aber erst einmal informiere ich meinen Freund Mehrtab, dass ich beabsichtige morgen nach Addis zu fliegen. Er fragt, ob er für mich den Flug buchen soll. Nein meine Antwort, erst einmal nicht, denn ich will erst schauen, welche Linienmaschine ich nehme. Die Strecke Shire – Addis wird mehrmals am Tag beflogen. Die nächste Nachricht schicke ich an Muller und informiere ihn ebenfalls, das ich beabsichtige, morgen nach Addis zu fliegen. Er antwortet, er freue sich. Wenn ich Hilfe bei der Flugbuchung benötige, könne er das auch von Addis aus tun. Dann schaue ich mir die Linienflüge für morgen an. Ok der zweite Flug an diesem Tag, der hat eine gute Zeit. Den möchte ich buchen. Klappt auch soweit ganz gut, bis auf den Abschluss der Buchung. Da möchte Ethiopian Airlines einen Verifizierungscode von mir, der an meine Mailadresse verschickt wurde. Doch leider leider ist da keine Mail mit einem Verifizierungscode. Ich probiere es mehrmals, schaue in den Spamordner und versuche es zum Schluss, indem ich mich über Browser in meinen Mailaccout einlogge. Nein, keine Mail, kein Verifizierungscode. Tja, da komme ich nicht weiter, also schreibe ich Muller an, dass er den Flug für mich bucht.


    Eine junge Dame erscheint am Hotel. Sie kommt mir bekannt vor. Sie sagt, Helen habe sie geschickt, sie soll mich abholen, sie bringt mich zu Helen. Ja richtig, das muss eine Nichte von Helen sein, ich habe sie in Shiraro schon gesehen. Der Weg zu Helens Wohnung ist einfach. Beim Hotel einfach nach links gehen, immer geradeaus bis kurz vor Ende der Ortschaft und dann ist es rechts eines der Häuser hinter einer Hofmauer. Wir gehen rein und ich werde begrüßt, das muss Helens Elternhaus sein. Es gibt Buna, dazu Popcorn und Kohlo, geröstetes Getreide. Dann kommt auch eine WA von Muller. Er hat den Flug für morgen gebucht und schickt mir das Ticket. Später gehe ich mit der Nichte noch zu ihrer nahe gelegenen Kirche des heiligen Michael, die eine hübsche Bemalung hat. Am späten Nachmittag holt Helen aus einem Nebengebäude meine Reisetasche und begleitet mich noch bis zum Hotel.












    Am Abend treffe ich erste Vorbereitungen für meine Rückreise in die Hauptstadt. Ich bin im Gespräch mit einem Einheimischen, dessen Frau im Hotel arbeitet und frage beiläufig, was die Fahrten mit Tuc-Tuc in Shire so für einen oder zwei Kilometer auf der Hauptstraße kosten. Um die 50 Birr lautet die Antwort. Vom Flughafen bis Shire sind es auch um die 50 Birr. Gut zu wissen. Wir quatschen eine ganze Weile miteinander, also wir radebrechen uns da was zusammen, mit Unterstützung vom Translator. Ich erfahre von Zedo, so sein Name, auch er war bei der TDF und hat Bilder davon auf seinem Handy. Zum Abendessen frage ich ihn, ob er mich begleiten will, er kennt doch bestimmt ein vernünftiges Speiselokal in fußläufiger Nähe hier. Er weiß eines, dorthin gehen wir, keine 400m vom Hotel entfernt. Zurück am Hotel verabschieden wir uns, und er bietet mir an, ich solle mich morgen melden, wenn ich abreise, er hilft mir mit meiner Reisetasche und ruft mir auch ein Taxi.


    Die Nacht ist sehr kurz. Gegen 3.00 Uhr in der Früh fängt der Lautsprecher einer Kirche an zu plärren mit Gesang und Gebet. Und zwar so laut, als hänge er am Nebenhaus. Dabei ist die nächste Kirche einige 100m weg. An schlafen ist nicht mehr zu denken, trotz Ohrstöpsel. Der Lautsprecher hält durch bis es hell ist. Ohne Unterbrechung. Der Gesang sogar teils mehrstimmig. Ich nutzte die Zeit und mache über den LAS meines Zimmers ein paar unterhaltsame Videoaufnahmen für meinen WA-Status.


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    Gegen 8.00 Uhr morgens geht es zum letzten Frühstück in Shire, danach packe ich meine Reisetasche zusammen und anschließend genieße ich die Morgensonne auf der Hotelterrasse. Zedo taucht auf, wir gönnen uns einen Buna. Also es soweit ist, ruft er einen Tuc-Tuc Fahrer herbei. Er lässt es sich nicht nehmen, mich noch zum Flughafen zu begleiten, der vom Hotel aus man gerade 2km entfernt ist.


    Jetzt bin ich gespannt. Ich weiß ja, dass von Fremden, von Touristen, von Ferenjs gerne höhere Preise verlangt werden. Und ja der Fahrer versucht es. 200 Birr möchte er von mir haben. Das sind etwa drei Euro, nicht viel also, aber es geht um´s Prinzip. Ich mache ihm lachend und spaßend klar, dass ich die Preise kenne. 50 Birr für eine gewisse Strecke auf der Hauptstraße. Das er mich direkt am Hotel abgeholt hat und auch am Parkplatz des Flughafens vorbei, direkt bis zum Tor des Flugfeldes vorgefahren ist, sind noch einmal 50 Birr wert. Also handle ich mir 100 Birr heraus. Und ich muss auch nicht lange verhandeln, er geht recht schnell grinsend darauf ein und nimmt es mir auch nicht übel. Ich verabschiede mich vom Fahrer und von Zedo mit Handschlag und Umarmung und strebe zur Abfertigungsbaracke des Flugfeldes. Dort sind bereits eine ganze Anzahl von wartenden Fluggästen, obwohl es bis zu Abflug noch 1,5 h Zeit ist. Wir heben pünktlich ab. Ich unterrichte Muller als auch Mehrtab davon.

