Ein Wochenende in Brünn

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    • Ein Wochenende in Brünn

      Von Brünn kannten wir nur das, was man vom Zug aus sieht, wenn man auf dem Weg nach Prag ist. Eigentlich schade, denn Wien und Brünn trennen lediglich 130 Kilometer. Also: Auf in die zweitgrößte Stadt Tschechiens und Hauptstadt Mährens!

      Am Freitag morgens regnet es in Wien in Strömen, aber der Wetterbericht verspricht tagsüber Besserung und für das komplette Wochenende Sonnenschein. Als wir dann um ca. 14 Uhr in Wien wegfahren, lichten sich die Wolken und in Tschechien scheint die Sonne. Wir machen in der Altstadt von Mikulov Kaffeepause und fahren durch das Landschaftsschutzgebiet Pálava in Richtung Brünn.


      Fahrpause bei den Thaya-Stauseen Nové Mlýny-dolní


      Das gebuchte Hotel Europa finden wir auf Anhieb. Es erweist sich als Glücksgriff, denn die Lage ist für unsere geplanten Aktivitäten wirklich gut und wir können das 2-Rad im Innenhof abstellen. Danach geht es erst einmal ins Zentrum, um uns einen Überblick zu verschaffen. Am besten gelingt das von einem erhöhten Aussichtspunkt, deshalb erklimmen wir die 151 Stufen des Turms vom Alten Rathaus.


      Blick zur Kathedrale St. Peter und Paul


      Panorama aus drei Einzelfotos, im Handy mit Bimostitch zusammengefügt


      Auf dem Platz der Freiheit findet gerade ein Weinfest statt. Die Stimmung ist sehr gut, die Leute sind freundlich und entspannt, die Sonne scheint, der Wein schmeckt, das Bier auch. Ein sehr schöner Einstand!


      Weinfest (gibt aber auch Bier)


      Gegrillter Käse mit Blaubeermarmelade auf Brot
      12/2016 Köln ... 01/2017 Südafrika ... 05/2017 Manchester ... 02/2018 Vietnam (Teil 4)
      reiseweg.at ... flickr.com/photos/nodurians/sets/

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    • Vor der St.-Jakobs-Kirche findet ein Konzert statt und die Kirche selbst ist spätabends auch geöffnet. Schnell wird klar, dass heute in Brünn "Lange Nacht der Kirchen" ist. Das wird auch eine lange Nacht für uns. Zuerst sehen wir dem Organisten in St. Jakob genau auf die Finger, später lauschen wir noch Haydn in der Kathedrale Peter und Paul.


      Organist in der Kirche St. Jakob




      Jazziges davor
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    • Am Samstag starten wir auf dem Krautmarkt, wo es allerdings nicht nur Kraut gibt. Wir haben ein nettes Gespräch mit einem Paar, das selbstgemachte Sirupe verkauft und erstehen einen Tannenwipfel- und einen Melissensirup. Den BrünnerInnen haben es besonders die Erdbeeren angetan.




      Ich bin immer auf der Suche nach Klischeefotos und werde am Bücherflohmarkt nebenan fündig:




      Weiter geht es zur Festung Špilberk. Auf dem Weg dorthin sehen wir einen Pulk von schwarzen Limousinen und Blaulichtfahrzeugen, die auf dem Weg zum Messegelände sind. Dort werden in Kürze die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum Tschechiens begonnen und die Festredner, unter ihnen auch Staatspräsident Milos Zeman, werden wohl gerade zum Gelände gebracht.


      Blick von der Burg Špilberk in den Bezirk Starobrno (Altbrünn). Im Hintergrund das Messegelände, vorne das Nationalheiligtum Basilika Mariä Himmelfahrt und ganz rechts sieht man die Tanks der Brauerei Starobrno.

      Am Špilberk belohnen wir uns mit einem kühlen Bier für den anstrengenden Aufstieg. Dann wandern wir zur Brauerei Starobrno, wo um 13 Uhr eine Führung stattfindet. Wir sind ganz alleine und erhalten somit eine Privatführung in deutscher Sprache. Sowohl die Geschichte der Brauerei als auch der Herstellungsprozess wird erklärt. Hier ein Foto vom Ende der Abfüllanlage, die zwischen 12.000 und 15.000 Flaschen pro Stunde schafft.


      Hier sieht man, wie Paletten mit 2-Liter-Plastik(!)flaschen mit Folie umspannt werden.

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    • Hunger! Gut, dass das Starobrno-Braugasthaus direkt neben der Brauerei ist. Wir haben im Rahmen der Führung Gutscheine für Gratisbier erhalten, dazu gibt's einen kleinen Imbiss.






