JPEG-Only: Reuters verbietet Raw

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    • Hallo,
      ein interessantes Thema finde ich!


      Viele Fotografen schwören auf das Raw-Format, der Qualität zuliebe. Die Nachrichtenagentur Reuters besteht inzwischen aber auf JPEGs direkt aus der Kamera. Und dafür gibt es gleich zwei gute Gründe....

      Der Strategiewechsel bei Reuters soll nicht nur Geschwindigkeitsvorteile bringen, sondern auch die Authentizität der Aufnahmen garantieren. Die umfangreichen Nachbearbeitungsmöglichkeiten von Raw werden sehr häufig genutzt, um ein Bild künstlerisch zu verfremden. Beispielsweise, indem man bestimmte Lichtstimmungen verstärkt, Schatten aufhellt oder Lichter abdunkelt. Aus der Sicht einer Nachrichtenagentur sind diese Bearbeitungen nicht wünschenswert, weil sie den originalen Look einer Aufnahme erheblich verändern können.


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      Viele Grüße
      Petra
    • Diese Meinung entspricht absolut meiner, denn ich mag auch keine bearbeiteten Bilder, sondern ich will sie so haben wie es eben war.
      Manipulieren kann ja lustig sein, auch verschönern, verstärken, allles o.k. und machbar.
      Für mich ist es dann aber nicht mehr mein tatsächlich gesehenes Bild.
      Dass viele das anders sehen ist mir vollkommen klar aber jeder kann es ja machen wie er es möchte.
    • Hi Maxi,

      ich fürchte, Du hast eine sehr romantische Vorstellung von der Fotografie.

      Maxi wrote:

      Diese Meinung entspricht absolut meiner, denn ich mag auch keine bearbeiteten Bilder, sondern ich will sie so haben wie es eben war.

      dann musst Du Deine Bilder aber unbedingt bearbeiten. So wie sie aus der Kamera kommen ist es nicht, wie es war, sondern wie es von der Kamera aufgezeichnet wurde ... nachdem sich das Motiv durch das Nadelöhr der optischen Gesetze und der elektrischen Physik gezwängt hat und massive Manipulationen erleiden musste, die die sich die Entwicklungsabteilung Deines Kamera-Herstellers mehr oder weniger willkürlich ausgedacht hat, damit es einer mittelmäßigen Mehrheit gefällt.

      Ciao
      HaPe
    • Tja, da ist sie die Antwort des Profis. Das hab ich nun davon. :D
      Ich bearbeite sie trotzdem nicht bzw. das wär gelogen, sagen wir kaum. Ich schneide manchmal was weg am Rand was mich stört aber ich zaubere keine Kabel weg, mach den Himmel nicht blau wenn er es eben nicht war, bin aber glücklich wenn meine Kamera es so macht wie ich es in Erinnerung habe.
      Warum und wieso es so wird oder nicht entzieht sich meiner Kenntnis, weil ich mich absolut nicht damit beschäftige.
      Ich lese aber immer wieder mit Begeisterung eure fachmännischen Ansichten und Ausdrücke hier und bewundere was ihr alles wisst, obwohl es für mich eine andere Sprache ist.
      Jedem das Seine - und mir das meine und das ist nicht das Verständnis für Technik.
    • Aus der Sicht von Reuters ist das durchaus nachvollziehbar.
      Man darf aber nicht vergessen, dass es sich hier um Fotos im Bereich Foto-Journalismus handelt, die anders bewertet werden, als wenn Fotografen ihre Fotos eher mehr künstlerisch sehen.

      Ich bin 2 Mal auf dem großen Lumix Festival in Hannover gewesen, eine Ausstellung für junge Fotojournalisten, die dort Foto-Reportagen über ein selbst gewähltes Thema ausstellen.
      Als ich das erste Mal dort war, war ich irritiert über das ein oder andere Foto, welches bei mir im Müll gelandet wäre, weil irgendetwas an dem Foto nicht perfekt war.
      Erst dann habe ich begriffen, dass es sich hier eben um Foto-Journalismus handelt und es so auch nicht immer auf das " perfekte " Foto ankommt, sondern die Aussage des Bildes noch einmal mehr Bedeutung hat, als bei einem normalen Foto.


      " Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist. "
      ( Jean Paul )

      Mit der Kamera unterwegs
    • Hallo Maxi,

      Maxi wrote:

      Das hab ich nun davon. :D

      tja, Maxi. Nimm´ ihnen ihr Spielzeug weg und dann werden aus den umgänglichsten Knipsern urplötzlich wilde Bestien :D .