    Hast schon recht, ein gewisses Restrisiko u.U. in eine akinetische Krise zu fallen bestand schon. Mit einer (ggf. rapiden) Verschlechterung der Beweglichkeit habe ich aber gerechnet. Das kenne ich. Gelegentlich verpasst man schon mal die rechtzeitige Einnahme und wird dann damit daran erinnert. Jössas scho wieda so spät.

    26. Jan. - Axum


    Die erste Maßnahme, Zimmersuche. Ich bleibe bei einem Buna-Café und Mehrtab zieht los. Heute ist ihm nach etwas mehr Kompfort und Luxus. Statt Zimmer im LAS hat er zwei Zimmer im Yared Zema International Hotel gebucht für 1000 Birr den Tag. Die einfachen Herbergen in den letzten zwei Wochen lagen immer so bei 300 Birr/Tag. Eintausend Birr sind 16 Euro, immer noch wenig, für jemanden der Preise in Euro rechnet. Ein US-Bürger, der neben ihm an der Hotelrezeption stand, musste für sein Zimmer für 4000 Birr abdrücken.


    Die Webseite des Yared Zema International Hotel vermittelt den Eindruck eines 5 Sterne Hotels. Tatsächlich aber sind die Zimmer sehr abgewohnt. In D würde dieses Haus in diesem Zustand nicht einen Stern bekommen. Es ist dennoch ein Unterschied in der Zimmerqualität zu dem, was wir bisher gebucht hatten.




    Am Nachmittag ist weiter nichts geplant heute. Allerdings am Abend, da ziehen wir los zum Antica Special Cultural Restaurant, einem Traditionslokal mit Bühne. In solchen Lokalen war ich mit Muller in Addis bereits einige Male. Auf der Bühne zeigen Tänzer in lokalen Trachten ihr Können, insbesondere den Eskista (Kopf- / Schulterschütteltanz), den ich auch nach 5 Jahren noch nicht ansatzweise hinbekomme. Bin halt stocksteifer Nordeuropäer. Wir speisen währendessen. Ich blicke mich im Saal um. Schiet, ich bin der einzige Ferenji. Mir ist klar, was das bedeutet. Heute komme ich hier nicht ungeschoren heraus. Zum Ende des offiziellen Bühnenprogramms kommen die Tänzer von der Bühne runter zu den Gästen und fordern sie auf, mit ihnen zusammen zu tanzen. Ich muss auch. Dann kommt der Teil, den ich befürchtet habe. Ich werde auf die Bühne gebeten. Tja, wat mutt dat mutt. Ein Spielverderber möchte ich auch nicht sein. Also versuche ich das nachzumachen, was mir der Tänzer da vorschüttelt. Ich habe allerdings keinen Schimmer, welche Muskeln ich dazu aktivieren muss. Die von denen ich weiß, können es jedenfalls nicht sein. Anschließend drückt er mir eine Masinka in die Hand, die ich aber flott gegen eine Trommel eintausche. Mit dem äthiopischen Streichinstrument kann ich überhaupt nichts anfangen. Trommel kann ich besser. Applause bekomme ich immerhin ordentlich und verdient habe ich auch noch etwas. Es ist bei traditionellen Feiern üblich, den Tänzern Birr zuzustecken. Den Weg zum Hotel machen wir dann als Spaziergang. War ein schöner Abend. Bis morgen dehna idir.


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    Das Zimmer ist mit Frühstück. Ich gehe schauen, was es so gibt. Nur landestypische Kost mit Injera. Habe ich jetzt gerade keinen Appetit drauf. Ich schaue, ob Mehrtab schon wach ist. Öhh, jetzt ja 😊.


    Er sagt er kommt gleich, ich könne mein Zeug schon runterbringen, wir checken dann aus. In der Lobby warte ich auf ihn. Unser Gepäck lassen wir an der Rezeption, um uns mit Tuc-Tuc zu dem historischen Teil Axums bringen zu lassen. Denn da will ich hin. Dann fällt uns ein, frühstücken wollten wir ja auch. Also Kehrtwende, der Fahrer bringt uns erst einmal zu einem Frühstückstlokal. Kaum ist er weg, ist mein schwarzer Kapuzen-Sweater auch weg. Sch….. im Tuc-Tuc liegenlassen. Na hoffen wir, dass er es merkt und ihn vielleicht bei seiner nächsten Runde hier vorbeibringt. Doch nöö, bis wir fertig sind mit unserem Fatah taucht er nicht auf. Warten wollen wir nicht.




    Mit einem anderen Tuc-Tuc lassen wir uns bis Marienkathedrahle bringen. Wir bezahlen den Eintritt und bekommen einen lokalen Guide aufgedrückt. Geht eben nicht ohne. Dann schauen wir uns die Alte Marienkatherdrale an, den Platz der Gerichtsbarkeit und gehen in die Neue Marienkathedrale. Es sieht alles aus, wie damal 2019, als ich erstmals hier war. Keine Schäden durch Kriegseinwirkung erkennbar.