      Jetzt wollen wir aber auch zum großen Fest der Tschechen (und Slovaken). Nach dem Ende des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren kam es zur Staatsgründung der Tschechoslowakei. Zu diesem Thema gibt es heuer in ganz Tschechien Veranstaltungen und Feierlichkeiten. In Brünn finden sie im Rahmen des "Festival Re:publika" auf dem Messegelände statt. Das Areal wurde 1928 mit der "Messe der zeitgenössischen Kultur" eröffnet. Die Hallen sind von verschiedenen tschechischen Architekten im funktionalistischen Stil errichtet. Bis 17.6. gibt es hier Ausstellungen, Konzerte und vieles mehr zu sehen.


      Das Messegelände, im funktionalistischen Stil von verschiedenen tschechischen Architekten erbaut, ist auch ein Highlight

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    • Am Sonntag starten wir mit einer Fotoausstellung im öffentlichen Raum. Vor der St.-Thomas-Kirche werden Bilder der Tschechischen Presseagentur ausgestellt, die besondere Momente der letzten 100 Jahre zeigen. Politisch relevantes, aber auch besondere Momente aus Kultur und Sport, wie zum Beispiel Antonin Panenkas legendärer Elfmeterschupfer im EM-Finale 1976. Diese Art Elfmeter zu schießen, nennt man bis heute Panenka-Heber. An Panenka habe ich sehr gute Erinnerungen. Er hat ja danach 4 Jahre bei Rapid Wien gespielt und war ein toller Mittelfeldspieler mit viel Übersicht und außerdem der perfekte Freistoßschütze.




      Nun geht's aber zu der Sehenswürdigkeit, wegen der wir überhaupt erst auf die Idee gekommen sind, eine Städtereise nach Brünn zu machen: Die Villa Tugendhat. Es handelt sich dabei um ein Einfamlienhaus, das Ludwig Mies van der Rohe, erbaut hat. Mies van der Rohe ist einer der bedeutendsten Architekten und Designer der Neuzeit. Villa Tugendhat gilt als Meilenstein der modernen Architektur. Das Haus ist fast 90 Jahre alt und mit seinen klaren Linien und dem offenen, loftartigen Charakter immer noch topaktuell. Eine der Devisen von Mies van der Rohe war "Weniger ist mehr". Villa Tugendhat zählt übrigens zum Kulturerbe der UNESCO. Für die Führung haben wir uns bereits im November angemeldet, die Plätze sind äußerst rar.


      Straßenansicht. Das Haus hat Hanglage, man sieht nur das Obergeschoß, in dem die Schlafräume mit angeschlossenen Bädern untergebracht sind.



      Blick vom Garten auf die Villa. Die großen Glasflächen, ein Markenzeichen von Mies van der Rohe, können komplett versenkt werden. Die Konstruktion ist immer noch funktionsfähig.



      Ein kleiner Teil des 280 Meter großen offenen Wohnraumes mit Blick auf Wintergarten und Garten. Innen und außen im fließenden Übergang. Vor 90 Jahren eine Sensation, heutzutage immer noch erstrebenswertes Ziel einer Hausplanung. Ah ja, den Freischwinger hat Mies van der Rohe erfunden! In der Villa Tugendhat gibt's einige unterschiedliche Modelle zu sehen.



      Ein Schlafraum. Von der Originalmöblierung der Villa sind nur noch etwa 5% enthalten, da das Gebäude verschiedenste Nutzungen erlitten hat. U.a. war es Wohnsitz von Fritz Messerschmitt, Gestapo-Quartier und Kinderspital. Alle Räume wurden jedoch originalgetreu rekonstruiert. Und die Möbel sind sowieso Designklassiker, die immer noch gebaut werden.
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    • Alleine für den Kaufpreis der Wand aus Onyx hätte man damals ein komplettes Einfamilienhaus errichten lassen können. Bei aller Schlichtheit, man muss sich vorstellen, dass Reichtum damals schon alleine durch eine prunkvolle, verschnörkelte Fassade zur Schau gestellt wurde, ist die Villa ein unglaubliches Luxusanwesen mit 2.000 m2 Wohnfläche in bester Lage. Die grünen Sofas heißen Barcelona, sind selbstverständlich ein Entwurf von Mies van der Rohe und werden immer noch (von Knoll) hergestellt.



      Auch eine Führung durch die Haustechnik haben wir erhalten. Das Gebäude hatte schon damals so eine Art Klimaanlage. Die Luft wurde wahlweise über Steine und Salz geleitet und wassergekühlt oder erwärmt und danach über Lüftungsschlitze (keine Heizkörper!) in die Räumlichkeiten geleitet.

      In meinem flickr-Album (flickr.com/photos/nodurians/albums/72157697254862215) gibt's noch mehr Bilder der Villa Tugendhat. Alleine für die ca. 1 1/2 Stunden in der Villa hat sich die Anreise nach Brünn gelohnt. Eine Wohltat, egal wohin man schaut! Und fast unglaublich, dass das alles vor 90 Jahren designed und gebaut wurde. Das ist wirklich große Architektur.


      Auf der Heimfahrt haben wir dann noch einen kleinen Umweg gemacht. Über Nebenstraßen sind wir wieder durch das Landschaftsschutzgebiet Pálava zum Schloss Lednice und von dort über einen winzigen Grenzübergang (Valtice/Katzelsdorf) nach Österreich gefahren.


