Militärputsch in Myanmar

  • Die umstrittene Friedensnobelpreisträgerin und De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi soll festgesetzt worden sein. Auch weitere ranghohe Politiker des Landes hat das Militär nach Angaben der Regierungspartei festgenommen. Die neue US-Regierung droht in einer ersten Reaktion mit "Maßnahmen gegen die Verantwortlichen".

    mehr hier ....


    :shock:

  • Heue Nacht habe ich Infos und Bilder/Videos von einer Bekannten aus Loikaw bekommen - überall Panzer auf den Straßen, Militärpatrouillen. Internet und Telefonleitungen massiv eingeschränkt bzw. stundenlang nicht verfügbar.


    Das sieht echt übel aus, sogar im entlegenen verschlafenen Loikaw!

  • Unsere Bekannten und nicht nur die haben heute morgen Lebensmittel eingekauft.

    Sie befürchten, dass es zu Engpässen und evtl. Preiserhöhungen kommt.

    Ich werde sie nicht weiter über die Situation ausfragen, das Militär, hat überall seine Augen und Ohren. Wir werden weiter über Viber in Verbindung bleiben, solange es geht. Vielleicht bekommen sie das auch genommen.

    Die Wahlen fanden im November 2020 statt. Sie sollen nicht korrekt gewesen sein. Viele Stimmen von Minderheiten fehlen. Das Parlament wollte eigentlich heute seine Arbeit mit allen Ministern wieder aufnehmen. Dem Militär hat das anscheinend nicht gepasst.

  • Whatsapp scheint noch zu gehen, vielleicht, weil des dort nicht so verbreitet ist. Aus Nyaungshwe und Loikaw habe ich Bilder und Videos bekommen, die wirklich beklemmend sind. Wobei es dort vermutlich im Vergleich zu Yangon noch harmlos zugeht.

  • Ich habe heute mit einem Freund gechattet (auf FB). Er ist eigentlich aus Bagan aber aktuell (vlt. zum Glück) bei seiner Mutter irgendwo auf dem Land. Er befürchtet Bürgerkrieg und es klang nicht gut. All das macht mich sehr traurig.

  • Habe auf FB gesehen, dass Leute laut topfschlagend auf ihrem Balkon stehen und Autos dauerhupend durch die Strassen von Yangon fahren. Als Reiseland wird Myanmar wohl mittelfristig wegfallen. Tröste mich an Reiseerinnerungen unseres zweiten Aufenthaltes im Nov/Dez 2019.

    Für uns Luxusprobleme, für die Burmesen tragisch.


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  • Ich habe heute mit einem Freund gechattet (auf FB). Er ist eigentlich aus Bagan aber aktuell (vlt. zum Glück) bei seiner Mutter irgendwo auf dem Land. Er befürchtet Bürgerkrieg und es klang nicht gut. All das macht mich sehr traurig.

    Er hat mir heute geschrieben, dass es auch auf dem Land schlimm ist. Das Militär ist wohl überall, die Banken sind geschlossen, die Grundversorgung ist nicht mehr durchgehend gewährleistet.

  • Ein Film der Burma wieder spiegelt. Beim Anflug auf Yangon, dachte ich, ich sitze mit im Flieger.

    In einem Jahr wird man sehen was die Militärs angerichtet haben. Sie werden das Land wieder öffnen, (abgesehen von Corona, im Moment geht sowieso nichts), der Tourismus ist auch eine Einnahmequelle. Früher als das Militär mit Than Shwe an der Macht war, haben Touristen nichts davon gemerkt (hat sie vielleicht auch nicht interessiert). Man konnte reisen wie in den letzten Jahren auch. Es gab unter Aung Sun Suu Kyi auch Gebiete die für Ausländer tabu waren. Das Militär hatte im Parlament 20 oder 25 % der Sitze, das war vorauszusehen, dass das irgendwann schief gehen würde.

    Wir geben die Hoffnung nicht auf die Shwedagon wieder zu sehen. :)

  • In Mandalay und anderen Städten gibt es Protestaktionen seitens der Krankenhäuser. in Mandalay protestierten rund 100 Ärzte und Krankenschwestern mit einem roten Protestplakat gegen den Militärputsch. Landesweit verbreitet sich diese "Red Ribbon" Aktion immer mehr - siehe

    "Red Ribbon Campaign".


    Gleichzeitig gibt es offenbar aggressive Demos pro Militär. Nach Aussagen meiner burmesischen Bekannten wurden Soldaten und sogar Gefangen dafür instrumentalisiert. Leider scheinen auch dieses Mal wieder Mönche den Putsch zu unterstützen - siehe Foto in diesem Artikel der Myanmar Times -, außerdem gehört die Young Men's Buddhist Association ebenfalls zu den Unterstützern des Militärs.