    Aus der Erinnerung weiß ich, dass es hier in Axum im Nov. 20 das wohl schwerste Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg gegeben hat mit offiziell 300 bis 1000 Toten, abhängig von der jeweiligen Veröffentlichungsquelle. Eritreisches Militär hat es begangen. Ein Massaker an Zivilisten. Von Haus zu Haus gehend mordeten sie über Tage hinweg. Unser local Guide bestätigte meine Frage diesbez. an ihn. Er sagte, die Leichen lagen in der ganzen Stadt verteilt in den Häusern und Straßen herum. Später wurden sie hier an und um die Kathedralen herum abgelegt zur späteren Bestattung.










    Das angrenzende Museum besuchten wir danach ebenfalls. Es hatte erst seit einer Woche wieder geöffnet. Die Exponate fand ich aus meiner Erinnerung heraus unververändert vor. Den Guide frage ich, wie sie die ausgestellten Stücke, darunter viele aus purem Gold vor den anrückenden Soldaten geschützt hätten. Sie haben alles rechtzeitig versteckt antwortete er. Darüber waren die Soldaten auch äußerst verärgert. Der Guide bringt damit eine anderen Grund für das Massaker ins Gespräch, als offiziell zu lesen. In den Medien wurde von Rache wegen den Kampf gegen die eritreischen Soldaten als Begründung geschrieben. Rache aus Verärgerung für entgangene bereits sicher geglaubte Beute erscheint mir ein sehr plausibler Grund.




    Wir begegnen einem Priester. Als er uns gegenübersteht, grüßen wir, mein Freund küsst sein Kreuz und bekommt den Segen. Ja, und da ich in den Augen des Priesters kein Tourist zu sein scheine, bekomme ich das Kreuz ebenfalls vorgehalten. Erneut heißt es sich outen. Kristian yelem. Der Priester lächelt und versteht. Er bietet uns an, mit ihm zu kommen. Er möchte uns etwas zeigen. Dazu steigen wir in ein Tuc-Tuc und fahren zurück in die Stadt, grobe Richtung Hotel etwa. Aber wir biegen ab und es geht auf einer anderen Straße weiter in einen Vorort anscheinend. Da halten wir vor einem Rohbau, der aussieht, als wolle er ein späteres Wohnhaus werden. Säulen, Treppenhaus, Etagen, Zwischendecken, also definitv kein Kirchenbau. Soweit ich es verstanden habe, soll das einmal ein Wohnhaus oder eine Herberge für Waisen oder ähnlichem werden. Es wird auf Initiative der Kirche errichtet.


    Nach einer Viertelstunde verabschieden wir uns vom Priester. Weil wir nun schon so weit vom historischen Teil entfernt sind, beschließen wir es dabei zu belassen und fahren zum Hotel, welches gar nicht weit weg ist, unser Gepäck holen. Dann zum zentralen Platz für Busse und Sammeltaxen. Ein passendes Gefährt in Richtung Shire findet sich zügig und es kann losgehen. Unterwegs kontaktiere ich via WA Haben, wie es mit seinem Visum läuft, ob er hilfreiche Infos für mich hat, bezüglich diesem. Ist ja schon eine Weile her, dass er sich Richtung Addis aufgemacht hat deswegen. Er will sein Visum verlängern lassen und muss dazu ins Main Department For Foreigner’s & Immigration in der Hauptstadt.


    Die Fahrt bis Shire Busplatz verläuft unspektakulär. Außer, dass ich etwas Magendrücken habe. Am vorletzten Tag in Adwa hatte Helen im Hotel eine Portion Pommes mit Ketchup für uns beide bestellt. Die knabberten wir gemächlich auf. Geschmacklich ware sie so lala. Es gibt leckerere, aber ich habe auch schon schlechter schmeckende gehabt. Allerdings lag mir den darauffolgenden Nacht der Geschmack des Frittenfetts quer. Gestern war soweit wieder ok, aber in der letzten Nacht, hatte ich erneut dieses Frittenfett geschmacklich im Mund. Im Taxi ließ ich mir dann eine Tüte geben sicherheitshalber. Ich wusste, dass die Fahrer immer so etwas dabei haben für die Fahrgäste. Das Thema Frittenfett war offenbar im Magen noch nicht erledigt. Ich hatte vorsorglich aus meiner Reiseapotheke etwas gegen Übelkeit auf Reisen genommen. So richtig wusste mein Magen noch nicht, in welche Richtung er den Frittenfettgeschmack wieder loswerden wollte. Aber ich siegte und gewann den Kampf gegen die Tüte.


    Als wir standen und die Fahrgäste ausstiegen, gab ich sie zurück, mir mit der Faust gegen die Brust klopfend stolz „Arada“ rufend. Arada bedeutet in etwa guter Mensch, guter Mann. Dann stieg ich ebenfalls aus. Helen war auch hier, ich sah sie neben dem Fahrzeug. Draußen stehend merkte ich, dass mein Blutdruck noch auf dem Sitz drinnen saß. Jedenfalls ließ ich mich geistesgegenwärtig in die Hocke nieder und stützte mich mit der Rechten auf dem Boden ab. Dann kippte der Busplatz plötzlich links nach oben und schlug mir gegen die Stirn. Sofort war ich von Leuten umringt, die mich an die Seite trugen und ablegten, während ich wie ein schlaffer Sack in ihren Armen herumhing. Ich sah jede Menge schwarzer Beine in Pantoletten um mich herumstehen und irgendeinen Rucksack in Greifnähe herumliegen. Den versuchte ich mir zu angeln, um ihn unter meine Füße zu legen. Man bemerkte es und gab ihn mir in die Hand. Es war mein eigener und sie dachten, ich will ihn wiederhaben. Als sie begriffen, was ich damit vorhatte, schob man mir das Teil unter die Füße. Na also, so wollte ich es haben. Helen und Mehrtab waren da und es war glaube ich auch Mehrtab, der mich mit anderen zusammen zu Seite transportierte.