      Schloss Lednice, der Sommersitz der Liechtensteiner




      Das Minarett ist fast zwei Kilometer vom Schloss entfernt. Garten, Park und Umgebung bieten noch genügend Betätigungsfelder für einen weiteren Besuch.


      Diese freitragende Treppe wurde aus dem Holz einer einzigen Eiche gefertigt.
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    • Brünn ist definitiv eine Reise wert! Überhaupt wenn das Wetter so toll ist, und zufällig (!) Veranstaltungen wie "100 Jahre Tschechien", "Lange Nacht der Kirchen" oder das Weinfest auf dem Freiheitsplatz stattfinden. Aber auch sonst gibt es genug zu entdecken. Wir haben schon eine Liste für's nächste Mal angelegt (Burgführung, Kathedrale erklimmen, botanischer Garten, Villa Stiassny, ...). Wir sind übrigens nur auf nette, freundliche Leute getroffen. Auch das spricht für einen Stadtbesuch von Brünn.

      Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke:





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    • Nettes Städtchen. Das Wochenende habt Ihr ja perfekt rausgesucht.
      Danke für die Eindrücke.

      VG
      Gusti

      redfloyd............................................. Gusti

      Heaven is where the police British, the cooks Thai, the mechanics German, the lovers Italian and it is all organised by the Swiss.
      Hell is where the cooks are British, the mechanics Thai, the lovers Swiss, the police German and it is all organised by the Italians.
    • Brünn gefällt mir, da habt Ihr ja viel Glück mit allem gehabt! Mies van der Rohe kenne ich nur aus Chicago, wobei es ja wohl auch genügend Bauten in Deutschland gibt, wie ich jetzt durch Googeln erfahren habe.
      Ich sollte den Ort vielleicht mal in die nähere Auswahl ziehen, wenn wir in Richtung Rumänien fahren.
      Viele Grüße
      Petra
    • NoDurians schrieb:

      Ein kleiner Teil des 280 Meter großen offenen Wohnraumes mit Blick auf Wintergarten und Garten. Innen und außen im fließenden Übergang. Vor 90 Jahren eine Sensation, heutzutage immer noch erstrebenswertes Ziel einer Hausplanung
      Es ist wirklich unglaublich, dass dieses Haus schon 90 Jahre alt ist. Ich mag ja so "moderne" Häuser zwar weniger, aber dieser Blick in den Garten - Du schreibst das so schön - ein erstrebenswertes Ziel einer Hausplanung!!!!

      Danke für die schönen Eindrücke, wirklich interessant!

      LG Quaxi
    • Ich war von Brünn echt positiv überrascht. Die Innenstadt ist richtig hübsch und es gibt viel zu sehen und zu tun. Wir haben vor, in der Adventzeit nochmals nach Brünn zu fahren.

      Nur damit keiner nach Brünn fährt und dort die Treppe sucht: Die befindet sich in Schloss Lednice, 50 Kilometer südlich von Brünn. Dort kann man an drei verschiedenen Führungen teilnehmen, durch den Garten schlendern, das 91 Meter lange Gewächshaus besichtigen, auf der Thaya Boot fahren, Kutschenfahrten machen, einer Greifvogelschau beiwohnen, in der Umgebung radfahren, ...

      Schloss Lednice erreicht man von Wien mit der S-Bahn bis Břeclav. Von dort fahren Busse bzw. von April bis September ein historischer Zug nach Lednice.


      Mikado schrieb:

      Ich sollte den Ort vielleicht mal in die nähere Auswahl ziehen, wenn wir in Richtung Rumänien fahren.
      Dann kann ich Dir - vor allem, wenn ihr mit den Motorrädern unterwegs seid - das Hotel Europa empfehlen. Dort gibt's Parkplätze im Innenhof.
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    • Danke, ja es wäre dann mit dem Motorrad im nächsten Jahr. In meiner Vorabplanung habe ich bisher nur ein Mittagessen in Brünn geplant und die nächsten beiden Übernachtungen dann in Bratislava. Aber das Städtchen reizt mich schon. Lednice läge ja auch auf unserer Strecke. Mal schauen, im Moment wird anderes geplant. ;)

      Viele Grüße
      Petra
    • Wien und Bratislava sind die beiden europäischen Hauptstädte mit der geringsten Distanz. In einer knappen Stunde sind wir mit dem Zug in der slovakischen Hauptstadt. Das ist für uns Wiener ein Sonntagsausflug. Ich hab dort trotzdem schon einige Male übernachtet, zuletzt anlässlich eines Jazzfestes. Aber Brünn ist bestimmt spannender und vielfältiger als Bratislava.

      Die Donaufahrt nach Bratislava ist eher was für Touristen. Bis ich bei der Einstiegsstelle am Schwedenplatz in Wien bin, bin ich mit dem Auto schon in Bratislava. :D
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