  • Ich schwanke zwischen Bewunderung und Ablehnung von Aung San Suu Kyi. 15 Jahre in Hausarrest, Demokratie und Öffnung von Myanmar, Friedensnobelpreis. Und dann verschärftes antidemokratisches Regierungshandeln, menschenverachtende Rohingya-Politik. Und jetzt wieder Hausarrest, möglicherweise für lange Jahre.


    Die Weltpresse hat sie in letzter Zeit heftigst kritisiert. Zurecht? Zu unrecht? Ich könnte mir vorstellen, Sie war 10 Jahre die Marionette der Militärs und hat versucht, das beste daraus zu machen. Es heisst, sie habe mit mit dem Militär und Generalleutnant Sein kolaboriert. Man könnte aber auch sagen, sie hat hart verhandelt, um den jeweiligen Oberbefehlshabern Kompromisse abzunötigen.

    Gibt es hier Insider, die das genauer wissen?

    Man kann nur hoffen, dass die Zeiten des vorherigen harten Militärregimes sich nicht wiederholen. Ich erinnere mich noch an Zeiten in den 80/90ern, als in Mynanmar Zustände herrschten, wie heute in Nordkorea oder an die große Hungersnot nach dem Tropensturm 2008 mit ca. 70000 Toten, als die Militärs ausländische Hilfe verweigerten.

  • Wir haben dieses wunderschöne Land in den Jahren 2011 - 2012 - 2013 kennen gelernt und uns über die langsame Öffnung gefreut. Am Anfang noch der Geldumtausch halboffiziell am Schwarzmarkt. Eigentlich wusste man, dass jeder Tourist sein Barvermögen mit sich herumschleppte, aber man fühlte sich trotzdem sicher. Erst später gab es dann Bankautomaten. Jedes Jahr sah man Verbesserungen.
    Wir hoffen, dass die Zeit jetzt nicht wieder zurückgedreht wird.

  • Die große Gefahr besteht aus meiner Sicht, dass Bürgerkrieg entsteht und das bedeutete schon in jedem Land großes Leid, Zerstörung... . Da ist es dann auch egal, wer die "Guten" und wer die "Schlechten" sind, die bekommen sowieso meistens am wenigsten ab. Am meisten leidet immer die "normale" Bevölkerung und häufig gehen auch viele Kulturstädten (siehe Syrien) unsinnigerweise kaputt.


    Hoffen wir das Beste für die Burmesen!!

  • Ich schwanke zwischen Bewunderung und Ablehnung von Aung San Suu Kyi. 15 Jahre in Hausarrest, Demokratie und Öffnung von Myanmar, Friedensnobelpreis. Und dann verschärftes antidemokratisches Regierungshandeln, menschenverachtende Rohingya-Politik. Und jetzt wieder Hausarrest, möglicherweise für lange Jahre.


    Die Weltpresse hat sie in letzter Zeit heftigst kritisiert. Zurecht? Zu unrecht? Ich könnte mir vorstellen, Sie war 10 Jahre die Marionette der Militärs und hat versucht, das beste daraus zu machen. Es heisst, sie habe mit mit dem Militär und Generalleutnant Sein kolaboriert. Man könnte aber auch sagen, sie hat hart verhandelt, um den jeweiligen Oberbefehlshabern Kompromisse abzunötigen.

    Gibt es hier Insider, die das genauer wissen?

    Man kann nur hoffen, dass die Zeiten des vorherigen harten Militärregimes sich nicht wiederholen. Ich erinnere mich noch an Zeiten in den 80/90ern, als in Mynanmar Zustände herrschten, wie heute in Nordkorea oder an die große Hungersnot nach dem Tropensturm 2008 mit ca. 70000 Toten, als die Militärs ausländische Hilfe verweigerten.


    Ich denke man kann nur Mutmaßen.

    Ich persönlich glaube, dass Aung San Suu Kyi ihr Land und die Bevölkerung definitiv in eine bessere Zukunft führen möchte/wollte.

    Aber das Militär hat sie immer genau beobachtet, sie musste sicherlich notgedrungen viele Kompromisse eingehen,

    sonst wäre sie nicht jetzt erst von der Bildfläche verschwunden, sondern schon viel früher.

    Man sieht ja nun, wie schnell das gehen kann.

    Sie hat sicher nichts gemacht, außer das ihre Partei halt haushoch die Wahlen gewonnen hat.

    Das ist dem Militär zu gefährlich geworden und nun versucht man hanebüchen Gründe für ihre Festnahme zu finden.