    So langsam bequemte sich mein Blutdruck auch aus dem Auto heraus, mal schauen, was der alte Mann so ohne ihn macht. Nicht viel gerade. Mach hinne, das du reinkommst! Dann wurde es besser und ich versuchte es mit hinsetzen. Nächste Etappe hinhocken. Ok, klappt. Jetzt die Königsdisziplin aufrichten. Er steht. Na versuchen wir es doch mal gaanz langsam. Und es bewegt sich doch. Ok, wir können, geht wieder. Man schob mich in ein Tuc-Tuc. Ich war neugierig, wie es um den Kopf bestellt ist. Helen gab mir ein Papiertaschentuch. Hat etwas abbekommen, wie am Taschentuch zu erkennen war. Sehe ich mir gleich im Spiegel an.


    Im Gibtsayt-Hotel beziehe ich wieder Quartier. Ein anderes Zimmer diesmal, aber kein Spiegel. Ok, muss das Phone ran. Mal schauen, wie´s da oben so aussieht. Ok, halb so dramatisch. Die vorher eingenommene Hockposition hat schlimmers verhindert. Rest des Tages „Freizeit“ in der ich nichts weiter unternahm heute, außer mich darüber zu ärgern, kurz vorher großkotzig noch „Arada“ gerufen zu haben. Hätt ich mal besser die Klappe gehalten.




    Damals, voriges Jahr hatte ich ein wenig nachgefragt. Es muss furchtbar gewesen sein. Die unausgebildeten Freiwilligen stellten die Nachhut als 4. Welle gewissermaßen. Er war zum Glück nur kurze Zeit dabei. Die Heimat bei Debark verteidigen, als die TDF in der Gegenoffensive in Amhara, Afar und Teilen von Oromo einrückte.


    Die Federaltruppen und die Amhara Regionalarmee bildeten die Spitze und die ersten beiden Verteidigungswellen. Als dritten Verteidigungswall kamen die bewaffneten Amharamilizen und daran erst die Freiwilligenverbände. Im Prinzip sahen sie das, was nach Kämpfen so liegengeblieben ist. Er sprach von Tausenden.


    Was damit passiert sei wollte ich wissen, wie es dann weiterging. Es ist ja nicht so, wie bei europ. Armeen, wo die Leute in Kompanien aufgeteilt, registriert sind, einen Militärausweis und die Blechmarke haben und penibel Buch geführt wird. Bei der TDF waren viele, wie ich schon mitbekommen habe. Aber viele ohne Ausbildung, ohne Erfahrung und ohne feste Bindung in der Armee. Eben auch Freiwillige.


    Die wurden einfach da, wo man sie fand vergraben. Niemand hat registriert wie viele es waren oder wo überall und meistens auch nicht wer die Leute waren. Es waren tote Feinde, die mussten nur schnell unter die Erde.

    23. bis 25. Jan. - Adwa (Adua)


    Die Gegend draußen wurde flacher, die Gebirge liegen hinter uns. Noch etwa eine halbe Stunde und wir sind angekommen in Adwa. Diese Stadt ist allen Äthiopiern wohl bekannt. Denn hier wurde Anfang März 1896 eine große Schlacht geschlagen und ein großer Sieg errungen. Die äth. Armee unter Kaiser Menelik II. schlug die italienischen Invasionstruppen vernichtend und Äthiopien konnte eine Kolonialisierung verhindern. In Addis Abeba wurde neben dem Menelik-Denkmal und der St.-Georgs-Kirche ein neues Museum (Adwa-Museum) zum Gedenken an dieses Ereignis gebaut. Es steht kurz vor seiner Fertigstellung und wird demnächst eröfftet. Eines der Megaprojekte von MP Abiy Ahmed.


    Da Mehrtab nicht da ist, muss Helen ran, Zimmer für uns besorgen. Ich bleibe währenddessen unsichtbar. Es dauert nicht lange, da ist sie zurück und hat die Zimmer. Wir checken ein und verabreden uns nach einer Siesta-Pause von einer Stunde zu weiteren Unternehmungen am Nachmittag. Dazu suchen wir als erstes ein akzeptables Speisehaus für unser verspätetes Missa (Mittagessen), anschließend nutzt Helen ihre Kontakte in der Stadt und telefoniert mit einem Bekannten, der dann 15 Min. später mit einem Tuc-Tuc vorgefahren kommt und uns zu einem gemütlichen Bunahaus fährt. In dessem Hinterhof lassen wir uns es unter schattenspendenden Bäumen gut gehen.






    Der Bekannte heißt Amanuel und ist ein Kampfgefährte von Helen. Ja richtig, die beiden waren bei der TDF (Tigray Defense Forces) – dem militärischen Arm der TPLF (Tigray People Liberation Front) und haben gegen die äthiopischen/eritreischen Truppen gekämpft. Helen hat mir Fotos auf ihrem Phone gezeigt, wo sie in Kampfmontur und mit Kalaschnikow zu sehen ist. Überhaupt scheinen alle jungen Leute in Tigray bei der TDF gewesen zu sein. Männer als auch Frauen. In Shiraro haben mir, wenn es zur Sprache kam ebenfalls fast alle gesagt, ja sie waren bei der TDF.