      Was Du beschreibst, geht schon eher in die Richtung Retusche. Hier ist das ursprüngliche Bild das Ausgangsmaterial, aus dem nach Herzenslust im Extremfall ein völlig neues Bild kreiert wird. Aber darum geht es eigentlich gar nicht.

      Ich zeige mal mal Beispiel. Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als 1000 Worte :) .

      Stelle Dir mal folgende Szene vor: Hoher Sonnenstand, viele Wolken, Gegenlichtsituation. Ein Alptraum für jeden Fotografen. Du knipst ein Foto mit einer wirklich sehr guten Kamera und das kommt heraus ... ein fertiges JPEG:

      [center][/center]

      Und es ist ... Müll. Jeder andere Begriff wäre unzutreffend. Was immer Du an der Kamera verstellst ... das Ergebnis wird nicht besser. Weiter überbelichten würde den Himmel noch mehr ausbrennen, als er sowieso schon ist, weiter unterbelichten würde das Motiv noch weiter im schwarzen Nichts verschwinden lassen. Ein Grauverlaufsfilter würde die Stupa abdunkeln. In diesen Situationen siehst Du beispielsweise Hochzeitsfotografen mit einem Blitzlicht durch die Gegen laufen, obwohl eigentlich strahlender Sonnenschein ist: Sie wollen damit nicht das Motiv beleuchten, sondern die Kontraste reduzieren. Bei dem gezeigten Motiv aber ein Ding der Unmöglichkeit. Das sind so Momente, in denen sich der Fotograf in ein Cafe setzen und auf besseres Wetter warten sollte.

      Und nun knipsen wir gleich nochmal, diesmal stellen wir die Kamera aber von JPEG auf RAW um:

      [center][/center]

      Das Ergebnis ist immer noch kein Meisterwerk und taugt - wenn überhaupt - nur als Erinnerungs-Schnappschuss, aber Du siehst, was ich meine. So wie das zweite Bild ist, habe ich die Szenerie in Erinnerung: Immer noch harte Kontraste und Schatten im Gegenlicht, aber man konnte gleichzeitig Strukturen im Himmel, in dem Gebäude und in der Kleidung der Menschen erkennen.

      Jetzt frage ich: Welches Bild lügt mehr: Das, auf dem man nichts sieht, oder das, auf dem man erkennen was gemeint ist und was ich so in Erinnerung habe?

      Ciao
      HaPe
    • Hallo Maxi,

      Maxi wrote:

      Und es wurde echt nur von Jpeg auf Raw umgestellt und sonst gar nix verändert und es ist so viel Unterschied?

      nun ja, ein RAW-Datei wird auf halbem Weg zum Bild vorzeitig aus der Kamera gezerrt und muss außerhalb mit einem sog. RAW-Konverter (-Programm) am PC erst noch fertig gerechnet werden. Das macht die Kamera bei JPEG alleine in dem Moment wenn das Bild geknipst wird ... bei RAW muss das der Fotograf abends nachholen. Und dabei wurde an den Reglern für die Tiefen und die Lichter gedreht und der RAW-Datei entlockt, was in ihr steckt. Also nichts weg- oder hinzu gedichtet, sondern einfach nur sichtbar gemacht, was nicht sichtbar ... aber vorhanden war. Mit JPEG aus der Kamera hätte das nicht funktioniert.

      Und wenn ich nun nicht einen Tempel in Peking, sondern als Reportagefotograf das Foto meines Lebens geschossen hätte, ein weltgeschichtliches, unwiederbringliches Ereignis der Zeitgeschichte und Pulitzerpreis-würdig, dann würde Reuters jetzt sagen: "nööö, wollen wir nicht. Falsches Dateiformat!". Bei allem Verständnis für die Motivation ... aber das kann es doch auch irgendwie nicht sein.

      Ciao
      HaPe
    • Ich habe auch lieber die nicht bearbeiteten Bilder, wobei es manchmal ja nicht anderes geht, weil man schnell die Kamera nimmt un den einen Moment festhält. Wenn der dann nicht so gut ist, ist es schon hilfsreich wenn man dann das Bild bearbeiten kann..
    • Meine Bilder werden grundsätzlich in JPEG und in RAW aufgenommen und abgespeichert. Wenn ich auf Reisen bin und nicht so viel Zeit habe, dann greife ich schon mal auf die JPEG-Version zurück. Manchmal sind die RAW-Konverter der Kamera (wie bei der X100S) super gut. Wenn aber das Bild ohnehin bei schlechten Lichtverhältnissen aufgenommen wurde, dann entwickel ich es natürlich selber und konvertiere das RAW in JPEG.
      Man sieht es ja, was man aus einem Bild noch herausholen kann.

      Viele Grüße
      Petra