    Erst wollte man sie wegen Hochverrat anklagen.

    Vielleicht war das fern von jeglicher Beweismöglichkeit, daher soll es nun um illegal eingeführte Funkgeräte gehen.

    Jeden Abend um 20 Uhr wird demonstriert.

    Da das auf den Straßen nicht möglich ist, machen sie durch Hupen, Trommeln und mit Lichtzeichen der Handys an Fenstern und Balkonen auf sich aufmerksam.

    Ich bezweifle, dass sich das Militär dadurch beeindrucken lässt, aber es ist besser als gar nichts zu tun.


    Es gibt übrigens eine Petition, falls die jemand mit seiner Unterschrift unterstützen möchte.

    Petition


    Meine Antwort hier ist auf die Frage von Claus.

    Irgendwie hat das nicht in einem Thread geklappt.

  • Unsere Bekannten aus Yangon haben mir geschrieben, dass sie nicht mehr die Energie aufbringen diese Militärs zu hassen. Aung, der Vater der Familie, sagte uns vor Jahren: die Militärs haben mir mein Leben gestohlen. Darum haben viele auf die Tochter von Aung Sun gesetzt. Sie gab dem Volk Hoffnung. Sie hat, so wie wir es sehen, bei den Rohingas danebengegriffen. Fragt man vielleicht die buddhistische Bevölkerung, die Mönche, gibt es eine andere Meinung. Moslems haben Burmesinnen geheiratet, sie werden von islamischen Gemeinschaften unterstützt, mit Geld oder einem Haus. Die Kinder waren dann auch Moslems und irgendwann trat die Frau auch zum Islam über.

    Das in einem buddhistischen Land wie Burma! Im Shan Staat, bei den Kachin, Rakhine Staat und anderen Völkergruppen herrscht oft „Krieg“. Jeder Staat in Burma hat 1, 2 oder gar 3 Armeen. Die Arakan Armee in Rakhine hat ständig Händel mit dem Thatmandaw (Militär). Im Rhakine liegt Mrauk Uu und auch Ngpali Beach. Nach Ngpali Beach konnte man noch fahren, Mrauk Uu war no go.

    Der ehemaligen Regierung werden noch viele Dinge vorgeworfen. Man ist aber zu wenig involviert in das Land und in die Ansichten der Menschen (ich auch). Sie sind sicher sehr weit von unseren entfernt.

  • Danke cicapetra und serendib. Ja, weit entfernt und undurchsichtig. Man findet auch nur wenig Infos, wenn man mal tiefer in die Zeitgeschichte einsteigen will.


    Nebenbei cicapetra: wie fügt man denn hier ein Zitat aus einem Thread ein, so wie du das gemacht hast?

  • Gerade mit der Bitte um Weiterverbreitung aus Myanmar bekommen.


    Ich denke, da wird ziemlich klar, was die Menschen in Myanmar fühlen und denken.


    Wir waren seit 2004 insgesamt 8 Mal in Myanmar - ab 2010 hab ich unsere Reisen im Blog festgehalten (2010, 2012, 2017, 2019 und zuletzt im März 2020). Wir haben die Wandlung von einem Polizei-/Militärstaat hin zu einer - anfangs sehr vorsichtigen - Öffnung erlebt, den Umstieg von Dieselgeneratoren zu Strom aus der Steckdose, von Schwarzgeld-Umtausch zu Kreditkarten, von Uralt-Autos zu modernen PkWs, von tiefer Armut und Verzweiflung zu Hoffnung und immer mehr Unternehmergeist.

    Wir haben viele Menschen kennengelernt, die sich mit unglaublicher Energie und viel Mut Existenzen als Händler, Guesthouse-Besitzer, Guides aufgebaut haben - sie alle stehen jetzt wieder vor dem Ruin, dem Nichts, dem Ende ihrer Träume und Hoffnungen.


    Myanmar ist und bleibt "Ein Land wie kein anderes" (R. Kipling), das einen nicht mehr los lässt, wenn man einmal dort war.

  • Ein Land wie kein anderes, besser konnte man es nicht ausdrücken.

    Wir reisen seit 2000 nach „Burma“, dieses Jahr fehlt es uns.

    Unser Alter lässt uns nicht mehr viel Spielraum, hoffen doch wir werden das goldene Land noch einmal (mindestens) Wiedersehen.


    Wie bekomme ich deinen Artikel zu Viber oder als e-Mail.

    Ich habe nur immer bedenken, die Überwachung ist überall und möchte meine Bekannten nicht gefährden. Die „Grünen sind überall“.