    Neben uns im Café sitzen drei junge Männer, die Amanuel kennt. Es kommt ein Gespräch in Gang und die drei zücken ihre Telefone und zeigen Fotos. Von sich in Militäruniform mit Sturmgewehr und teils auch noch Pistolen, auf Bildern wo sie gerade mit den Knarren so richtig rappermäßig herumposen und augenscheinlich Spaß an der ganzen Sache haben. Es scheint fast, dass die alle ihre Militärzeit als großes Abenteuer erlebt haben. Ich weiß nun nicht, wieviel sie vom Kriegsgrauen mitbekommen haben. Mein Freund Muller, der ja 2022 auch 6 Wochen bei der Miliz gekämpft hatte (auf der anderen Seite), sagte mir jedenfalls, für ihn war es die schlimmsten Wochen seines Lebens.


    Amanuel erweist sich als Glückstreffer. Er fungiert kurzerhand als Stadtführer, kutscht uns durch ganz Adwa und zeigt uns alles Sehenswerte. Ein Bekannter von Amanuel schließt sich uns dabei noch an. Im Prinzip sind wir am Abend bereits durch mit der Stadt und haben alles gesehen. Gemeinsam geht´s noch zum Abendessen in ein Lokal. Amanuel und sein Bekannter sind eingeladen. Anschließend bringt er uns mit seinem Tuc-Tuc zurück zum Hotel. Als Dank für seine investierte Zeit und Auslagen von mir angebotene Birr wollte er partout nicht annehmen.



    Enda Medhanealem Adwa Kirche



    ein weiteres Holzkreuz erwartet mich



    Der Mount Soloda - Hausberg von Adua, neben mir Amanuel



    hier handelt es sich auch um ein Märtyrerdenkmal




    Auf dem Schild steht: Märtyrerdenkmal der 14. Wüstendivision - Division Martin Obelisk


    Im Laufe des nächsten Tages taucht Amanuel wieder mit seinem Tuc-Tuc auf. Unterwegs sammelt er noch zwei weitere ehmalige Kampfgefährten ein. Ich kann mir ein “TDF Sibseba – TDF Treffen” nicht verkneifen und wir kurven noch etwas durch die Stadt. Um die Mittagszeit ist Mehrtab wieder da, den wir auch am Straßenrand einsammeln und dann zum Lunch fahren. Nachmittag ist Freizeit. Wir haben nichts weiter für heute geplant. Mehrtab ist irgendwo in Adwa, Helen und ich sitzen am Nachmittag im Hotelbistro. Sie hat Pommes bestellt.


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    Im Speiselokal gesehen und gefilmt - ich habe noch nie eine in freier Natur gesehen.



    stand vor dem Hotel

    Am Vormittag des 25. Feb. sind wir wieder einmal eingeladen. In Adwa bei einer Cousine von Mehrtab diesmal. Ich habe in der Nacht schlecht geschlafen (die Pommes bzw. deren Frittenfettgeschmack hatte ich während der ganzen Nacht Mund) und döse während wir da so sitzen ein. Auch der Buna hat nicht geholfen. Nach der Verabschiedung lassen wir uns zum Sammeltaxiplatz bringen und suchen eine Fahrgelegenheit in Richtung Axum. Die Strecke ist heute kurz und statt eines Sammeltaxis hat Mehrtab einen Picup als Mitfahrgelegenheit organisiert. Nach gerade mal 30 Minuten Fahrt sind wir in Axum und verabschieden uns von Helen. Sie möchte gleich weiter nach Shire. Mehrtab hat zuvor gefragt, ob ich heute nach Axum möchte, oder ob wir gleich bis Shire durchfahren können. Ich habe auf Axum bestanden.






    Ich habe nicht nachgebohrt. Aber es muss für ihn wichtig gewesen sein. Sonst hätte er nicht kehrtgemacht.

    Mal dumm gefragt: Warum hast du das Holzkreuz nicht einfach geküsst? Hygiene?

    Aus besagten Gründen. Da bin ich (vor mir selbst) der Meinung, es steht mir nicht zu. Ich mag nichts vorspielen (müssen), was nicht ist.

    23. Jan. – Fahrt durch das Gebirge nach Adwa (Adua)


    Nächster Tag – Sammeltaxi Tag. Jo, es geht zur nächsten Stadt. Zuvor versuche ich noch zu erfahren, ob mein Zimmer bereits bezahlt ist oder nicht. Die Zimmer in den lokalen Herbergen werden immer tageweise bezahlt hier. Die Kommunikation in Tigray ist aber eine echtes Problem. Von den Tigrayern können weitaus weniger Amharisch, als ich bisher immer angenommen habe. Dabei soll es doch zusammen mit Englisch in der Schule Pflichtfach sein. Auch Englisch beherrschen nicht so viele. Bei meiner ersten Reise innerhalb Tigrays 2019 ist mir das nicht aufgefallen, da ich selbst nur wenige Worte Amharisch konnte und wir damals auf der Touristenroute waren. Dort kann man Englisch und Amharisch. Abseits davon, ja sogar in Mekele in der Herberge mit LAS local african standard, kommt man mit Amharisch und Englisch nicht weit. Die verstehen einen einfach nicht. Selbst mit Helen ist es schwer zu kommunizieren, wenn Mehrtab und Haben nicht dabei sind. Sie kann nur wenige Worte Englisch und bei Amharisch sieht es auch nicht gut aus. Shire, Shiraro, überall sprechen sie nur Tigrinya. Kalapeiye gestern, ja der konnte sehr gut Englisch und auch Amharisch. Na jedenfalls kann ich die Sätze biegen wie ich will, ob in Amharisch oder in Englisch, ob das Zimmer bezahlt ist, diese meine Frage versteht der Angestellte einfach nicht. Also lasse ich es und warte, bis wir auschecken. Danach gehen wir mit unserem Travel light Gepäck in Richtung Taxi-Platz. Auf dem Weg dahin gibt es Frühsück. Fatah, was sonst.


