In der Basilikata

  • Im Dezember erfuhren wir, dass unser Enkel Mitte März 4freie Tage hat. Er ist 15 Jahre alt und gerne mit uns unterwegs. Stundenlange Touren macht er wissbegierig mit, ist abends fitter als wir, braucht aber gut gefüllte Teller.
    Unsere Wahl fiel auf die Basilikata. Flüge, die von den Abflugzeiten und Preisen zu unseren Vorstellungen passten, waren schnell gefunden. Heute Morgen konnten wir am Flughafen von Brindisi einen fast neuen (480km) Mietwagen übernehmen. Ab gings in 2Std. nach Matera, neben Plovdiv in Bulgarien Kulturhauptstadt Europas 2019. Das Besondere an Matera ist die Lage in einem Tuffsteingebiet. Seit 8000 v. Chr. gibt es Siedlungsspuren. Basilianermönche ließen sich im 6./7. Jahrh. hier nieder und gruben in den weichen Stein Einsiedeleien, Kirchen und Klöster. Später kamen Bauern, Hirten und Handwerker dazu und es entstanden erste Siedlungen mit immer mehr Behausungen im weichen Tuff - die Sassi entstanden. Das Leben dort war sehr ärmlich, auch ungesund. Matera galt als Schandfleck.
    1952 wurde ein Gesetz erlassen, dass die Evakuierung festschrieb. Im Osten entstanden Neubausiedlungen, in denen jetzt ca. 15000 Menschen leben. Ab 1975 entstanden Pläne zur Wiederbelebung der verfallenden Höhlenwohnungen und -kirchen. Jugendliche interessierten sich, 1987 wurden nach eiem Gesetz zur Wiederbelebung Gelder freigegeben. Seit 1993 gehören Stadt und Umgebung zum Weltkulturerbe mit jetzt 60000 Einw. Unzählige Bars, Restaurants und Unterkünfte in allen Preisklassen stehen zur Auswahl.

  • Interessant, was Du da berichtest - ein Stück Italien mit Geschichte, die mir völlig unbekannt war.
    Die Bilder machen durchaus neugierig und so eine kleine Auszeit in Italien ist ja nie verkehrt.


    Schöne Tage wünsche ich Euch, und uns weitere schöne Foto's :P


    LG
    Gusti

    redfloyd.........................................................................................Gusti
    redfloyd.gifGusti.gif


    Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
    Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.

  • Eine sehr interessante Gegend habt ihr euch da für diesen Kurztrip ausgesucht.
    Schade dass ich nicht dein Enkel bin. :)
    Wetter passt auch, Motive genügend, spannende Geschichte - Herz was willst du mehr.
    Habt ne schöne Zeit und viel Spaß. LG

  • ...eine etwas verwirrende Art des „Ausrangierens“ - einfach so in die Wildnis „pflanzen“. Ich hatte eine künstlerische Botschaft vermutet ... hmmm

  • Erstes Ziel nach Plan war heute Pietrapertosa in den Dolomiti Lucane. In 1088m Höhe ist es der höchste Ort in der Basilikata. Die Straße führte zwischen mächtigen Felsen hindurch. Im 8. Jahrhundert hatten die Sarazenen das Gebiet eingenommen und beherrschten das Tal durch ein Kastell hoch oben. Einmalig ist, dass es von unten kaum zu erkennen ist, so gut ist es in den Fels eingefügt. Der Aufstieg ist allerdings eine schweißtreibende Angelegenheit.




  • Craco, bekannt als Filmkulisse von "Christus kam nur bis Eboli" und "Passion Christi" konnten wir leider nur von außen sehen. Der Ort ist verlassen. Zwischen 1963 und 1975 kam es zu Erdrutschen, ausgewaschene Lehmhänge bewegten sich abwärts, Craco wurde evakuiert und dufte nicht betreten werden.B ei uns war nur Besuch mit Führung möglich, die 1 Woche vorher angemeldet werden muss.





  • Tursi war einmal die bevölkerungsreichste Stadt der Basilikata bis zum Ausbruch der Pest (ca1655). Anziehungspunkt ist der von den Sarazenen angelegte Teil, die Rabatana. Es gibt durch den Fels gehauene Gänge, die eine tolle Aussicht auf das Umland gewähren. In der Chiesa di Santa Maria Maggiore (10/11. Jahrh.) gibt es eine ganz besondere Krypta, die auf Wunsch geöffnet wird (Spende). Die beeindruckenden Fresken (15.Jahrh.) zeigen Heilige mit Spruchbändern, z.T. in Spiegelschrift, eine schwarze Frau und ungewöhnliche Haustiere.









  • In Lagopesoleließ der Stauferkaiser Friedrich II. ca. 1240 ein großes Kastell errichten, das man schon aus der Ferne sieht. Es liegt auf einem 830m hohen Hügel und wurde deshalb meist in den Sommermonaten von ihm genutzt sowie von seinen Nachfolgern. Es gibt zwar eine hohe Mauer, aber sonst keine Verteidigungsanlagen. Deshalb wird angenommen, dass es als Jagdschloss konzipiert war. Bei der Restaurierung in den 80ern entdeckte man eine 17m tiefe Abfallgrube.Hier wurde ein marmorner Stauferlöwe gefunden. Wahrscheinlich bemühten sich die Nachfolger der Staufer, die Anjou, alles, was an die Staufer erinnerte, zu entfernen.
    vivien-und-erhard.de/forum/wcf/index.php?attachment/37435/




  • Im verschlafenen Ripacandida verbirgt sich ein Kirchenjuwel. Sie wird auch "KIrche der Armen" genannt, denn an Wänden und Decke sind Fresken von wesentlichen Bibelszenen (ca. 14./15.Jahrh.) zu erkennen.
    Z.B. ist die Arche zu sehen mit Tieren, die der Maler nur aus der Fantasie und Bibelbeschreibungen malen konnte. Vom Sehen kannte er sie vermutlich nicht. Oder
    Eva verführt Adam im Garten Eden mit dem Apfel, den er auf dem Fresco ablehnt. Die Schlange am Baum hat einen behaarten Körper und einen Frauenkopf.
    Auch die Orgel, die bemalt war, hat uns gefallen.