    Am Sammeltaxi-Stand suchen wir uns eine Mühle, die uns nach Adwa bringen soll, unserem nächsten Ziel. Hier müssen wir wieder etwas warten, bis genügend Fahrgäste an Bord sind. Dann geht es auf eine Fahrt in landschaftlich spektakulärer Umgebung. Wir müssen mehrere Gebirgszüge hinauf und hinunter. Enge Serpentinen, steile Abhänge sorgen für Abwechslung.




    An einem Zwischenstopp sagt Mehrtab plötzlich, er habe etwas wichtiges in Adigrat vergessen. Was, wollte ich wissen. Etwas zu erledigen. Er muss unbedingt noch einmal zurück, nimmt sein Gepäck und sagt, ich soll mit Helen weiterfahren, er kommt spätestens morgen nach, wir sehen uns in Adwa. Wir telefonieren später, meint er noch. Dann geht er und steigt in einen Minibus, der in die Gegenrichtung fährt. Jetzt habe ich meinen Freund verloren und nur noch Helen an meiner Seite. Na machen wir das beste draus. Unser Bus fährt weiter ohne Mehrtab.



    Für die Fahrten mit dem Taxi erhält jeder Fahrgast immer eine Quittung. Für die 100km heute kostete es p.P 160 Birr.


    Im Verlauf der weiteren Fahrt machen wir Halt an einer Stelle, wo Priester und Kirchenmitglieder milde Gaben für ihre nahe gelegene Kirche einsammeln. Jeder gibt eine Kleinigkeit, auch ich. Die Leute im Taxi machen es sogar gern. Im Gegenzug gibt der Priester den Fahrgästen Tzebil, hier einmal in flüssiger Form zum trinken und zum anderen kurze Stücken aus Packschnur mit einem Knoten, auch Tzebil. Ich lerne, Tzebil kann also alles mögliche sein, Hauptsache es liegt des Pristers Segen darauf. Und wieder muss ich mich outen. Outen? Ja, outen, dass ich kein Christ bin. Auf dieser Reise hält man mir überall das priesterliche Holzkreuz zum küssen hin. Das dürfte hier jetzt das dritte Mal sein. Da lehne ich dann dankend ab, “Kristian yelem”, ich bin kein Christ. Ist mir sonst nie passiert. Auch Yohannes in Shiraro hat nachgefragt, weil ich mich beim Kirchenbesuch am Eingang zum Kirchengelände nicht bekreuzigt habe. “Kristian yelem”. Ob ich Muslim sei, war seine nächste Frage damals. Nein auch nicht. Dann gingen ihm die Ideen aus und er fragte direkt nach. “Amlak yelem.” meine Antwort. Das hat er dann verstanden und auch akzeptiert. “Ohne Gott.” Es sollten im Verlaufe der Reise noch mehrere priesterliche Holzkreuze auf mich warten und auch einige von mir erklärende “Amlak yelem” gesprochen werden.



    Tzebil


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    Ich meine, dass ich hier vor Betreten der orthod. Kirchen die Schuhe ausziehe, beim Kulturprogramm, wenn alle aufstehen und anfangen zu beten, ich ebenfalls aufstehe, dass sind Zeichen des Respekts gegenüber den Gläubigen und ihrem Glauben, die sich einfach gehören. Beten, sich bekreuzigen, das Kreuz des Priesters küssen, DASS sind intimere Formen der Glaubensbzeugung, die den wirklich Gläubigen gebühren. Wenn ich das machen würde, wäre das nur eine Geste ohne Inhalt, eine leere Hülle, ein Schauspiel. Das kann Gott nicht wollen. Das hat auch der Glauben als solcher nicht verdient. Es ist dabei egal welcher Glaube. Vor einer Moschee die Schuhe aus, bei einer jüdischen Zeremonie die Kippa auf den Kopf, kein Problem, aber die direkteren Bezeugungen überlasse ich den Gläubigen.


    Wieso ich mich so oft outen muss dieses Mal, darauf habe ich auch die Antwort gefunden. Ich hatte ja nur auf meiner allersten Reise diese intensiven Kirchenbesuche. Da war ich Tourist und wurde von den Priestern als solcher gesehen. Es war somit eine gewisse Distanz da zu den Priestern. Wollte man einen fotografieren und fragte ihn vorher, war man von seiner Seite aus immer noch Tourist. Ein Fremder. Die Distanz blieb, auch wenn man sich gegenüberstand. Hier aber bin ich mit Einheimischen unterwegs, die keine Guides sind, mein Auftreten ist nicht mehr das eines Touristen. Von den Priestern werde ich NICHT mehr als Touist gesehen. Die Distanz ist verschwunden und sie gehen davon aus, dass ich dazugehöre auf irgendeine Weise, auch wenn ich Ferenji bin. Wenn meine Begleiter zum Priester gehen und er den Segen gibt, bin ich dabei und sie bieten mir ihr Kreuz zum küssen an. Und ein einzelner Weißer in einem Sammeltaxi, der Birr in ihre Schale legt, amharisch grüßt und äth. Armschmuck trägt, “äth. Stallgeruch” anhaften hat, sieht eben auch nicht wie ein Tourist aus.


    Man verzeihe mir die Abschweifung, daber ich fand das wichtig zu erklären. Wo waren wir stehengeblieben? Ahh ja, der Priester. Eine “Brotverteilung” war auch Teil der Zeremonie, kleine Stücke Fladenbrot von einer Schale wurden gereicht, bevor der Priester sich verabschiedete. Die Fahrt ging weiter und Helen wurde müde. Helen ist auf den letzten Fahrten auch öfters müde geworden. Kurzerhand legte sie vor Abiy Adi ihre Jacke auf Habens Schoß und machte es sich ihren Kopf drauflegend gemütlich zu einem Schlummerchen. In Richtung Mekele dann ließ sie ihren Kopf auf Mehrtabs Schoß fallen, für eine Augenpause. Ja und nun wollte sie wieder ein Nickerchen machen. Wer war noch übrig? Ich. Die Jacke kam, wurde kurz zurecht gelegt und plumps, lag sie. So schnell konnt ich gar nicht gucken. Na dann. Ist wohl ein Zeichen, dass ich jetzt zur Familie gehöre.


    21./22. Jan. – Adigrat


    Nach dem Frühstück schlendern wir auf meinen Vorschlag zur katholischen Kirche, die damals von den Italienern im italienischen Stil erbaut wurde. Ein Schmuckstück, doch leider auch zugeschlossen. Danach zieht es Helen und Mehrtab ebenfalls zur Jesus Christ Church. Wir gehen auf fast denselben Wegen. Was mir auch gestern bereits aufgefallen ist, auf dem Weg dahin kommen wir an Wohnhäusern vorbei, deren Fassadengestaltung mich auffallend an den Jugol in Harar erinnert. Sicher kein Zufall, denn diese Häuser stehen in Nähe der Zentralmoschee, an der ich gestern auch schon vorbeigekommen bin. Ich denke, hier werden überwiegend Muslime wohnen nahe der Moschee. Macht auch Sinn.











    Sinnspruch an einer Wand auf dem Kirchengelände. Du fällst, wenn du versuchst, andere zu Fall zu bringen.





    auffallende Ähnlichkeit mit den Fassaden im Jugol in Harar


    Unweit der Medhani alem Kirche ist gleich noch eine weitere, die Adigrat Cherkos Kirche. Dort kauft Mehrtab eine 2Liter Flasche gesegnetes Wasser für mich. Tzebil. Den Nachmittag vertrödeln wir. Am Abend aber soll es ein spezielles Abendessen geben. Ich hatte schon vorher gelesen, Adigrat hält eine kulinarische Spezialität bereit. Tohloh! Teigknödel, die mit einer Fleischsoße serviert werden. Das muss ich unbedingt kosten. Mein Freund und Helen kennen Tohloh auch noch nicht. Aber Mehrtab hat sich informiert, wo es das gibt, also steuern wir drei dieses Lokal am Abend an und bestellen Tohloh. Die Bedienung zupft die Teigknödel vor unseren Augen zurecht und mit Spießern tauchen wir sie wie Fondue in die Soße. Später wird die Fleischsoße aus der Schale auf die Injera gekippt. Mir hat es jedenfalls geschmeckt. Den beiden eher weniger. Wat de buur nich kennt dat frett he nich. Dann ab zum Hotel, Tagesabschluss.


    21./22. Jan. – Adigrat


    Nach einem Frühstück in einem Straßenlokal geht es per Tuc-Tuc zum zentralen Busplatz. Wir brauchen wieder ein Sammeltaxi für das nächste Ziel. Es geht nach Norden. Nach einer unspektakulären Fahrt kommen wir am Nachmittag in Adigrat an. Same procedure as every time. Mehrtab begibt sich auf Zimmersuche. Nachdem er etwas preiswertes gefunden hat, ruft er uns an und sagt, in welche Richtung wir gehen sollen. An der großen Piassa treffen wir uns und auf geht´s zur heutigen Unterkunft für die Nacht.



    die Piassa in Adigrat


    Nach der Zimmerverteilung frage ich meinen Freund, was wir jetzt noch machen wollen, denn bis Abend ist es noch ein wenig hin. Er möchte gern etwas ruhen. Gut soll er, ich bin nicht müde, also kann ich auch noch einmal rausgehen, das Wetter ist zu schön. Sehen wir uns die Umgebung an. Zuvor hatte ich bereits ein wenig über Adigrat gelesen, was denn sehenswertes zu finden wäre. Zuerst schlendere ich zur großen Kreuzung zurück, der Piassa. Ein Blick über die Häuser, ich sehe ein Minarett, weiter oben ein Kirchendach mit Kreuz und Türmen. Ok, das Ziel ist klar, diese Kirche soll es jetzt sein. Ich nehme den direkten und kürzesten Weg durch die Nebenstraßen und dann über die Nebenwege der Nebenstraßen und Seitenwege der Nebenwege. Zuerst komme ich an der Moschee vorbei, die Kirche liegt noch ein wenig höher. Noch zwei Seitenstraßen weiter, dann stehe ich davor. Die Medhani alem – Jesus Christ Kirche. Zuerst eine Runde herum und ein paar Fotos von draußen gemacht. Sie ist leider zu, rein kann ich nicht. Aber hinter der Kirche ist ein kleines Gemeindehaus. Da stehen Leute davor und von drinnen höre ich Stimmen. So trete ich näher und grüße. Ich werde neugierig beäugt, was will wohl ein einzelner Ferenji ohne Begleitung hier? Ein junger Mann tritt an mich heran und bittet mich hinein. Sie haben da wohl ein Kulturprogramm und er bietet mir an zuzusehen. Klar, warum nicht, ich habe Zeit. Also gehen wir rein. Ein Stuhl wird mir angeboten und der junge Mann, der Kalapeiye heißt, setzt sich zu mir und erklärt mir das Programm. Das heißt, er versucht es. Ich verstehe es nur zum Teil.








    Es folgt eine kleine Theateraufführung mit aus dem Leben gegriffenem Thema. Später wird gesungen. Nach einer Weile schaue ich prüfenderweise auf mein Phone. Ich werde mal lieber Bescheid sagen, wo ich bin, da sehe ich die Anrufe auf meinem Handy. Mehrtab hat schon versucht, mich zu erreichen. Ich hab´s nicht gehört, weil das Ding auf lautlos stand. Also rufe ich zurück, aber es geht keiner ran. So hinterlasse ich ihm eine Sprachnachricht, dass ich wohlauf bin und was ich gerade mache. Kurz darauf sein Rückruf. Er ist etwas angesäuert, weil ich allein losgegangen bin und ihm nicht bescheid gesagt habe, ich erwiedere, dass ich hier umgeben von lieben Menschen und absolut sicher bin. Mehrtab meint, ich soll jetzt zurückkommen.


    Zu Kalapeiye sage ich, dass ich los müsse. Draußen machen wir noch eine Fotosession mit interessierten Gemeindemitgliedern. Ich möchte Fotos von ihnen und sie von mir. Ich bedanke mich aufrichtig bei ihnen, dass ich ihr Gast sein durfte.



    neben mir mit Brille, Kalapeiye


    Dann begleitet mich Kalapeiye noch bis zur Piassa, wo wir bereits auf Mehrtab treffen, der mir entgegenkommt. Er schaut immer noch angesäuert. Das hat ihm wohl gar nicht gepasst, mein Alleingang. Ich weiß nun nicht, ob ich zu unvorsichtig bin, oder mein Freund zu übervorsichtig. Ich stelle ihm meinen Begleiter vor und lade Kalapeiye noch ins Hotel auf ein Erfrischungsgetränk ein. Helen ist auch unten im angeschlossenen Lokal. Mehrtab geht zum telefonieren hinaus. An seinem Gesicht erkenne ich, er ist immer noch grummelig. Kalapeiye bitte ich sitzen zu bleiben, ich bin gleich wieder da. Dann gehe ich zu Mehrtab hinaus, Wogen glätten. Mehrtab und Helen wollen zum Abendessen, aber nicht hier, sondern außerhalb des Hotels. Auch dazu lade ich Kalapeiye ein, der auch annimmt. Mehrtab, da musste durch. Kalapeiye ist mein Gast hier. So richtig warm wird mein Freund nicht mit dem jungen Mann, was ich wieder nicht nachvollziehen kann. Nach dem Abendessen verabschiede ich Kalapeiye und wir drei gehen zum Hotel zurück. Ach ja, im Speiselokal saßen einen Raum weiter drei Frauen – drei Weiße. Woher die waren, habe ich aber nicht erfragt. Dann ziehen wir uns auf die Zimmer zurück. Mein Freund hat sich wieder beruhigt, jetzt lacht er wieder. Dehna idir.


    Am nächsten Tag, wollen wir uns Adigrat anschauen. Ich habe mit dem Anschauen ja einen Tag Vorsprung, aber da gibt es auch noch anderes, was ich noch nicht gesehen habe. Doch zuerst Frühstück suchen. Auf der Piassa eine Menschenmenge mit Schildern und Lautsprecherwagen. Tigrayfahnen werden geschwenkt. Eine Demonstration. Welcher Art, verraten die geschwenkten Schilder. Ich muss mir das mühsam mit dem Translator übersetzten. Vom Tigrinya kann ich kaum was verstehen. Lesen kann ich es, aber was heißt es? Weinige Worte sind identisch mit dem Amarinya. Es geht um mehrere Forderungen. Sie demonstrieren gegen den Hunger, gegen die Vertreibungen aus West-Tigray, fordern die Rückkehr in ihre Heimat und Frieden sowie die Rückgabe der besetzten Gebiete. Und es wird auf manchen Schildern auch eine Abspaltung Tigrays von Äthiopien gefordert. Davon bin ich wenig begeistert. Nachvollziehen kann ich es, nach dem was in den beiden Kriegsjahren die Menschen sich hier gegenseitig angetan haben, allerdings halte ich von dieser Kleinstaaterei wenig. Eigenes Land, eigene Regierung, eigenes Geld, hmmm für wirtschaftlichen Erfolg in Zukunft steht das nicht gerade. Im Gegenteil, ich sehe bei einer Abspaltung die akute Gefahr neuer Kriege. Mit Eritrea etwa. Die bessere Zukunft läge n.m.M in einer Aussöhnung und Vergebung. Vergeben! Nicht vergessen!








    Dann taucht oh Wunder auf der Piassa ein Truck des World Food Programs auf, der an der Demo vorbeifährt, wie zur Unterstreichung der Forderungen auf den Schildern. Wenn ich so nachdenke, die letzten paar Minuten ist kein anderer Laster hier vorbeigekommen. Tzzzz, Zufälle gibt´s.